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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-23 · 43 (23.10.1931) · p. Seite 505

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
43 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
Seite 505 (sequence 5)
Language
German
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505 Jum Toös LbsssL Arps / von Dr. Max Gsbsrn Wenn von den beiden großen deutschen Malern jüdischen Bekenntnisses. die im lek-en Halbjahrhnndert so maßgeblich in die Entwicklung unserer Kunst eingegrissen haben, iUar Liebermann als eine großartige berlinischpreußische Verkörperung des jüdischen Intellektualismus vor uns steht, so lebte in Lesser Hü) eine höchst merkwürdige Mischung aus romantischer Schwärmerei und hymnischer Propheteuxsstase. Hier stießen zwei Welten auseinander. Es ist nicht überraschend, daß die beiden Künstler sich nicht mehr verstanden, nachdem sie in ihrer Frühzeit gemeinsam die schule des westlichn Impressionismus durchgemacht und sich dadurch scheinbar genähert harten. „Genähert", denn von einer Gleichheit der Ziele wie der Ausdruckssormen war im Grunde niemals die Rede. Wie Liebermann hatte Ury, nachdem er von seiner armen, früh verwitweten Mutter, die es mit diesem ungebärdigen Eöhnchen sichrer genug gehabt haben mag, buchstäblich „ausgerückt" war und sich von Tüsseldors nach Paris und Belgien durckchungerte, die Lehren der neuen Licht- und Lnfimalerei und der ernsten, unverzuckerten Darstellung einfacher Natur, einfacher Menschen in sich ausgenommen. Aber in Ury, dem Jüngeren, war von vornherein noch ein anderes Element entscheidend: die angeborene Sehnsucht nach der sinnlichen Kraft der Farbe und nach einer Kunstübung, die mit ihren Mtteln. über die Nachbildung der wirklichen Welt weit hinausgcisf. Las zeigte sich schon in seinen ersten Bildern von belgischen Aeckern und Törfern. die sich nie mit dem damals beliebten Grau des Pleinair begnügten, sondern in ihren engverwobenen, fettgedichteten Farbschichten einen heimlich blühenden Reichtum warmer Tonwerre vssenbarkem Es Zeigte sich unverhüllter noch in den O-elbildern und Pastellen von der märkischen, italienischen, thüringischen Landschaft, in denen ein glutvoller, rauschender Kolorismus aufklang, wie er zu jener Zeit bei uns unerhört war. Es Zeigte sich am deutlichsten in den mächtigen Kompositionen, die ihn neben den außerordentlichen Gemälden kleineren Formats sein ganzes Leben hindurch beschäftigtem In diesen genialen, mitunter wohl nicht bis Zum letzten Gelingen durchgehaltenen. doch als künstlerische und menschliche Dokumente hochbedeutsamen Schöpfungen verband sich die jüdische Tradition, in der Ury ausgewachsen war, bewundernswert und sicherlich unbewußt mit ganz bestimmten Zügen der deutschen Kunst, mit ihrem Streben nach vielsagenden, innerlichste Empfindung gestattenden Malwerken, wie sie von alten Zeiten bis Zn denl Kreis um Feuerback und Marses immer wieder hervortratcn. Ury trat durch sie bereits als ein Borläufer des späteren Expressionismus aus, und Zwar der Spezies, die sich gerade in Deutschland entwickeln sollte. Wenn dabei nicht alles glückte, so lag es Zweifellos daran, daß bei Ury die impressionistische Schulung noch mitwirlte, daß er den Weg zum freien Ausbau des monumentalen Bildes aus farbigen Flachen neck) nicht geöffnet vorfand. Um so machtvoller ergreift uns, wie er mit diesen Problemen rang. Höchst bezeichnend, daß Ulys erstes großes Gemälde dieser Art, „Jerusalem", 1896 vollendet, sich mit den Zwei Menscheualler vorher entstandenen ..Trauernden Juden" von Eduard Bendemann eng berührte. Gewiß, auch Bcndctnanu war Jude von Hause aus, aber als sein berühmtes Bild 1832 "erschien, erblickte ganz Deutschland darin die lla'n>cl>e Leistung, den .Gipfelpunkt der Düsseldorfer romantischen schule. Ury freilich gab nicht wie Bendemann eine Gruppe historisch kostümierter Figuren, sondern das überwältigende, zeitlose Sinnbild einer menschlichen Gemeinschaft, die vom leidvollen Erleben vieler Jahrhunderte geprüft und geprägt ist. Ter Kontrast der dunklen. Zu einer Zackigen Silhouette Zusaunnengerücklen Personen gegen derr leuchtenden Abendhimmel vertiefte die tragische Wehmut der Schilderung. In solcher Art hielt sich die ganze Reihe der biblischen Riesenbilder ttrys, die folgten: die im vollsten Licht der Mittagssonne auf den Garten Eden Zurückblickenden Urclteru. die mannigfachen Varianten des Zürnenden, mit Gott Zwiesprech haltenden, ins unenmichbare Land der Verheißung hinabblicker.dcn Moses, die Wandgemälde im Logenhau''e in der Kleiststraße zu Berlin, die grandiose G-estalt des sinnenden, auf dem Erdboden ruhenden Jeremias unter dem unvergleichlich gemalren nächtlickM Sternenhimmel. Alles, was des Künstlers Seele bewegte, ber Truck der schweren Kämpft, die ihm beschieden waren, das Glück des Malerseins, das Selbstbcwußtsein des Schaffenden, die Resignarion und Verzw'-eäflung des immer wieder vom Schicksal hart Mitgenommenen, fand in diesen Kompositioncn Spiegelung und Erlösung. Nock) bis in die letzten Wecken, ja die letzten Tage hörte er nicht aus, sein Erleben Cfelha BanoMMIiii3 „Nach lern;im Suchen endlich das Nchäge für meine Zähn-, Nach dreimaligem Gebrauch bttnb-ck) weihe Zähne, tiwdem dieselben durch vieles Rauben braun und un'chän wallen. Ich werbe nichts anderes mehr gebrauch en,als Chlorodont." B.,LorsrBerg. Man rtrlange nur die eckte Chlorodont-Zahnvasts, Tube 5-1 pf« und so vi-s und weile jeden unsatz dafür ZuvüL gleichnishaft in Bildgedankcn auszusormen, die ihr Thema aus den Kindhertserinnerungen in der kleinen halbpolnischen cktadt Birnbaum an der Warthe nahmen. Unter den Arbeiten, die er eigens für die große Ausstellung schuft die ihm die Rattoualgalerie zum 70. "Gcburistag am kommenden 7. November rüstete, befindet sich auch d-as ergreifende Gemälde eines betenden Juden. Nicht das Tatsächliche ist in allen diesen Werken das Entsck^idende, sondern die riefgrümdige, seherhafte Deutung^ die ^inn und Wesen des Judentums in der Sprache moderner Malerei d-arin erfahren haben. SüchtzOhsu Carl Clcmcnk ,.NeligionsgcschichLe Europas." 2. Band. Carl Winters Uuivcrsitätsbuchhandlung, Heidelberg, 1931. 12 M. Ter Verfasser ist sich der Schneierigkeit, eine gesonderte Neligionsgcschichte Europas^zu schreiben, wohl bewußt. Mag ein solches verfahren bei den „Stammesreligiouen", die ihr Hoheitsgebiet auf ein bestimmtes Triritorimn beschränken, gerade noch angängig sein, so läßt sich die Geschichte der „Kutturreligwnen". die zugleich Welt religionen sind, nur bedingt unter dem Gesichtswinkel eines bestimmten Erdteils beschreiben. Hier ist das Hinüber- und Herübergreifen des Orients und Okzidents Zu offensichtlich, als daß man daran rorbeisehen könnte. Clemen will das auch gar nicht. Ihm erscheint aber die spezifische Entwicklung, die Judentum, Christentum. Islam und Lamaismus aus europäischem Boden genommen haben, so interessant und bedeutsam, daß er eine Sonderstndie für gerecht'ertigt hält. Uns beschäftigt hier vor allem die Tarftellung der jüdischen Religionsg e s ch i ch t e auf e u r o P ä i s ch e m Boden. Es darf erfreulicherweise ftstgcstellt werden, daß d^r Verfasser, der sich in seinen Forschungsergebnisien vor allem aus die einschlägigen Facharbeitcn jüdischer Gelehrter stützt, durchaus bemüht ist, ein objektives Bild der vielfachen Strömungen jüdischer Frönnnigkeit Zn geben. Es ist für den Außenstehenden natürlich nicht ganz leicht, sich in die Welt eines talmudisch gebundenen Juden des Mittelalters hineinzudenken und -zufühlen. Manches in diesem Kapitel ist doch mehr referiert als wirklich gesehen. Auch sind manche hebräischen Fachausdrücke nicht ganz intalll Mit Eutschiedenheir wird vielen, durch die antisemitische Literatur verbreiteten Fehlurteilen über die Wesensart jüdischer Geschichtsentwicklung in den europäischen Ländern entgegengetreten. So wird fettgestellt, daß nicht in erster Linie der angebliche Handelstrieb, sondern die faktische Not die Auswanderung der Juden aus Palästina bedingte. Tie Selbstsucht der mittelalterlichen Landesherren, die ihre Juden zwangen, hohe Zinsen zu nehmen und die daraus resultierenden Steuern zur Ausfüllung der eigenen Kassen benutzten, wird unnachsichtig gegeis-elt. Auch die Beurteilung des Ostjudeutums und seiner besonderen Frömmigkeits-Haltung ist als durchaus gerecht zu bezeichnen. Empfindlich wird der Dersasser offenbar nur, wenn von der Revolution die Rede ist. Von der russischen Revolution des Jahres 1905 wird gesagt, daß sich an ihr „allerdings begreiflicherweise auch Juden beteiligt hatten". Wenn begreiflich enveise, warum „allerdings"? llnb die russische Revolution vom Jahre 1917 wird dahingehend charakterisiert, daß sie „zum Teil wieder von Juden gemacht worden war". Was heißt „wieder"? Und außerdem scheint es rw.s, daß eine Revolution ans bricht, oder sie ist keine Revolution. Es. bedeutet doch eine gewaltige Verkennung der in allem historischen Geschehen wirkenden dynamischen Kräfte, wenn man glaubt, eine Revolution sei nur eine Mache weniger, ausgerechnet jüdischer Kräfte. Das Senkblei staatsumwalzender Augenblicke reicht doch etwas tiefer in den Zeitaölaus hinunter. Bei der Behandlung des Christentums und des Islam werden die Zusammenhänge mir dem Judentum nicht vergessen, wenn man vielleicht auch den arabisch schreibenden Reliaionsphilosophen des spanisch-jüdischen Mittelalters einen breiteren Raum gern eingerämnt gesehen hätte. Im ganzen ist ftstzustellen, daß dem bekannten Bonner Religionsgeschichtlcr eine imponierende Kenntnis der zeitgenössischen Literatur, nicht zuletzt auch der jüdischen, neben aller Fachgclehrsamkeit, zur Verfügung sicht. Dr. Hugo Hahn (Essen). Tr. Peter Tchonrsen: „Palästina und seine Kultur in fünf Jahrtausenden." Nach den neuesten Ausgrabungen und Forschungen dargcstcllt. Sammlung „Tcr alte Orient", Band 30. Verlag I. C. Hinrichs, Leipzig 1931. Preis 3,30 Mar?, gebunden 5,50 Mark. Soeben erscheint in dritter Auflewe Vrofesior Tr. Beter Thomfens lehrreiche Schrift „Palästina und seine Kultur in fünf Jahrtausenden". Tie Kapitel dieses Buches lauten: Geschichte der Forschung in Palästina; Mittel zur zeitlichen Destiunnung der Funde-; die Steinzeit; die Bronzezeit, die Eisenzeit; die jüdischtMenistische Zeit; die römisch-byzantinische Zeit. Ein Verzeichnis der wichtigsten Literatur sowie eine Reihe von Abbildungen beenden die Schrift. Wer Palästina bereist oder wer sich von hier aus mit seiner Geschichte aus wisftn'chaftlicher Grundlage vertraut machen will, der wird zu dam sachlich vortrefslichm, stilistisch knappen Buck) greiftn, dem kaum ein anderes an Gediegenheit des Inhalts und an Ueborsichrlichkeir zur Seite stehn Gerade den deutschen Juden, welcher Wettanschauung auch immer, die das Heilige Land lieben, tut es not, sich über den Tageskamps hinaus mir den Grundlagen der Palästina- Erkenntnis vertraut zu machen. Dazu sind aber nicht Streitttchriften für und wider erforderlich, sondern Schriften, die aus wisienschastticher Grundlage jenseits jeder Problematik die Geschichte des Landes so darstcllen, wie sie sich aus Grund von Ausgrabungen und Forschungen dem nüchternen Äuge darbietet. Nicht rn der Palästina-Schwärmerei liegt die Liebe

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