Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 38 (18.9.1931)
- Date
- 1931-09-18
- Page
- Seite 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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45$ Berliner Sportpalast das Interesse an der „Vorübung Zum Pogrom" vom Rauschhaschonolligo. Und washat derCentralverein getan? Ist er überhaupt bei solchen Vorkommnissen etwas von Nu!ien? Ter Centralverein, der schon zu Beginn der Ausschreitungen von verschiedenen Seiten telephonisch angerufen wurde, hat unverzüglich die nötigen Schritte bei der Polizei unternommen. Sofort begaben sich leitende Beamte des Vereins an Ort und Stelle. Noch in der Nacht wurden nach jeder Richtung hin geprüfte Nachrichten der Presto übergeben. Noch in der Nacht wurde vom zuständigen Landesverband Groß- Berlin aus eine Protesterklärung, die sich an die Anständigen jedweder politischen Richtung im deutschen^Volke wandte, der Oesfentlichkeir zugeleitet. Selbstverständlich kann der C. V. derartige bedauerliche Ausschreitungen nicht verhüten. Das kann weder die Polizei, noch die Reichswehr, noch irgendeine Regierungsstelle. Aber das Publikum kann viel tun. Freunde von uns berichteten uns nach den Ausschreitungen über verdächtige A e n ß erungen, d i e a m S o n n a b e n d nachmittag schon in der Tanenhienst raste gefallen sind und denen sie keinerlei Bedeutung beimasten. U n n r.i g ä n g - lich notwendig ist es, daß jeder, der irgendetwas Verdächtiges in diese r Z e i t hört, es unbedingt dem C. D. w e i t e r g i b t, d e r T a g und Nacht telephonischen Anschluß ha ch u n d 9t a ch r i ch t o n pflichtgemäß d e n i c I» len zuleiten wird, die dafür in Frage kommen. Solche Mitarbeit aller Staatsbürger, die allerdings ohne Nervontat und mit kühlster Sachlichkeit geleistet werden must, kann von größter Bedeutung sein. Tos hat auch der Herr Polizeipräsident in der Unterredung ausgesprochen, über die weiter unten berichtet wird. Ter Eentralverein hat ferner Schritte bei der zuständigen preußischen Behörde, dem M i - n i ft c r i u m des Innern, unternommen. Ton Schritten schloß sich der Vorwand der Jüdischen Gemeinde durch die Person des Vorsitzenden, Herrn Tr. h. c. Wilhelm Kleemoiin, an. Auch darüber wird gesondert berichtet. Tiefer Schritt hatte vor allen Trugen die Absicht, auf die allgemeinen politischen Folgen der am Neujahrsabend Planmäßig unternommenen Uebeisälle hinzuweisen. Gerade die Tatsache, daß die Rohlinge sich einender h ö ch st e n jüdischen Feiertage aus suchten, um Besucher des Gotteshauses feige und hinterlistig zu überfallen, wird selbst im T e u tsch l a nd w o h l w o l l end e n Ausland d i e g r ö st t e A bs ch e u Hervorrufen. Ter Preußischen Sraatsregierung und vor allem der Reichsregierung must daran liegen, das Wohlwollen, das Deutschland gerade jetzt so nötig braucht, nicht mindern zu lasten. Von diesem Gesichtspunkt, und nicht nur von jüdischem, sind die Unruhen am letzten Sonnabend besonders betrüblich. Weitere Schritte, die der Centratverein unternommen hat und die sich davnus im gesetzlichen Nahmen bewegen, wollen wir hier nicht mitteilcn, weil wir wisten, in wie schamloser Weife sie von unseren Gegnern umgelogen werden. Bei dieser Gelegenheit aber kommen wir nicht um unsere alte und ernste Klage herum: Ist das Kind in den Brunnen gefallen, so ist die Rettung gewöhnlich äußerst schwierig. Unsere deutschen Inden empfinden noch lange nicht genug in ihrer Gesamtheit, daß die unerhörten Schmähungen in den nationalsozialistischen Versammlungen. die täglichen Verleumdungen unserer heiligen Religion, unserer überlieferten Schriften, die Beschimpfungen von Kanzel und Katheder mindestens uns ebenso troffen wie die Anrempelei aufgehetzter Burschen ans der Straße. Viele von unseren deutschen Juden stehen abseits. Andere übersehen, daß, wenn es gelingt, Aufklärung und immer wieder Aufklärung über die allgemeinen Gefahren des UWD Z Ich (M- A -•* " S A?; VW'' v/N?SfVv'iV ♦vv» fysZs/x iK/*f ..7-.'^ 4* V U H . v v i '/ Wegen der Ausschreitungen am Kurfürstendämm suchte der Vorsitzende des Centralvereins. Iustizrat Tr. Brodnitz, in Begleitung des Syndikus Tr. Wiener und des Syndikus von Groß-Berlin, Tr. R eidjmann, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Tr. b. c. Kleem ü 11 n, am Tienstaa, 15. September, den Minister des Innern ans. An Stelle des verreisten Herrn Ministers empfingen der Staatssekretär des Innenministeriums, Tr. Ab egg. und der Ministerialdirektor Tr. Klau ß n e r die Herren. Staatssekretär Tr. Ab egg sprach d-as 'herzliche Bedauern des Preußischen IrurcnmLniIers über die KieI.sieitsalkc, die csIenbau alstichtlich cn cineu.r der höchsten jüdischen Feiertage stairgcsundcn haben, ans. Bei der Unterredung wurde besonders betont, daß die politischen Wirkungen dieser Ausschreitungen auch nach dem Auslände hin höchst bedauerlich seien. 6s wurden alle Maßnahmen zugcsagt, die geeignet sind, eine Wiederholung der beschämenden Vorgänge zu verhindern und die Uebcltäkcr schleunigst der gerechten Bestrasrrng zrrzrrfiihr'eu. Ter Syndikus des Centralvereins, Tr. Wiener, und der Syndikus des zuständigen Landesverbandes Groß-Berlin, Tr. R e i ch m a n n, wurden am Montag. 14. September, von dem Berliner Polizeipräsidenten Grzesinsky und dem Polizeivizepräsidenten Tr. Weiß zu einer ausführlichen Besprechung empfangen. Ter Polizeipräsident betonte eingangs, daß die Angriffe gegen die Polizei ungerechtfertigt seien; die Polizei sei sofort nach dem Bckanntwerdcn der Störungsabsichten zur Stelle gewesen und habe, was die zahlreichen Festnahmen beweisen, energisch drrrchgegrissen. Wünschen und Anregungen auf Grund der Erfahrungen vom 12. September wurden vorgebracht. Ter Polizeipräsident sagte ihre Erfüllung, soweit möglich, zu. Ter Polizeipräsident betonte, daß in den Nenjahrstagen die Synagogen selbst stark polizeilich bewacht und daß in der Gegend der Synagogen Belästigungen nicht vorgekommen seien. Auch für die bevorstehenden Feiertage werden für den Schuh der Synagogcnbcsuchcr in jeder Weise Vorkehrungen getroffen wcrden, so dast zur Beunruhigung des Publikums kein Grund vorlicge. Tie Polizei fühle sich stark genug, nur jederzeit mit Unruhestrstern fertig zu werden. .Selbstverständlich sei es unmöglich, in solchen erregten Zeiten stets zur Stelle zu sein, wenn ein einzelner angesallen werde. Werde die Polizei aber rechtzeitig alarmiert, so werde sie stets mit Erfolg durchgreisen können. Nationalsozialismus, über die anarchische Zwangläusigkeit des Annsemitismns zu verbreiten, wesentliche Duellen von Ausschreitungen verstopft sind. Sie helfen dem Eentralverein noch bange nicht genug, und sie kommen mit guten Worten erst dann, wenn nicht mehr ruhige Vorarbeit Helsen kann, sondern höchstens der Gummiknüppel. Solange nicht die Zehntansende, die heute willig und gläubig den Hetzern lauschen, von der Unrichtigkeit der judenfeindlichen Argumente überzeugt sind, solange sich nicht die künstlich erzeugte Verachtung und der künstlich erregte Haß gewandelt haben, wird die Arbeit der berufsmäßigen Aufwiegler immer einen gewissen Erfolg Zeitigen. Traurig, seststellen zu müsien, daß aus den üblichen taktischen Erwägungen heraus Blätter der Rechten entweder über diese schanilosen Vorgänge am Kursürstendamw. gar nicht berichten oder sie ohne irgendeine absprechende Erläuterung als bloße- Meldung wiedergeben, wenn auch ein großer Teil der Berliner Presse die P r 0 t e st e r k l n r u n g des Landesverbandes Groß-Berlin des C. V. verbreitet hat. Es gibt eine Reihe von Zeitungen, deren Verbreitung und Bedeutung keinesfalls gering sind, die nicht den Mut haben, von einer jüdischen Friedhossschändung etwas ihren Lesern mitzuteileu, und die auch nicht den Mut hatten, die jammervollen Ereignisse am Kurf'ürstendamnr zu Fadeln oder gar zu bekämpfen. Eine solche Premy und die Parteien, die dahinter stehen, sind die Mitschuldigen an dieser innerdeutschen Entwicklung. Wenn solche Zei- -tungen schon nicht aus Anstandsgesühl von Friedhvfesclpndungen und Roheitsakten abrücken, so sollten, sie die Erwägung nicht vergessen, daß Beschimpfungen, Uebeisälle und der Kampf gegen Gräber, der heute gegen die Inden geht, sich eines Tages auch nach ganz anderen Richtungen, die solchen Blättern und Zeitungen wenig genehm sind, entladen könnten. Ter Eentralverein wird weiter auf der Wacht sein. Er erwartet aber von allen seinen Freunden und von allen deutschen Juden, gleich welcher religiösen und politischen Richtung, daß sie ihn in diesem Kampfe aufopferungsvoll und freudig unterstützen. .. hm l;M LZ mMZgettlM!" In der Fachgruppe der NSDAP, für das GastwirLsgewerbe sprach am Montag, _ den 14. September d. I., ein Redner namens K e l - ler in einer schwach besuchten Versammlung über das Thema „Gewerkschaften und Llländeparlament im Tritten Reich"; er ging auch aus die Ausschreitungen am Kurfürstendcnmn ein und machte dazu folgende Ausführungen, die die Verdrehungsknnst eines nationalsozialistischen Redners im Hellen Lichte zeigen. Tie Trohungen an die Adresse des Berliner Polizei- Präsidenten und der Vergleich mit dem Hinrveis aus die Mörder der beiden Polizeiossiziere ist für die Einstellung und die Gewissenlosigkeit bestimmter nationalsozialistischer Agtatoren außerordentlich bezeichnend: „. . . Wir müsien daher auch notgedrungen Stellung zum Judentum nehmen. Wir wollen nicht hetzen, wir wollen auch keine Pogrome. . . Meisterhaft hat es die freche jüdische Journaille verstanden, das Volk zu betrügen, zn verleumden und die wirklichen Volkssührer mit Dreck zu überschütten. Tann kann 'sie sich auch nicht wundern, wenn einmal den jungen, heißblütigen, wahrhaft nationalistischen Kreisen die Galle überlälist und sich in Szenen wie am letzten Sonnabend am Kurfürstendamm Lust macht. Hier liegt wirkliche Notwehr vor. Wenn die jüdische Lügenprcsse weiter so sortsährt, uns und unsere Führer zu beschimpfen, dann kann cs dahin kommen, daß wir, ebenso wie cs damals nach der Ermordung der Polizewfsi,ziere die Kommunisten taten, dem Berliner Polizeipräsiden-. ten sagen müssen, wir. haben die Blasse unserer Anhänger aus unserer Führung verloren, wir können für sie keine Garantie mehr übernehmen. Uut> jetzt schwindelt dieses freche Judengcsindct noch, Tr. Goebbels sei der Anführer dieser Massen am Kttrfnrstendamrn gewesen. Tie Juden sollen sich nur nicht täuschen, hätten wir die Sache organisiert, dann hätte sie ganz anders geklappt. Ten Juden wird ja ihr Neujahrsfest etwas unangenehm verlausen sein.."