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Central-Verein-Zeitung · 1931-08-21 · 34 (21.8.1931) · p. Seite 415

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
Seite 415 (sequence 3)
Language
German
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RSrnSiersfellier iisid Tobis Tonbild — Klangfifm — Ufa — „Der Schrecken der Garnison" — „Drei Tage Miltelarrest" &er „Völkische Beobachter" (Nr. 155/15G) befaßt sich unter der Schlagzeile „N a t i o n also z i a l i st i s ch e ft i I ni p o I i t i V mit der Frage, wie die N.S.D.A.P. aktiv auf das deutsche Filmwesen Einfluß gewinnen könne, und der Verfasser Tr. v. Leers schlägt vor, als Ansatzpunkt hierfür nicht die Zensnrftellen, die „nicht leicht nationalsozialistische Filme zulasten" oder — eben aus diesem Gesichtspunkt — die Filmproduktion, sondern die Kinotheater selbst zu wählen. Besonders bekämpsenswert seien Filme, die „eine Verherrlichung der Juden" darstellen. * Diese „Verherrlichung der Inden" im Film muß noch Gegenstand besonders nachdrücklicher Ausführungen in diesem Artikel sein. Zunächst aber soll ein anderes Axiom des „V.B." ansgegrissen werden, nämlich der kühne Latz: „Ter Film wird beherrscht von Juden. Ter Jude beherrscht die Filmproduktion und den Verleih . . ." Maßgebende Machtpositionen von einem gewisten GesamAstnstuß auf die Gestaltung der ilmdinge in Deutschland haben inne: die Tobis onbild Syndikat A.-G. (als Inhaberin der maßgebenden Tonfilm-Patente), ohne jüdischen Einfluß an den leitenden Stellen des Vorstandes; die Klangfilm G. m. b. H., die sich mit der Tobis in das Patentmonopol teilt, gemeinsames Tochterunternehmen von Siemens und der AEG, ohne jüdischen Einsiuß an den leitenden Stellen; die Universum Film A.-G. (Ufa), die den größten Theaterbentz mit den größten Prodnktionsanlagen, technischen Betrieben und Verleih konzernmäßig in sich vereint und, geführt vom Generaldirektor des Scherl-Verlages, keinerlei jüdischen Einfluß an den leitenden Verwaltungssiellen ausweisr. Ties sind die Hauptfaktoren der deutschen Fitmwirtschast, die einzigen, bei denen man allenfalls überhaupt von „beherrschen" im Sinne des „V. L." sprechen könnte? Eine völlige Irreführung aber ist es, wenn der ,.B. B." den beherrschenden Einfluß gerade bei den „großen, amerikanischjüdischen Gesellschaften" entdecken will. War schon früher und auch noch heute dem Vordringen der amerikanischen Filmkonzerue in Deutschland gesetzlich von vornherein durch die Beschränkung der Einfuhr ausländischer Filme ein starker Niegel vorgeschoben, der jede Beherischnngsabsicht illusorisch machte, so ist die Bedeutung der Amerikaner auf dem deutschen Filminarkt auch ohnedies jetzt aus ein Pt i n i ne u nt znsam m e n - geschrumpft, seitdem der Film und das Kino die Sprache gesunden haben, die dem amerikanischen Tonfilm in Deutschland von vornherein engste Grenzen zieht. * Wir führen dies aus, um Tatsachen festzustellen, die jedem Filmfachmann eine Selbstverständlichkeit sind, nicht aber etwa, weil wir der Behauptung des „B. B.", der Film werde von dem Juden beherrscht, die Beteuerung entgegenzustellen das Bedürfnis fühlen: wir „seien es gar nicht gewesen". ' Im Gegenteil: so unsinnig die Behauptung vor: der jüdischen Filmbchcrrschung ist/ so sicher haben jüdische Mitbürger wirtschaftlich wie künstlerisch einen wesentlichen Autcil an der Entwicklung des unübersehbar bedeutungsvollen Kulturinstrnmentes Film gehabt, und wir haben allen Anlasi, diese Tatsache mit Stolz zu betonen: war nicht, neben christlichen Film- Pionieren wie Oskar Meßteru. a., ein Mann wie der verstorbene Handelsrichter Paul Davidson der vorausscharwnde Organisator, ber das Kinoweseu ans dem <-chaubudenzustand zu seinen heutigen industriellen Formen entwickelt hat? lind kann man nicht eine Reihe führender Filmfachlente jüdischen Glaubens in der Produktion, im künstlerischen Schassen, in der geschäftlichen Organisation nennen, deren wertvolle Mitarbeit die deutsche Filmindustrie heute und künftig nicht würde mißen wollen? Film und Kino sind Unterhallnnasmittel für jedermann, sie haben die große Aufgabe, jedermann ohne Unterschied der Herkunft, der Partei, der Konfession oder TJcltanschanng seelische Entspannung und kulturelle Anregung zu bieten, darüber hinaus aber auch deutsche Knlturclementc in die Welt hinauszutragcn. Wer in das Filmwesen den politischen oder konfessionellen Zersetzungsbazillus hincinlragt. ist kein Förderer, sondern ein gefährlicher Feind eines wirklichen deutschen Knlturwerks größten Ausmaßes! * Wenn die nationalsozialistische Filmcholitik jetzt den Gedanken propagiert, der „Verherrlichung des Juden im Film" durch Ausübung eines wirtschaftlichen Druckes auf die Theaterbesitzer mittels ihrer lokalen bzw. kommunalen Einstnßmöglichkeiten Einhalt zu tun, so scheint es an der Zeit, daß auch wir^ deutschen Inden — und zwar von n n so r e m Standpunkt ans — ein deutliches Wort über dicke unsere „Verherrlichung" sprechen. Denn wir haben weit mehr Anbas; als der „Völkische Beobachter", unt unserer Verherrlichung höchst unzufrieden zu sein. Auch wir sehen, wie der „V. B.", „im Lichtspiel eine gute und wertvolle Bildnngs- und Unterhaltungsmöglichkeit". Der Wert und die Güte dieser Unterhaltung scheinen uns in dem Augenblick aber sehr fraglich, wo der Jude, und zwar der jüdische Soldat, als Gegenstand mehr oder minder geschmackvoller Volksbelustigung im Kino herhalten muß. Wir laben in der Spielsaison 1920/31 eine ganze Reihe von Possen, genauer gesagt Militärlustspielen (und diese „Serie" scheint noch keineswegs abgeschlopen), ansehen mästen, in denen jüdische Komiker in der Hauptsache das heitere Element dadurch bestritten, das; man sie, in Uni formen gesteckt, höchst unsoldatische Hanswurstiadcn auöübcn liest; in wohlberechnetenr Kontrast zu einer propren, höchst militärischen Umwelt. In Versammlungen ziehen die nationalsozialistischen Redner jetzt nach dem Volksentscheid mit besonderer Schäcke den Trennungsstrich zwischen der nationalsozialistischen Partei und denn Stahlhelm, ^o verkündete der Reichstagsabgeordnete Dr. L ö p e l m a n n am 12. August in der Schloßbrauerei Berlin- Schöneberg mit leidenschaftlichen Haßgebärden: „Nun ein Wort über unsere Bundesgenossen vom S t a h l h e l m, dem ich nie grün war. Der Stahlhelm null keine Politik treiben, er bezeichnet sich als eine wirtschaftliche Vereinigung der Frontsoldaten. Wir haben mit ehrlicher Verachtung auf ihn h i n a b gesell e n. Wir haben ihm gesagt, daß es verwesten sei, einen Volksentscheid zu machen. Aber er hat nicht gehört. Er ist es gewesen, der vorgeprellt ist, ohne vorher Hitler zu fragen. Wir haben ihn Händeln Tie Wahrheit gebietet zu sagen, daß die Rollen, für die sich vornehmlich die in irrem, privaten. Leben sickerlich unantastbaren Herren FelixBreisarr und Siegfried Arno mißbrauchen lasten, nicht etwa durch die Wabl jüdischer Namen oder durch, irgendwelche sonstigen Momente in den betretenden Lust.'rieten als jüdi'che Figuren kenntlich gemacht oder gar unterstrichen waren. Man könnte also um so mehr darüber hinweggehen, wenn es sich um einen einmaligen Fall handelte; leider aber Handel: es sich um eine Milicärlustspiel-Foor:- tation am lausenden Bande nach immer dem gleichen, bewährten TYP: Darstellung eines durch und durch Lolpuckchigunmilimrisch.cn Soldaten durch einen Komiker von nnrerkennbar jüdischer Herkunft, mag die Posse nun „Drei Tage Mittclarresck oder „Schrecken der Garnison" hcißen. Der „Schlcmihl" in Uniform als künstleri'ches Volkscrnäh r ungs mi :: e l! Car keine »Frage, daß dicke Art Filmwosteu, zum ständigen n^yp erhoben, bewußt oder unterbewußt in den Plasten der Besucher Vorstellungcn und Renemimems erwecken, die der jüdische ^Deutsche, besonders aber der gewesene Soldat und Kriegsroil - nehmer nickt ohne ernsteste Sorgen beobachten kann. Die'e unabsehbare Gefahr durch unbewußt antisemitisch wirkende Milirärkomödicn wird in ihrem Emuum so denclicher, als tac'ächlich gerade jene Filme düe stärk st e Zugkraft ausgeübt haben. <cke kommen gewisten Instinkten, die heute als Vastllen förmlich in der Atmosphäre liegen, entgegen' * Wir wünschen überhaupt nicht im - Film verherrlicht zu werdend Weder karikierend noch anders? Wir denchchen Juden legen uns nicke die Macht und den Einfluß des „Völkischen Beobachters" bei, auf Film- und Kinobesitzer einen Truck im Sinne unserer Wünsche ansüben zu können. Aber das eine können und münen wir nämlich klipp und klar vor aller Welt erklären: wenn jüdische Gestalten irn Film immer wieder in den Blickpunkt dcs Masicupublikums gerückt werden, so geschieht diese Verherrlichnng mit oder ohne Gänsefüßchen nicht auf unseren Wunsch, sondern geradezu gegen unseren Willen. Und leider gegen unsere wohlverstandenen Interessen. lassen.wirhaben ihm den Rücken g e st ä r k L, weil wir allein das tun kennten. Es gibt o i a l) I f) e 1 t;i c r, d i e gar n.i ch r z u m Volksentscheid gegangen sind. «Lebhafte Pfuirufe.) Deuce sagen wir ihm: .Schmück dich nicht mst 'remden Federn! Für deine Führer danke n :v i r b e st c n §! Wir sind fror, daß w L r euch ein für a II e:n z l los s i n d. Wir werden euch nie mehr irgendwelche Unterstützung leihen!'" Aber auch die D e u t s-ch n a t i o n a l e n bekamen eine eindeutige Absage. Sie seien, heuchlerische Bundesgenosten, meinte Herr Lövelmann, die niemals aus dem Reichstag gegangen wären, wenn die Nationalsozialisten ste nicht begleitet hätten. „W ir sind allein und werden nun allein auch a m st ü r k st e n sein!" rief Herr Tr. Lögelmann schließlich, Stolz in der Brust, siegesbewußt ans.

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