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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-30 · 44 (30.10.1931) · p. Seite 512

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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5)2 VeuLfchtzS MsL IHM Einige grun-fätzliche Semerkungrn Ä, W. Ter deutsche Adel ist in der Deutschen Adelsgenoffenschllt zusam:neng e 'wloffen. Ihr Organ ist das „Deutsche Adelsblatt". Ost wird in diesem Blatte das Judentum angegriffen-, manchmal in Formen, die dem „Hammer" des Theodor Fritsch oder den „Völkischen Beobachter" des Alfred. Noseulberg bester zu Gesichte stehen.*) Dabei steht das deutsche Judentum in keinerlei Kampfstellung zum deutschen Adel. Der deutsche Adlige wird für den einsichtigen Deutschen, also auch für den einsichtigen jüdischen Deutschen, je nach seiner Leistung, je nach seinem Charakter zu bewerten sein. Die töpfereUmstcllung. mancher Adliger, die früher Offiziere waren, unter schwierigen Verchältnisten auf einen anderen Berus wird dem gerechten Beobachter nur Hochachtung abnötigcn. Kaum einer unter den deutschen Iichen wird so tbrich: und so ungerecht sein, etlva den Adel r.u allae:neineu zu bekämpfen, weil im deutschen Adel die Vergangenheit hochwertende Kräfte lebendig sind. Gerade wir deutstlM Inden, voll Stolz auf unsere Vergangenheit, ans unsere Geschichte, aus unsere Religion, wissen, welcher ^eaen und rvelche Erhebung die Pflege einer Dradiriou bedeuten kann: die Pflege einer Tradition, welche keinesfalls Verständnis und Förderung moderner und gegenwärtiger Kräfte ausschließt. Daß Männer von Adel dem den:scheu Volke und dem preußischen Staate Großes geleinet haben, kann nur der übersehen, der blind in der Geschichte herumläuft. Hervorraaend-e Militärs, ausgezeichnete Berwaltnngsbeamw, verdienstvolle Diplomaten, bekannte Geleurte und Künstler von Nus entstammten und cnntammen adligen Familien. Daß nicht jeder Adlige an Geistesgaben und Körperschönheit hervorragt. daß selbstverständlich auch adlige Tunichtgute vorhanden sind, daß es auch Betrüger mir adligen Namen gibt, beweisen oft Lebenserfahrung und Zeitung. Deshalb wird aber kein vernünftiger Deutscher, also auch kein vernünstiger deutscher Jude, den Adel im Bausch und Bogen verurteilen oder gar angreisen. Umgekehrt hält es die Zldelsgenw'en'chast. Ihre Ausgaben sollten gerade in dieser sch'.vcren wirtschaftlichen Zeit nicht gering stin. Aber es scheint, der wundervolle, humane und soziale Geist im deutschen Adel, den Theodor Fontane in seinen märkischen Nomanen suralle Zeit festgehalten hat, ist wenigstenin der Adels g e n o s s e n s ch a f t verschwunden. Haben die Seydlitz und die Ziethen, die Bismarck unD die 3 d) I i c f f c n, die 53': ö llen - t o r f und die M ü n ch h a u s cn dadurch so hohen Rang und so guten Klang, daß sie für „rein-arisches" Blut im deutschen Adel sorgten? -Wir erinnern uns eine» etwas grobschl'äästigen Ausspruches des Fricdrichsruhers, ob der jüdischen Bütt Mischung im den Gehen Adel. Es ist kennzeichnend für den Mel 19sl, daß feine Adelsgenosieuschaft einen Znoeig ihrer Tarigkeit, den deutschen Adelstyp zu entwickeln, darin sieht, eine „Kartothek der lebenden Nachkommen aus arisch-semitischen Verbindungen adliger Geschlechter" anzulegen und dazu zu schreiben: „Die Kartothek enthalt nicht nur Verbindungen mir Inden, sondern auch mit Personen jüdischer Bluimischung. Fcngelaffen strrd die Chen ofpie slachkonunen, da sie für die Raffenbenrteilnug des Adels numaßgeb- *) „C. B.-Zci:u'.'.g" Nr. 39, Jahrgang 1W9. Such andere gute iährmiüel! luslieferungeiager: Eerlin W5Ö Her* mann & Sohn, finstsefssr Siresse 42. Preis ein»*s Paketes HM. l.K). Preisliste Ä» * frei. lich sind. Fehler, die der „Semi-Gotba" enthielt, si::d ansae:uerzr, neue Fälle bearbeitet worden . . In einer Einleitung dazu heißt es: „Die Tageszeitungen nrelderen in füngstvergangener Fei: wieder drei Verlobungen von Trägern bzw. Trägerinnen ältester deutscher Adelsnamei: mit Fremdrassigen. Wenn die Adelsgesamtdeit auch hierfür nicht verannvortuch ist, zuural ihr die innere Bindung, welche die D. A. G. an strebt, noch fehlt, so hat sie doch unter den schädigenden Auswirkungen mitzuleiden. ... So ninunt jeder denlschx? Adlige, der die heiligen Gesetze des Blutes verletzt, seinem Stande und seinen: Volke gegenüber eine schwere schuld aus sieb, ganz abgesehen davon, daß er seinen etwaigen Nachkommen ein körperliches und zumeist auch seelisches Erbe hinterläßt, unter den: sie aus Generationen hinaus meist schwer zu leiden haben, das sie vielfach .zu unglücklichen, innerlich zwic'pältiaen Menschen macht. Wein: nun der einzelne ost ans Unkenntnis oder Willensschneäche, vielleicht auch ans Gleichgültigkeit und ma'.erialisti-scher Einstellung in solchen Fällen nicht die nötige Widerstandskraft besitzt, so sollten bei Organisierten Geschlechtern die Familienvcrbände auch Belehrung und Warnung ihrer jungen Mitglieder solchen rassischen Verirrungen Vorbeugen, und bewußt Zuwiderhandelnde durch Ausschluß aus den: Verband strafen." Unterzeichnet sind diese Worte voi: Freiherrn von Houwakd, Leiter der „Buchnnashanptstelle (!!) deutschen Adels deutscher Art". Ein jüdi-'ches Alädchen von Geschmack und Derantwortungsaettrhl wird sich zu gut dazu sein, nur ein allzu verblaßtes Adelswappen zu „vergolden". Die Art und Welle aber, wie das „Adelsblatt" gegen das Judentum vorzugehen beliebt, muß cs schwer kränken, indem es als minderwertig und für das deutsche Volkstum schädlich schon blutsmäßig hingcstcllt wird. Wenn der deutsche Adel folgerichtig Vorgehen will, so möge er alles, was im deutschen Volkstum, in deutscher Kunst, in deutscher Wissenschaft, im deutschen Gesckchfrsleben, überhaupt in der ganzen Summe deutscher Kultur j Wisch ist. von vornherein meiden. * Wir können gern nur Namen und Taten ausivarteu. Eins nur: Ter deutsck)v Adel möge nicht versehen, bei der Bibel an zusangen. Er möge in seinen zahlreichen Kirchenpatronaten die Bibel beider Testauwnw vo:n Altar entfernen und den Namen des Stifters der christlichen Neligion ans David-s stauen: damit verschweigen. Wir glauben allerdings, daß es ihn: schnür sein wird, bei der innigen Verflochtenheit deutschen und jüdi'ck-eu Seins den jüdischen Anteil dabei herausschu.eiden zu können. Es ist das gute Recht des „Deutschen Adelsblattes", für ,D e u L s ch e G c s i it n u n.g" ein* öiiirrten und dalli r auch hier und da einmal kräitig von: Gder zu ziehen. lUmt mag dabei mit allen Schädlingen im deutschen Volle gründlich abrechnen, auch mit jüdischen, von denen Msicher eine Anzahl gibt. Der Gentralverein voir) dabei, soweit cs in seine Ausgaben fallt, gern mittuii. Aber * nit Deutsche Gesiwunug" sich eiusetzen, bedeutet noch lange nicht, aus das Rassenevangclium eines Tinter schwören, da- Judentum als ganzes und in sehr unschönen Formen ansallen, die angebliche jüdische Kaffe dem Blute nach alsmin* denverüg anznpranaern. „Deutsche Gesinuun.g". wie wir sie anffassen, heißt gegen alles schlechte. Rohe und Verderbliche im' deutschen Volte Wort und Tat setzen. Die über IG) Schändungen jüdischer Friedhöfe hat das „Deutsche Adelsolar:" noch nie cnvähnt, geschweige^ denn bttämptt. Es hat noch nie cs über sich gebracht, etwa die rohen, und verrohenden Formen des antisemitische:: Tageskampses zu beleuchten. REt Freude bekommt jeder wirkliche oder vermeintliche Uebeltäter, der Jude ist, oder von dem es behauptet wird, in ihn.: den „Gelben Fleck" lluckseuD an geheftet. Aber wenn Rudolf B v r c!) ardr eine dem „Adttsblatr" genel)nu.e Broschüre über die deutsche Literatur schreib: l..Adelsblatt" Ar. :Z6 vom ff. September tt'-llst so darf natürlich niemand lumm, daß der V er'affe r jüdischen Ursprungs ist. Wir rinden, um es o'stu heraus zu sagen, diese Kampsesart wenig adlig. Und der Fidel dar' sieh nicht wundern, toeim sein Ansehen, durch solche Vertretung seiner Interessen in weiten Schichten des deutschen Volkes, nicht enva nur jüdischen, alles andere als gefördert wird. Ler t& Ke «mMr Zum Hcltvcnf-Prozcs; In dem Prozeß gegen den S. A.-Oberst'chrer Helldori, der' steh zustmnnen mit einigen and-ercn S. A.- und Stahlhelm-Prominenten nunmehr unter der Anklage der Rädelssührerschast bei den Kurmrüendamm-Krawallen vom 12. September 51t verantworten hat, verlas der Anwalt des Grafen, Helldors einen Bries der Blünchener Obersten S. A.-Lamug, in dem dieser bis zur Klärung der Angelegenheit von seinen: Posten b e tt r l a u b t nourde. Ter Bries ist eine Geste Hitlers, der da- :nir die B e r a n t w 0 r t n u g für die wüsten Erzesse seiner Berliner S. A.-Geule vom der Parteiab schieben und sich nach außen hin von den Krawallmachern distanzieren will. Leider ist er nur eine Geste und noch dazu eine reckst fragwürdige. Denn in dem gleichen Brief wird an Stelle Hclldorrs denen Stabsleiter E r n ft zun: einstweiligen Führer der S. A. eingesetzt, der gleiche Ernst, der neben Hclldors die Anklagebank'drückt. Er steht unter der gleichen Anklage wie sein Ehen Er faß an dem Abend der Unruhen neben Helldorf im Auto der S. A.- Führung und fuhr rnit ihm den Kursürftendamn: auf m:d ab. Warum sr würdiger sein soll, warum ihn keine Verantwortung an den Vorfällen trifft, ist uncrnndlich. Schließlich ist ein Stabsleiter kein Oisiziersbursche. keine Puppe, die, ohne lauge zu denken, erhaltene Befehle ausführt. Diese Legalitätsgeste Hitlers ist also so auffällig, daß man nur aus die Vermutung kommen kann, es gehe um die K a l t st c l l 11 n g Helld 0 rfs ans ganz andere n Gründe rr. Es würde nicht überraschen, wenn gewipe Kreise innerhalb der NSDAP, die Vorfälle benutzen würden, um den nicht allen Teile:: der Partei genehmen Grastu eiv.s ausznwischen. Der preußische Landtags-abgcordnete H i n k l e r ist ei:: erbitterter Gegner Hclllorss. weil dieser an der Aufdeckung dunkler Affären im Gau Halle- Vt e r s c b u r g der NSDAP, entscheidend beteiligt toar. Diese haben bekanntlich Hinkler seinen. Gauleiterposteu gekostet. Darüber hinaus wäre folgendes zu sagen: Wenn die NSDAP, mit den Tnmultanten vom Knrfürstendamm nichts zu tun haben will, dann darf sie ihnen .zrrnächst einmal keine Berteidiger stellen. In de:: Prozessen haben aber zwei A n w ä l te d i e Verteidigung geführt, die in der NSDAP, 'eine b e d e 1: t f a m e Roll c j p : c 1 e n : der Reichs- Lagsabgeordnete Tr. Frank II und der Kasseler Rechtsanwalt Dr. Freisler. Ganz abgesehen davon, daß sieh cm cf) Me nationalsozialistische Presse, voran der Berliner .Ingrisj", d-er Tumultanten mustwärmste angenommen hak und daß die Vstrliner Versammlungsagitation der ZA SD AP. sei: Wochen zum Teil von der Verteid'gung der verurteilten Ruhestörer lebt. Fm übrige:: habe:: wir 'llon bei der Erörtcrung des ersten Kursürstendamm-Prozeffcs zun: Ausdruck gebracht, daß die von Rednern und Zeitungen der RGDAP geübte, aus niedrigste Instinkte ^spekulierende antisemitische Verhetzung der Masten, eine sthtvere moralische lRitt'chuld an den Vor stillen tollst. An dieser Feststellung hat ffch bis Herne nichts geändert. Und an der Hetze leider auch nichts. \\\ G.

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