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Central-Verein-Zeitung · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 402

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
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402 ein glückliches Deutschland selbst zu erleben; wir müssen den Blick auf unsere Kinder richten und für deren Zukunft arbeiten. Das war stets jüdische Art. Wenn wir unsere Pflicht erfüllen, wenn wir unter der Last des Tages uns nicht erdrücken lassen; wenn wir arüeitsbereit und op'erwe'-tdtg bleiben, kann der 9. August ein Markstein auch in der Arbeit des Centralrereins und in dem Erleben unserer deutschen Glau^nsbrüder bedeuten. Wir werden weiter unsere Pflicht erfüllen. 4 4 4 Wenn Bundesgenossen wieder feindliche Brüder werden Noch am Vorabend des 9. August sammelte Herr Goebbels 14 000 Getreue im Berliner Sportpalast um sich. Unter tosendem Beifall der erregten Massen konnte er also prophezeien: ,.13 Jahre beherrschen jetzt jüdische Hetze und jüdische Bluthunde das deutsch-o Volk. Jetzt kommt der Augenblick der Abrechnung. Bisher hat man uns gesteht, aber anr nächsten Sonntag werden wir die Genießer sein, höflich bis zur letzten Galgerrsprosie, aber gehängt wird doch: Ten Machthabern von beute rufen wir zu: Lluf Wiedersehen am 9. August bei Philipp:!^ Ueber Nacht hat sich ein Rauhreif auf die Früh- Imgshasfnungen der Männer um Goebbels gesenkt. Aber man darf die Mapen nicht daran erinnern, daß man sich doch eigentlich bei Philippi Wiedersehen wollte und muß Niederlage in Sieg wandeln. Stolz in der Brust läßt sich deshalb die Reichsleitung der NSTAP. Lm 10. August also vernehmen: „Es ist nach den Beobachtungen der gestrigen Abstimmung ohne Zweifel, das;" von den rund 10 Millionen Stimmen 7 Millionen auf das Konto der Nationalsozialisten zu setzen sind. Vom Standpunkt der NSDAP, sehen wir daher in diesem Ergebnis mit Recht einen durchschlagenden Erfolg." Die Kommunisten ihrerseits behaupten, datz die Nationalsozialisten vollständig versagt hätten. In einer offiziellen Auslegung des komnmnistischen - Pressedienstes vom 10. August heißt es: „Ter Volksentscheid ist ein wahrer roter Volksentscheid gewesen, was euch bestätigt wird durch die Ergebnisse in Mitteldeutschland. im Industriegebiet/ Oberfchlcsien und im Ruhr- und Rheingebiet. Der Dolksrrrtschcrd wurde in allen entscheidenden Jndrrstriebczirten unter der Hcgcmorrie des revolutionären Proletariats durchgcführt. Die Nationalsozialisten waren von der Bildfläche verschwunden. Nachdem Herr Goebbels auf der ersten Seite seines Blattes vom 10. August die Reichste itung der RSTAB. hatchchwierige journalistische Arbeit verrichten lomen, nimmt er selbst cm der Zweiten Seite, etwas kleinlauter, als man es sonst bei ihm gewohnt ist, das Wort: .Der Ausgang des Volksentscheides bat doch einen positiven Erfolg gehabt, den wir mit Genuguiu.ng buchm können und der allein schon die Anstrengung wert war: die vollkommene Zersetzung der KPD." „Zieh' mit mir in die Schlacht, ich will dich zersetzen:" kann nach dem 9. August im politstchen Leben zu einem geflügelten Wort werden. Dder hat der nationalsozialistische Führer Tr. von Leers aus der Schule geplaudert, der sein radauantisc-mitisches Referat an 10. August im Zehlendorfer Lindenpark mit den Worten begann: „Dev Kampf ist zu Ende, wir haben eine Schlacht verloren." Lebe. ftotdM, öA von vr. Horms RerSnrr (§LrUn) Tie 41. Jahresversammlung der Central Conference of American Rabbis, die vom 25. bis 29. Juni in Brovidence (Rhode Island), hißte, nahm eine Ent'chtießung an, ,chaß. da das kommende Jahr den Fnnfzigsmhrcstag des Beginns der großen jüdischen Emwandorung aus Europa bedeute, die nächste Jahresversammlung einen Teil ihrer Tagesordnung den Zusanimenhaugen und der Bedeutung dieses Niasienwandels im jüdi'chnn Leben ^widmen möge". — Fünfzig Jahre sind verflossen. stit die^Pogromä in Rußland Scharen von Juden über den Tzoan trieben, fünfzig Jahre, in denen die Zahl der Juden in den Bereinigten Staaten von weniger als einer Viertelmillion auf vierundeincvicrtel Million anwuchs, ein halbes Jahrhundert, in dem in Nerv Port mit seinen cirrdreiviertel Millionen Juden, die sO Prozent der Bevö.keruug ousmachen, die größte jüdnche Gemeinde der Welt entstand. Man ist vernicht, hier auch im jüdischen Leben von „amerikanischen Ziffern" zn wrechcu, und ebenso typillch amerikauistche Arbeit im guten Sinne ist das statististche Ziistruwert, das Harry S. L i n f i e! d , der bekannte Direktor der Stanstischen Abteilung des American Jewish Committee, unter dem. Titel ,.The Communal Organisation of the Jews in the United States, 1927*‘ (diere Bork, 19-10) zur rechten Stunde vorlegie. Tenn das Einuoanderungsguoteiw gesetz mit seinen mehrfachen späteren Berichärfermrgeu hat auch der jüdischen Einwanderung in die Bereinigten Staaten einen Riegel vorgeschoben (13,5 Prozent der Einwanderer in den Jahren 1995 bis 1924 waren Juden gegen nur noch 5 Prozent in den Jahren 1925 bis 1930), und nach einer Zeit „amerikanischer" Expansion geht das amerikanische Judentum einer Epoche notwendiger Konsolidierung entgegen. Einer .stnmolidierung^ die, wie im Baud XI des Jahrbuchs der Central Conference of American Rabbis ausgesprochen, ein Judentum Herausstellen soll, „treu den Ueberliefernngen des Glaubens seiner Väter. doch frei von so unglücklichen und wcstussremden Eharakterzügen, wie sie unter anormalen Ghetwbedingungen entstanden^ Ten Begriff des „GolusU, der Verbannung unter die Böller, bezeichnet das Jahrbuch, das die Verhandlungen der eingangs erwähnten Jahresversammlung wiedergibt, als einen „ckNiuderwertigkeitskomvler", auch dies eine Formulierung, tpvisch für die geistigen Strömungen in Amerika und im amerikanischen Judentum, wo die Lehre Freuds ihren vielleicht breitesten Massenwiderhall gefunden hat. Wenn man amerikanischen Juden begegnet, aber auch in den hier anzuzeigenden Selbstdarstellungen der amerikanistchen Judenbeit, bat man das Gefühl einer Verjüngung der jüdischen Ar:: es ist schon so. wie das Jahrbuch stigt, daß „der Tstjude dem Lebensblut Israels in Amerika rote Blutkörperchen zugeführt hat". Aber die Einwanderung bat nicht nur den Körper der jüdischen Gemeinschaft gestärkt, sondern auch der einzelne Ginwanderer hat sich im Strome des amerikanischen Lebens gewandelt. Man möchte das amerikanische Judentum beneiden um die Unbefangenheit, mit der es über die Begrifststreitigkesten zur Tagesordnung schreitet, um derentwillen sich zwischen West- und Tstjudenheit in Europa eine so tiefe Kluft aufgetan hat. Sind die Juden eine Glaubensgemcimchast oder eine Ration? Ist ihr Geburtsland ihre öcinict oder sind sie fern ton Palästina in der Verbannung? Tiefe Fragen existieren niär für die amerikanische Zudenheit. „Aus unserem Bolle bessere Jtlden und bessere Amerikaner zu machen", wurde in einer Begrüßungsansprache nu die Central Conference als Aufgabe der Gegenwart gefaßt, und ..die Entwicklung dos Judentums und guten Staatsbürgergeistes" lautet in Liufields Buch die Devise. Allerdings nimmt auch das Medium der englischen Sprache dem Begriff „people“ die Schärfe, die „Volk" nnb „nation“ auf dom europäischen Kontinent erfahren haben „Our peopIe** im Munde eines amerikanischen Juden ist eben nicht „Bolfe im Sim:e einer nationalen Minderheit, sondern nach englischem Sprachgebrauch zugleich „unsere MemchcnJ oder wenn man Itn charakteristischen jüdischen B-eiklang mit hör: und d-entct, „unsere Leut'. Deshalb konnte die Central Conference selbstverständlich beschließen, in das von ihr herauszugebende Gesangbuch neben geistlichen Liedern die amerikanische bRativnalhymue „The Star- Spniueled Banner“ und die „chatikwah" aufzunehmen, zu deren Gunsten Rabbi Wilt, ein erklärter Autizwuist. in der Debatte ausstchrte, „daß dieie Hymne nicht so sehr diesen oder jenen -ismns, als vielmehr die unzerstörbare Hoffnung meines Volkes bezeichnet, seine Regung nicht für den Zionismus, aber für Zion". Und so erklang am Ende der Tagung nach dem „Star-Spangled Banner“ der Hymnus „Eu kelohenust „Amerika, du hast es besser als unser Kontinent . . st, das Goethe-Wort, das ganz ins Geistige gewandt war, faßte in jüngerer Zeit freilich allzuoft und allzu, leicht auch die Bedeutung einer Sehnsucht nackt der amerikanischen „prosperitv*‘. 33,4 Millionen Dollar betrugen 1927 die Ansgabeuetats aller jüdischen Gemeinden in den Bereinigten Staaten. 4.8 Millionen Dollar gab im selben Jahre der Joint, die zentrale amerikanisch/? Organisation, für interterritoriale jüdische Hilfsarbeit, aus. Auch diese Ziffern, die Ausdruck einer beispiellosen Erpanüon und nur im Rahmen der allgemeinen Prosperität möglich waren, scheinen heute der Konsolidierung bedürftig. Doch als Krafwuelle für die Gesamtjudenheit wird das amerikanische Judentum seine Bedeutung behalten, so wie es mehr denn je bereit ist, aus der Erfahrung des Judentums diesseits des Dzcaus Lehre anznnehmcn. Es ist kein Zufall, daß in den der Central Conference vorgelegten Arbeiten zwei Namen immer wieder begegnen, der des deutschen Juden Professor Elbogen und der des Franzosen Edmond Fl eg. Zeugnis für das wachsame Jntereüe, mit dem die amerikanische Judenheii die Gesamtentwicklung verfolgt, ist die 1931 ebenfalls von Linüe.d im Rahmen der Veröffentlichungen des American .Jewish Committee herausgegebcue Unterstichung „Statistics of Jews, 193BL Sie bring: neben den wuchtigsten Ziffern seiner oben besprochenen Arbeit über das Judentum in Amerika allgemeine Ziffern über die Verteilung des Judentums auf die verschiedenen Kontinente und Länder. Kennzeichnend für das besondere amerikanische Interesse, das in dieser Beschäftigung vorwaltet, sind zwei Züge: einmal das pana m c r i - fanifd)c, befe pch in der aktiven Förderung der G-uneiudebilduug unter der: jüdischen Einwanderern der Nachkriegszeit in Südamerika kundgibt, und zweitens das st a a : s bürgerli eh e, wie cs in der Beschäftigung mit Tagcsfragcu der allgemeiner: Politik, so y B. aus der 41. Rabbiuerversalumluug mit denen der Londoner Seeabrüstunaskonfereuz. zum Ausdruck gelaugt. Tas amerikanische Judentum als Gruppe nimmt durch den Al und seiner Vertreter freimütig zu politischen Problemen Stellung, die die Gesamtheit der Staatsbürger angelten, auch dicc> ein Zeichen wicdergeroonueneu seelischen Gruppenglcichzewichts. symbolisch für dieses Gruppcngefühl sind die Ju'iguien, die das American Jewish Committee sich gegeben hat, m:d die auch seine hier besprochenen Berösteutlichungeu auf der Titelseite führen: das Sternen- und Streistnfchild der amerikanischen Union, gekrönt vom Tawdesteru, dazu die Jnschrnr ..Chasast wenitebas^.h heack amonu“. — „Ser Park. Wir wollen stark sein für unser Volk."

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