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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-16 · 42 (16.10.1931) · p. Seite 496

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
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496 denn } fi r u n s w OhnLih m N o L w e n d i gfett und Ver ft a n d i n n c. llnb fei /s gleich unsere „Einbildung, die un? bei dieser UcberzeuZung einen Srrcich spielt: Wir danken ihr, weit sie uns unser Leben verbürgt. Wie aber steht cs mir dein Judentum, dieser Krankheit, die nach Brunner untrennbar mit unserem Anderssein verknüpft ist? Muß wirklich der Centralverein, dessen Wirken Brunner drxch besaht und fortgesetzt wissen null, an seiner Aufklärungsarbeit verzweifeln, da sie an enge durch die Mensckemmtur gesetzte Grenzen stößt? Ten Ernst der Frage verkennen wir nicht, denn nur teilen weitgehend Brunner- Ansicht von der Entstehung des Judenhasses. Aber der Eeiitrulverein bliebe nickt Centralverein und seine Freunde und Mitarbeiter iw ganzen Laude könnten ihre schwere Arbeit nicht verrichten, wenn sie nicht von der Neberzengung getragen wären, daß auch unter der anerkannten Herrschaft gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten ein weiter und immer ausdehnunaswhiger Betätigung srawn für die Aufklärungsarbeit geblieben ist. Tie Erkenntnis, daß es irgendwo in weiter Ferne letzte Grenzen gibt, die nicht zu überschreiten sind, kann den Arbeitswut nicht lähmen. da in dein ungeheuren Tätigkeitsfeld die Weite des Blickes fast nicht bis zn diesen Grenzen vorzudringen vermag. Es bleibt zur Beseitigung des Judenhasses m i t A u s s i ch t a u s Erfolg noch mehr zu tun übrig, als unsere Kräfte jetzt und lange bewältigen^ können. Bis wir zu den Grenzen gelangen, die uns durch die Menschennatur selbst gezogen und, werden wir nach unserem Plan die Emanzipation so weit vorangerrieb'en haben, baß unser Judesein nicht mehr als Not auf uns lasten wird. Soweit wir es aber auch dann noch als Bürde empfinden müssen, werden wir das in dem Bewußtsein tun, das Leiden für ein Schicksal ans uns genommen zu haben, das uns das Leiden wert ist. Iahet kr -ie PosZKsr HskMat Fei. Ter Herr im V-Zug Berlin—Posen mit gegenüber liest den „Völti'chen Beobachter'. Er trägt das Abzeichen der scationalsozialistischen Tenlschen Arbeiterpartei im 5tnopfluch. Ans seiner Atwntascke hat er Propagandaschriften gepackt. „Tie jüdische Weltpest" lese ich. ' Er scheint Landagitator der NSDAP. zu -sein. In wenigen Stunden wird er auf der R ednertribüne irgendeines grenzmärkischen Dorsgasthauses srehen und sich in künstliche Wut hineiitsteigern: „Tie Inden sind Parasiten. Deshalb fordern wir, daß alle, die nach dem 1. August 1914 in Tentschland einaewander: sind, ansgewiesen, die anderen unter Fremdenrecht gestellt werden.' Inzwischen ist die Grenzstation aufgetaucht. Hier beginnt also fremdes Land, altes, gutbekanntes Land, Heimatland. 16 Jahre habe ich es nicht gesehen. 16 Jahre, in denen die deutsche Landkarte geändert wurde, die uns so viel Unglück brachten, nationales Unglück wie die Bewegung, deren. Funktionär eben den Zug verlassen hat. Liebgewordene, erinnerungserfüllte Landschaft eilt vorüber. Aenßerlich karg, keine Berge, ka nn ein Fluß, wenig Wald. Aber weite, grüne, fruchtbare Felder: hier lag die Kornkam.mer Teutschlands. Neue Namen tauchen an den Stationsschildern auf. Jeder ist nach einiger Mühe als Pokonisierung eines deutschen Städtenamens zu - erkennen. Hier wohnte die Familie bekannt durch ihre wirtschaftlichen Erfolge, beruhnu durch Wohltätigkeit, dort wirkte der Nabbiner?>, da lebte die Familie eines Verwandten Bit Generationen, dorthin hatte die und die geheiratet, und hier trau man sich zu Ausflügen. Posen! Tie Hauptstadt der Provinz, Altes Kulturzentrum, Zentrale der deutschen Provinzialverwaltung, Pslauzüätte bester deutsch-jüdischer Tradition. Fmck Jahrzehnte hatten Männer jüdischen Glaubcu-- das Ehrenamt des Sradtverordnetenvorstehers bekleidet. Ter letzte, Justizrat Placzek, hatte, als zum erstenmal nach dem Umsturz ein polnischer Stadtverordneter eine polnische Bede halten wollte, diese energisch zurückgeivicsen und ein Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt. Tasür wauderte er mir vielen angesehenen deutsch-jüdischen Männern ins Sammellager Szezrpiorno. Hier lebten jüdische Familien, die an kultureller Bedeutung und Gediegenheit ihres Lebensstils getrost jeden Vergleich mit der Tradition des deutschen Adels ausnehmen konnten. Was verdankten die Akademie, die Historische Geftll'chast, der Verein für Kunst und Winenschatt, diese starken Stützpunkte deutscher Kultur, jüdischer Anregung und Förderung! Der Zug eilt weiter: noch wenige Viertelstunden, und ich bin wieder in der Heimatstadt, die ich als Kind verkam n habe. Tie Straßen liegen genau w wiedlstl. als ob in den letzten 16 Jahren nichts ge Muhen wäre. Genau * je? Aber hier wohnte doch A. und dort B. und drüben E. Lauter fremde Namen statt der Schilder, die jetzt ganz gegenwärtig im Stil der Vorkriegsjahre vor dem geistigen Auge stcken. Man sucht sie. die alten Namen, die Kameraden^aus der Neliaiousscknle, die Namen der Gemcindearößen, die Namen der Kaufleute. _ Aorzte und Anwälte, die im Leben der jiidnchen Gemeinde und im Wirken für die Stadt sich gleich großes AnThen erworben Hanen. Man sucht sie vergeblich. Sie und nicht mehr da, diese alten Posener jüdischen Familtzn. Als die Provinz polnisch wurde, setzte eine stManenstuchr ein. Gerade die jüdischen Mewchen glaubten, in der neuen srcmdnationalen Kultur nicht leben zu können.' Sie wollten ini deutschen Mutterland ihr Leben sortsühren. Tort sollten ihre Kinder Herannoachsen, mußten die Eltern auch noch einmal von vorn anfungen. Bei den patriotischen Bierabenden, den alldeutschen Kundgebungen der Hakatisten und des Tümarkenvereins hatte mau die jüdischen Deutschen nicht allzuoft gesehen, wenn auch einzelne der politischen Neckten nahegestanden hatten. (Einer der wenigen jüdi'chen Landtags- Obgeordneten in der Provinz Po'en gehörte der Nationallioeralen Partei an.). Jetzt aber, wo man beweisen konnte, ob man deutsch war, ob . inan sich 'unter Opfern für sein dent'ches Fühlen^ emenn unbekannten Geschick ausliesern wollte, oder ob man lieber opportunistisch um der Existenz willen sich der fremden Kultur unterordncte, wählten die Juden Posens fast einmütig den Weg in die ungewiCe deutsche Zukunft. cro findet man „Lßdeutsthes Judentuwck in der früheren Provinz Bosen nur durch irenige lebende Zeugen vertreten. ' Soll die Gr* umcrung^lebendig werden, so muß man hinaus zu den Friedhöfen gehen. Tort bewahren die Gedenksteine mit glanzvollen und schlichten Aaneen dao Andenken an Memcnen, deren Leben lmd Taten Zeugnis dafür ablcaen ,daß es trotz „Juda verrecke" und „jüdischer Weltvcit" das gib:, was ein ostdeutscher Jude die „'Synthese von Teut'chimn und Judentum/' genannt hat. # .Lcinrick K urtzig. cin Kind der Pvstmcr Leuuat. will die Erinnerung an „LüdeutBics Judamtmuch wachhallen. Er hat in seinen Novellen „vorijudnll un.d in einem Neman „Kaufmann Srav.k" das -chick'al dcnlüchjüai'oper llllem'chen in der verlörencn Provinz Postn cr'ählt. Starke Beachtung^ hat stin erstes Werk „Lstdcutstches Judentum, Tradition einer Familie" (Verlag Gustav Engel, Leirzia» gesunden, das jetzt bereits in zweiter Anstage varlicgt. Kurtzig ist den verschlungenen Lebenswegen Liner Familie nachreaana.m, und er har in^ dieser Chronik so viele rastende Schicksale amac-zeichnet. daß das Wert schon um ibretwillen lesenswert iß. Aber cs ist mehr als eine Familienckroiuk. Was Btenschen jüdistcken Glaubens für d:e msimark bedeuteten, wie sie i:ni:rcinanDct und m:t ihren christlichen Bollsgenosstn lebten, vvie sie dae- Smm''al des Vaterlandes uu.d der Vaterstadt mstaestattenn — das alles hat hier in einer liebevollen, stillen Ackt Line kulturbistoristÜL Schilderung eftastreu. Jedem Posener Juden stülie dieses Psticht- Buch ein Erinnerungsdokument an das verlorene Vaterland werden. Ter Knlturhistoriker aber sollte diesen Btosaikslein einrciben in das Bild des in vielen Farben leuchtenden und dach har:noni''ch sich ausgleichendan deutschen Wesens. Zum Tode Professor D. Dr. Lohrs (Königsberg) Ter hervorragende Bertreeer der alt- Lestainentlichen Wissenschaft, Prv'esjor an dev Universität Köniaswrg 9. I)o. Mar Löh r, iß -'neben in Königsberg im 65. Lebensjuhro gcrorben. Lohr bat nickt nur in einer großen Reihe wisscnsckaülicher Bllerke. m einer „Gerichte Israels", einer „Alttestam.entlichen Nechgionsgcschichto', einer „Einsüäruug in de.s Alte Testament", sich mit den Gvundstcagen der Bibelwis'enschait und der jüdischen Geschichte anseinandergech'tzt. er hat nuck. nackd-em er mehrere Jahre am Deutschen evangelischen Institut für Altertumskunde des Heiligen Laudes in Jerusalem tätig war, wertvolle Arbeiten über das Heilige Land, wie ..Volksleben, im Lande der Bibel" (Sammlung „Winen?ck.n: und Bildung") und „Ter vulgär-arabische Dialekt von Jerusalem', verfaßt. Tie genaue Kenntnis der Ge-'chichte und der Sitteulehre des Judentums haben des vornchmen Menschen Lohr Stellungnahme zmn Judentlun der Gegenwart enCchcideud l-c-einslußt. Cr hat tviederbol: in jüdischen Bereinigungen bedeutsame Borträge über die Bibel und'über die Ge'-chichte des Judentums gchalten. Er war vorn wisseuschafrlicheu und religiösen. Standpunkte so am Judentum ivtcresiiert, daß er den Gottesdienst an den heben Feiertagen oft besuchte, auch wünschte, daß der Syuagogenchor bei seiner Beisetzung mitmirkte. Er hat sich nickt gescheut, ein krästichs wisten/chastlickes Wort zu reden, als in Memel vor einigen Jahren, das Nitnalmordmärchen umging. Wir wollen dieses tapseie und wireuschaftlich gerechtfertigte Eintreten gegen Verleumdungen der jüdnchen Religion nicht vergeben und das Andenken des seinstnuigcn Menschen und bedeutenden Gelehrten Mar Löhr in allen Ehren halten. A. W. Nabbrner Or.Mox Grunrsalö (Wien) öS Jahre alt lllm lll. Lktobcr vollendete Rabbiner Tr. G r u n - wald (Wien) das GO. Lebensjahr. Als ganz junger Rabbiner in Hamburg trat Tr. Gnanwald in clncr Provagandaverfammlung des Eentrelvereins, die zur Gründung einer Trtsaruvpe füörte, in einem feurigen Apvcll für die C. V. - Idee ein. Tr. Grunwalv trat mit in die Lcitumg der Ortsgruppe ein. Als dann wenige Jahve später die gegnervche Presse trotz einer Reibe rid n jüdischer BantskavNale immer wieder vom „jüdi'ckcn Gi'tbaum der Börse" faststte, hielt Tr. Grnnw a ld in Berlin vor übersülllc-m Vladitvriuni seinen Vortrag über die „KausmänniM: Ehre bei den Juden". Diele Berliner Tagesblatter, selbst die „Krcuzzeitrmg", nahmen zu d:n Aassühnungen des Redners Stellung und das banal::: Veniusoman. die Zeitstchrist .Im Tenlschen Reich", druckte den Vortrag ab. Auck später hat Tr. Gruuwald dem Eentralvcrcin wertvolle Arbeit geleistet. Im Pg:!o- Berlag erschien seine Schrift gegen Tswald Svcvchei. und die „E. B.-Zeitung" konnte häufiger Beiträge aus seiner Feder, besonders über das itznr innig vertraute Gebiet der Oeimatskuvde, des Volkscberglaubens r:nd dergleichen verbmntlichen. stach .P-jähriger Annstäligleit in Cauüurg und Wien hat ück Tr. Grunwald, denen Verdienstvolle Nlitwirlung bei der ober'ch'esi'chen ltbstinnunng mit dem Sci'.lenschcn Adler I belohnt wurde, vor kurzen: nach B a b e'n bei Wien zurückgezogen, um sich in Ätuste seinen wistewstchastlicken Arbeiten zu widmen. Es möge inm noch recht Irugc Arbeitskraft und Freude am crchasstn vergönn: sein. * Chajiin Bloch (Wien). Die „Amerikanische Hochzeit" In das Theater am Schiübauewamm zu Berlin ist eine aus Amerika gekommene ostjütistAe Lpcrcttentrupp: zu einem (Gastspiel cingezogen. Tie Cr-crcttc von Atz mann Jaeobowitz ist schwach: ledig-, llch der hervorragenden und üoerra'chend villseieigen Lchauipielkunst der n n a I c : o b o m i tz und der übrigen Bliewir'enden ist der große Beifall zu danke::, der der Brcnliere beschieden war. — iii —

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