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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-30 · 44 (30.10.1931) · p. Seite 511

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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c-ü »'S V MMN iUUü jj/fs Üf Gegen das zersetzende Schlagwerk Auskläi'ungsoerscn'.rn!ung der Groß-Berüner Frauengrupperr des CentralvereinS In dem Berliner Stadthaus -in der Klo'terüruße versammstton Dien5tag abend au? Einladung der Gvoß-Bnliner Frauengruppen des Centralverein? mehr als hundert vorwiegend mchtjüdische Frauen, um. wie die BorsiPen.de, Frau Margarete Fried. in ihrer Einleitung betont, Möglichkeiten zu suchen, dem Haß rn Tcuckchlmck zu begegnen und an dein inneren ArM-.ru des deutschen Vaterlandes gemeinstm zu arbeiten. Frauen, beider christlick)cr Konzessionen, aller Partei schattieruw gen von Sozstlisten bis zu T Mit sch nationalen. Hausfrauen und Lehrer innen, Wohlsthrtspstege. rinnen und Politikerinnen, jung u:rd alt no-aren erschienen. Ihr. die Grundlage für die Aussprache 3:: bereuen, hhl: znn.ächst der Vorsitzende des Eentraloereins, Justizrat Tr. Julius Brovnitz, einen Vortrag-, ..Tstv Kemps gegen das zersetzende Sch.'.aawovt, eine nationale Aufgabe der deutschen Franst Jnstizrot Brednitz kennzeichnete das Lchlagworr als das traurige Kennzeichen unserer Zeit, in der die Memmen immer aneinander vorbeireden. Ter Kampf gegen das Schlagwert xi eine große Kal tu rerkir, die nicht in Mc]|enver[ammlungen nicht im SchnellZttgsremp 0. sondern nur in r'.einem Rahmen, in b-eunnlicher Stunde geleistet werden könne. Ter Redner zeigte den verbängvllsvollen Ginslnß, den Scklagwörter im Leben der Böller gestielt baden. Tie gleichen Vorwürfe, die man schlarwortartig gegen die Juden richtet. fy&Kn die Feinde im Kriege gegen die Tont scheu an ge man da Ter Vorwurf des N'.tualmordes sei in alter Zeit gegen die Christen, heute noch in China gegen die Teut'lchen erhoben. Justizrat Brrdn.itz ging dann auf einige der im Kamps gegen die Jaden meist angewandten Schlagwöiter ein. Cr stellte der Beljaupllrng von dem wurzellosen Judentum die Tatsache ber historischen Verwurzelung der Juden in Teutschland und ihr Herstes Bekenntnis zum deutschen Vaterlande gegenüber. Ton Vorwurf des And-ersseins der deutschen Juden führte er auf feinen wahren Kern dadurch zurück, daß er den Wert des Menschen aus 'einer jchrtausendealten Entwicklung und kr Verbindung dieses Gewordenen mir den Berpstichtungen der Gegenwart (/erlöstest. Als echter Humanist verachte er jeden, der etwas and-eros sein rvolle. als er ist, aber auch jeden, bor von den Menschen im Baterlaiwe eine Uniformität verlange.' Von den Jmden Miunkry zu verlangen, sei unwürdig. Die Aapensraw, der „jüdi'che Geist", der jüdische Reichtum, die jüdist-e Presse, der jüdische Marris.mus und schlichlich die jüdische Weltherrschaft, all diese Schstaworter. die in derjudenseindlichen Presse unch Pstopmzanda täglich angewandt werden. um die Manen einzusimgen. entkleidete Justizrat Brodnitz des verallgemeinernden Mantels und zcisto. was an solchen Behauptungen tvahr, was umvaar ist. Aach diesem l'hrreinchn Vortrage setzte eine Aussprache ein. dst allgemein von der Erkenntnis der Schädstakoit der Schlogwörter ausging und sich im wssentlia-en auf die VktboDik, wie man den Kamp' gegen ste zu sichren habe, beschränkte. Immo? weiOs lälme möchte ll'men vJW.dkr, dast wir schon über 15 Jahre die Zchnpast: Cl lorrwnt benutzen. Noä nie ha! sie uns enUstsscbt! D:: heuen firner weihe Böhne Und einen cmM.nehrnrr weznn>-acr lnr wtunde, umjl> Ashr, da wir schm tänc?re Zen das Cblorodont-Dckndwaiscr bennhew Auch benutzt die eanze Familie nur Chlyrodont'Zam.bücchnMge>C.Chudoba,Fr... Mai; verlange nur dir echte Chlorrdont-Zahnpaste. Tube 54 Pf. u. 90 Pch und reiie siden Ersatz dafür zurück. Iran ObcrstuDicttVirektorinGerharDL sprach von der Erziehung der Jugend zur Krittf am Schlagwort. Tie Jugend sei mcht so unzugänglich für die Aufklärung wie man gemeinhin denke. Man müsse sie bohren, das Ilnehrlickx. die Wa h rhe it sverdrckmng, die in dem Schlagworte liegt, zu verachten. Werwolles Aufklärungsmaterial seien ihr in den letzstn Jahren dabei .die ^C. B. -Zeitung^ und die Phiko-Broschüren', deren Aufnahme sie sowohl in die Schülerwie in die Lehrerbibliotheken wünschte. Auch die zweite Rednerin. Frau Sobotta, hält die Aufklärung der Jugend für Zmchtig. aber darüber dürfe kem.es me gs die Auftläruug der Erwachsenen vergelwm werden, die mit gcgenau der gleichem Oberfläckckichkeit und Verantwortungslosigkeit dem Schlaaworte vertrauen wie die Jugend. Sie wandte sich gegen den Uickug. der mit dem Begriffe „national" mrd ..international getrieben wird und gegen den Mistbrauch der Kanzel zu Hetzreden. Tr. Dorothee von Velsen warf die Frage auf, wieso cs komme, dast die Schlag Wörter auf einen so gute:: Boden fallen. Sie versuchte cs kamst zu crkiären. daß das Rauebewußtsein zu den clemenLaren Empfindungen vor allem junger Dö'ker gehöre. In ° ihrer bekannt vorurteilslosen Weise kennzeichnete sie den im basten Sinne jüdischen Geist als durch starke Jntellekiir-'liiät, Abstraktion und größere Beweglichkeit von dem allgemeinen kutschen Geist unterüch'eden. In der Suche nach einein Wege zur Bekämpfung des verab'cheuungswürdigen Antisemitismus seke ne für die Gegenwart wenig Lösungsmöglich leiten. Man müpe hocken, dast einmal wieder nach kr unaussprechlichen Oual unserer heutigen ZeiHeino geistigere Zeit kommt, die das allgemeine ^chlagw'ort und auch das jndem'eindliche Schlaglrort wieder prüfen und deshalb auch ablehnen wird. MiniftcrialraL Tr. Gertrud Bäumer erklärte, sie empfinde es als peinlich, dast überl>aup: ein Teil unseres deutschen Volkes cs nötig hat, von seiner Eristewzw'.ertigkeit zu sprechen. Ter Antisemitismus sei das Zeichen einer fürchterlichen moralischen Verrohung, eine Frage vielmehr des Blangels an innerlieber AuTtur als an Wicken. Deshalb müsse diese Art von Verrohung direkt und öfientlich gebrandmarkt weiten. Zwei Punkte seien dabei besonders sservorzuhebem Unser deutsches Volk ha: während lind nach dem Kriege eine Art der Verachtung in der Welt durchgemacht, die auch fccm Wesen des Teut'chen gegolten lxrt. Ick-d weil wir diese Einstellung uns TeuLsckwn unser Art roegen selbst nut solchem innersten Prvtcit gefühlt haben, wllipen wir diese Art von Gesinnung direkt verurteilen. Wir dürfen nicht dulden, das; die GrkcnnLrris einer Verschiedenheit irr nroratische BJcrLlrng umgcscht lvird. Hilfe kam: nur dadurch kommen, dast unser Volk ckch benn'cht, eine Kultur im humanistischen Geiste rvieder ausznbaucu. Blut allein — und damit wandte sie sich gegen den Erklärungsversuch Frau von Velsens —- ist noch keine geistige Prägung, sondcrrr das Wesentliche ist, wad ein Merrsch leidlich, seelisch und geistig anS sich macht. Dafür must wieder Verständnis erweck: worden. Und sichllestckch must rvicder die Kultur in der Form des Miwinanderlebens gefunden werden, wie ir:r sie früher besaßen. Es handelt sichja in dieser Frage nur um einen Teil des Ge'anckproblems der ungeheueren Verrohung des effeutl:d>;*n Lebens. Deshalb tjt sie nur zu lösen, wenn, es uns tatsächlich gelingt, in der menschlichen^ Verfeimrung wieder eine wescntlick)e Foren zu ssel)en. Dazu euer 11: ein ganz energischer Protest, eine ganz un-eroittlick^e Cxrltnng der gesamtem BilOungsnip.chr dieser Volksgemhr gegenüber notwendig. Ter Syndikus des Larrdesverbandes Groß- Berlin des EenckralvereinS, Dr. Rcichmann, zeigte an Bei wie len, wie noßvcndig neben dem von Frau Tr. Bäumer verlangten allzennemen Protest die Aufklärung gegen "das Scha zwort durch Wissensoernnittlung im einzelneip und im kleinen Krei'-e ist. Er kennzeichnete dicst Arbew als eine nat'.onale, weil sie das Leben des Volkes von einer codrück-enden und verwirrenden Last befreie. Justizrat Dr. BroDrrih bedauerte in seinem Sckckußworr, dast kein Widersacher mit einer frischen Entgegnung hervorgetreten sei und bezeichnete den Abend alegelungen. weil die Aus sprach das S: reden gezeigt habe, sich mit den Problemen liestv zu befassen. Denkschrift über öle C. V.-Irauenarbeit „Frauenarbeir zur Bekämpfung d-ee Ancistm:- tismns, ein Ausschnitt aus der Arbeit des Ecntralvereinsst heiß: eine kurze Tenkschrist, die die Hauptgelchästsstelle ihren Mitarbeiterinnen und Freundinnen zum Ausbau u:T Ausbar: dev E. V.-Fvaucnarbei: biete:. _ Tie praktische Mitarbeit d-er jüdischen Frau au der Schalung der deutschen Jüdinnen, die den judenstindlichn Angriffen hilstos und w-ehrloe gegenüberstehen, ist ein einführender Abschnitt gewidmet. Sodann berichtet die Tenkschrist über die Förd-erung d e r E. V. -Arbeit i m n i ch t - j ü d i s ch e n ckö reise durch geeign.ete 17rauen., die die Arnkiärungsarbeit, die Material- Verbreitung und tie intorkonsessio-neLe Arbeit des Vereins stützen, sörBcrn und selbständig nee i rer führen. Der P h i l 0 - B e r I a g , der mir seinen Büchrn m.d Schriften den literarrschen Unterbau der E. V.-Aufklärungsarbeit liefert, chrakterinert in einem Anhang feine wichtigsten Erscheinungen. die zur Vertiefung Dee_eia:ruui Wissens und zur Ausilarung der Mapen über die Judenfrage dienen. Tie Tenkschrist kann gegen Ein'eudung von 2>) Pfennig von der Geschäftsstelle Bes Gentralvcreins, Berlin \\\ 15, Gucker Straße 42, bezogen werden. Cist scbr zu begrüstcn, daß aus: Rr Jüdische Frauenbund den Kampf gegen den Antistmsti-mus in Fragenkreisen jetzt angenommen bat. An.läßlich ciner G c s a m t v 0 r ft and s s i tz u n g des Jüdischen Frauenbundes in L c r v z i g fand eine Ans'vrabn über dieses Thema mi: cincr Reibe nichtjüwi'cher Frauen statt. grundlegenden Aussübrungcw von Bettina Brenner (Leipzig), Bertira Bappcn. hci m «Rel: - Isenburg;, Paula Ollendorf pBreelau., Reär.sanwalr Tr. Margarete Bereut (Berlin, nahmen einige der anwe'cnde:'. nicktjüockckm Frauen das Wort. Tr. Agnes von Z L h n -Har n a d begrüßte die (liegendest, die nck st^r tist a um ihre grrmdsätzlicke Abiebnung jedes An.tistmiiis'.nus zum Au-oruck zu dringen. Sie betonte, daß sie den B u nb b c t:! f ch c r F r a n c n r e r c i 11 e im Sinne der aöfttuten st-leicko.'reckll.gung führen und jeden Verstoß zurückweisen werde, vtnna und Hildegard v 0 n G, i c r k e . Bkartba Dönhoff «P!. d. Lst und andere rnebr erklärten ihre Bercitstliaft 31:r Blitarlleit. Tr. Margarete C d c l h c i in berichtete über die jahrzehntelange Arbeit des Eentraloereins und wies prak- Ufckc Wege zur v'tnfktärunasarbest unter d-n Frauen. Aack einem Schlußwort van Cttilie Schöne lv a l d (Bochum) wurde eine Kommi'sivn aus jüd-fchen r:nd nichtjüdckckcn Frauen gewählt, die gemeinsam Löwe zur Bekämpfung des Antistmitisrnus suchen sollen.

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