Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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433 Kommt ein KmzfeWMWf in der RSGAN-? Auf der Schlochauer Tagung des Haupt* Vereins Grenzmark Posen-Westpreußen im Evangelischen Bunde, die vor kurzem ihr Ende erreichte, führte der Bundesdirektor D. fahren!) o r st Icui dem Bericht - des „Geselligen' (Schneidemübl. den 19. August 19-31) in einer öffentlichen Versammlung über die nationalsozialistische Bewegung das folgende uns: „Tie nationalsozialistische Bewegung mujw begrüßt werden als eine Gottessügung, denn sie bringe einen frischen Wind in die nationale Einstellung unseres Volkes. Aber als Proteslant müsse man ihr doch mit großer Sorge geaenüberstehen. Tie maßgebenden Führer, wie Hitler, Goebbels, straffer und andere, seien Katholiken. Auch fehle bisher die grundsätzliche Einstellung Zur Konttstwn. Hitler schreibe in fernem Buch , Dt ein Kampf"'. „Wer mir mit konfessionellen Fragen kommt, dem bin ich noch ärger Feind als dem Kommunisten." Mit diesen Worten sei die kousemonelle Not aber nicht beseitigt. Ohne die konfessionelle Frage zu lösen, sei kein Trittes Reich möglich. Zwei Trittel der Anhänger der Nationallozialisten seien Protestanten. Tie konse'sionelle 'Auseinandersetzung in ihren eigenen Rechen wiche natnrnotwendig einmal kommen." Ob der Evangelische Bund gut Lut^ sich so einseitig politisch festzulegen, ist seine cmche und kümmert uns nicht. Daß aber der Buudesdireklor heute schon von einer Art Kulturkampin der N^TAP. spricht, ist außergewöhnlich und sehr ausfällig. Fühlt sich die evangelische Kirche bereits so mit der Hitler-Partei verw allsten, daß sie sozusagen für ihren evangelisch-konttttionellen Bestand in der Hitler-Partei fürchtet? Im weiteren Teil seiner Rede wendet nch der Bundesdirektor Fahrenhorst z^var gegen den völkischen Radikalismus und tritt für das Alto Testament ein, vergißt aber nicht, sich amJudentmn zu reiben. Es ist den Organisationen des Judentums noch niemals eingefallen, andere religiöse Organisationen anzugreisen. Man möge also auch uns in Frieden lassen. Palästina bsruhigter Tie arabischen Ausschreitungen in Nablus haben glücklicherweise nur örtliche Bedeutung behalten. Tie Lage ist im großen und ganzen ruhig. Ter in Nablus von den Temonstrantcn angegrijsene englische Polizeiofsizier ist schwer verkitt worden und befindet sich irn Krankenhaus?. Nach Mitteilung der Jüdischen Telegraphenagentnr sJta) scheint es, als ob die scharfe arabische Protesttaklik noch erweitert werden solle. Man spricht von geplanter Steuerverweigerung und weiteren geheimen Maßnahmen. über die eine Sitzung der arabischen Landeskonferenz am 20. September in Nablus entscheiden soll. Wilhelm RaBes jüdische Gestalten FmdeMM, Zemima und Frau Sülome Zum hundertsten Eedurisiage des Dichters am 3. Seviember / Don Herbert Eu-eOerg Man kann darüber verschiedener Meinung sein, ob Gustav Frcytag ein Judenfeind gewesen ist oder nicht. Ich unterhielt mich einmal mit dem früh verstorbenen, überaus witzigen tmd dabei gemütvollen Schriftsteller Sl'ing. als ich ein Drehbuch zu „Doll und Haben" schreiben sollte, über den Verfasser dieses Romans und meinte in Anbetracht der Gestalt des Beitel Jtzig und anderer Ausfälle von Freytag: „Man sollte fast denken, daß dieser Freytag ein verkappter Antisemit gewesen sei." Worob Sling mich mit einem verschmitzten Augenbtinzeln von der Deite ansah und trollen sagte: „Nur ein verkappter?" Taß aber Wilhttm Raabe, Freytags jüngerer Rachwlger, depen Ruhm den seines erfolgreichen Vorgängers heute zu überstrahlen beginnt, ein Judenfeind gewesen ist, das wird kein Mensch behaupten können. Er war eher das Gegenteil. Trotz der abstoßenden Figur des Moses Freudenstein in seinem Roman „Ter Hnngerpanor", in der Raabe den Renegaten und die Verleugner des Judentums, nicht die Juden selber treffen wollte. Auch hat er mit dieser Figur nicht ein künstlerisches Abbild von Ferdinand Lasialle schassen wollen, wie dies schon der Lebensbchchreiber Raubes, Heinrich Spicro, gründlich nachgewiesen har. Tenn Raabe stimmte in sehr vielen Ansichten mit Lasialle überein und hat für die schöne vaterländische Gesinnung dieses Mannes, der das Trauerspiel „Franz von Dillingen" gedichtet hat, stets warme Worte der Anerkennung gehabt. Zudem sind Herkunst und Schicksal des windigen Freudenstein ja völlig verschieden von denen eines Lasialle, der allbekanntlich aus begüterten Verhältnissen als ein Herren in e n s ch auf dieser Erde erschien und als solcher verschwand, was man von Moses Freudenstein, dem spateren Doktor Theophil Stein, dem getauften Ueberläufer, nicht gerade sagen kann. Raabe selber hat ja auch spater eine Aehnlichkeit der von ihm geschaffenen Gestalt des Freudenstein mit Lasialle entschieden in Abrede gestellt und aus ein anderes lebendes Vorbild, einen zum Christentum übergelretenen Juden, hingewiesen, der ihm zum Teil bei der Zeichnung dieser seiner unerfreulichen Romansigur vorgeschwebt habe. Auch da? im vorigen Jahrhundert in Romanen zu Tode gehetzte „Ressentiment", zu deustch: die Rachsucht der Juden für ihnen angetane Beschimpfungen oder auch nur für die Geringschätzung, der sie im früheren Teutschland oft ausgeseht waren, spielt in Raubes gcnanntem Roman nicht die Rolle wie bei Gustav Freytag. Wer Raabes wahre Einstellung zum Judentum kennenlernen will, der muß unter anderem seine Jugendnovelle „Holunderblüte" lesen, in der nch auch eine ausgezeichnete eindrucksvolle Schilderung des uralten weltberühmten Mager Jneen.friednois findet. Dchon der graue Pförtner zu diesem Friedhof, den Raabe besonders unheimlich bei Gewitter beschreibt, wird ansprechend eingeführt: ein würdiges Gegenstück zu der hundertjährigen Esther im „Hungerpastor" und zur Krüppel Weah einer späteren Erzählung. Aber auch die kleine Hauptperson dister traurigen Geschichte, das Iudenmädchcn Jeruima. das wie eine Eidechse über die verwitterten Gräber huscht, ist mit einer rührenden Liebe und Feinheit von Raabe gezeichnet worden. Er verschönert ihr wildes ungezügeltes Wesen gar nicht, sondern läßt ne in ihrer ganzen Ausgelassenheit und Kellbeit au uns vorüberwirbeln, bis dann ein srüb.r Tod das arme herzkranke Kind zerbricht. Aber er zeigt doch ein so tiefes mitfühlendes Verständnis für das Dchillsat dieses Mädchens und ihres Dtamwes, daß tr.an dieser Geschichte anmerkt: Raabe Hai sich eindringlich und gütig mi: der Frage und dem Los der Juden beschättigl und ohne jene voreingenommene gegnerische Stellungnahme, die einen Freytag nicht zu sei nenn. Vorteil auszeimnet. Noch schöner geht dies aus seiner Gefästllue von der ..Frau Salome", dieses prachtvollen kräftigen jüdischen Weibes der vor, wie auch aus dem farbigen Aus'chmtt jüdischen Lebens und Tuldcns im Mittelalter, den seine Erzählung ..Höxter und Eorvuy" bietet. Aber auch in seinem Leben hat sich Wilhelm Raabe niemals antisemitisch geäußert. Er hat mit Freuden häufig bekannt, daß in seiner Jugendzeit, als er als Buchhändlerlehrlin.g in Magdeburg alles, was lesbar war, vemchlang. als Tich-er außer Freiligrath Heinrich Heine am stärknen auf ihn eingewirkt habe. Er sei einer der ersten Leser des „Romanzero" von Heine gewesen, hat er gern erzählt und dabei hinzugemat, daß er diesen Tichter. den semitischen Hellenen, wie er ihn nannte, in den Kämpferreihen des neunzehnten Jahrhunderts nicht misien möchte. Mir Vorliebe zog er auch Stellen ans den Gedichten oder Schritten Heines an und freute sich, als er vernahm, daß sein Abgott im Sachsenwald, der alte Bismarck, auch noch gerne in den Werken Heines blätterte. Am schönsten musterte sich diese Verehrung Heines bei Wilbelm Raabe noch in seinen leuten Lebenstaaen. Ta schlug er nämlich, nach dem Bericht eines Augenzeugen, als cr hörte, das Hamburger Heine-Denkmal sei vom dortigen Senat genehmigt worden, in seiner gewohnten Art weit xjsj ©] TO DüTD üüSuTOg] pn i7 'wJ U Pt s I t .1 y u ';-j E/ O MÖNCHEN! Weil in ihnen 150jährige Erfahrung der Österreichischen Tabakregie im Einkauf des Tabaks, in seiner Lagerung und Behandlung, in der Kunst der Mischung vollendeten Ausdruck findet. Ueberzeugen Sie sich, bitte, durch Kostproben. — ihr Vorteil gebietet es. Seit einem Menschenalter ist unsere Standardmarke HS. Sorte &egie-Sport 4 Pf. / Memphis 5 Pf. / RoserskavaSier 5 Pf. / Khedive S Pf.