Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 43 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin C 2, Rosenstrasse 2, bittet unsere Freunde: „Helfen Sie uns bei der Speisung Bedürftiger durch Nachbarhilfe. Lassen Sie in Ihrem Hause oder durch Abholen bei Ihnen. Kindern oder Erwachsenen eine warme Mahlzeit täglich zukommen. Die Kachbarhilfe der Jüdischen Gemeinde ist so organisiert, dass wir Ihnen von uns geprüfte Pfleglinge empfehlen können. Gehen Sie uns durch Postkarte Ihre Bereitwilligkeit zur Nachbarhilfe. Sagen Sie uns, oh Sie täglich oder wie oft Bedürftige beköstigen wollen. Sagen Sie uns, ob Sie die regelmässige Lieferung eines Nahnmgsmittelpäketcs übernehmen wollen.“ 14. Oktober in einer schlichten Feier feiner Bestimmung übergeben. Nach kurzen Begrüßuuaswortcn des Vorsitzenden des Neichsausschusies der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Tr. Ludwig Tietz, und des Vorstandsmitgliedes der Jüdischen Gemeinde, Graetz, zeichnete Tr. L u - binskr die Aufgaben des neuen Heims, das seiner ganzen Gestaltung nach nur sozialen Zwecken dienen soll. Um den akademischen Nachwuchs. Zn dem soeben erschienenen Oktober. Novernber-Hest der jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" beschäftigt sich der Versitzend-? des Landesverbandes Freistaat Sachsin, Rabbiner Dr. Felix Goldmann (Leipzig), mit der berufspolitisch so überaus wichtigen Frage: „Züchtung jüdischer Akademiker?" Er bedauert mit Recht, daß durch die unbestreitbar Vorhandene Akademikerinflation den wirklich begabten jungen Juden, die in verhältnismäßig großer Zahl aus den minderbemittelten Schichten stammen, der Weg vielfach verlperrt wird. Nnd deshalb wendet er sich nachdrücklich gegen jeglichen Abbau von Hilfseinrichtungen auf diesem Gebiet. Freilich wird d-abei keineswegs die Bedeutung der richtigen Auswahl der zu fördernden Studierenden verkannt. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten: „Es handelt sich um das geistige und soziale Niveau dos Judentums, es handelt sich um die Heranbildung der Führer, die das Recht der Judenheit verfechten sollen, es handelt sich letzten Endes um die Existenz unserer Gemeinschaft.' — th — AttfklärrmgZvorträge vor Arbeitslosen. Aus Veranlassung des Vorsitzenden des Vereins ch r i st l i ch e r junger Männer zu Essen sprach kürzlich das Hauptvorstandsmitglied des Cenkrakvercins Rabbiner Tr. Hugo Hahn (Essen) vor etwa 1 ob Arbeitslosen in Alter von IG bis 35 Jahren über das „Alte Testament" und auf besonderen Wunsch der Teilnehmer an dieser Veranstaltung in einem zweiten Vortrag über den Talmud. Tas starke Inieresie der Anwe'endcn an den angeschnittenen Fragen führte in beiden Fällen zu längeren, lebhaften Aussprachen. Solche, auf einwandfreier wissenschaftlicher Grundlage basierende Ausklarungsvorträge vor Arbeitslosen, die häufig der Verhetzung ausgesetzt sind, empfehlen wir dringend zur Nachahmung. w5;s) tj trusl lUs/iO VUU tütUiUsr«. ^4 45 V» H.L. Tie nationalsozialistische Taktik, Personen zu verantwortlichen Redakteuren zu bestellen, gegen die eine Beitreibung von Kosten fruchtlos ist, hat sich als Fehlschlab erwiesen. Schon in Nr. 14 der „C. V.-Zeitung" vorn 3. April d. I. haben wir die Entscheidung des Landgerichts A a ch e n vom 12. Februar d. I. — 8 S. 596/30 — bekanntgegeben, durch die Trucker und Verleger der Zeitung verurteilt wurden, für die von dem verantwortlichen Redakteur zu erstattenden Kosten aufzukvmmen. In einem ähnlich liegenden Fall ist nunmehr am 12. Oktober d. I. vom Amtsgericht Breslau in den Akten —15 C 1954/31 — die gleiche Entscheidung gefällt worden. hl :M i;i‘ li:| ill'Jli/il' Ic.iji;; ich v v G-v v w vvv*f hVM/ir cv n'Uv;i: ivH^ Arginn trr »fcracBeft im LlmhO verbanZ EroSÄrrlln In einer gut besuchten Versammlung des Landesvcrbandsvorstandes wurde nach einem Referat des Berliner Syndikus Tr. Reichmann das Programm für die Winterarbeit der Berliner Ortsgruppen angenommen. Im Vordergrund der Arbeit soll die AusklärungstärigkeiL stehen. Es sind eine große Zahl von Aufktärungovcrsammlungen vor geladenen nichtjüdischen Gasten, Anssprachen mit Geistlichen, Lehrern, Ctrrdcnten, Schülern usw. vorgesehen. Auch die Lieferung der Monatsausgabe an christliche Volksgenossen soll verstärkt werden. Als unerlätzlich wurde die Heranziehung neuer Mitarbeiter angesehen. Mitglieder, die Zur aktiven E.B.-Arbeit bereit find, werden gebeten, ihre Bereitwilligkeit dem Landesver'bandsbüro mitzuteilen. Tie Ortsgruppen Weißensee und Spandau leiteten ihre Winterarbeit mit je einer Versammlung ein. In der sehr gut besuchten, von dem Vorsitzenden Leo Le ß geleiteten Versammlung in Weißensee sprach Land-« gerickMrat Dr. Joachim S e l i g s o h n. In der Ortsgruppe Spandau, die von Zahnarzt Tr. Siegfried Bruno Bernstein geführt wird, sprach der Vorsitzende des Landesverbands Groß-Berlin, Dr. Bruno Gläse r seid, über: „Die Unruhen am Kursürstendamm — ein Symptom für die gegenwärtige politische Lage.* Tie Ju ge ndarbeitsge meinschaft des C. V. halt jeden Dienstag im Büro ihre Arbeitsabende ab. Die Bildung von Arbeitsgemeinschaften ist in allen Stadtteilen im Gange. Tie Mitglieder werden gebeten, ihre Kinder und jugendlichen Freunde, die Zur Mitarbeit in den Jugendgemeinschasteu bereit sind, im Landesverbandsbüro anzumelden. Sy ir t v & w* i-v V LrmöLZdMaMZ Lllllulan) (llnW Am Sonntag, den 11. Oktober, hielt der linksrheinische Landesverband in Köln seine Delegiertentagung ab. 22 Ortsgruppen hatten ihre Vertreter entsandt. Zum erstenmal nahmen auch der I u g e n d a u s s ch u ß und Mitglieder der Kölner F r a u e n a r b e i t s g e m e i n - jchast an der Tagung teil, so daß der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Rudolf E a l l ui a n n, bei Eröffnung der Versammlung mehr als 60 Anwesende begrüßen konnte. Er widmete dem bisherigen Vorsitzenden der Ortsgruppe Krefeld, Dr. Reiß, der sein Amt ans Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, warme Worte des Tankes und bewillkommnete dessen Nachfolger, Rechtsanwalt Tr. L ö w e n t h a l. Nach kurzem Hinweis ans die augenblickliche krisenhafte politische Lage und die Stellung des E. V. in der gegenwärtigen Situation erteilte er dem Vertreter der Berliner Zentrale. Syndikus Tr. Alfred Wiener, das Wort. Tr. Wiener verbreitete sich eindringlich und sachlich über alle Fragen, die heute das politisch interessierte Mitglied des E. B. bewegen. Tie Wahrung der Reck)te der deutschen Juden in wirtschaftlicher, politischer und juristif-ck-er Hinsicht seien die Grundausgaben des E.V. Von dieser Grundlage ausgehend, nahm Tr. Wiener Stellung zu den Ereignissen der Zeit (Kurfürstendamm) und entwickelte ein Bild der Leistungen und Leistungsmöglichkeiten im Ausklürungs- und Abwehrkamps. Er charakterisierte die politischen Recht-., Mittel- und Linksparteien, beleuchtete ihre politische Haltung und ihre Stellungnahme zu dem Rcchtskamps der deutschen Juden. Sodann beleuchtete Justizrat Falk. M. d. L.. in glänzender Rede den Ernst der innerpolitischen Lage des Augenblicks und mahnte, alle? zu tun, um dem C. V. die Möglichkeit zu geben, seine ersprießliche Arbeit mit ungeschwächter Kraft fortzusezen. In der Nackmittagssitzung kam als Vertreter des rheinischen Jugendansschusies Ernst Stillm a n n (M.-Gladbach) zu Wort. Er kennzeichnete u. a. die Stellung der Jugend zur älteren Generation und betonte die Notwendigkeit neuer Wege. Seine Darlegungen giwelten in der Forderung, daß der E. V. erhalten bleiben müste, und in der Erklärung, daß die Jugend an seinen Zielen tatkräftig Mitarbeiten wolle. Syndikus des Landesverbandes, Jacob: (Köln), stellte Richtlinien für die Winterarbeit auf, wies aus die finanzielle Lage des Verbandes hin und forderte cindringlichst. daß alles getan werde, um durch Erreichung genügender Beiwagsleistnngen die Durchführung der als notwendig erkannten Maßnahmen zu sichern. Eine lebhafte Astissprache, die bereits vormittags begonnen hatte, bewies die Erkenntnis der Situation und ernstes Wollen für die weitere Arbeit. —i. & &‘onU‘»M! in AmMg Tie Framngrnppe hat seit Jahren in den Reihen der Hamburger Frauen wertvolle Erziehungsarbeit im deutsch - jüdischen Sinne geleistet. Vortragsabende und Arbeilsgemeinschasten, die unter Führung ron Sachkennern auf den verschiedenen behandelten Gebieten standen, haben dazu beigotregen, unser deutsch-jüdisches Sein zu vertiefen, Probleme um Deutschtum und Judentum zu klären. Wir haben versucht, uns in das Wesen unseres Judentums zu vertiefen und unter Wahrung unserer deutsch-politischen Neutralität beschästiaten wir uns ausführlichst mit den deutschen Parteien. Wir erarbeiteten uns das Wissen um kulturelle und soziale Zeitstagen und besondere Franenprobleme. <aen dem vorigen Wmter tritt zu der wertvollen Innerer beit noch die Außen-, das heißt Werbearbeit in jüdischen Kreisen, die bis jetzt indifferent und ohne klare Entscheidung den Ereignissen gegenüberstehen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde n. a. in Lübeck eine Frauengruppe, in Harburg eine Frauenarbeitsgemeinschast gebildet. Besondere Erwähnung verdient die Aufklärungsarbeit in n ich t jü d ischeu Kreisen, die schon beste Erfolge erzielte. Es handelt sich hier nicht um einzelne nichtjüdische Frauen, die als Erfolg dieser Arbeit heute als Freundinnen unserer Gruppe nahestehen, sondern es sind schon weite Kreve von Frauen, mit denen mau über wichtige Probleme diskutierte, die man über die haßbringenden Lügen ausklürte und denen unser ernstes Streben Achtung jür unser Wesen, für den deutsch-jüdischon Menschen abgewann. Ich wünschte, dieser Bericht von wirklich erfolgreicher Arbeit würde überall im Reich jüdische Frauen zu gleichem Tun anspornen. Mehr denn je gilt cs. die wertvollen Kräfte unseres deutschen Volles von unserer Arbeit?- und Verantworl'Ungsbereitchast am Schicksal unseres deutschen Vaterlandes zu überzeugen und dem Ewigkeitswert unseres Judentums Achtung zu erringen. lind wir Frauen haben in dieser Zeit, in der es so chrt auf hart geht,, mehr denn se die P'licht und Astisgabe, unsere besondere Arbeit zu leisten: aus Zuklären. Das Wort einer Frau zur andern wird aus eigene und besondere Art wirten und muß Früchte tragen. Senta Meyer.