Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 33 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m trotzdem ttrtv der Jude n u ch d c :u a Iß | ch o n ein 3 t n i> t e r : denn 7*2.5 v. H. der Gesamtbevölkernug leite in jenen Je.7reu eaf dem Lande, aber nur 16,6 v. H. der Judenheit. Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung dis zu den vierziger Jahren zeigt eine günstige Bilanz. Die beruht aber nicht aus einer höheren Geburtenziffer, sondern aus geringerer Sterblichkeit, so daß der Geb u r t e u ü b e r - schuß bei den Juden mit 13,$5 v. T. bedeutend großer ist als bei den Christen mit 10,40 v. T. Aber eine Bilanz der gesamten und der Indischen Bevölkerung Preußens über den Zeitraum von 1816 bis 1910, die Silbergleit durerhührt. beweist, wie schnell sich dieses günstige Bild trübt. „Durchweg zeigt sichch so erklärt ^Ubergleit seine mit vieler Blühe ausgestellte notatistik, „ein Zurückbleiben der jüdissi-en hinter der ans die Gesamtbevölkerung bezüglichen Ziffern mit so außerordentlich starker Zuspitzung in den letzten Jahren, daß ihr gegenüber die freit mit Recht an der Beweiskraft der Geburtenziffer bestehenden Zweifel verstummen müssen." Bis in die fünfziger Jahre wach sie nur um ein Geringes von der der übrigen Bevölkerung ab, in den siebziger Jahren war sie bereits um ein reichliches Fünftel kleiner als bei der Gosamtbevölkernr.g, und schon vor 1910 betrug sie nur noch knapp die Hälfte. Denn in den siebziger Jahren lauteten die allgemeinen Geburtenziffern 41,1 v. T., bei den Juden 62,3 v. T.; zu Beginn des *20. Jahrhunderts aber 33,4 v. T. bzw. 16,6. Silbergleit weist daraus hin, daß bei den Inden seit den siebziger Jahren 'selbst die absolute Zahl der Geburten dauernd abnimmt. Bis in die sechziger Jahre hinein zeigte sich bei der jüdisch e n Bevölkerung ein Geburtenüberschuß, der stets größer war als der der ü b r i g e n. B e w o h n e r Preußens. Ties Verhältnis ändert sich zwischen 4875 und 1880, und zwischen 1905 und 1910 steht einem Geburtenüberschuß von 15 v. T. der Gesamtbevölkernug nur ein solcher von 1,7 v. T. des südischcn Bolksteils gegenüber, „also ein g e r a d chz n k a t a st r o p h a l e r Umsturz, herbeigesührt durch daß bei den Juden stärkere Absinken der Geburtenziffer und das schwächere der Sterbllchkeitszisferck Diese ungünstige Situation wird noch verschärft durch die zunehmenden Austritte ans der jüdischen Neli g io n sge m c i n sch a st. Eine Ncbersicht über die 100 Jahre, die feit der Emanzipation der Inden in Preußen bis zum Kriege verslosien waren, ergibt, daß sich die . Entwicklung der jüdischen Bevölkerung immer mehr auf anderen Bahnen, bewegt als die der Nichtjuden, vielleicht, wie Kahn glaubt, üedbt mm J Ü ihr vorancilt. Bis zum'Anfang der sechziger Jahre zeigt der Anteil der jüdischen an der Gesamtbevölkerung Preußens eine steigende Tendenz, die von 11,98 v. T. im Jahre 1816 bis auf 13,78 v. T. im Jahre 1961 anwüchsr, um dann ständig bis ans 10,36 v. T. im Jahre 1910 zu fallen. Ein kleiner Anstieg im Jahre 1928 ist, wie Silbergleit mit Rech! betont, nur die Folge des Krieges. Der Weltkrieg hat auch auf die Verteilung der Inden in Preußen und damit in ganz Deutschland einschneidend gewirkt. Tie Verschiebungen, die er mit sich bringt, die Wanderungen, zu denen er die Juden zwingt, müssen von stärkstem Einfluß aus ihre wirtfchaftlicheu Verbalmisst werden. 10,97 v. H. der iü disckcn Bevölkerung P re n - ß e n s g i n gen d n r ch die A b t r etu - g c n v e r l chr e u , denn 45 629 Inden kamen durch den^ Friedensveolrag unter die Hovr'chast anderer stauten. Bon der Gesamtbevölkerung der Provinz vostn gingen 92,7 v. wrrußen verlörest, von 7er jüdisehen Einwoluwvscha.it dieser Provinz untren es si'gar 93,7 v. -Ä. Für Böeüprcnßen stellt sich die Ziffer für die jüdisouo Bewohnerschaft aus 74,5 v. H., für Lchlenom auf 19,2 v. H. und für Ostpreußen aui 13,1 v. ö. In diesenVrovin-.en des Ostens sind die Borlusto, die die deutsche Jndenschast durch die Landaotrotung erlitten hat, verhältnismäßig üärker als die der übrigen Bevölkerung. Das große Reservoir, aus dem sieh das deutsche Judentum immer wieder erneuerte, war durch den Verlust dieier Provinzen erschöpft. Für die Inden des Westens spielte die Abtretung des Elsaß und Lothringens, wenn auch nickt die gleiche, so dock eine ähnliche Nolle. Tie Volkszählung vom 16. Juni 1925 zeigte bereits, wie sehr sich der Anteil der j ü d i s ch c n .a n dev Gesa:n:be vö lk eru n g in de n einzelnen' Pr o v i n z e n d ur ch den K rie g v e r s ch o b e n hat. Tenn jetzt waren die westlichen Provinnn in den Vordergrund gerückt. Tiefe Entwick.nng, die mich wirtschaftlich von großer Bedeutung iß, geh: deutlich aus folgender Tabelle hervor: Jüdnchc Wohnbevölkerung Preußens am 16. Juni 1925 in Taustndwilni der Provinz 1. Stadt Borlm . Absolut 172672 gesamten Jndenheit 427,4 Provinz- Krrifcruno 42,9 2. Rhcrnvrevin; 58923 144,1 8,0 3. HcsienBian-n. . 527Z7 130,6 22,0 4. ÜsicdciPuc ncn < 2s.9.M 74,2 9,6 5. BB st st len. . . . 215(5 53,5 4,5 6. Hannover . . . 14895 36,9 4,7 7. L st Preußen . . , 11537 28,1 5,0 8. Cte: rer lenen . . KC69 24,9 7,3 9. Brandcnbura . . 8442 20,9 3,3 10. ^achstu . . . 8341 20,6 2,6 11. Pvnunern . . . 7761 19,2 4,1 12. -chlesn-ig-HaIftcin 4152 10,3 2,7 13. (Srnnmar f Po"ein 22c »rp reuten . 3437 8,5 10,3 14. Hopenzollern . . .. 335 0,8 4,7 Zustmmen Preußen. 405(69 1(00,0 10,6 Ans dio'er Ansistellnng läßt sich besonders die eine Tatsache fcftfieilen, daß in dev Stadt Berlin heute mehr als zwei Fünftel alter preußischen Judcir wohnen. Der preußische, ja der deutsche Jude ist in: Laufe der Gntwicklung immer rnehr;mn Städter und immer rnehr zuyr Berliner geworden. Das Schicksal der Rcichshauvtstadt als der Metropole der deutschen Wirtschaft wird damit bestimmend für das Geschick des dem »eben Juden (vcrgl. auch den Aussatz des Verstssors „Jnde in der Berliner Mrtschast" im ,.G. B.- Kalender^ 1(61, S. 88). Berlin nourdo die Zufluchtsstätte Tausender von Juden, die don Olsten verlassen mußten. In ungefähr 1(0 Jahren ha: sich der Anteil der jüdi'chen Bevölkerung au der Einwohnerichan Berlins fast verdreifach!. Man muß hierbei auch berücksichtigen, daß da- Berlin von 1925 nicht dasselbe ist wie die Stad: von 1811, weit durch das Gesetz vom 27. April I960 rin neues Berlin aus 94 verschiedenen Gemeinden gebildet wurde. Im Jahre \>\l betrug der jiilifdc Anteil an der Bevölkerung Berlins 18,9 v. T. Im Jahre 1864 hatte er iien bereits mehr als verdoppelt und stellte sich am' 38,3 v. T. 3805 saß verdreifacht mit 51,4 v. T., lim dann 1(65 am' 42,9 v. T. zu sinken, was sich teieht ans den zahlreichen Eingemeindungen in Berlin erklärt. Nächst Berlin steht der Regierungsbezirk W i e s ö n b n mi: 37 736 oder 28,9 v. T. Inden absolut wie verhältnismäßig au der Spitze. Das zeigt den Einstuß von Frankfurt a. üb, wo 1925 29 385 Juden wohnten, deren Anteil mit 62,9 v. T. den der Berliner an der Gesamt- '.i ,-vf? G-c* vvVcrsnn <1 s:e!! Sehe neber-er Strasse loa. Tt Berlin Sv,*r. •fea: Lützow: s_'0 ol bovrikorung noch übertrasi Es folgt dann der sieeaierunasbezirk Breslau. Blit inrcn 23 240 Juden erreicht die jüdische Gemeinde Breslaus ungefähr die Anteilsziffer Berlins. Siioergleit gib: in seinem Werk eine genaue lie der sieht über die jüdische Bevölkerung, in allen 527 Stadtuud Landkreisen. Sie zeig:, daß 12,6 v. Tl. aller Juden in den preußischen Großstädten lvohrrcn, während die eutsurcchende Zisstr für die Eesamckevölkerung sich aus nur 29,2 v. T. stellt, Auch dies wieder ein Be- :ve-s nir unsere Behanpuwa, daß der deutsche Jude heute ein lyrischer Vertreter der Großstadt geworden ist, eine Tatsache, die wziologlisch von größter Bedeutung sein muß. Silaergleits Zack len nützen sich im allgemeinen nur auf die Ergebnis der Volkszählung von 1925. die in den letzten stchs Jahren natürlich viel sack: überholt sind. Seine Ergebungen vernicht für Berlin Tr. H u b e r t P o l I a ck in st ine.! Ack'ätzen „Zum Bevölkerungsproblem der Berliner Judonch („Jüdische Wohlsahr:svs1•:ac und Sozia.uolitikck Bef: 5 und 6, 1931) zu ergänzen. Pollack errechnet tfir 1930 eine j ü S \ s ch o B c v öl k e - r u ng B o r l i ns v o n unge f ä h r 1 7 7 5 0 0 P e r '' o n e u. Er berücksichtig: hierbei, die ständige Geburtcnvermiu.derung der jüdischen Bewohnerschaft der Neichshanptßadt, aber gleichzeitig auch den Gewinn, der sich aus den Zuwanderungen ergib:. Tie Statistik der letzten Zeit ergibt aber nicht nur' diese k r a s f c Berstädte i n u g , ja, B e r l i n i s i er n u. g der d e:: t; dj c n I u den, sie zeigt auch, daß in den Jack rcn 1911 dis 1924 bei den Juden ein Stcrbüchkcibsi'r bar schuß von 18 252 ointriN, während in der gleichen Zeit bei der Gesamtbevölkerung noch ein Geburtenüberschuß von 3 019 IW besieht, ckilberglcit erklärt hierzu: ,,Dns ist alles nicht nrchr krisenhaft, das ist vollständiger Zusammenbruch der jüdischen BcvötkcrunascnLwicklung von innen heraus". Er macht auch daraus anfmerk'am, daß sich die besonders ungünstige jüdische Bcvvlkertmgse.ckwicklnu.g noch über die Zeit der letzten VoltsBhlung fcrten'et.t hat. Tenn während die Gcjamlberblkernng in den vier Jahren bis 192^ eine:: Gevt:rttniivcrsch■ iß von nnaeiahr 1,2 d.'ck..tionen am'brinah stellt sich bei den Inden ein Eterblichkeitsüberschuß von 5100 ein. Tie jüdischen Ehen sind kinderlos geworden oder Irenen entgegen den Tagen der Vorväter um* wenige Kiudcr auf. Tie .iüi'.dcr aus Mischa eheu gehen dem Judentum meist verloren, und die z^yww'lchen Auetritto ans der jüdi'elcn Gemein'chaft lichtem rvoitcr die jüdi'chon 'leihen. Vielem Todesfällen stehen wenig Goöcirten gegenüber. 26 i e lange k a n n diese r V r o ,z e ß noch dauern? Ernst .Oahn weist in seinem bereits erwähn!on Buch daraus hin, daß scho-n die nächste Zuknnst die Inden in Tentsthland ci'.icm ganzen s eh a r s c n dl u s b 5 ' n n g v r o * z e ß entgegeiifnhren und ihre Zahl von 564.00) in wenigen Jahrzehnten dezimieren r.ure. Er berechnet, daß diese Zahl im Jahre 19;0 bereits auf 5 37 0 00 gesunken sein muß und sckätzt die jüdisihe Bevölkerung im Jahre 1950 au s 420 099, im. Jalwe I960 aus 3419-0 und sthln such im Jahre 1970 auf 204 900. Toniwird c; unter dm Juden zwei Fintstol (ßrei'e geben., wenn der Nachwuchs ireitcr so zurückgaht w-ie jetzt. Tie Zahlen der Statistik sprechen eine ernste Sprache. Neben den bangen Sorgen um die wirtschaftliche Selllstbcstauptung erhebt sich gespenstisch das Problem der atlruährichcn Sclbstauorottung der dei!tschen Jrrdcn.