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Central-Verein-Zeitung · 1931-09-11 · 37 (11.9.1931) · p. Seite 449

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
37 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
Seite 449 (sequence 9)
Language
German
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449 Macht zu erorci;cn. Niemals wäre c-5 \ol-:\d:i genmseu, niemals hätte cs so wenig Widerstände gegeben. Er braucht nicht einmal seine Uniform anzuziehen, Paraderock, Zweispitz mit den Meißen Febern, er braucht nur zum Hut zu greisen und das Restaurant Durand zu cherlassen, um an der Spitze dieser Hundertmn'end, die draußen auch ihn Wärtern, nach dein Ein säe zu ziehen: niemand wird es 'waren, sich ihnr entgegenznstellen. Tie Polizei ist schwach Z:nd ohmnächtig. Die Menschenmenge wird sie schnell hinweg fegen, und viele sind unter den Belize iageiUeu, die nur daraus warten, daß sie rufen dürfen: „Hoch BoulangerU Und das Militär? Fünftausend Mann Infanterie und Kavallerie stehen bereit. Wer ist in dieser Situation der Regimenter sicher? Von der republikanischen Garde weiß man, daß sie koulaugiüisch gesinnt ist. Ter Rapport eines Geheimagenten liegt vor: „Wenn man die Soldaten aus der Kaserne marschieren läßt, ^werden sie in Hochrufe auf Loulanger ausbrechen." Ein Soldat ist bestraft worden, weil er in Reih und Glied gerufen hat: „Es lebe Boulanger'A Aus dem Gefängnis schrieb er dem General, und wenn man ihn an die Mauer stelle, werde er nicht aufhören, den General hochloben zu lassen. Nein, Boulcugger weiß es, und seine Freunde münen es wissen wie er. daß die Macht ihm in diesem Augenblick förmlich entgegengetragen wird. Und doch zögert er, sie zu ergreifen, doch sitzt er, von Freude bewegt, aber in passiver Indolenz befangen, in dem kleinen reservierten Talon, in dem Marguerite von Donnemains seine Freude an dem Erfolg teilt . . , Sämtliche Führer der Patriotenliga sind hier versammelt. Entschlossene, fanatische, zu allem bereite Männer. Haben sie umsonü gearbeitet? Haben sie umsonst den General aus den Schild gehoben? Ist all das viele Geld, dessen geheimnisvolle Quellen in diesem Augenblick noch unbekannt sind, umsonst ausgegeben worden? Scheitert an der Starrköpfigkeit oder an der Unfähigkeit oder an der Verliebtheit eines Mannes ein Projekt, das für viele Lebensimhalt geworden ist? Bleibt die dritte Republik bestehen, weil ein Paar Augen den Prätendenten in ihrem Bann halten oder weil dieser Mann im entscheidenden Moment nicht über seinen Schatten springen kann? Keiner von allen Schriftstellern, von welcher Seite aus sie die Dinge auch betrachten, keiner von den Ministern und den Beamten, die all dies aus der Nähe gesehen haben, keiner von den Nachfahren, die um die Lösung des seelischen Problems bemüht gewesen sind, keiner von ihnen allen hat bezweifelt, daß, wenn Bonlanger an diesem Abend den Versuch zur Machtergreifung unternommen hätte, er mit Sicherheit gelungen wäre. Ter Präsident Earnot freilich hat seine Kaltblütigkeit nicht verloren. „Man muß alles ernst und nichts tragisch nehmench ist am Abend dieses Tages seine Tevise. Jamss SiMW M Lahee di Von Or. Ernst Feder James Simon, der am 17. September achtzig Jahre alt wird, liebt nicht znrückznblickcn. Er lebe heute, wie er immer lebte, der Gegenwart und der Zukunft, lebensfroh, mogm eh losten jeder neuen Entwicklung in Kunst, Politik und geistigem. Leben. Aber wenn er auck vermutlich ungehalten ist, daß man seines Geburtstages überhaupt gedenkt, seinen Freunden muß er gestatten, an den Inhalt solcher acht Jahrzehnte heute zu erinnern — die Oefsentlichkeit hat einen Anspruch darauf. James Simon nt einer der wenigen wirklichen Berliner und weiß von der Reiche-Hauptstadt zu erzählen, wie sie in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aussah. In der Oranienburger Straße ist er geboren, auf dem Weihnachtsmarkt des Schloßplatzes tummelte sich der Junge, in der Königstädtischen Realschule war er der schlechteste Schüler und stritt, wie er lachend bekennt, mit einem Freund um den letzten Platz — meist mit Erfolg. Als er dann ins Gymnasium überging, in das Graue Kloster unter Bellermann, war er bald der Besten einer. Abiturientenexamen — kurze Lehrzeit — und dann s ü n s z i g Jahre Gebrüder S i m o n, die Großhandlung für Baumwollwaren, die Vater und Onkel gegründet und er zu jenem Haus von Weltruf gemacht, das ein klayisches Beispiel wurde für unbedingte G eschäs t s sol id itd t gegenüber Lieferanten und Kunden, für pflichtbewußten sozialen Sinn gegenüber allen Mitarbeitern. Sucht man für den Begriff des ehrbaren Kaufmanns eine Verkörperung — man findet sie in James Simon. Ter erfolgreiche Kaufmann, in harter Tagesarbeit ganz der Berufspflicht zugetan, war sich der Pflichten gegen die Allgemeinheit gleicher-, maßen bewußt. Er gehörte nicht zur großen Schar jener, die bald für die eine, bald für die andere Unternehmung oder Veranstaltung ihren Namen Hergebern froh, damit ihrer Pflicht genügt, in der -Oefsentlichkeit Figur gemacht zu haben. Lieh er seinen Namen, so war er mit der ganzen Persönlichkeit dabei, das gab seinem Eintreten, seiner Unterschrift das besondere Gewicht. Er füllte jedes Amt mit Ernst, mit Hingabe aus, in der Handelskammer, im Berwaltungsrat der Reichsbank, in den vielen Gremien, die seinen Rat suchten. Ein Gegengewicht zur Tagesbefchärtigung war ihnr das immer stärker, immer inrennver werdende Jntereve für die Knust, die Planck besonders und die Malerei, das ausging von dem Wunsch, sein Hans zu schmücken und das ihn, in steter Beratung durch Bode und Friedländer, zu einem hervorragenden Kunstkenner und einem der bekanntesten Kunstsammler machte, zugleich zu dem großartigsten Kunst m äze n, den das neuere Deutschland gesehen hat. Leine reiche Sammlung italienischer Renainan.cekunst stiftete er 1904 zur Eröffnung des Kacker- Friedrich-Museums, und als einziger Musenmsfreund, dessen Gebefreudigkeit Krieg und Revolution und jede Veränderung der eigenen Lebenslage überdauert hat, machte er im Jahre 1900 seine große Sammlung altdeutscher Kumt dem neuen Deutschen Museum zum Geschenk. Hervorragend beteiligt an Gründung und Führung der Deutschen O r i e n tg e s e lisch a f t, hat er die Grabungen in Mesopotamien, in Palästina, in Aegypten und Kleinasien möglich gemacht. Tie'weltberühmten Funde, die jetzt die Berliner Museen zieren, sind sein Geschenk. Königliche Gaben in jedem Sinn: den kostbaren Porträckops der Königin D e j e dankt das Museum ihm, und eine seiner vornehmsten Spenden ist die „bunte Königin^, die viel ümkämpfte Nofretete. Er war einer der wenigen königlichen K a u f k e u t e in einer Monarchie, die so viele königliche Kommerzienräte kannte, und in einer Republik, in der viele noch nicht begriffen haben, welche besonderen Pflichten der Bolksstaat den Führenden auferlegt, ist er ein Vorbild staatsbewußten Bürgertunis. Der Kaiser, mit dem er durch seinen Freund A d m i r a l H o l l m a n n bekannt geworden war, suchte seinen Umgang: er wußte, daß James Simon nichts von ihm wollte, auch in diesem Verkehr der Gebende war. Allen äußeren Ehrungen verstand er sich zu entziehen. Wie lachte er, als einmal in Berlin das Gerücht ging, daß er Wirklicher Geheimer Rat mit dun Titel Exzellenz geworden sei. Orden und Titel rs n tUJ g tf D3 □ <§ D (sj (oj CT © ’u 1/ : ■ Li d ü O moncheni Weil in ihnen 150jährige Erfahrung der Österreichischen Tabakregie im Einkauf des Tabaks, in seiner Lagerung und Behandlung, in der Kunst der Mischung vollendeten Ausdruck findet. Ueberzeugen Sie sich, bitte, durch Kostproben. — Ihr Vorteil gebietet es. Seit einem Menschenalter ist unsere Standardmarke a U I< / P 'P * ff» 1 v & £ li ii?,*>> L HuQ 5 Pf. / Eos eil svaüer 'f. / Khedive 8 Pf.

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