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Central-Verein-Zeitung · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 405

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 405 (sequence 5)
Language
German
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Dr. Kurt Zielenziger: Eine bsvSüce?»nnspolISIsche Betrachtung Af\* ■WJß ll'ii!:j;i/J:'i l IH tr ivvv) W/ \j(jr vv "!.i; w HW^UMVoeHW W Sit Entwicklung zum SiaUer sÄreltet fort - 72,8 vom Tausrnd oUcc Buben ©oSncn in den vreuZWen Greritühteu: von der besamkbevölkrrung nur 29,2 vom Tnusenb - SMändiger ZummmcnSruÄ her jubüÄen Bcvölkerlmgkonlwlcklung von innen Hernus Wirts chaftselend und Wohnungsnot. Kriegsfotge und Krisengefahr hemmen da: s Wachsturn des deutschen Volkes. Mir Erstaunen nimmt man jetzt in Deutschland wahr, daß stch die phantastischen Projekte, die man jahrelang gehegt hat, nicht verwirklichen werden. Man sieht, daß auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Tenn auch die deutsche Bevölkerung nimmt nicht mehr in dem gleichen Maße Zu wie bisher. Zwar wächst dieses Volk noch, noch treibt der Baum jährlich neue Triebe. Aber von Hahr Zu Hahr^ wird er schwächer in seinem Wachstum, crchon läßt sich errechnen, wann die Kurve willen muß. Der Traum eines §0-, ja lOä-Millwnen-Bolkes scheint ausgeträumt. Brau beginnt bereits anszurechnen, wann der ständigen Zunahme eine stetige Verminderung der Bevölkerung folgen wird. Auch das deutsche Volk scheint das Geschick aller großen Kulturvölker zu. teilen. Diese Erscheinungen, die man in so anfälliger Weise für die deutsche Bevölkerung erst 'eit kurzem beobachtet, sind von Fachleuten ür die deuLs ch e n Jude n f ch o n 'äuge vor dem Kriege senge stellt worden. Ernst Kahn macht in seinem interessanten Buch „Ter internationale Geburtenstreik" lFrankfurter Loci etätsver lag, Frankfurt a. M. 1959darauf aufmerksam, daß schon vor dem Kriege der Leiter der Hessischen Statistik, Negierungsrat Knöpfet, die genaueste Beobachtung der jüdischen Bevölkerungsbewegung im deut'chen Hnterege dringend empfahl. Die bevölkerungspolitischen Betrachtungen der deutschen Hudenbeit ergeben eine weitere Verschärfung der Situation. Zu den schweren Sorgen, die wir nur die Znrunft des deutschen Juden besonders in wirtschaftlicher Hinsicht hegen muffen. und denen an dieser Stelle oft Ausdruck verliehen worden ist, gesellen sich die ernstesten Ueberlegungerr nur die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung überhaupt. Wir sind deshalb Zu der Frage berechtig:, ob die deutschen I u d e:x e i n aus st erbender Volksteil sind. Wir können diese Frage um solcher erheben, wenn wir das Werk von Profepor D r. H e i n r i ch Silbergleit „Tie. Bevölkern ngsnnö Berussverhältnisse der Jude n im Deutschen Ne i ch", E rst e r Teil: Freistaat Preußen (Akadcmie- Verlag Berlin, 1950h für dieses Problem einer abermaligen eingehenden Würdigw.gZ unterzielun. In dieser^ Zeitung ist das Standardwerk des großen Statistikers wegen seiner Bedeutung für die Beurteilung der wirts ch a f i l i ch e n Situation der deutschen Huden von Henne schon gewürdigt worden (rergl. „E. B.-Zeitung" Nr. 9 von: 27. Februar 1931). Aber der wirtschaftende Jude lebt nicht im luftleeren Raum. Er iß, luie dies der Verfasser dieses Aussatzes damals betonte, aufs engste mi: den: Geschick des deutschen Volkes verbunden. Wenn gesagt wurde, „mehr denn je ist da s Schicksal Deutschlands da s Schicksal aller j ü d i s^ch e n T e u t s ch e n geworden", so gilt dieser <^atz besonders auch fürZie Entwicklung der jüdischen Bevölkerung. ^ilbergleit gibt in seinem Werk eine interep ame lieber sicht über die geschichtliche E n t w i ck l n n g der jüdischen Bevölkerung in P r e u ß e n. Erst sie Zeigt, wie sehr sich die Verhältnisse gewandelt haben. Tie erste räumlich gegliederte Kc-nfessronsstatistik für Preußen stammt aus den: Jahre 1S1G, jilfo aus einer Zeit, in der der preußische <Aaat nach den napoleonüchen Kriegen durch Nückerwerb und Neuangliederung von Lanoesteilen neu gefestigt war. Tantals .zählte man im ganzen 10 549 031 Menschen. von ihnen waren 125 954 Inden. Ter Anteil der jüdischen Bevölkerung stellte sich auf 1,22 v. H. Von diesen Huden wohnte fast die Hälfte oder 4 2 v. H., nämlich 52000, in der Provinz Posen, ^dann folgte die Rhemprovinz mit 14,2, schlossen mit 13 und Westpreußen mit 10.2 v. H. Brandenburg und Berlin wiesen nur 0,64 o. H. aus. Noch war der Osten das große Restrvoir der jüdischen Bevöllernrng in Teotzchlaod. Berlin spielte damals noch keineswegs die Nolle von hcnto. Tie b ev ö lk e r u n. g s p o l i r i s che n Verhältnisse dieser Tage der beginnenden Emanzipation beleuchtet nichts deutlicher als die Statistik einiger Preußischer Städte von 1417. An der Spitze aller jüdischen Gemeinden st e h t B r e s l a u mit 4409 Inden oder 5,7 v. H. der gemmien Zivilbevölkerung. daun folgt Bosen mit 4E25 Juden oder 17,7 v. H. Erst an dritter Stelle steht Berlin mit 3092 Juden oder nur 2 v. H. Unmittelbar hinter ihm rangiert Lisia in Posen mit 564-1 Juden oder 45,9 v. H. I m £ st e n gibt es eine Reihe von -Städten, in d e n e n m ehr als die Hälfte aller Einwohner Huden f i n d. Voran steht Fordon, wo 65,4 v. H. der ganzen Bevölkerung jüdisch sind, dann folgt Schwersenz mit 55,3 v. H., Kempen mit 52.4 v. H., Zempelburg mit 59,7 v. H., Vreschen mit 50,1 v. H. und Märkisch-Friedland mit 50 v. H. Bon 42 preußischen Städten mit mehr als 500 Hnden haben 31 eine jüdische Bevölkerung von mehr als 20 v. H. Noah hatte stch aus die'en kleinen Städten nicht der Strom in die Großstadt ergossen, (Fortsttzunz S. 4N.) Das MM!, öss Wisösr hschalLsK MAß.. Der NSOflP.-Mhrer Dr. von Leers am IS. August in Zehlendorf: „Wir haben uns zu einem fanatischen Fu-enhaß Zu bekennen!" Die „Jüdische Telegraphenagentur" hat führende jüdische Politiker über d:e Bedeutung des Volksentcheides vom jüdischen und allgemeinen Standpunkt befragt. Während Rechtsanwalt Heinrich Stern in dem Resultat einen ersten Schritt Zur Umkehr und Einkehr sieht und Dr. Alfred Klee in denn. Scheiter!: des Volksentscheides den Berveis dafür erblickt, daß keine wirtliche Macht hinter den nationalsozialistischen Gruppen steht, sieht Tr. Alfred Wiener, der Syndikus des E. A., in dam Ergebnis des Volksentscheides kein ondgüuigcs Anzeichen fürdauernde politische Beruhigung und Versachlichung der inneren Politik. Im ('-egenteil, so meint Tr. Wiener, behebe die (befahr, daß die Nationalsozialisten ihre Wut über den Mißerwlg und ihr Bemühen, ihre Anbau -.er von der Enttäuschung über das Ausbleiben des „sicheren Sieges" abzulenken, in verstärkter Judenhetze euslasten werden. Ter Eco.tralvere'.n sehe sich also inmitten der augenblicklichen Entspannung einer erhöhten Ausgabe gegenüber, die er mit allen erlaubten Bütteln pcHirfjcr und literari- Kijer Austläruug gegen den volle zerstörenden Judenhaß und für den inneren Frieden rm deutjchen Vaterland Zn erfüllen bemüht sein werde. Vor uns liegt der Bericht über die nationalsozialistische Rede, die in Berlin nach dem 9. August gehalten wurde. lieber „Vo lksen t f cfj e ib unb w a s nun V sprach in Zehlendorf in einer S.-A.-Kundcwduug der NSDAP, am 10. August der besondere Freund Tr. Goebbels' und ständige Mitarbeiter an seinem „Angriff"" Tr. v o n V c e r s. Nur ein Nächtiger Blick auf dieses Referat genügst um klar zu erkennen, daß ein Radarrautisenntiornus übelster Sorte den ^rational sozial isten erwünschtes 2Lblen- Lungsruauövcr zu sein scheint, um die Nieterlage des 9. August verblassen zu lenen. Einige Kostproben mögen genügen: „. . . Tie Judenpresse ist in ein widerliches Jubelacheul ausgebrochen, sie soll sich aber nicht täuschen. Es wird noch anders konau'.eu . . . Unsere Bundesgenossen vorn 9. August haben schaurig versagt. Die Konrrnuuistcn sind nie ehrlich gewesen. Sic haben die sittlich verkommenen Hrrdcrrschweinc in ihren Neilzcn. Eins hoben wir auch hier wieder feststellen müssen, daß Severing unser gefährlichster Gegner ist. Alan hat wieder einmal gesthen, die Juden haben wie Pech und Schwcstl .Zusammengehalten ... Tie nationalen Bürger haben sich geschlagen wie die Säue und sind ausgerrsien wie Schmieden. N'ach diesen Erfahrungen nehmen wir keine Rücksicht mehr. Tie Bundesgenowenschast ist löst. Hitler wird die "Arbeit allein iftcn . . . Unsere Parole lautet jetzt: Mobilisierung der Mapen. Die Unverschämtheit dcS Judenpackcs wird bereits größer. Sic sollen sich aber nicht täuschen. Die Zehn Millionen wollen weder mit »errir Brüning, noch mit Herrn Braun, noch mit Herrn von Hindcnlrurg etwas zn tun haben. Un'ere Aufgabe ist es, unerbittlichen ^aaß z:: predigen... Wer nicht abgestiw.mt hoi. Ast ein ganz gemeiner Lump, den wir perwnlich verantwortlich nunchen werden, trenn wir erst au der Macht find. Dieses Gesindel muß weg . . . 29ir haben uns zu ciucnr fanatischen 2lutisenntieOnuS zu bekennen, bis die Hndeusraae restlos gelost ist . . . Unser .Karnpf acht, bis wir Herrn Braun, Herrn Brünin^ und Xscrrn von Hirrdcnburg Politisch beseitigt haben." Man möge nicht enrnehmen, daß es sich hier um die Rede irgendeines nationalsozialistischen Agitators dritten Ranges handelt. Herr von Peers war von Herrn. Goebbels beanslraah den Parteigenossen in Zehlendorf für die tzejouders treue Arbeit zu danken. Me ne geleistet hätten. Zehlendorf habe ron allen Bezirken am besten beim Volksentscheid abgeschnittcn.

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