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Central-Verein-Zeitung · 1931-09-18 · 38 (18.9.1931) · p. Seite 460

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
38 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
Seite 460 (sequence 4)
Language
German
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460 rückst vorbestraft ist. Es hat ihm and) feine wahrscheinliche Erregung durch die Vorgänge im Karhausoafe Zugute gehalten. Königsberg Acht 'Angehörige des jüdischen Turn- und Sportvereins „B a r $iod)b a~ in König s - Berg i. Pr., fast auZsckließlich Schüler, wurden in der Kaiserstraße in Königeberg von Nationalsozialisten, die aus einer Versammlung kamen, in der Tunkelhei: ü^rsallen. Tie Täler konnten noch nicht sestgesteÜL weiden. m In Lyck hat sich in der letzten Zeit die nationalsozialistische judenfeindliche Bewegung in erschreckendem Maße ansaewirtt. Als kürzlich dort ein jüdischer Kaufmann, der aus Nahrungssorgen seinem Leben ein Ende gemacht hatte, beigesttzt wurde, wagten es antistmiüsche Kreise, in unmittelbarer Nähe des Trauerzuges eine Tafel mit der Jnsthrist aufzustellen: ,.2o wird' s E u ch allen ergehen!" Tie nationalsozialistische Ortsgruppe rückte allerdings in der mit ihr sympathisierenden. „Ly cker Z e i t u n g" von den Tätern ab und verdächLinie Anhänger des Tannenberg-Bundes der Tat. Ter Oberstaatsanwalt in Lock Hai gegen den Plakatträger und die Hintermänner <rtrasrwsahrm ein ge leitet. Tie Lucker Zeitung" wurde kürzlich wegen Beschimpfung der Reichsregierung ans Grund der Presienotverordnung durch den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen auf die Tauer von vier Dechen verboten. black) ihrem Diedererscheinen brachte sie eine Reihe judenscindlicher Lrrikel, trotzdem ne sich bisher nie gescheut hat, die gutbezahlten Inserate jüdischer Firmen auszunehmen. Mir diesen Aussätzen stärkte sie die judenfeindliche Agitation der Nationalsozialisten. Als der Bürgermeister nun kürzlich eine öffentliche Kundgebung der Nationalsozialisten im letzten Augenblick verbot und dadurch Gewalttätigkeiten der Nationalsozialisten gegen die Lycker Polizei entstanden, benutzte die „Ly cker Zeitung" diesen Beschluß zu der Behauptung, die Juden hätten die Polizei Zu in Verbot d e r B e r a n st a l t u n g und Z u m gewaltsamen Vorgehen gegen die Nationalsozialisten veranlaßt, denn — man habe den Leiter der Aktion, den Polizeimeister Müller, am Tage vorher mit Juden sprechen sehen! In Lyck wurde gegen die jüdischen Ceschäftsinhaber in stärkster Weist Boykott propagiert; Zettelverteiler stellten sich an den Markttagen vor den jüdischen Geschälten auf und als verantwortliche Herausgeber waren'aus den Boykott- Zetteln die überhaupt nicht bestehenden Organisationen „Teutscher Vckcksdiemw und Deutsche Ausklärungsgeme'.nde" angegeben. Ter Regierungspräsident in Allcnstein verbot diest Zettel aus Grund der Pressenrtverordn.ung des Reichspräsidenten, nachdem die Polizeiverwaltung ihrerseits ein Verbot abgelehnt hatte. Die sich her ausstellte. haben die nichtjüdischen Geschäftsleute lediglich a u s K o n l u r r o n z g r ü u d e n die'e^ Boykottagttatiou finanziert. Es ist gegen sie Strafanzeige wegen unlauteren Wetttewerbs erstattet worden. Taw Regierunaspräudznt in Allcnstün hat sich auf Grund all dicker Borgän.ge veranlaßt gesehen, einen Sonderkonunisiar zur Untersuchung nach Lyck zu emsenden. Selbstrrrständlich sieht der Laudesoerband Ostpreußen des (stn.tralvereinZ unseren Ly cker Freunden mit aller Kraft zur Seite. x. 8. ZriMMWÄrmg Nr. 104 Der jüdische Friedhof in Ne eum agen an der Mosel wurde von bisher unbekannten Tätern heimgesucht. Zehn Grabsteine wurden umgcworsen und vier stark beschädigt. Ter Schaden ist repariert und der Friedhof vor neuen Verwüstungen gesichert worden. 5rmMrk ln Not! Der Zentralverband jüdischer andwerker Deutschlands E. V. (Sitz rlin) verbreitet einen Aufruf, in dem es heißt: „Furchtbar und verheerend sind die Auswirkungen der Wirtschaftsnot in jüdischen Kreisen, vor allem im gewerblichen Mittelstand: verursacht durch die allgemeine schlechte wirtschattliche Lage, besonders aber durch einen ' sich täglich steigernden Antisemitismus. Unzählige selbständige Existenzen sind nicht nur erschüttert, sondern zum Teil zum Erliegen gebracht worden. Menschen, die früher in geordneten Berhältniffen gelebt haben, sehen keine Möglichkeit mehr, den Taseinslanaps aufzunehmen, wenn in diesem Augenblick höchster blot der Ernst der stunde von denen nicht erkannt wird, die in der glücklichen Lage sind, von der ganzen Ducht des Dirtsichafrskampses nicht betroffen zu sein. Darum appellieren wir an das' Solidarttätsgesübl eines jeden und wenden uns mit besonderer Eindringlichkeit an unsere Gtanbensbrüder mit der Bitte: Gebt unseren jüdischen Handlvcrksbrüdern Arbeitsmöglichkeit! Entlohnt sie aber auch nach ihren Leistungen! Keiner nutze die Arbeitskraft stiner Mitmenschen infolge der ungeheuren Rot aus!" Mler wR die SchWstz „ersHsm" Nach Meldung des „Schweizer Jüdischen Wochenblatts“ hat die Hitler-Partei ein Sekretariat in Zürich errichtet, das, geleitet von Max von Mönstadt, die Schweiz im Sinne der NSDAP, bearbeiten soll. Dazu wird uns aus der Schweiz geschrieben: Tie deutsche völkische Propaganda, die stit Jahren in der Schweiz Fuß zu sagen sucht, erlitt dort bisher nur kläglichen Mißerfolg. Sie trifft aus das, was mau in Deutschland eine „policksth gesunde Einstellung" nennt. Schweizer Patriotismus und Nattonalbewußtstin vertragen nch nicht mit Judenbetze. Tie Sicherheit in einem Lande, das mitten im Kontinent liegt, unberührt von den Kricgsraten der großen Mächte, schuf nicht engherzigen Nationalismus, sondern gab dem Asylrecht Eristenz, verschaffte denjenigen eine Zuflucht, die sich in ihrem Heimatstaat nicht ausleben konnten. Eine enge Bindung zwischen Ehristen und Juden kam nicht zustande, das Verhältnis ist gerecht und korrekt. Ein latein.es Tisferenzbewnßtsein besteht in der christlichen Bevölkerung, aber nicht aus religiöser oder „rassischer" Voreingenommenheit, sondern weil die Juden zum geringsten Teil^ geborene Schweizer, vielmehr vorwiegend Elsüper, Deutsche, Franzosen und Ostjuden sind. Daß Juden in Lehrstellen und Staatsämtern kaum anzutrefsen sind, liegt an dem geringen Ehrgeiz der Schweizer Juden nach dieser Richtung. In dieses nachbarliche Zusammenleben versuchen nun seit einiger Zeit deutsche Kreise durch Vertrieb ihrer Hetzliteratur einen Keil zu treiben, doch umsonst. Wohl stellten einige Buchhändler Fords internationalen Indem aus, aber ohne Wissen um das Werk, wie einige auf Befragen Zugaben. Eines Tages versuchte sogar ein Herr Alt aus Olten in Schweizer Städten ein Plakat anzuschlagen, das geeignet war. eine Pogromstimmung zu schassen. Ter Inhalt war dem nationalsozialistischer Anschläge sehr ähnlich. Es wurde behauptet, daß die Anslandsschweizer durch reu „jüdischen Weltkrieg" 920 Millionen eiugebüßt hätten und daß durch die jüdische Tottrin die Grundmauern des Schweizerchauses uuterwühlt worden seien. Ta der Kultusvorstand der Gemeinde Basel energisch gegen A I1 vor ging, wurde der Anschlag des Plakates als rechtswidrig verboten, schlich-, lich kam es zu einer Bestrafung dieses Unruhestifters. Gegen alle derartigen Versuche hat ein schweizerischer Schriftsteller rechtzeitig seine Stimme erhoben: C. A. Lovsli. Schon vor vier Jahren erschien sein Bttch ,Tie schlimmen Juden'", in dem er scharf mir Ford und den „Proirkollen der Weifen von Zion" zu Gericht gehr, ihre Entdeckungen widerlegt und dabei die besonderen Bedingungen der Juden in der Sckweiz ins Auge faßt. Aus Liebe 3U den Juden ist das Buch keineswegs gechriebeu worden, aber atis 6 e r e ch t i g k e i t §- inn, der einer kulturschädigendon und zeretzenden Bewegung den Kamps ansagen will. Einer Bewegung, die schädigend weniger auf den Angegriffenen wirkt, denn er wird nicht schlechter, rvcnn er nur seines Borhandenjeins wegen geprügelt wird, wohl aber auf den Angreifer, der sich selbst ins' Unrecht setzt, wenn er einen Bevölkerungsteil in völlig illoyaler Weise angreist. Also aus Liebe zu den Schweizer Volksgenossen wurde das Buch geschrieben, damit sie nicht das Asylrecht den Juden gegenüber brechen, nicht der „Schmach des Jahrhunderts" anheimsallen, nicht den Namen der „freien Schweiz" entehren. Das Buch, das sicher Wahrheiten enthält, au denen sich manche aufgeregte Juden schon stoßen, noill hauptsächlich aufklareu, die „schlimmen" Juden enthüllen, — der Titel will das Vorurteil weiter Kreise zum Ausdruck bringen —, mit ihnen aber die noch schlimmeren Juden g e g n e r, die ihr Werk als wahre Dunkelmänner in der Schweiz zu keinem Erfolg führen sollen. Zur Ehre von L 0 0 s l i s Landsleuten sei es gesagt: Seine von großzchgiger Gerechtigkeit diktierte Schrift fand den Weg zum Volke, den Ford und Rosenberg u m s 0 n st gesucht, die ausschlußreickwn Darlegungen Looslis wurden vielfach Zustimmend konnnentiert und haben zweifellos einen starken Eindruck in der Bevölkerung hin-erlagen. Als trotzdem die judenfeindlichen Wühlversuche nicht aushörten, meld-ete sich L 0 o s l i mit einer zweiten Broschüre zum Wort: „Tie Juden u n d w i t!"*) Wir Schweizer, — sagt dev Verfasser —, ein Volk, das keine geographische, keine rapenmäßige, leine religiöse Einheit besitzt, können innexlicl) nur bestehen, wenn ein Boltsicif dem andern Vertrauen und Toleranz entgegenbringt. Das lehrt die Gckchichte von mehreren Jahrhunderten und beweist das friedlidjc Bestehen dieses Landes ständig von neuem. Aus dem Grunde der Toleranz, des Asyls, jcderckalls um unsertwillen, müssen wir bestrebt sein, den Juden in uitfcr Land einzuglicdern. So lehnt Loosli erneut jedes Unrecht und jede Bewegung gegen seine jüdischen Mitbürger ab, die er lieber irr engerem Kontakt mit seinen Schweizer Volksoenoren sähe. 3o predigt Loosli erneut Abwehr gegen jede feindliche Strömung von außen, um seine Schweizer vor Verhetzung und Ungerechtigkeit, vor Verkennung seines Wesens und seiner Ausgabe zu schützen. *) §. A. Loosli: „Die Juten un.L wir." Zürich, 1030. Verlag Dr. E. Marx. ' üMoe IInp.ügGrieli «Ich ein nicht versäumen, Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste „ChstrodoiU" nicht nur reine, weist: Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruchverloren habe. Ich werde IhrChlorcdont aufs beste emp'eh'en." gez. E. G., Main». Dian rerlange nur die echte Chlorodont-Zahnpcste, Tube 54 Ps. und 90 Ps^ und Weise jeden Ersatz dafür zurück.

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