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Central-Verein-Zeitung · 1931-08-28 · 35 (28.8.1931) · p. Seite 422

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
35 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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422 Professor Erich Stern, „Religiöse Entwurz.-- lung und Neurose", soeben erschienen. Die erue Auslage der Schrift von Tr. Margarete Wiener, „Vom nationalsozialistischen Wirtschaft?- Programm", ist vergriffen.^ Eine zwwite ^Auslage, von der schon eine größere Zahl von Exemplaren vorbestellt ist, ist im Truck. Eine neue zionistische Organisation? Tie Zionisten-NevIsionisten, die sich schon ^auf dem jüngsten Benelcr Kongreß in heftigsten Gegensatz zur zionistisch eil Weltorganisation, der sie bisher aagehörteu. gesetzt hatten, beabsichtigen anscheinend die Gründung einer neuen zionistischen Orgmn'ation. Das Organ der Revisionisten „R a s s w j e L" wird seine demnächst erscheinende Nummer 35 dem Gedanken einer völlig unabhängigen zionistischen Orgamsation widmen. Mit einer solchen Neugründung wäre die Einheit der zionistischen Parteien in der Welt durchbrochen. In letzter Zeit haben die Revisionisten übrigens wiederholt ohne Rücksicht aus ihre Zugehörigkeit zur Gesamtorganisation selbständige Schritte unternommen. ReicftstesssbgeordneSer zu Gefängnis verurteilt Die nationalsozialistische Zeitung „Tie Neue Front" hatte im'April 1929 beleidigende Aeußerungen gegen unstr Mitglied Rechtsanwalt Tr. Levy in Esten veröstenilicht. Ter nationalsozialistische ReichsLagsabgeordnete Josef Wagner war als verantwortlicher Redakteur von dem Schöffengericht Esten zu einem Monat Gesängnis verurteilt, in der Berufungsinstanz von der Strafkammer Esten jedoch freigesprochen worden. Ans die von der Staatsanwaltschaft und Dr. Levy als Nebenkläger eingelegte Revision hin hob das Reichsgericht das Urteil jedoch aus und verwies die Sache zur nochmaligen Entscheidung an die S t r a f - k a m m e r des Landgerichts B o ch u m. Dieses verwarf cm 19. August die Berufung und bestätigte das schössengerichtliche Urteil von einem Monat Gefängnis. Trei nationalsozialistische Zeugen, darunter die bekannten Estener Agitatoren Zilkens und Terboven, wurden, da sie der Zeugenladung nicht gefolgt waren, zu einer Ordnungsstrafe von je 50 Mark und zur Tragung der durch ihr Fernbleiben entstandenen Kosten verurteilt. HellmLrIüÄZcllSESMSmZs und Universität Derusalem In der letzten Sitzung der Berliner Repräsentanten am 17. August teilte der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin mit, daß er nicht mehr in der Lage sei, den Lehrstuhl für Botanik an der Universität Jerusalem finanziell 311 unterstützen. Ein Antrag Woyda (vib.) auf Streichung dieser Unterstützung wurde nach ungemein erregter Aussprache mit 20 Stimmen der Liberalen gegen 12 Stimmen der Jüdischen Volkssiartei bei zwei Stimmenthaltungen (Mittelparter und Ucberpartei) angenommen. Ter Vorn führt zu scharfen Auseinandersetzungen er volksparteilichen wie in der liberalen Presse. Kriegergräber in Rumänien In dem kürzlich erschienenen, von dem Beaustragten für die Teut'che Kriegergräbersürsarge in Rumänien, Karl St nutz, znsammengestellten, vorzüglich ausgestastelen Werk „Kriegergräber in Rumänien" (Plocsti 1921) wird auch der zahlreichen jüdischen Deutschen gedacht, die sich unter den 34 GO in rumänischer Erde ruhenden deutschen Soldaten befinden. Eine Reihe jüdischer Kultu-gemeinden Rumäniens sorgt für die Pflege und würdige Instandhaltung der Kriegergräber aus ihren Gemeindesriedhöfen. Senator und Lberrabbiner Tr. I. Niemitoiuer, Bukarest, gibt dem Werk ein weihevolles Geleitwort. 3‘ iöu’fjsir, E-usfe'üQMins v©n P@38©b’. Ssbsoi, süs? S®3iffr^iws,©ä!rD — uirad cSepJFridtarieüS" ÄÄwlÄrehÄ Im Namen des großen König? kämpft die erheblich kleinere Zeitung „Frideric'.'s" angeblich für Wahrheit, angeblich für Recht, angeblich für Sitte und angeblich für Anstand. In diesem Kampfe zieht sie (in Nr. 31, August 1931) gegen den „Jüdischen Eentral-Verein" zu Felde, dessen Führer, Tr. Ludwig Holländer, vor kurzem m der „Deutschen Rundschau" einiges zurr „Klarheit und Wchrheit in der Jndenfrage" (siehe „E. V.-Zeitung" Nr. 18 vom 1. Mai 1931) zu sagen hatte. Einiges, was aufrechten, aufrichtigen und gerechten Kämpfern für die Epmbolgestalt des großen Preußenlönigs hätte zu denken geben können, was aber dem ehrenwerten Herrn Albert Zimmermann vom „Fridericus" nur Anlaß zu einem Angriff gab, deren Böswilligkeit ein erstaunliches Ausmaß bat. Wir sind, in diesen schlechten Zeiten, allerhand gewohnt. Zu den Auslastungen des „Friderieus" zu schweigen, gebt aber nicht an. Sie zeigen beispielhaft, mit welchen Mitteln der Entstellung und Unterstellung die Judeuhaster arbeiten. .Roch vor 500, 2(0, 100 Jahren und weniger war das jüdische Volk nicht viel mehr als ein Volk von Verbrechern, Gaunern, Betrügern und Lxhlern." ^So sagF der „Fridericus", lagt es wider beiwies Wisten und Gewissen.^ Tenn auch Herr Zimmermann, au besten urmanender historischer Bildung wir allerdings aus anderen Gründen zu zweifeln geneigt sind, kann unmöglich eine solche Feststellung treffen, ohne hierst'ir die Delege zu haben. Er muß also Kriminalstatistiken eingeiehen haben, und dabei wird ihm unmöglich entgangen sein, daß der Anteil der Juden an den Verbrechen keineswegs größer war als der der Nichtjaden, ja, daß beispielsweise an Kapitalverbrechen der Anteil der Judenheit ungleich geringer ist. Und wenn er die Soziologie des Ghettos (da er nun mal von den Juden von 300 Jahren redet) so genau kennt, so wird er unzweifelhaft wissen, daß der hohe ethische Gehalt des iür jeden Ghettojuden ohne Ausnahme verbindlichen jüdischen Sittengesctzes gerade die Juden weitgehend vor dem Verfall ins Kriminelle bewahrt hat. Im übrigen hatten die Juden bereits vor 300 wie vor ICK) Jahren unmittelbaren Anteil an der deutschen Kultur; sie dienten ihr in hervorragender Stellung und durch hervorragende Leistung mit Leib und Leben, mit Wissen und Können. Müssen wir unbedingt, Herrn Zimmermann zuliebe, alle die oft genannten jüdischen Namen wieder nennen, von den Minnesängern angefangen, die Mitträger deutschen Geistes waren?" Tas alles ist unzählige Riale schon gesagt worden. Wir behaupten, "dem Verfasser jenes Aufsatzes im „Fridericus" kann das alles nicht unbekannt gewesen sein. Trotzdem spricht er, ungehemmt durch irgendwelche Bedenken sich über die selbstverständlichen Voraussetzungen moralischer Sauberkeit hinwegsetzend, eine Kollektivbcleidiauug von solcher Schwere und Niedertracht aus! Es ist hohe Zeit, daß solcher Ehrabschneiderei dar Handwerk gelegt wird. Es ist hohe Zeit, dach für das selbstverständliche Anrecht der jüdischen (stomeinschaft, üch dagegen wehren zu können, auch rechtliche Möglichkeiten geschaffen werden. * Immerhin wird der Verfasser in leinen Behauptungen wesentlich vorsichtiger, sobald es sich nur die Verleumdung einer einzelnen Person handelt, der ausreichender Rechtsschutz zur Seite ftehr. Was also Tr. Holländer 'betrifft, so wirst ihm der „Fridericus" Beleidigungen „eine zum mindesten ganz eigenartige Vcrwcckch lung" vor, „über die sich der Herr Wohl rocu äußern muß, wenn er nicht in den Verdeck: kommen will, noch dm Methoden des Lcutnams Riccaut (eorriger la fcrtunc) zu spielen/ Zu dieser Annahme glaubt sich der „FridWiens" berechtigt, weil er einige von Dr. Holländer zitierten Verse von G. A. Bürger nicht anssinden konnte und ein Gedieh: von Hofmann von Fallersleben anders interpretieren zu müssen glaubt, wie cs Tr. Holländer in seiner Veröffentlichung getan hat. Es ist inimer~iu gärig, daß der „Fridericus" gestattet, sich hier zur Wehr zu setzen. Das, worum es hier geht, ist ja auch „nur" ein literarhist 0 rischer Streit; es kommt „nur" daraus an, ob Verse richtig zitiert und sinngemäß erläutert worden sind. Wir haben den Sachverhalt von einenn Mann überprüstn lasten, der unverdächtige und unauarcmbare Autorität aus dem Gebiete der Literaturgeschichte ist. Sein Gutachten, das wir in vollem Wortlaute folgen taffen, zeigt, wie wenig rcrr Zimmermann auch aus diesem Gebiete bewandert ist. Aber die Redaktionen der „nationalen" Zeitungen scheinen da überhaupt nicht 'ehr sattellest zu sein — mir erinnern nur an die völkische Umdichmng eines Heine-Gedichtes, die vor kurzem durch die gan.ze nationalsozialistische Presse ging. Un'eres Wigenschat keine einzige dieser Zeitungen den mähren Lachverhalh ibreu. Lesern dann mitzuteilen gewagt. Aus die Gefahr hin, daß auch der „Fridericus", in destcn Spalten sich der cbrabschneiderische Vorwurf gegen Tr. Holländer befunden hat, den wahren Tatbestand tochchweigeu wird, wollen wenigstens wir ihn mitteilen. Unser Gewährsmann stellt folgendes fest: 1. Es ist bedauerlich, daß der „Friderstus" keine zulängliche Ausgabe von Bürgers G e - dichten besitzt, ebenso wie es bedauerlich i't, daß seine Sprachkenneniste nicht ausreichen, u:n zu misten, daß das Wort „bekleiden" eine alte deut'che Form ist, die den ^inn von klebenbleiben — anwachsen — hat. (lieber letzteres können sich die Herren vielleicht im kleinen Erb eichen Wörterbuch informieren.) In jeder guten Ausgabe der Bürgerscheu Gedichte (;. B. in K i r sch n e rs demstcher Nationalliteratur, 78. Band, ans Seite 400) werden sie jedenfalls folgendes Gedicht finden: Fragment. S 0 m m c t 1 7 9 3. Für trcn, du gutes deutsches Volk, Vehängt man dick) mit Waffen? Für wen läßt du von Weib und Kind Und Oerd hinweg dich rasten? Für Fürsten- und für Adelsbrut Und fürs Geschmeiß der Pfaffen. War's nicht genug, ihr Stlavenjoch Mit stillem Sinn zu tragen? Für sic im Sckmciß des Angesichts Mit Fronen dick zu plagen? Für ihre Geißel sollst du nun Auch Gut und Leben wagen? Sie nennen'; Streit fürs Vaterland. In welchen sic dich treiben. O Volk, wie lange wirst du blind Leim Spiel der Gaukler bleiben? Sie selber sind das Vaterland And wollen gern bckleiben. Was ging uns Frankreichs Wesen an, Tie wir in Deutschland wohnen? Es mochte dort nur ein Bourbon, Ein Lhnehvse thronen . . „ Von etwas nnsteiwilligem Humor ist es auch, wenn der „Fridericus" als G e g e n s a tz zu diesen Bürgersthcn Versen, deren Existenz er

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