Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-09-04 · 36 (4.9.1931) · p. Seite 431

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
36 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277922--06931-2287790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

j jn j Er sch'ägt die Lornisse tot In einer Versammlung der N2TAP. im Berliner Norden nahm wieder einmal einer der zügellosesten nationalsozialistischen Redner, Dr. von Leers, das Wort. Die Judenfrage wurde in der bei ihm nunmehr schon üblichen und kaum mehr zu übcrbietenden Art und Weise behandelt. Dabei sagte er wörtlich: „Man bleibe uns aber mit den schönen Worten ,Ter Jude ist auch ein Mensch' vom Leibe. Eine Hornisse, die mein Pserd sticht, verscheuche ich oder schlage sie tot. Und die Hornisse ist doch auch ein Tier!' — So etwas und ähnliches darf nun schon jahrelang ungestraft im deutschen Baterlande als Hetz- und Haßstosf in die Massen geworfen werden. Laßt die Gefallenen aus dem Spiel Ter Führer des bachrischen Stahlhelm-LandeZverbandes, Lberst von Lenz, hat, wie der „Schild" meldet, ans einer großen Stahlhelmkundgebung in Erlangen geäußert, daß „im Krieg nur ganz wenige Juden dabei" waren. Daß diese Behauptung fal'ch ist, sollte der bayerische Landesführer des Stahlhelms wissen. Taß sie auf die südlichen noch lebenden Kriegsteilnehmer, und besonders auf die Angehörigen der befallenen verbitternd und verlebend wirkt, fcHie jeder vernünftige Teu siche fühlen. Wenn ein vöiksichcr Agitator die Lüge von der Trückebergerci der Juden verbreitet, wird man die Achstl zucken. Alten Soldaten aber und Frontkämpferverbänden sollte es — schon aus Pietät den befallenen gegenüber — Ehrensache sein, eine Herabsetzung der befallenen und der überlebenden Kämpfer aus dem Spiel zu lassen. Neue Friedhofsschändung Auf dem jüdischen Friedhof in Offenbach a. M. wurden in der Nacht vom 16. zum 17. August d. I. zwei Grabsteine von ihren Sockeln gestürzt. Anhaltendes Ncgenwetter hatte jede Spur verwischt, so daß die Tater bis heute noch nicht ermittelt werden konnten. Es war dies die 103. Friedhossschändung seit 1923. Friedhofsschändungen 1923—1931 Eine neue authentische Liste sämtlicher in Deutschland in den Jahren 1923 bis 1931 erfolgter Fricdhofsschandungen hat der C. V. soeben hcrausgegeben. Das betrübliche Verzeichnis enthält nicht weniger als 103 derartige Schandungen. Tie erste nachweisbare Schändung wurde iw der Nacht vom 27. zum 28. Januar 1923 in Schneidemühl, die letzte wurde am 17. August d. I. in Offenbach festgestellt. Tie Schändungen verteilen sich aus alle Teile des Reiches. ' Am seltensten ist die Provinz Brandenburg in der Liste zu finden. Unter den ausgezeichneten Fällen sind sieben, in denen unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte, daß die Täter rechtsradikalen bzw. natioualwzialistischni Kreisen angehören. Bei dieser Liste sind alle die Fälle von Friedhossvcrwüstungen ausgefchieden, in denen es sich um Unfug von spielenden Kindern, mn Unwetterschäden oder ähnliche Ursachen handeln könnte. Der E. B. wird mit allen Kräften und mit seinem gesamten Apparat dafür eintreten, daß diese Liste vorzugsweise in nichtjüdischeu Kreisen verbreitet wird. Gerade Anhänger rechtsstehender Parteien werden aus ihr erschüttert entnehmen, zu welchen schändlichen Untaten der zügellose Judenhaß in Deutschiand führt. Die Liste kann vom Büro des E. B. Legen 30 Pfennig in Briefmarken portofrei bezogen werden. Die jüdischen Darlehnskaffen Tie Wirlschcistsnot der deutschen Juden hat in den letzten Jahren umsapcnde Hilssw.aßnabmen netwendig gemacht. lieber ein in diesem Z.nammmhcmg besonders wichtiges Ccbiet, des jüdische Darlehnskafsenwefen, berichtet die Z e n t r a l w o h l - sahrts stelle der deutschen Juden in einer dem Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden kürzlich überreichten Denkschrift, die jetzt im Truck vorliegt. Tas Zahlenmaterial vermittelt einen guten Einblick in die wirsichastüwen Schwierigkeiten, mit denen vor allem der sehwerbedrängte jüdische Mittelstand zu kämpfen hat. An einigen gut ausgewählten Beispielen (B e r l i rt, Königsberg, Leipzig, Bocholt) wird die Arbeitswei'e der Kassen eingehender erläutert. Angesichts der Tatsache, daß bei ständig steigender Inanspruchnahme der Kreditinstitute das zur Verfügung stehende Kapital nicht ausreicht, sind Zinsverbilligung und Kapitalbeschaffung die enpcheidmden Ausgaben. Tie Tenkschrist e m p s i e h l b i e Errichtung jüdischer Darlehnskassen in allen jüdischen Gemeinden mit mehr als 2ö0 Steuerzahlern und tritt für die Verkiesung de- Gedankens der Selbsthilfe und der gegenseitigen Hilfe in jüdischen Kreisen ein. E- E. L. Arno und Vreffart Gegenüber einer Aeußerung „angeblich nichtjüdischer Prominenter der Kunst und Literatur" in einem Breslauer Wochenblatt, die „E.B.-Zeitung' habe verlangt, „daß B r e s s a r f und Arno im Film keine Hauptrollen mehr spielen sollen', halten wir es für unsere Pslicht, im Interesse der bekannten Darsteller richtigzustellen, daß wir niemals eine solche kindliche Forderung erhaben haben. Wir haben lediglich gefragt, warum gerade in Militärsilmen der dumme Rekrut immer von einem sich als jüdischen Schlemih! ausspicleudeu Komiker vom Range eines Arno und eines Bressart dargestellt werden muß. Wir haben solche Gepflogenheiten als unnötig und nicht ungefährlich angesehen. Wenn in der gleichen Aeußeruug, die weniger von einem nichtjüdischeu Prominenten als einem innerjüdischen Parteipolitiker zu stammen scheint, behauptet wird, „daß wir das Minderwertigkeitsgefühl unserer Staatsbürgerlichkeit immer selbstplakatieren'. so halten wir eine solche Behauptung so lange für eine schon verstaubte Waffe aus einem gewissen jüdischen Lager, bis man uns wirklich die Belege für diese Behauptung unterbreitet. Tie zahllosen Juden und Ehristen, die unsere Breslauer Riesenkundgebung gegen den antisemitischen Nationalsozialismus im Frühjahr dieses Jahres besucht haben, werden wahrscheinlich von unserem Stolz auf unser deutsches Vaterland und unser Judentum zu erzählen wissen, aber nicht von irgendwelchen Miuderwertigkeirsgesühlen G. 93. und Litler-Bewegung Durch die nationalsozialistische Presse macht in diesen Wochen ein Artikel die Runde, der die vielversprechenden Ueberschrist-m trägt: „Das Judentum sürchtet für seine Herrschaft.— Enthüllungen eines amerikanisck-eu Zionistenbtattes. — Der organisierte Kampf des E. D. gegen den Nationalsozialismus — 'Sie wollen die Hitler-Bewegung ausrotten.' Es handelt sich um „Enthüllungen', die sich auf einen angeblich in der amerikanisch-jiddischen Tageszeitung „The Tay' in New 2)ork erschienenen längeren Aussatz „D-er jüdische Kamps gegen Hitlertum, der gigantische Feldzug der deutschen Juden' stützen. Bevor uns nicht der Originalartikel aus „The Tay' vorliegt, können wir die einzelnen Behauptungen der Nationalsozialisten auf ihre Richtigkeit nicht prüfen. Neading und Samuel Tie „Münchener Telegramm-Zeitung', die im Verlag der „Münchener Neuesten Nachrichten' erscheint, veröffentlicht in ihrer Nr. 175 vom 26. August einen Aussatz „Tie Karriere des Lord Neading', dem wir folgendes entnehmen: „England ist die Geburtsstatte des Parlameutarismus. Zugleich das Land, wo das Prinzip: .Freie Bahn dem Tüchtigen* ohne Bedenken, Vorbehalte und Vorurteile in die Tat umgesetzt wird, was nicht zuletzt das britische Reich zu seiner führenden Machtstellung des Erdballs verholst Also darf es niemanden wundernehmen, daß im neuen englischm Kabinett, das zur Rettung der englischen Wirtschaft und des Staatshaushalts vom König ernannt wurde und in welchem die -Führer der drei großen Parteien Englands in bestem Einvernehmen sitzen, die zwei wichtigen Posten des Außenministers und des Innenministers von Juden bekleidet werden. Tonn Margueß Neading wie Sir Herbert Samuel gehören nicht der christlichen Kirche an. Die'e Tatsache aber wird nur außerhalb Englands besonders beachtet, denn der Engländer selbst wird darin kaum etwas Außergewöhnlich-es finden. Seit Jahrhunderten haben vornehme englistche Juden das Vertrauen des Volkes und des Herrschers in einem Maße genossen, ^daß sie mitunter auch Minister geworden und, und von der heutigen englischen Aristokratie dürsten es wohl zehn Prozent sein, die von Geburt Juden sind. Tie größte Karriere jedoch, die einer von ihnen und vielleicht von allen Juden der Welt machte, ist ohne Zweifel der neue Außenminister Lord Neading, der uns, infolge seiner ausgesprochenen Teusichsreundlichkeit, besonders interessieren dürfte.' Der Deutsche Katholikentag Ter Teui'che Katholikentag fand in Nürnberg unter ungeheurer Anteilnahme der katholischm Bevölkerung statt. Sein Grundthema lvar die Stellung des gläubigen Menschen in den radikalen Strömungen und Bewegungen der Gegenwart. Zum erstenmal waren auch die katholischen Landwaueu in großen Massen erschienen. An sie richteten der Erzbischof von Bamberg und Ministerpräsident D r. Held den dringenden Appell', dem Hakenkreuz sernzubleiben und sich in dem bevorstehenden schweren Winter ihrer ungeheuren Verantwortung der Volksgemeinschaft gegenüber bewußt zu sein. Auch die Reden von Tr. Joos, Erzbischof Tr. Hauck, dem Bischof von Würzburg. und anderen galten dem Ruf zur Volksgemeinschast. Kampfbund der deutschen Architekten und Ingenieure „ Als Sektion des Kampsbuudes für deutsche Kultur wurde ein Kampsbund der deutschen Architekten und Ingenieure gegründet. Gottfried Feder, Paul Schultze (Naumburg) und Franz L a w a c z e k (München) erlassen einen Aufruf zum Beitritt in diese Gruppe.. Ter Kampsbund für deutsche. Kultur leche früher peinlichen Wert daraus, keine Verbindung mit der NSDAP, zu haben. Nachdem aber der Kunstsachverständige der N<-TAP. Schultze (Naumburg) nach seinem verunglückten Weimarer Debüt und der offizielle Parteitheoretiker Hitlers, Gottfried Feder, sich au die Spitze des Kampfbundes gestellt haben, wird er wohl in Zukunft seine Zugehörigkeit Zur NSDAP, nicht mehr dementieren können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.