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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-16 · 42 (16.10.1931) · p. Seite 495

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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Eine Antwort an Eonstantin Hrunner / von Dr. Eva Ncichmann- Jungmann. Eine qvai’fninc und »'jcwaltige Zeit umfcranbei im*5 Menschen des Jahres IRZI. Eu.g und immer enger urnkreillm die Wogen den sch'.unten Ttaudplatz unseres Lebens, und es scheint eine Frage von Monaten, von Wochen, vielleicht von Tauen, wann unsere von Anstrengung verkrampften Hände lostafsin. müssen, wann wir den letzten Halt verloren haben. Ter Kampf nms Brot nimmt die letzte Kraft in Anspruch und blasphernischer Lurus dünkt es vielen, heute noch von Trugen zu sprechen, die über den mit Torgo und Angst bis 311111 Bersten erfüllten Tag hinausweiseu. Und doch bedürfen wir gerade' in solcher mit Tagesqual überladenen Zeit mehr als sonst der Erhebung, wenn wir nicht als einzelne wie als Gemeinschaft erliegen sollen. Toppelt dankbar hören wir die Worte des Führers, der vorn Geiste her das schwere Tein zu erleichtern unternimmt. Ter Philosoph Eon st a n t i n B r u n n e r, als Wächter und Anreger auch in unseren (5. B- Kreisen seit langem bekannt, hat wieder einmal die Lcssentlichkeit mit einer Frage beschäftigt, die ihm und uns in gleicher Weise am Herzen liegt. Im August-Heft der ..P r eit ß i - f ch c n I a h r b ü ch c r" schreibt er ..lieber die notwendige Tclbstemanzipakion der Juden" und wendet sich dabei unmittelbar an den Centralverein. Wir begrühen seinen von ehrlichstem Willen zur Hilfe erfüllten Bus und stellen uns ihm zur Antwort. . Brunners philosophisches Werk ist durchsetzt von Abhandlungen über die Juden frage. Immer wieder drängt sich ihm die Bedeutung dieses Tatsachenkompleres aus, immer wieder veranlaßt sie ihn zum Teuren und zum Fordern. Eine Gesamtstellungnahme ginge über den Böhmen dieser Abhandlung hinaus, lind doch bildet Brunners^ Tcnken so sehr eine Einbeit, daß man ihm in gewinem Tinne unrecht täre. wollte man eine Einzelbetrachtung herauslösen und getrennt behandeln. Indem wir bewußt trotzdem so versahreiy verzichten wir daher ausdrücklich auf den Anspruch einer rein philo'ophischen Würdigung. Wir bleiben vielmehr mir unserer Kritik ans der Ebene des von u u s g c l e b - t e n L e b c n s und setzen dort ein, wo Brunner, nach unserem klaren Verstehen seiner Worte, mit seinen Fordernngenaunusheutige deutsche Juden a u f d i e s e s Leben s e l b it e i n z u w i r k e n u n t e r n i m m t. Ein Einzelanisatz in einer Zeit schrill, bei deren Lesern im allgemeimn die nmsamuide Kenntnis der Brunnerschen Schriften nicht voransgelltzt locrden kann, der daher, bestimmt ill, für'sich zu wirken, muß sich eine solche Betrachtungsweise gefallen lallen. Ucber den Ausgangspunkt der Brunnewcheu Ausführungen herrscht zvoischen ihm und uns ttebcreiuftimrmmgi schwer und drückend lastet das Leiden, unsere inmitten aller Bcrzwoislung der Welt besondere Judennot ans uns. Abhilfe tut not. Tie Emanzipation muß voraugetrieben werden! Aber schon beim zweiten Tatze stocken wir: Ist wirtlich ^elbsteman.zipatton. wie Brunner schreibt, das ..einzige, wodurch sie vorangetricben werden kann t" Brunner schiebt uns die Hauptlast an der Beseitigung des Judenhass ee zu. Wir nehmen die Bürde "gern aus uns. und gerade wir im Ecntralverein haben das Unsere dafür geleistet, um die Arbeit 'mit Ausdauer und Kraft zu verrichten. Ader das ill es ja gerade nicht, was Brunner mein:: Er erklärt unser Bemühen bei aller Amwleiumng für Tysipbusarbeit. für ein Herumkurieren an Symptomen, well es nicht auf den wahren Kern gerichtet ist. Ticier aber liegt darin begründen Ter Judenhaß ill eine besondere Aeußenmgssorm des Memchenhasses, diesen wiederum bewirkt die Gesetzlichkeit der menschlichen Natur, ihre Bestimmlheir durch Jnteresienuneile. Ter Blenschenhast richtet sich immer gegen Menschengruppen, die durch Merkmale irgendwelcher Art von der großen Mehrheit unterschieden sind. Ta man aber die Menschen nicht -andern kann, muß man mit seinem Besserungs'.villen da eingreisen, wo etwas zu ändern ill. Trägt das Anderssein der Juden die Tchuld am Judenhaß, so muß eben das Anderssein am'hören. Nicht mehr und nicht weniger als Ausgabe des „Anderssein" der Juden versteht Brunner unter der geforderten Telbste nt a 113 i p a i i 0 n. „Tas Anderssein bringt uns Unglück, Unglück vertauscht sich im Urteil der Menschen mit Tchuld, ganz ebenso wie Anderssein für Tchuld genommen wird, und es muß über die anderen gelogen und von dem Gelogenen genug geglaubt werden." Als e r st e n schritt a n f tsie m W ege fordert B r u nn e r d i e A n f g a b e d e s N. a m e n s Juden, den er als einen jüdi'ch-natioualcn Ueberrcll ander Zeit ihres Boltssiins betrachtet. Bei dieser Forderung, die ganz besonders in dem Aussatz, der „Preußischen Jahrbücher", aber auch schon in früheren Tchristen einen breiten Baum einnimmt, wollen nur nicht verweilen. Gerade weil es Brunner mit ihr ernst ill — cw sieht in der Beibehaltung des Namen- Inden geradezu symbolisch Tchuld und Ursache für das Anderssein'—, können wir ne nicht ernst nehmen. Eine Polemik gegen diesen Bat allein, außerhalb des Ilmkreises, in dem er nur zu verstehen ist. würde uns die Arbeit zu leicht machen. Es geht ja bei dem, was uns Brunner lehren will, nicht um Einzelheiten. Es geht auch nicht mehr um das Erkennen unserer Tituation, nicht mehr um die Vernunft, nach der er uns führen will. Brunner gibt T e u t n u g c n unseres e i n s. die verblüffen, Analysen, deren Nichtigkeit nicht zu bezweifeln ist. Und wenn auch von seinen Teutungen, seinen Feststellungen nicht alle von uns anerkannt werden können, wenn wir auch in der Ansicht über den Weg der Emanzipation von ihm abweiehen. worüber noch gesprochen werden wird — wir wollen einmal annebmen, er Halle recht: Judenhaß gleich Abart des unaustilgbaren Men sichenhasses, gegen die Juden gelenkt durch ihr Anderssein. Einzige Möglichkeit zur Beseitigung des Judenhayes: Aullgaoe des Andersseins. Wenn das so wäre, ganz so mat.hemati'ch scharf, dann, auch dann würden wir unser Anderssiun nicht ansgeben wollen! Hier liegt die Entscheidung. Aiufj um das Erlöschen des Jude ist- Hasses, um unsere Erlösung von rr n s e r er Iu d enn 0 t zu erringen, wäre uns der Breis zu hoch, der da gefordert wird: denn er bedeutet nichts anderes als u n s e r e n Untergang als Juden.. Wir wissen: Brunner hat die Identität der Begriffe geleugnet. Judentum zum mindesten scheint ihm „ein ewiges Ferment aller Geschichte zu bleiben", wenn er auch wenige Zeilen daraus Uarlegt, wie wenig der Beiland des Jndentuins von dem Bestand der Inden abhängig ill: „Ter heutigen Inden bedarf es nicht zur Eryaltnng diclls geistigen Judentums." Wer so leicht aus die Forteristenz der heute lebenden jüdischen Gcmcinschall verzichtet, von dem braucht man nicht erst noch den Beweis dafür zu fordern, daß ihm an der Erhaltung dieser Gemeinschaft nichts goloaen ill. An anderer Ttcllc ist aber Brunner auch den direkten Beweis nicht schuldig geblieben. Am schlüssigsten erbringt er ihn in seinem Buch „Bon den Piiichten der Inden, und von den Pilichten des Ttaates", T. 131 ff., wo er Ttück für 21 lief nachweisl, daß das Jude »ein die große Krankheit ill. von der nichts anderes Hellen kann, A-o das Aus- Hören Jude zu sein. Eine einzige Ausnahme macht er mit der jüdischen oder wie er sie nennt: mosaischen Religio::. die er ihren Anhängern laßen will, da sie llw ihn, seiner ganzen Religionsphilowphie gemäß, unerheblich ist: er sieht in ihr nichts anderes als Aber- und Götzenglcmben. Mit dem Geis: dos Judentums, von dem oben die Bede war und der ibm aleuobcdoutend ist mit dem Geiste des jüdischen Propbetiamus, habe diele mosaische Religion, cheo Brunner das Gnadenbrot zubilligt, jedenfalls uichts zu tun. Es nutzt also nichts, daß Brunner behauptet, die Tclbllemanzipatiou, die Ausizabe des Andersseins bedeute nicht die Telbllauigabe der Juden als Juden. Wir können mit bellem Willen und heißestem Bemühen nichts anderes aus seinen Worten heranslelln. Zu oft hat er denratse.'- hasten Weg der Judenheit durch die Gc'chichre. ihre Erhaltung, vor der wir wie vor einem Wunder ehrfürchtig stehen, vorwüruchr, als größte und starrsinnigste Tündc gegen Gott gescholten. Es ist ihm nicht zu tun um ihre locrtere Erhaltung. Und wenn wir auch d:e tolleren Zusammenhänge diller Gleichgültigkeit abncu. wenn wir auch willen, daß sie in Brunner-- höchsten und tiefsten Gedanken vouz Weltgeschehen verankert ist, wir fühlen naturhast und — mag es so sein -- naiv den Wunsch und die Aufgabe, uns am Leben zu erhalten, und deshalb lehnen, wir Brunners Fordernna, die Selbstmord bedeutet, ab! Als jüdische Me nj ch e u wollen wir am Leben bleiben. Nicht nur als Anhänger der jüdischen Religion, so stark wir sie auch als Inhalt unserer' Gemeinschaft empfinden. Aber weil in bezug auf die Erhaltung dcr Religion zwi'chen Brunner und uns nur ein wenn' auch gewaltiger — Unterschied der Wertung besteht, kein Ilmer'ch'nd jedoch in dem Ja, das wir beide zu ihr sagen, gerade deshalb ill cs wichtig zu erklären: wir kennen auch Indisches außerhalb der Religion, was wir bewahren wollen. Es ill 'chlver, davon zu sprechen, das 'chwcrste vielleicht, was uns abgegeben werden kann. Weil überall das Erfüllte und Gedacht-7, und sei cs noch so echt, an die Tchraulen der fertigen Begriffe stößt, die mehrdeutig und mißverständlich sind und Be eine Wand ansrichten zaoi'chen innerem Unmittelbarsten und seiner allgemeinen Bedeutung. To und nur so durch die Unzulänglichkeit der Worte ist es ja zu verstehen, daß Brunner immer wieder latenten Zionismus und jüdischen Nationalismus voittert, wo das Mindelljiidcntu:n seiner Forderung auch nur um cinen^Fußbreit überschritten wird. Tas ill ein Htrcit 11m Worte. Wir fürchten sie nicht und würden vor ihnen nicht zurückweicheu, selbst wenn sie allgemeiner Anerkennung gewiß wären. Aber sic sind cs nicht. Blau ill nichts jüdich-völtisch, weil man sein deutsch-jüdichcs crein, sein Eins¬ und doch 'Andersllin inmitten der deutschen Umwelt als etwas Lebenswertes empfindet; weil man zu dieser wundersamen, gedrückten und erhobenen, tausendfach vernichteten und immer wieder auserstaudenen ^chicksalsgemeiuschast sich bekennst Weil man sich mit um so tieferer Inbrunst zu ihr bekennt, da sie Enge und Kleinlichkeit abgeworfen hat und hinoingestellt ist in die großen Krastströme unserer deutschen Heimat, der wir ganz gehören, so ganz, daß es uns fassungslos staunen macht, sucht man aus unserer Treue zu jüdischem riein eine Gefahr llür unser deutsches Tein heranszukonstruieren! „Und der Inden Anderssein ist ein unnötiges und verstandsloscs," sagt Eonstantin Brunner. Aber wir sagen es nicht mit ihm. LmillOe \7eLO0 Salme „Icll r.edjte Ihnen mittcilcn, daß c:r schon über 15 Jahre die Zahnpaste Chlorodont benuhLm bloch nie hat sie uns enttäusch!! Wir freiten immer welle Zästr.e unb einen ongenchwen beid-niact m üiunfce, mn'jc. rnebr. t-a wir schon längere Zer! das Chlriodont-Mund« wnller benutzen. Auch benutzt die ganze Fair.ilie nur ChIorod3nt-Zahnbürsten."gez.E.Ct;udoöa.Fr... Dlan rcrtanae mir die echte Ehlorodonl-Zahnpaste. Tute 14 Pf. u. VO Pf., und weiijeden Ersatz dafür zurüll.

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