Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-11-06 · 45 (6.11.1931) · p. Seite 521

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
45 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277931--07030-2287899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

521 ttcfjs fcerufjen und von gndt-eutcn, nicht aber, wie von anderer Seite vorgcschlagen chvurdo, durch die Beamtenbürokratie der jüdischen Gewciuden verwaltet werden. Ter Vorsitzende betonte im Schlußwort, eZ sei keineswegs' geplant, etwa ein Netz jüdischer Genossenschaften in Teutschland auszubauen. sondern nur da, wo die Notwendigkeit vorliegt und die genügende Zahl jüdischer Bürger wohnt, wiMetwa in Berlin und einigen wenigen Großstädten des Reiches, solche Institute zu errichten. Tas hindere nicht, sich für die Fdee der jüdischen Vermögensakkumulation einzusetzen. E. 0. L. Brrrrw Weil: „Glück und Elend des Generals Boulanger." Verlag Tr. Walther NoLschild, Berlin - Grnncwald. Preis gebunden 6,40 Mk., broschiert 4,80 Bit. Das neueste Buch von Tr. Bruno Weil, aus dem wir bereits in Nr. 37 der „C. V.-Zeitung" einen Abschnitt veröffentlichen konnten, gibt eine außerordentlich packende Schilderung dcr Nachkricgsjahre 1871 bis 1894. Aktuell durch die Parallelität der nationalistischen Beuegung jener Epoche und unserer Tage, lehrreich, weil jene Verlegung der heutigen Generation zum Teil unbekannt, zum Teil durch die Gchuoere der nachfolgenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Teutschland aus dem Bewußtsein entschwunden ist. Tie Entwicklung vom Nevanchegedanken des besiegten Volkes bis zum Höhepunkt des Boulangismus ist in ihrer psychologischen Wurzel ein 'Vorbild d-er deutschen Entwicklung von 1915 bis zum 14. September 1930. Ter kleine unbekannte Leutnant Ernst George Maria Voulanger, der ans heldischem Ehrgeiz nach Tunis zieht, nach einer phantastischen militärischen Karriere zum Kriegsminister und Politiker wird, bietet das seltene Bild eines Aufstiegs, der nicht durch die Begabung der Persönlichkeit berechtigt, sondern viel mehr durch die Zeitumstäude begünstigt ist. Ter General, der unter Hinwegsetzung über die militärische Tisziplin die politische Führung an sich reißt und, getragen durch das lcichtentzündliche Temperarnent des französischen Volkes, fast bis zu den Stufen des Prastdentensessels emporsteigt, arbeitet mit den gleichen Mitteln, mit denen der Nationalsozialismus in Teutschland einen Teil seiner Erfolge erzielt hat: Phrasen, tönende k-ccden in Masieweersammlungen, militärische Aufzüge, Paraden und eine Flut von Truckfachen und Pamphleten. Aber dieser Propagattd-astrom richtete sich auf ein Volk, das zwar besiegt war, aber keine wirtschaftliche Not kannte, wie das deutsche sie heute durchmacht. Taß neben die Politische noch die wirtschaftliche Wurzel tritt, macht diese deutsch nationalistisch Bewegung so ungleich ernster, als die französische cs trotz aller Augenblickserfolge damals sein konnte. Bonlangcrs schneller Sturz, das Plötzliche Zurückschuellen der boulangistischen Flut ist nicht nur durch die Unzuverlässigkeit seines Führertums, das immer seiner ihn völlig ^herrschenden Liebe zu Margerite von Bonnemains unterlag — bedingt, sondern beweist auch wenn es im Buch auch unausgesprochn bleibt, daß letzten Endes das französisch Volk, da es sich im wirtschaftlichen Gleichgewicht befand, zu viel bei diesem Experiment aufs Spiel zu setzen fürchtete. Jnteresiant ist, daß Boulanger einer Propagandamöglichleit völlig aus dem Wege ging: als an ihn das Ansinnen gestellt wurde, Antisemit zu werden, erklärte er: „Nein, ich bin kein Antisemit, ich bin ein zu großer Anhänger der Gleichheit aller Franzosen vor dem Gesetz, CspE' ÜblOIl WMägMLÜ «Ich will nicht versäumen, Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste ^Chlorodonl" nicht nur reine, weiße Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr Cblorodont aufs beste rmpsehlen." gez. E. 6., Mainz. Man verlange nur die echte ChlorodLnt-Zahnpails, Tube 54 Pf. und 90 Pf^ und weise jeden Ersatz dafür zurück. als daß irgendein Kultus, irgendeine Nasse fürchten müßte, daß ich sie versolgeu könnte/ Das historische Kapitel Boulanger wird uns in diesem Buche in einfacher, wahrheitsgetreuer, ab-cr gerade dadurch erschütternder For:n nahegebracht. Tas dramatische Leben dieses Menschen. der das französische Schicksal jahrelang cm sich zu reißen drohte und Frankreich und Teuckchlaud dicht an den Rand eines Krieges ährte, vermag uns heute noch über das gechich:liehe Interesse hinaus zu bewegen, weil 'ein menschliches, männliches Herz hinter allen Entscheidungen stand und den Führer schließlich selbst besiegte, vr. Margarete Edelheim. Ernst Schässerr vPour le Merite. Flieger im Feuer." Vertag Union Deutsche Verlagsanstalt. Berlin. Preis in Leinen 8,80 Mark, brosichert 6,80 Mark. Tas Ehrenbuch der deutschen mit denn Pour le Mente ausgezeichneten Kampfflieger ist ein verdientes Ehrenmal für die Helden der Luft vom Range eines B o e l ck e und eines Nichth o f e n. Von den 82 Fliegern, die der Poiir le Mente zierte, sind nicht weniger als 48 gefallen. Ehre ihrem Andenken! Uns interessiert das Buch noch nach anderen Richtungen. Zu diesen Kühnen, die den Tod fürs Vaterland fanden, zählt auch William Frankl, jüdischer Abstammung. Ter Verfasser des Buches, selbst ein geachteter Kriegsslieger, ist ein wertgeschätztes Mitglied des Eentralvereins. Es ist erfreulich, daß Felix T h e i l h a b e r die .jüdischen Flieger" Schild-Verlag) so liebevoll würdigt, und es ist erfreulich, dm) ein jüdischer Teutscher mit diesem Buche den Pour-Ie-öckentS-Ftiegern die deutsche Tanckesschuld abgestattet hat.'Tas Buch, mit einem Tankschreiben des Reichspräsidenten und dem Andenken des als Leutnant gefallenen Bruders des Verfassers gewidmet, hat den Vorzug, daß seine vierzehn Lebensbeschreibungen der bewährtesten Kampfflieger so frisch und so ansprechend geschrieben sind, daß sie mit ihren Merkwürdigkeiten und mit der Abenteuerlust, die durch sie weht, oft mehr einem Roman, als einem trockenen Lebensbericht gleichen. A. AY. Emil Lind: „Arabismns, Zionismus." Sper-cr, Leipzig. (Julius Krarrzbühler u. Eo.) 1931. 255 S. Preis gebuuden 5 Mark. Ter Verfasser dieses Palästinabuches — es ist eine Reisebeschreibung. nicht etwa eine politische Abhandlung —, ein evangelischer Geistlicher, hat mit offenen Angen Palästina und Syrien bereist. Ter Titel des Buches „Zionismus" kommt zu seinem Rechte; denn der Vochasser bringt eine Reihe von Mitteilungen. d:e ihm ersichtlich aus amtlichen zionistischen Quellen zugeftossen sind und die naturgemäß irgenduoelche Neuigkeiten nicht bieten können. Seine Einstellung, die die Freundschaft mit dein Zionismus und seinen Leistungen in Palästina auf Schrat und Tritt beweist, beeinstustt rhu in seiner Tarstellung. Im Nachwort allerdings (S. 247 bis 249) sicht er {(or die ernste Problematik und die gewaltigen Schwierigkeiten, die steh durch daZ Verhältnis Araber und Zionisten ergeben. Wird der Zionismus also und seine Leistungen verhältnismäßig ausführlich dargestellt, so kann man das Gleiche vonr „Arabismus" nicht behaupten. Eine wirklich gediegene, ausurhrliche Wiedergabe der' arabischen Einstellung zunr Zionismus sehtt. So muß zwangsläufig ein einseitiges Bild der Palästiuaverhältniye entstehen. Soeben erschien die Zweimonatsschrift DER MORGEN Begründer: Julius Goldstein. Jahrgang 7 Heft 4 Hans Herzfeld: Geistfeinclichkei: und ihre politischen Auswirkungen. — Friedrich Franz von Unruh: Liebe und Tod im Werk R. M. Rilkes. — Hans H a r t m a n n : Der Weltfriecenkongrsss der Religionen. — Ernst von Aster: Hegel. Ein Gedenkblatt zu seinem 100. Tcdestag (14. Nov. 1931). — Lore Seligmann: Negativismus? — Eva Reichmann- Jungmann : Nachwort zü „Negativismus“. — Hugo Hahn: Die Judenmissicn. — Anna L ewy : Ernestine Eschelbacher. Zum Gedächtnis. — Erwin Lind: Die berufliche und soziale Struktur der Juom im Deutschen Reiche. — Hans Bach: Die Schaustellung Gottes. Egon Friecells: Kulturgeschichte der Neuzeit u. a. m. Preis M. 2,25. rao-Msä ml Büsifteäi G. za. b. PL Tel. 12 Oliva 5974 lSFuII ü 15 Edier Slnjss 42. Abgesehen von diesem zu beanstandenden Mangel i>t das Buch unterhaltend geschrieben, so daß es jemand, dev nach Paläüina reck:, wenn er noch andere geeignete Bücher dazanimmt, sehr wohl als leichte Neisekost oder zur Vorbereitung genießen kann. Eine Reihe von Bildern schmück: das Werk, von denen einige gelungene neu sind. Tie anderen entsprechen in großer Zahl bekannten Aufnahtnen der American Golony in Jerusalem und so-gar des wüHeren Photographen Dietrich in Kairo. A. \V. Das hebräisch s Märchen Nach einer Abhandlung von Bernhard Heller. Tie Kinder-- und Hausmärchen, gemmmel: von den Brüd-ern Grimm, sind in den meisten deutschen Häusern bekannt. Wenige aber misten, daß die Brüder Grimm unter dem allzu bescheidenen Titel: „Anmerkungen zu den K:nder- und Hausmärchench wichtiges Material mr Märchnlireratur überhaupt, ja eine Geschichte des Märchens niedergelegt haben. Tiefe Anmerkungen, die acht Bände umsanen sollen, erscheinen jetzt, neu Erarbeitet von Johannes Botte und Georg Polivka ') Ten uns interessierenden Teil des hebräistchen und daneben auch des arabischen Märchens bat Professor Tr. Bernhard Heller' in Budapest herausgegeben. Unter hebräischen Märchen versteht der Versager nur solche, die in hebräischer und hebräisch-aramäi'cher Sprache versaßt sind. Wir finden solche in Palästina und Babrlon, im Europa der mohammedanischen und der christlichen Zeit. Heller untersucht zuerst Fabeln. Echwänke und Bl ä r ch e n in T a! m u d u n d M i d r a s ch. Er tue ist auf folgende märchengeschichtlich wichtigen Stoffe dieser Literatur hin: „Ring oder Pstrle im Fckach: „Gc^ld im Stock": „Ter Blinde und der Labane". Sodann geht er die Sannnltrngen von belanm.cn Versäuern hebräischer Märchen dtwch. T>nch überragt tas Erzähluugsbuch des Risst: m Ben Jakob B e n Ni s s i m I b n crwah i n , der in der ersten Hülste des 11. FahihunNrls lebte. Tas Werk, das eine große Verbreitung und eine cigcnarrige Geschichte hat. ist außergewöhnlich irüh gedruckt worden (in Konstant:, nopel 1.sl9), und daun in wie der: olier — *) Im Leipzig. Verlag der DieLer'.ch'schcn Duchr.rndtunz ln

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.