Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 43 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- Seite 503 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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503 ßi C ^, j> w» v L* Ä' V 0- ■</ i' i HerechLr§ts unö unberechtigte §ilmkrM§ ^LM" I. 2luö Der Kritik der ,,Vtrlir:cr ^lluslricrtcn Vla<t;t(ii:*?,!Zbc" Nr. *210 19. •8cf!ter.;t»cr d. I. üter Die 21 rcfff;!}ri::*..3 NZ fsilms „Bleine Frau, die Hochuaplorm' m: Eloria-Palast zu Berlin: . . . Fritz Grüubaum.-dem der Regiveur sckr breiten Spielraum gelanen hat. schteutert als A<>7nt 0ilbcrftcin (der altes kann und alle? m:'s);uf abgolauschto Lebens- und Geschäsie-.,Wms- Jeitrnins Publikum, die in der TauontzTnchaße und am Ruarsürstendamm nur allzu eut verstanden werden. . . II. Brief eines Mainzer Freundes andre „(s V.-Zeitung": „Tie ,G V.-Zeitung' tritt mit Recht lntschieden dagegen auf, wenn Juden in Labarous. 8ingspiell)allcn und dergleichen ihre eigenen 8 t-.nnmes genossen in einer Weise karikieren. die geeignet ist, Verachtung gegen das Judentum, zu Erwecken. In diesem Zusammenhänge müchw iz] gie aus Den Film Meine Frau, die £%:d« trarlcriid himveisen. Turin tritt der Jade 8 ilber st e i u aus, gechielt von 6rü r. b a a m. Daß Silberstein als der LyPiMe jüd^chgutmütige und jüdisch-schlaue Vermittler cufiritr, mag hingehou, obwohl es erfreulichere jüdrche Typen gibt. * Aber unerträglich ist das körperliche Monun:. Ter schlürfende, 'breilbeiuige Gang insb-esandere ist ekelhaft anzusehen, erweckt aber große Heiterkeit bei den Zuschauern, natürlich auf Kasten der Juden, denn es wird doch wieder einmal repo- Liert, daß dieser schlampige Gang ein jüdisches Kennzeichen' sei. Vielleicht folgen Eie dieser Anregung und schreiben ein paar Zeilen gegen den Uusugck III. Aus einem Schreiben von Tr. Friedrich Grodrrih, den die „E. D.-ZeitungE um eine gutachtliche Aeußerung gebeten hatte: „. . . Ich schlage vor. in der fraglichen Angelegenheit nichts 311 schreiben. Alan muß meiner Ansicht nach rn der Frage der Judendarstellungen in Film und Theater zwei Fragen unterscheiden. Tie erste Frage iß die nach der Berechtigung der Tarstelluu von jüdischen Typen überhaupt. I verstehe die Bedenken — und teile sie Zum Tei selber —, daß man in so aufgeregter Zeit lasier jüdische Tvp^n überhaupt nicht zur Tarsttllung dringen sollte. Dagegen werden wir uns aber kaum mit irgendwelchem Erfolg wehren können. -Tonn es ist ein lünstlerisMs Grundrecht. Darstellungen, auch übertreibende, von Gruoeentypen zu bringen. Mit ähnlicher Begrüntung könnte man auch dagegen protestieren, raenn z. B. Sachsen übertreibend dargestellt wtadcn, ober wenn der Typ des Beamten — des klmnen, der den Tyrannen spielt, und des höheren, der im Amt sittenstreng und privat ein Bummler ist — in ungezählten Eremplaren über die Leinwand wandert. Man könnte zum Beispiel als Beamter mit Recht geltend machen, daß cs gerade heute sehr bedenklich ist. wenn nie der ernste, pflichttreue Beamte gezeigt wird, dagegen. wie es zum Beispiel in einem gerade la:> senden Film geschieht, die Beamten eines gangen Lustschelministernnns in den fragwürdigsten Situationen erscheinen. 80 berechtigt auch Einwände gegen solche Typendarstellunaen sein mögen, landet man mit Protesten dagegen mit Notwendigkeit in einem kunstfeindlichen Epießertum. Man hat zum Beispiel mit Recht gegen die Darstellung von E t 0 i t e r e r n geltend gemacht, daß die Verspottung eines solchen Leidens nicht nur wenig fein, son.dern auch sehr gefährlich sei, weil sich nachweislich oft der Ausbruch des 8totterns an das Lehen solcher Darstellungen knüpft. Trotzdem nxke es eine Spießer ei, wenn man — wie' es auch geschehen ist — gegen die Darstellung des stotternden Advokaten in der ..Fledermaus" wettert. Wenn es uns angenehm ist, daß der idealisierte Jude — im „Nathan" — seineWirkung von der Bühne her-b ausübt, d-onn münen wir es uns auch gemllen lasten, wenn jüdische Alltagstppen mit den ihnen innewohnenden humoristischen Werten dargestellt werden. Dagegen haben wir streng zu prüfen, und das ist die zweite Frage, ob solchen Darstellungen eine verletzende Tendenz oder ein geschmackloses Anbiedern mit judenseindlichen Gefühlen von jüdischen oder nichtjüdischen Schauspielern ugründe liegt. Wo so etwas der Fall n\rr, ,aben wir mit Recht einer-griffen. Und ich selbst habe im vergangenen Jahr aus eine solche Ceschmaeklosigkeit gowiper jüdischer Künstler hingewiesen' und habe dabei, was mir entscheidend erscheint, darauf hingewiesen, daß weder d-as Milieu des betretenden Films ned] die szeni'che Situation einen jüdischen Typ erforderte. Alles da? trifft in dem vorliegenden schall nicht zu. Eine judensoindlick/e Tendenz fehlt ganz. Es wird als eine der Hauptfiguren des Films ein jüdischer Agent aus die Bühne gebracht. der einen Typ darstellt. den es schließlich auch als Typ gibt. Die Darstellung durch G r ü n b a u m ist künstlerisch sehr hochwertig und gerade wegen der stillen Benutzung humoristischer Mittel von nahezu der gesamten Berliner Kritik lobend hervorgehoben worden. Ter Figur als Ganzem — einem schlauen, psissigen Vermittler — fehlen bösartige Züge ganz. Leine Aufgabe im Stück ist. neben dem Verdienen einer reichlichen Provision, einem armen jungen Paar zum Glück zu verhelfen. Grünbanm, der ein sehr diskreter Mewch und ftiinftler ist, zeichnet eine Figur, die bei aller Tüchtigkeit etwas sehr Liebenswürdiges und Gewinnende? hat. Und ich hatte den Eindruck, daß das Publikum, unter dem sich viele Nichtjuden befanden, die Figur als eine überaus aunüsante und gekonnte Lustspielsigur eines guten Schauspielers wertete, der von dem alten Vorrecht des darstellenden Das Oßsand’iBitswasserl Däcuiiucer Versands teile, Berlin?V\ U Scht-net er^er Srra>?o lOa. Telefon: T.ützov»-: SC/WU. Künstlers Gebrauch macht, die kleinen und größeren Lchwächen seiner lieben Mitmenschen zu persi'lieren. Jedenfalls stehen solche 'Darstellungen tunnhoch nach Können und Wahl der Mittel' über den bekannten Mausck>eleien, gegen die wir uns sonst wenden. Eich gegen verhetzende oder geschmacklose Darstellungen zu wenden, ist das gute Recht jeder verletzten Menschcngruppch An jeder Darstellung, die nicht bloß die idealen Leiten eines Menschentyps berücksichtigt. Anstoß zu nehmen, ist unklug, führt zu einem k u n st feindlichen P u r i t a n i s m u s und zeugt nicht von innerer Lelbstsicherheit, die auch in bedrohlick)er Lage für die Komik ai:ch des eigenen Typs empfänglich bleibt. Verzeihen Eie. wenn ich aus geringem Anlaß etwas ausführlich geworden bin. Ich halte aber diese Frage für wesentlich genug, um den Wunsch zu haben, daß der G. V. bei ihrer Be- Handluna eine freie und souveräne Linie hält . .? In Nr. 14 bc% Nürnberger „Stürmer" vom vorigen Jahr standen zwei Artikel, die Gegenstand einer Verhandlung vor dem Nürnberger Schwurgericht am 19. Oktober bildeten. In dem einen Artikel war an den Bericht über einen angeblichen Vorfall in Berlin S ch m ähungen der jüdischen R e [ i g i o n? g e nt c i n « f d) c f t unter Bezugnahme aus Talmud und Lchulchan-Aruch geknüpft. Im zweiten Fall war einem jüdischen Prosepor reeacn einer vom „Stürmer" behaupteten Aeußerung im Unterricht Gotteslästerung vorgcworsen. Im letzteren Fall wurde H 0 l z z u 15 0 0 M a r k G e l d st r a s e v e r u r L e i l t, wegen des R e t tg i 0 n s v e r g e h e n s freigefprodjen. Wir kommen auf diese Gerichtsverhandlung und Urteilssprüche noch zurück. Fm MM gecsn die M Das vom Neichsjrrgeirdausschrls; d<s beulralvererns errichtete 2lugesteliterrheim in der Magazinstraßc 17, 'üvcr das wir in Kürze vrähcres berichten wollen, hat neben den nur sozialen wichtige zusätzliche 'Ausgaben für die erwerbstätige jüdische Jugend zu erfüllen. Ter Landesansschuß Berlin der jüdisct-en Jugendverbände hat gemeinsam mit dem Jugendpslegedezernat und der Jüdischen Gemeinde in der August st raste 14/15 ein einladendes Heim für erwerbslose jüdische Jugend errichtet und am 1:aninnnsinnnMiiiunnirnüiiiüm’nnniimniüUiu;- nin;::::::/:::: ntinaiiK.nnnnunuiiunnsftniiurnnruini:::;:::::!!;::an'fnuunHfinii'nnuüniiiunifia'jinfrui'n'uunUännrann'jj’niiiintimfnimiifinnnriuu!!:::;::::':!;:: n:; n innnmnin-njnrfnui Unser Kampf gegen antisemitische Ausschreitungen in Ostseebädern und gegen ch s 'I . z. .''ch l . f i C j H I deren Duldung durch die Kurverwaltungen hat in unseren Mitgliederkreisen und fcj hüüvJo'G' u’üU Uü AKäkjk darüber hinaus einen lebhaften Widerhall gefunden. Wir haben eine Reihe von Zuschriften und mündlichen -Nachrichten erhalten, die beweisen, dass wir mit dem energisch betriebenen Kampf gegen die Unwürdiakeitcn in deutschen Bädern auf dem richtigen Wege sind. Bezeichnend ist, dass uns eine rechtsstellende nichtjüdische Persönlichkeit in unserem Vorgehen beipflichtete, indem sie darauf hin wies, dass jeder einsichtige Deutsche, gleich welcher politischen oder religiösen Richtung, dafür ein treten müsse, in Kurorten uni Bädern jede Herausforderung politischer Art zu beseitigen. Solche Orte sollten nur der Erholung aller dienen. Indem wir diesen Kampf führen, sind wir uns bewusst, für eine Milderung der politischen Gegensätze, eine der dringendsten Erfordernisse der Gegenwart, einzutreten. Dieser Kampf muss aber Weitergaben, um Erfolg zu haben. Wir bitten daher alle unsere Freunde und Freundinnen, die sich im Jahre 1031 in OMseebädern aufgehalten haben, uns initzuteüen: 1. welche im C. V.-Sinn schlechten Erfahrungen sie gemacht haben und in welchem Bade. 2. welche im C. V.-Sinn guten Erfahrungen sie gemacht haben und in welchem Bade. Auf Grund dieses Materials werfen vn'r in der Lage sein, vorwärtszukoimnen, um für einen von Herausforderungen nicht beeinträchtigten Besuch der Ostseebäder entsprechend Vorsorge zu treffen und Auskünfte, umfangreicher und anders als bisher, geben zu können. Wir sind einer lebhaften Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands an dieser wichtigen Arbeit sicher. Ontralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.