Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- Seite 432 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Ein Dismr öse Liebe Au Wilhelm Maria Senns Oroschücc: „Katholizismus unö Nationalsozialismus" Als Kind lobte ich mehrere Jahre in einem Posen schon Städtchen. Gegen über nuferem Harne ragte die stattliche katholische Kirche in die Lüfte und unweit davon lag im grünen Carlen das Psarrbaus. Steine katb.oli'elttn bi>tusch ül er und Spielgefährten küßten dein Pfarrer, ging er über die Straße, ehrerbietig die Hand, und ich tat desgleichen: nicht etwa nur aus Nachahmung, sondern weil der Geistliche von Güte und Wohlwollen strahlte. Und „kam die goldene Herbsteszeist, dann leitete ne gewöhnlich ein rot- und gelbleuchtender Korb mit wundervollem Obste ein, den der katholische Geistliche alljährlich dem jüdischen Kaufmann und dem. handküssenden Jungen spendete, solches Bild eines edlen katholischen Geistlichen, eines wahren Dieners der Religion und der Liebe, steht manchen von uns im Herzen; nicht nur in der Erinnerung, auch in der Gegenwart. Und viele jüdische Familien und viele jüdische Rabbiner und. Lehrer im Norden und Süden, iiu Vesten und Osten des Reiches wißen zu berichten, welche achtungsvollen, ja herzlicheu Beziehungen oft zwischen der katholischen Weichlichkeit und den Vertretern des Judentums, amtlich wie familiär, bestehen. Dolche Beziehungen ehren beide Teile, sie und ein erhebendes Beispiel, wie inan die religio st n und sittlichen Gebote in den Alltag umsetzt. Gerade der Priester ist ein Diener der Religion, eines der höchsten Güter auf dieser Erde: und nur der Priester ist berufen, der für sein heiliges Amt keinen zwischen seinem ^rdenleben und zwischen seiner Predigt klaffenden, die Umwelt kraulenden Widerspruch bestehen läßt. Ein Priester, welcher Religion auch immer, der die Kanzel verläßt, in das öffentliche Leben hineingeht, gar die Nednerbühne beirrst oder Schriften aus eigener Feder in das Volk schielt, sollte jedes seiner Worte tausendmal wägen und immer wieder und wieder prustn, ob er nicht verletzt und kränkt, ob er wahrheitsgetreu und gerecht ist, oder ob er nicht durch Ri ne beleidigende, mederziehende Kampfesart seinem Stand und damit seiner Religionsgemeinschaft Schaden zufügt. Nichts ist aber für den feiner Empfindenden und für den Einsichtigen peinlicher. als wenn er sehen muß, daß der Priester sein Verhalten, seine Ziele, seine Worte als von Liebe zu Volk und Vaterland eingegeben, als wahrhaftig bis zum letzten und gerecht bis zum äußersten ausgibt. daß' er aber auf dem Weg zu diesem Ziele in Wort und Tat das üble Gegenteil beweist. Wäre solche Handlungsweise bewußt, so könnte man ne Heuchelei nennen. Tie Achtung vor dem Priester'gebietet, soche Absicht auszuschlicßen und sie daher nur als Verblendung zu bezeichnen. * Tiefe Gedanken bewegten mich, als ich die Kampfschrift des katholischen Pfarrers Wilhelm Maria Senn, „Katholizismus und Rationalsozialismns", Abwehr-Verlag, Münster «'Westfalen). las. Soweit sich diese Kampfschrift mit dem Zentrum und seiner Politik, mit Zeitungen vom Ansehen des „Badischen Beobachters" und der „Kölnischen Votks.^ituugch mit dem Reicksinnenminister Tr. Wirth. dem Kaplan Jab Kl und anderen Fragen und Personen anseinandersetzt, haben wir hier keine Stellung zu nehmen. Tas Zentrum und seine Parteigänger sind Manns genug, um das richtige Wort darauf zu findeiw Der „Badische Beobachter" har schon in seinen Nummern vom 22.. 23. und 27. August das gesagt, was von einem traditionell katholischen, religiösen und politischen Standpunkt zu bemerken war. „Der Tührerch das nationalw-.ialistiiche Organ Baten-o, hat sich Tenns und seiner Broschüre bemächtigt und veröffentlicht seitenlange Artikel und Auszüge aus der Broschüre, und Angriff über Angriff prasstest darin auf das Zentrum und insbesondere auf den „Badischen Beobachter" nieder. Tie Broschüre soll — das ist der Sinn der national, sozialistischen Agitation — als Sprengbombe vorerst im badischen Zentrum dienen. In einem Rundschreiben au die Orisgruppenleiter der RSTAP., das dem „BadiKchen Beobachter" auf den Tisch geflogen ist, wird aufgefordert, Truppen von Verkäufern, stellungslosen SA.-Leuten anzustetlen, die die Broschüre von Haus zu Haus tragen sollen, und als Ziel wird angegeben, „eine möglichst große Bresche im Zentrum zu erreichen: die schärfste Waffe hierzu haben wir in der Hand". Wir haben hier nur das vorzunehmen, was Pfarrer Senn ausführlich und kämpferisch über die Judenfrage sage. Wenn er auf ^eite 58 seiner Kampfschrift schreibt: „Ist unser Katholizismus verjudet k Auf diese Frage antworte ich ohne irgendwelche Bedenken mit einem lauten Jal", so ist man allerdings schon versucht, einen Schlußpun.'t auch unter diese Ausführungen zu setzen. Tenn solche Behauptung ist so ungeheuerlich, daß ste nur eines Ludendorsfs als fanatischen Gegners der katholischen Kirche und eines Tiuter, der jede dritte Zeile von der jüdisch-römi'-chcn Kirche in seinem „Geist- Christentum" schreibt, würdig ist. Der Beweis, den Pfarrer Senn :ür seine Behauptung durchführt,! st sehr einfach und sehr alt.wird darum aber keineswegs zutreffend. Die Weltpresse sei verludet, das internationale Finanzkapital fei verjudet, die Abtreibung sti eine jüdische Angelegenheit, alles moralisch Minderwertige und sexuell Laszive aiü der Bühne, in Wort und Sch-rist, sei Judenmache. Das Meer von Blut, das die Hinrichtungen der Lvwjetregicrung — an Hand einer willkürlichen Tabelle bewiestn — hat fließen lauen, „klebt fast ausschließlich an jüdischen Händen." Das Warenhaus sei ein jüdisches Machwerk, in der Politik herrsche „das Geschäft", ein Wort mit starkem „jüdischen Leigeschmach", und von allen diestn liebeln und Sch.ndlichkeiten sei der Katholizismus stark angekränkelt: „Alles ist verjudet, auch der Katholizismus ist weiterhin und in erschreckendem Umfange verjudet". Es lohnt üch wahrhaftig nicht, aus diesen altbackenen Unsinn auch nur cinzumhen. Eine derartige Beweisführung ist verzerrt und, man möchte beinahe sagen: lächerlich, daß sie von einem wirklich ernsthaften Menschen fo'ori in ihrer Hohlheit und Nichtigkeit erkannt wird. Pfarrer ^enn sollte nur weiter w selgerichtig sein: Bielleicht ist der Heilige Baker rerßadet, weil er das verjudete Alte Testament als Grundlage der Kirche anerkennt und verehrt: vielleicht ist der Pfarrer Senn verjudet, weil er Beweismcthoden gebraucht, die die Judengegner cft, wenn auch sal'ch, als talmudistch und jüdisch-pharisäisch ansehen. Im übrigen Hot nn'er Freund Rabbiner Tr. Felix Gold mann (Leipzig) Pfarrer- Senn auf seine Aussätze in der „Schöneren Zukunft" vom Jahre 3 928 in der „E. B.-Zeitung" mit der Ueberschrist „Reuaernranisches Heidentum^ schon das Nötige gründlich aber vornehm gesagt. Und Pfarrer Senn hat die Angriffe von damals nur jetzt wiederhol: und erweitertst'. * Wir verbitten es uns, daß Kritik an uns in solcher Lieblosigkeit und in ''ollster vielleicht nicht beabsichtigten aber in. der Wirkung sicher eintreteuden Hetze geschient, wie hier aus geistlichem Munde. Bor un'erer wür kehren wir allein, kehren wir, wenn ne na. mit eisernem Bcstn. Wo uns Unrecht gc'chwcht, wehren wir uns. Und wenn wir sehen, wie katholische Christen in Mexiko um ihres Glaubens willen verfolgt werden, so erheben nur nicht minder laut die Stimme für diese uuschuldigen Opier, Uutiuitunsere Stimme lau! und eindringlich erheben, wenn ein Diener der Liebe uns 'o schwer verunglimpft, wie es PKirrer Senn tut. Der badische Geistliche erzählt, er babe niemals den einzelnen Juden mit seinen Augrifteu gemeint, er stehe mit einzelnen Juden gut, lein Angriff gelle dem Judentum als solchen. Und daun kämen die bösen Juden, besonders der Ecmralverein, und griffen ihn an. Dieses Lied und diese Melodie kennen wir. Ich möchte einmal den Deutschen sehen, der sich im Zaume hielt, wenn man etwa im Auslande sein Teurschtum beschimpft oder erklärt, ihn als Deut'chen meine mau nicht und mir einem Dutzend Deutscher stehe sich der Beleidiger gut. * Ich denke au eine interepante Begegnung vor einigen Jahren in Münchein Dort sprach ich mit einem der so packenden volkstümlichen Redner, einem katholischen Geistlichen. . der mehrere Ehrenämter in katholischen Bereinigungen cinnimmt, der fast jeden Sonntag und oft wochentags, bald hier, bald dort, die Rednerbübne betritt und überzeugt und überzeugend für die katholische Sache eintritt. Dieser Mann von Format, mit dem ich mich lange über die Judenfrage unterhielt, erhob Vorwürfe nnWAns-stände. Und warum sollte er nicht in der Mndwrstnbe diese jemandem unterbreiten, der umKrilik und offene Stellungnahme gebeten hatte: Als die Angriffe gar nicht enden wollten, da st-sie ich: „Eines der Grundgebote der christlichen Religion nicht minder wie der jüdischen ist die Liebe zu den Mitmenschen. Warum, Hochwürdeu. versuchen Sie es nicht einmal mit der Liebe, warum fast immer mit bei' Ablehnung, ja dem Haß?" Der vornehme Geistliche schwieg nachdenklich. Pfarrer Senn wird leider mcht schweigen, wenn er dieses liest. Er wird weiter auf seine Art kämpfen, aber wir versichern ihm, daß wir ebenfalls nicht Nachlaßen werden. Illnero Wauen werden blank und rein sein. Wir wissen in heiliger Ueberzcugnng, daß wir in unserem Kampf" nicht nur für bie gerechte jüdische ^acfje ciutreten, sondern für die Wahrheit und Gerechtigkeit und die politische Anständigkeit im deutschen Vaterlande. Dr. Alired Wiener. MSn itr Mn M UM Lew Ter berüchtigte S emi - K ii r i d) n e t Philipp Stausss. der, ähnlich wie der ^-enn- Gotba, die vermeintlich verjudeten Fürsten- und Alle'shäuftr. die angeblich nicht „deutschblütigen" Literaten verzeichnete, hat eine zweite, „um ein Vielstches vermehrte und verbesserte Auslage" erfahren. Er ist zu einem auf vorerst sechs Bände berechneten „Lexikon der Irden, -Gcnoöcu und -Gegner aller Zeiten und Zonen, der Lehren, Gebräuche, Kunstgrisse uswst ausgebaut worden, von dem schon drei Bände bis ..Lichtgold, HoftudM erschienen sind. Dos Lexikon wird vom ll. B o d u n g - Verlag, Erstirt, als „Borausaabe zur kritischen Bearbeitung seitens der (f:n;rfiiugcTv und als „numerierter Privelldruck" zum Preis von 50 Mark jo Band heraus-- gegeben. Ter Besteller darf nur nichtjüdisicher Herkunft und mit Juden weder versippt noch verschwägert sein. Er muß sieh u. a. „v e r p f l i eh » t e nst Deckblätter, die Berichtigungen enthalten, „gewissenhast einzufügen"; „Stellen, in denen eine Belc:digung gesunden oder gesucht werden könnte, dem Berlage zwecks Ausmerzung mitzuteilcust Daraus erklärt sieh er sich tt ich die Geheimmskrämerei, mit der das Werk umgeben wird. *) Oa £tc Gi“-c 23:ifpicl nur: Psarr: scblv.fjc Acußcrung Strafcm gu sr.icscn: der ganzen Welt in was ihr unter aeh ganzen Welt in l\t lausten und tu dt i ft eine falsch P'arrer Eenn: aber l'aDC’tI)ütcr! Wir c tung getan, wo sie rcrnna ein ttori'chritt ist? Ein r scheu: sich > nicht, eine er.* e es P:ron Ptoscs £3io:i{cfiorc in . st-trnre tric nicht die Prstst .er Ha:-.d aaben, ist alles umlInft, ent. Wir umsi'en dis Presse der Hard ne raren, um die Poller zu endertt Eiaic Aeusierung •jng! Herr P-strrcr, nicht vorr sie iss ein al:er autiscinili'cher rbitw'n P:roeis, wer diese Acnst- ^satten, reo sie oerzeich^ret istl &f*2CssS^ Auslieferungslager: Berlin W50 Herrmann L Sohn, Unsicher Sirssss 42.