Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 44 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- Seite 514 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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514 iSRtliff.-, S spiel!.-, S Sirr.t* u. Lav-Oet, IV« 2?Iench., <■-'0 ^iT.,60: =rr. altbewährt kxi Rheuma, ISchtaZ. Sropf-, Otersen» u. ErrältunzLsch^rer-- 3C3t Ermüdung und Strapazen ZLfztscUn und Örr^erifn. tum. Er war Jude im Tiefsten seines Empfindens. Eine jüdische Knust erkannte er nicht an, aber jüdische Künstler, die ans den Klängen der Psalmen und Propheten, aus den brausenden Tönen der jüdischen Geschichte ein Fluidum in sich lelendig fühlten, das in ihre Werke einsrrömen mußte, So sind seine großen biblischen wilder entstanden. Was er schuß stand aber im Strome seiner Zeit und seines Vaterlandes, hu: er sich tief einzufühlen gewußt in die Seele des märkischen Bodens mit seinen Seen, seinen Birken und Kiefern und seinem eigenartigen Biastzanber. Mit gleicher £:ebe umfaßte er unstre Stadt Berlin, gleich dem großen Dichter der Mark. Als deutscher Meister wollte er gelten und verstanden werden, und als ein über jeder Bartei und Richtung stehender herzenstreuer Jn.e. So wird sein Bild sorileben in unserer Mitte.; SsMK m palästüm Hefähr-ung -es Schulwerks — Der §al! Sentwich — Neurrrichtung -es Ralifais! — Weizmann i. Längere Zeit hindurcch. als die Welt sckon schnoer "unter der Last ' der Wirtschaftskrise seufzte, schien es, als sollte Palästina von ihren Wirkungen verschont bleiben. Man glaubte saß. es würde auch weiter eine Oase in der allgemeinen Düste'der Depression bilden, und man sprach schon kühn von _ der „Supra-Nation.alökonomie". die in Palästina gelte und die crne wirtschaftliche Ausnahmestellung sehr wohl erklären könne. Die Hoffnungen haben nicht lauge Bestand gehabt. Unaufhaltsam rollt die erbarmungslose Walze der Weltwirtschaftskrise auch über Palästina dahin und bedroht es von zweierlei Seiten her: einmal von der Seite der palästinischen Wirtschaft selbst, die um ihren ä'lbsatz bangt und die ihre Arbeitskräfte nicht beschäftigen kann, und zweitens von der Seite der Finanzierung durch Teile des außerpalästinisichea Judentums, die verständlicherweisc stark ins Stocken geraten ist. II. Mf allen Gebieten herrscht Knappheit, ,lo: und Sorge. Im Erziehungswesen ist cs bereits zu einer Katastrophe gekommen. Was lange befürchtet werden mußte, ist eingetreten: Die Schulen der Jewish Agency konnten zum offiziellen Beginn des neuen Schuljahres nicht eröffnet werden, weil die notwendigen Gelder fehlten. Kürzung des Budgets der Agency um 5OM0 Pfund Sterling, Kürzung des Erziehungsbndgets um Pfund Sterling — das und die nüchternen Zahlen, die die Katastrophe dereüsbeschrroren l>aben. Eine lange geplante Reorganisation des gcsarnten Schulwesens, die in der Richtung einer langsamen Verkleinerung und einer Ueberbürdung der Lasten von der Ligency aus die jüdischen Einwohner des Landes geplant war, ging Zu langsam vor sich. Run ist sie von der aus der Rot geborenen Entwicklung überrannt worden, und cs ist im Augenblick noch nicht abzusehen, woher die Lösung kommen 'oll Zwar hört man. daß der größte Teil der Schalen in letzter Stunde eröffnet rverden konnte, hört mich von neuen großen Opfern der palästinischen Jm den. von Verzicht der Lehrerschaft auf ein Monatsgehalt und von einem gleichen Verzicht aller Mitglieder des Deamtenstal>es der Je wich Agency und der Monistischen Fonds. Ob jedoch diese außerordentlichen Ausw-endnngon eine bau« ernde Beseitigung aller Schmierigkeiten ermöglichen werden, ist eine Schicksalsfrage des zionistischen Palästinawerks. Schon heißt cs. daß die Gefahr des Slbströmens jüdischer Kinder in die Schulen der christlichen Mission immer größer wird. Was eine'solche Entwicklung für ein Land bedeutet, das die Erbaltung und Belebung der jüdischen Kultur mit bedingungsloser Ausschließlichleit für sich in Anspruch nimmt, braucht nicht näher ausgesührt zu werden. III. Aber Palästina ist auch in anderer Beziehung nicht aus dem Gefüge der übrigen Welt hinauszubeben: Es hat wie diese nicht nur seine Wirtschastsdepression. sondern es ist in Krise verstrickt auf allen Gebieten des Lebens. Der Ehef des Justizdepartements der Palästina-Negierung, Oö-erstaatsanwalt Norman B e n t w i ch, ist vorzeitig pensioniert worden. Ms die daraus bezügliche Anfrage, die Wedgwood im Unterhaus an den flolomahnhnnci Tho rn a s richtete, erklärte dieser, daß die „besonderen nationalen und politischen Berhältuisie in Palästina" cs äußerst schwer gemacht haben, Bentwich auf seinem Posten zu behalten. Mt Bentwich ist der letzte jüdische O b e r b e a m t e / ein Mann ausgezeichneter und allgemein anerkannter Fähigkeiten, aus der Palästinaverwaltung cusgefchieden. Es besteht kein Zweifel darüber, daß er dein ständigen Truck der Uralter weichen mußte. Um seine Abberufung zu verschleiern, wollte man ihm ein anderes Amt im britischen Kolonialdienst außerhalb Palästinas geben. Bentwich forderte jedoch, entweder in Palästina zu verbleiben oder offen seines Judentums wegen seines Amtes enthoben zu werden. Entgeseiner eigenen Vermutung beschritt die britst'che Regierung den zweiten Weg. Die zionistische Organisation und die Jewish Agency erhoben Protest und sind entschlossen, sich mit der Abberufung nicht abzufinden. Der nichtzionistische Beobachter aber sicht betroffen die immer neuen Symptome schwerer nationaler Krankheit eines Landes, das nationale Gesundung Zu bringe bel)anptet. Und er sragt sich: Während zwei Juden. N e a d i n g und Samuel, in England Minister sind, entfernt die gleiche Regierung aus Palästina den letzten hohen jüdischen Bea'mten. Weit ab von jedem landläufigen Antisemitismus werden Juden in Palästina benachteiligt, nicht obgleich, sondern weil cs das Land ihrer „nationalen Heimstätte" ist. Und so etwas nennt man Normalisierung jüdischen Lebens? IV. Wer es ist der Sorgen nun Palästina noch lein Ende. Seit einiger Zeit gehen Nachrichten durch die Welt, nach denen sich die indischen Des1 Philo-Verlag löst sein Antiquariat auF. Es bietet sich eine seltene Gelegenheit, dabei gute Bücher zu billigsten Freisen zu erwerben. Auf Verlangen wird de: Antiquariatskatalog gratis übermittelt. Moslems um die Wiederaufrichtung des Kalifats bemühen. Als Kandidat wird der frühere Kalis der Moslem und Sultan der Türkei W a h i d E d d i n bezeichnet, sein Wegbereiter is: der Führer der Pan-Jslam- Dewegung. der Teilnehmer an der Iiouni TaMe Conferenz in Londgn, der Inder ch ß u f c t A l i. Die Widerstände innerhalb und außerhalb der mohammedanischen Wett scheinen groß zu sein, und man könnte diesem Versuch einer religiösen Restauration, der wie ein Märcken. aus Tausendundeine Nacht anmutet, ohne stärkere Anteilnahme Zusehen, wäre rächt alt Sitz des erhofften Kalifats Jerusalem in Aussicht genommen. Kein Zweifel, daß durch diese Absicht die islamischen Bestrebungen einen politischen Charakter erhalten, der den Zion:-' mus stark in Mitleidenschaft zieht. Das unter dünner Decke stets glimmende Feuer des jüdillchcrabischen Gegensatzes könnte durch eine Wiedereinsetzung des Kalifats mit den: Sitz in Jeruchlern leicht zur lodernden Flamme werden. V. Unter solchen und ähnlichen, nicht gere.de freundlichen Perspektiven ist der Zionismrts an seine Winterarbeit gegangen. In Deutschland geschah es trotzdem mit einem gelungenen Anstatt. Dev Präsident der Jewish Agency. Dr. Eh arm W e izm ann, hat sich keineswegs verärgert von dem Schauplatz zurückgezogen, ans dem Unverstand und Undank schließlich über begeisterte Anerkennung den Sieg davongetraaen hatte:: Er Hat üch wieder als einfacher Soldat in die zionistische Armee eingereiht und kämpst für di. allgemeine Idee in seiner ganz eigenen Ausdeutung. Deutschland war der Schauplatz seines ersten öf'enttichen Auftretens u.ach seiner Niederlage auf dem Baseler Zionistenkongreß. Er sprach auf Einladung der Zionistischen Bereinigung für Deutschland in Berlin und Hamburg. Mit dem ihm eigenen Willen zur Wahrheit schilderte er die Lage in Palästina in chm licher Düsternis. Er zeigte die Schwierigkeireu rnad Gefahren, die geringe Aufnahmestähigkett des Landes, die finanziellen Nöte. Aber trotz aller Ablehnung einer falschen Pathetik wohnt seinen Ausführungen ein Pathos inne, das Pathos der Idee. Am Ende seiner oft angreifbaren, immer aber geistreichen Theorien ubec des Wesen der Judemrage, am Ende seiner unbedenklichen Zurückführung der palästinischen Möglichleiton ans ein realpolitisches Mtndestpro-gramm steht immer wieder sein unbeirrtes Ja zu dom Werk das zu einem so erheblichen Teil sein Werk ist In dieser Fähigkeit. Realismus und Idealismus zum Znsammenllang zu bringen, steht er bocke über seinen zionistischen Freunden u::d Gegnern Bon Weizmanns Standpunkt führt keine Brücke znrn jüdischen Nationalismus, tuie er gemeinhin verstanden wird und wie wir ihn entschieden c.blehaen. Und gerade deshalb noahn.t seiuern Auftreten besondere Bedeutung inne: Wenn cs überhaupt einen Ausweg aus den Sorgen um Palästina gibt, so ist Weizmanus Weg der einzige, auf d-en: die Freunde des Palästina, wertes sich führen lasten müßten. Dr. E. R. J. /// / 7 fx 4 fj i /