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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-16 · 42 (16.10.1931) · p. Seite 491

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
Seite 491 (sequence 3)
Language
German
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491 CMSMMSMWea Nablrat Ksrl M WmSeW SUN 17. Wlr MWttLi-; Wksrn ©clcitisuna ftr Sjrcälaust ffiifcn Mall In der Nacht vom 3. zum 4. Oktober wurden die Fensterscheiben der Synagoge zu Rastatt eingeworfen und die Blumenbeete vor dem Gotteshaus zerstört und beschmutzt. Am Tage vor, der ruchlosen Üat hatte die jüdische Ecmeinde Rastatt das 23jährige Bestehen ihrer Synagoge gefeiert. Strafanzeige gegen die Täter. von denen bisher jede Spur fehlt,, ist erstattet worden. Gleichzeitig würde eine Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Tie ,.Rastatter Zeitung" schreibt über die Svnagogenschändung u. an ,Lll wundern braucht man sich ja über derartige Unanständigkeiten nicht mehr bei der Hetze, die Tag für Tag in unglaublichster Weise getrieben wird. Tagegen muß nch eine starke Front der anständigen Leute bilden/ Ter in Karlsruhe erscheinende ..Bolksireund' glaubt, daß die Täter mit großer Wahrscheinlichkeit unter Rastatter Helden des Tritten Reiches zu suchen sind. M L§öMM tWAMllhLf-NüMmlWüNlm Wie uns au? Tanzig gemeldet wird, sind die Täter, die am 11. September in die Synagoge von Tiegenhof eindrangen und den Boden der Synagoge sowie eine Tnchdecke des Atmemors mit Farbe besudelten, festgestellt worden. Es sind drei etwa 20 Jahre alte Nationalsozialisten: ein reichsdeutscher Avbeiter aus Elbing, ein mehrfach vorbestrafter DanzigerHandl u n g s g e h i l f e m:d e i n Student der pädagogisch e n A k a d e m i e i n-E l b i n g, der aus Tiegenhof stammt und Tanzi^er Staatsbürger ist. Zwei von ihnen sind flüchtig. Tie Staatsanwaltschaft in Tanzig hat das Verfahren eröffnet. Tie erste Meldung, daß die Thoralade und die Inneneinrichtung zerstört seien, ist glücklicherweise übertrieben. UMmmg dnt8 WWW NWers rmüMMelen ri. L. Am 6. Oktober d. I. hatte sich d-er ^bekannte natiouasozialistische Reich-tagsabgeordnete Rt ü n cf) meyer vor dein Schöffengericht in G l e i w i tz wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu verantworten. Vor Eintritt in die Verhandlung lehnte der Anwalt des Abgeordneten Münchmeyer einen Beisitzer wegen einer Zugehörigkeit zum Judenum ab. Die Beschlnßkannner verwarf jedoch diesen Antrag und Hai sich damit auf den Boden der mehrfach in diesen Blättern, betau. nt g e g c be u en r ei ch sg e r i ch tli che n Rechtsprechung gestellt. »■SÄt Zn einer öffentlichen 33 er fern ms hma des Siaticnalf P3:aIiftiid>on Schülerbundes, Gruppe Nord-West, am 23. September d. I. in den HohenzvllernsesLsälen hielt ein Primaner 6 u t tn du u eine Rede, in der er u. a. aussühite: . . . Für uns Zagend ist Erfahrung gleich Derkalkrbeit. Glicht Erfahrung. sondern gemnder Menschenverstand ist notwendig. Wenn einer Mathematiker werden will, so sängt er schon in Sexta mit Rechnen an, in Onarta hat er dann mathcrnctische Probleme zu lösen. Wenn man einen Quartaner nach dem Pythagoras fragt, dann sängt er an zu stammeln. Legt man ihm aber die Frage vor: Sind die Jude:: irr Deutschland am Platze? Dann braucht cr nicht nii zu überlegen, sondern wird die richtige Antwort sofort finden. Tine Frage wird sowieso bald gelöst werden. Nach den Vorgängen cm„ Kurnürstendamm schrieb eine gcwipe Presse, voran das daitschs „Berliner Tageblatt"', nach einem Zusammenschluß aller anständigen Menschen; da wurde von dem verlassenen alten jüdischen Herrn gesaselt, der dort verletzt wurde. Unser Ruf im Auslande stehe auf dem Spiet usw. Und wenn dann dieser arme alte jüdische Herr gerettet ist, dann läuft er in die Schreibstube der „Roten Fahne* und schreibt wieder: Schlagt die Faschinen, wo ihr sie trefft. Wir können solche Vorkommnisse wie die am Kursürstcndcunnl nicht gutheißen, denn das wäre illegal. Aber greifen werden wir uns diese Leute alle, nicht mit Gewalt, sondern nur legal. Siche Notverordnung! Aber dann müssen sic auswandern in ihre Heimat ohne Geld, nur mit dem Nachthemd bekleidet. (Lebhafter Beifall.) Und jetzt haben wir den französische Besuch vor der Tür. Ta tverden es sich gewisse Leute nicht nehmen lassen, Frei-Heil zu rufen oder sogar Blumensträuße zu überreichen. So weit ist die Würdelosigkeit bereits vorgeschritten. Das ist ja auch kein Wunder, denn wo Juden sitzen, da wird gelogen und getzcuchest . . . Wegen einer vor den letzten Reichstagswahten in Breslau gehaltenen Rede baue sich der bereits sechzehninal vorbestrafte Stadtrat Holz vom „Stürmer" vor dem Erweiterten Schwstngericht Breslau kürzlich zu verantworten. Man ist bei nationalsozialistischen Rednern kräftige Kost gewohnt. Wes Holz seinen Hörern geboten hatte, überstieg das Maß des Erträglichen so weit, daß die damaligen leitenden Dorstandsmitglieder der Ortsgruppe Breslau des Eentralvereins Rechtsanwalt Tr. T a r - n o w s f i, Rechtsanwalt Keiler, Rechtsanwalt F o e r d e r vom Landesverband des Eentralvereins und der Agitatwnslener Referendar Tr. Jeimann Strafantrag stellten und nach erhobener öffentlicher^ Anklage als Nebenkläger zugelassen wurden. Holz hatte in seiner Rede von den Breslauer Juden als der „größten jüdischen Pest Deutschlands" gesprochen bei allen Behörden sähe man die Synagogenschlüsiel. der deutsche Arbeiter müsie die Mädchen heiraten, die der Jude geschändet habe, die Juden seren eine Promenadenmischung, eine Bastard- und Köterrasie. Holz hatte teilweise zwar dre Inden im allgemeinen beschimpft. Er hatte aber vorher die Breslauer Juden erwähnt, batte ferner im Laufe seiner Ausführungen stets aus Breslau hingewiesen. Rechtsanwalt Keiler als Nebenkläger, und Vertreter von zwei Nebenkläger:' betonte deshalb, es komme nicht daraus an, ob die einzelnen Personen namentlich hervorgehoben werden, es genüge, daß die Gesamtbezeich n u n g erkennen lasse, auf welche Einzelpersonen sie sich beziehe; es komme nicht einmal daraus an, ob der Angeklagte die beleidigten Nebenkläger gekannt habe. Tie Breslauer "jüdische Bevölkerung st ei trotz teilweise allgemeiner Beschimpfungen getrosten, daher seien die Nebenkläger zum Strafantrag legitimiert. Dem schloß sich das 'S chöistn geeicht an. Der Angeklagte wurde zu einem M o na t Gesangu i s verurteilt. Beim Strasinaß wurden die s ech z e h n B o r st r a s e n, darunter eine von drei Wochen Gesirngnis wegen übler Nachrede. eine von drei Monaten 13 Tagen wegen Religionsvergehens, berücksichngt. Tie letzte Vorstrafe von CO'1 Mark war 'wegen 14 Beleidigungen in Tateinheit mit 13 üblen Nachreden verhängt worden. Ter Vorsitzende hob im Eucklong mit den Ausführungen des Staat-anwaltschaftsrais hervor, daß Leute wie Holz durch Gekdstra'en von ihren beleidigenden Handlungsweisen nicht ab geschreckt werden, es sei deshalb eine wirksame Gefängnisstrafe am Platze. Tie Nebenkläger erhielten das Recht, das Urteil im „S t ü rmer" und in der „N euen Breslauer Zeitung' zu veröffentlichen. M tw Eimsiümmer Tie Berufung vor der Strafkammer des Landgerichts Braunsberg wegen des Ucoersalls der Real'chüler Sprigath und Nandelsrädt auf den jüdischen Handlungslehrlina Arthur K nopp am 17. März, wobei diestr durch einen Stich in den Herzbeutel verletzt wurde, wurde verworfen. Tiefes Urteil kann genau so wenig wie das der Borinstanz, das aus sechs Wochen Gefängnisstrafe gegen Spring-2th und Freispruch gegen N a n b e I ft ä b t lautete, befriedigen. Bon allen Prozeßparreien wird Revision beantragt werden. EMÄlverM lnAmringen übgllM Im thüringischen Landtag wurde am 13. Oktober über den Antrag auf Verbot des Schächten? beraten. In Abwesenheit der Nationalsozialisten wurde der Antrag mit den Stimmen dcr Sozialdemokraten, Kommunisten und Staatspartei gegen die Stimmen des Landbundes, der Wirtschaft-Partei und Temsihnauonalen bei Sn'mmenthalrung der Bolkspnrtei nbgelehnt. sem i tismns führen mußte. .Als der Kronprinz Ende 1879 von längerem Aufenthalt in Stalten zurückkehrte. sagte er in einer Sitzung der Viktoria-Jnvaliden-Stiftnng zu Stadtrat Magnus, dem Vorsitzenden der jüdischen Korporation von Berlin: „Tic antisemitische Agitation ist eine Schmach für Deutschland. Ich habe mich im Anstand den Ausländern gegenüber dieser 'Agitation geschämt." Tie Agitation ging damals weiter. In der Neujahrsnaa-t kam es zu gewalttätigen Exzessen. Eine organisierte Bande von 56 Personen drang unter Hochrufen aus Stöcker und Treitschke und nur dem Rufe -.Juden raus!' in das Eafä Bauer. Unter der: Pmden. Ter Kronprinz nahm zu der antisemitischen Bewegung noch einmal das Wort, wiederum zu Stadtrat Magnus. Er erklärte: „Was sein (Gefühl dabei am mcisreu verletzte, sei die .Hinciirtraguug dieser Tendenzen irr die Schulen rurd Hörsale. Irr die Pflanzstätten des Gdlcr; und (Outen sei dieses böse Saurenkoru hineingcworscn worden. Hoffentlich werde cd rricht zur Reise gctaugerr. Gr vermöge eck nicht zu fassen, wie Männer, die auf geistiger Höhe stehen oder ihrem i)lnf nach stehen sollten, sich zum Träger und .Hilfsmittel einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleichmäßig vcrwerslichcu ^tgitatrorr hcrgcbcrr tönrrtcn." Fürst Eulenburg, der die 99 Tage mit erlebt hat und sie einen Herenkessel nennt, in de:n alle menscb.ichen Begehrlichkeiten siedeterr. der dann den Glanz und Abstieg der Kaiserzeit Wilhelms II. aus nächster Nabe beobachtet hat, sagt \\\ einer rückschaueuden Betrachtung, daß mit der Grablegung Kaiser Friedrichs Me K 011301* si 0 n a n 0 i e Zeit z u G r a b e g e t r a g e n wurde, die Ileberleitung der deutschen Politik in zeitgemäße Forme::, daß sich damit das Schicksal Teutschlands vollzog. Gewiß ist es müßig zu fragen, was ecrvortzen wäre, ivenu Kaiser Friedrich eine normale Regieruugszeir beschieden gewesen loäro. Taß aber gerade der einzige liberale Hohenzoller in der mehrhnndertjährigen Geschichte scins Geschlechts so vorzeitig ausgelöschr wurde, ist ein nicht nur menschlich ergreifendes, sondern auch politisch tragisches Geschick, und nur l-aberr alte dafür gebüßt.

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