Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 44 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- Seite 513 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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513 72ÜW.On&i7i hihm Schnitzler Wir begraben den größten jüdt'chen Dichter dieser Zeit. Vor ihm — av..:r. ivo: das' Gestern noch? — gegenübergesesstn hat, wird es erschüttert sich versagen, der Menschlichkeit dieses Äkannes heute mit Lorten zu gebeuten, die jedcin Grabredner und Nelrowaerzeugcr bei jedem Anlaß verwandter Art ohne wägende Ueberlegung glatt von den Lippen gehen. Auch ist an dieser Ltelle nichts auszu'agen über das Werk; das ist Lache der Literaturgeschichte — und wird noch eine Lache der Literaturgeschichte sein, wenn man unser aller Namen nicht inehr kennt und nennt. Bleibt hier zu beleuchten: was war und ist dieser Heimgegangene uns? Uns deutschen Juden? Als Dichter hat es Arthur Lchnitzler in seinen Ansängen nicht leicht gehabt: sein erstes Schauspiel wurde von den Theatern mit -hohn zurückgewiesen, den Pfahlbürgern galt er als Libertiner. Verführer, weichlicher Genußmensch, llnt so leichter hatte er cs als Jude: er wuchs aus, wurde reis in der Zeit, die, historisch gesehen. als bürgerlicher Liberalismus" oder, um die politische Phraseologie der Gegenseite zu benützen, als..Judenliberalismus" bezeichnet!vird — in einer Zeit, da (kaum mehr vorstellbar sür uns Heutige!) die Bezeichnung Antisemit als Schimpfwort galt und Adel und eingesessenes Großbürgertum darin wetteiferten, sich mit Ju- Lo nur, nur aus dieser IhiieTnnoeuneir neraus, Archur Behuf,«er, nach IleberwLadung, jener PfahWürgeiwiöerstände fimfttvitifcf;tr tur, das werden, was er geworden ist: der repräsentative Dichter des deutschen Lesterreich, der Lichter des dentschösterreichischen Bürgertums. Lagen wir es offen: cs ist vor ihn und neben ihm hinein Juden gelungen, jo eindeutig, so restlos, w ohne jede rassische oder religiöst Besonderheit ein deutscher Lichter und sogar der Tichter eines deutschen Ltammes zu werden, der dialekwernvurzelt, erdveruvurzelt ist wie kaum ein anderer deutscher Ltamm. Gs wäre da allerdings etwas zu sagen über die Loziologie jenes Bürgertums typisch österreichischer Prägung, dessen Gestalten, vom Tichter des „Anatol" zn literarischem Leben erweck!, ihren Leg um die Bllelt angetreten haben (und heute, mißverstanden, zu Tode gehetzt und verkitscht in den Hirnen der Tousilmsthreiber ein posthumes Leben rühren, das kein Leben mehr ist). Auszuzeigen wäre da, wie die spielerische Wehmut einer sterbenden Lchicht, die Wehmut eines müden Ltaates und die jahrtausend-alte Wehmut des Judentums zusauuucuströmten zu jenem Dreiklaug von Tod, Liebe. Landschaft, der den Werken Lchuitzlers die unvergeßliche Melodie gibt. Aber nochmals: das im einzelnen dar.zuftellen, ist Lache der Literaturgesclsichte. Nur so viel: in zwei Dichtern klang diese österreichische Melodie, in Arthur Lchnitzler und seinen! jüngeren, vor ihm verstorbenen Freunde H u g o von H of mn ii n s thal — und beider Ahnen gehörten nicht zu den Nibelungen, die die Ostmark eroberten. (Und beide, jüdisches Lchicksal, wurden vor der Zeit gebrochen durch familiäres Leid: Lwfmannsthal starb am Tode seines Lohnes — Lchnitzler wurde über Nacht ein Greis, als seine Tochter von ihm. ging.) Dichter einer sterbenden Lchicht. Mit dem LLerben dieser Lchicht ist es um unseren Toten. | V'K- < --V! ■' . ' - Träger eines Leliruhms, in den Jahren nach dem striege ein wenig still geworden. Dem Lchrciber dieser Zeilen hat er — wann war das? Gestern? — einen kleinen Vorfall erzählt, der in mehr als einer Beziehung bezeichnend ist: Gr fährt nach Berlin. Pasiau. Paßkontrolle. Der bayerische Beanne prüft das ihm daraereichte Dokument, reich: es zurück, restektroll, und sagt schmetternd: „Aha! Glaube und Heimat!" Darin aber sehe man nicht einfach die Gntgleisung des schlichten Mannes. Bielmehr: an diesem Punkte übcrschnciden sich zwei Anonymitäten: die des alten Dichters, u:n den es langsam Abend wird — und jene andere, größere, desselben Dichters, der sein Werk, nere p^rennws. geworden sieht zu Volksgut, untrennbar rerbnnden mit anderem Boltsgut, das schon des Verfassernamens eutraten kaum. Trauer nur Lcfscr Ury. Tie Trauerstier für Leiser Ury gestaltete sich zu einer großen Ehrung für den Meister der stunst. Die Jüdistche Gemeinde ehrte sich stlöst, indem sie Ury ein Ghrenbegräbnis und Beistnuug in der Ghrenrcihe bestimmte. Tie Natiorllaalerie war vertreten durch ihren Leiter, Gehennrat Dr. Juiri, und dem Kustos Tr. Thorma.elen:^dcr Vorstand d-er Berliner Rezession mit Broiencr Lpiro an der Lpitze, die Direktion der LcZession mit Dr. Hartuiaun und viele bekannte Künstler, Knustsammler und Lchriftsteller waren mit den näheren Freunden Urys erschienen. Im Namen d-es Vorstandes der Jüdi'chen Gemeinde sprach Direktor ^tahl, im Namen der Rezession Professor Lpiro. Die Trauerrede hielt Nadbmer Dr. Josts Lehmann, der dem Verstorv-eueu persönlich nahestand. Gr schilderte den Menschen und den Künstler und zeigte Urys Ltellung zum Juden- Von Robert Neumann den zu verßnwägeru. ^ra su sich-religiösen könnt t,K, /'/ J 9^ Arthur Schnitzlers Handschrift CU verkleinert) .Mdncheni D3 U OTfD W S ü FD(c]°^D(Pl(c]D3© ü U © Dtj Weil in ihnen 150jährige Erfahrung der Ösferr. Tabakregie im Einkauf des Tabaks, in seiner Lagerung und Behandlung, in der Kunst der Mischung vollendeten Ausdruck findet. / Bitte, überzeugen Sie sich durch Kostproben. 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