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Central-Verein-Zeitung · 1931-08-14 · 33 (14.8.1931) · p. Seite 401

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
Seite 401 (sequence 1)
Language
German
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92. 8 1531 JA / öerlin, 14. f.uguft 1931 X« Jahrgang ♦ Nr. 35 Einzelnummer 20Pfennig Suy ,V> sj V ö"'.r .->0 / /ff A«» J\ *5 Tf^sav] * »7?^ ><?/> /\ <vv% ■v/ li tK*& 0*^0 Ü £> |f<i^i1 VOV1 WV "DO"' i.’-,' x/S/ ii(/ O^/’lP O* '-f IS »ny;• »> '■s&j *20 <><?', rmK ImöSMöMM DMMSbKWZeMMMZK BÜDNhZNG S.U Atttzsmsins Zeifung desJud; BiertelkLhrSaborrnement 2.5V RA. (z-züZt. Best-llg-Id). Verlag mb edjtifireitang: Berlin W15, Gmfer Stc. 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 5074. .:. Posischeäkantv: Berlin 304 72. .:. Sir.üo: Berlin-Wilmersdorf 1, Hopenzollerndamm 195, und von. Eoldschnridk - ^olhschild & Co., Berlin v. 8. Alleinige Auz-igenannahme: Annoncen-Expedilion Rudolf Messe, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 SM. für die lanpaltene Zette nach Rudol^MoffLZ Normalzeilenmc'sser Nr. 4, Farnilienanzeigen und Stellengesuche (nicht SLelleuangeöote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 0?^, die 52 raru breite Äteklamrzeile 3,50 JIJL jnfums sdner 33a n!, Depositsge H 2» (ITKfTf ffopfott ♦9>4i41 MiI ill/ y^ldri Aber -er T. A.-Mann darf ven Lperr- Der nicht kennen Tom „Völkischen Veobcchwr" wird aus Verlin unter dem 31. Juli gemeldet: „Turch Vermittlung des amerikanischen Botschafters SackeLt wurde dem Oberbürgermeister Sahm mitgeteilt, daß die Sladt Berlin eine Stiftung in Höhe von einer Million Dollar von Privater Seite erhalten soll. Tie . Stiftung ift für die Errichtung einer Zahnklinik, für Kinder im Älter von 3 bis 16 Jahren' bestimmt." Es ist sicherlich nur ein Zufall, daß der „Völkische Beobachter" den .Namen des hochherzigen Spenders verschwiegen hat. Es ist nämlich der bekannte jüdische Philanthrop JaklH Nosenwald aus Chicago. LZ &M 'V.üyfpÄ 'iJMr 4^ y jf ist „Wenn Das JrrVenöluL vom Messer spritzt. . Unter den gewiß nickst zarten Marschgesängen der nationalsozialistischen Liederbücher zum Gebrauche ihrer Landsknechtstruppen sinder man ein Lied nicht: Sogar die Parteileitung scheint sich des strafbaren Charakters dieses Liedes bewußt zu sein! Trotzdem wird es gesungen, obwohl es unverhüllte Morddrohung bedeutet. Tenn der Zweite Vers des schönen Liedes lautet folgendermaßen: „Wenn der Sturmsoldat Zu Felde Zieht, Dann hat er srohen Mut! Und wenn das Jrrdenblut vom Messer spritzt, Dann gcht's noch nral so gut!" Gegen Mitglieder der S. A.-Abterlung, die vor kurzem, dieses Lied singend, durch Torendingen (Württemberg) hindurchmarschierten, ist Strafantrag gestellt worden. Nicht nur auf Grund des § 130 StGB., für dessen Anwendung dieser Schnlfall einer SHufreizrrng zum Klassenhas; gcwif; genügend Handhabe bot, sondern vor allem aus Grund dcS § 2, Ziffer 2 der Notverordnung schien eine strenge Verurteilung geboten und sicher zu sein. Was aber tat das zuständige Schöffengericht? Weder der Staatsanwalt noch der Amtsrichter hielten es für notwendig, die Notverordnung auch nur zu erwähnen. Xaö Gericht hat lediglich groben Unfug angenommen und demgemäß gegen einige der Angel tagten Geldstrafen in -Löhe von 15 Mark (fünfzehn!) verhängt. Zumindest ift die Annahme „groben Unfugsf' beim Absingen solcher Lieder ein staatsgegährlicher Jrrmm. und so lächerliche Geldstrafen wirken geradezu wie eine Prämie I*1* erfolgreiche Aufreizung zürn polltr schon Mord. K:i. fgf f-, *1 fl IM [Ui; - M Don Zuftizrat Dr.Julius Drodnitz Ter Volksentscheid ist gefallen. Tie Bedeutung des Volksentscheides haben wir von unserem Standpunkte aus in unserer letzten Nummer gewürdigt. Es handelte sich nicht mehr um die Frage, ob der Preußische Landtag einige Monate vor dem normalen Ablauf der' Wahlperiode aufgelöst werden soll. Jeder, der nicht weltfremd dem politischen Leben ge-genübersteht, wußte, daß es sich ganz allgemein darum handelte, ob die Radikalen von rechts oder links in unserer Zeit schwerster Not und Erregung die Eröffnung eines Wahlkampfes kommandieren dürfen. 'Ter Ausfall des Volksentscheides bedeutet immerhin einen Lichtblick. Wenn, wie die Wahlziffern deutlich ergeben, in der Zeit der schwersten Arbeitslosigkeit iind des Vermögensverlustes, den unendlich viele Deutsche zu beklagen haben, die Zahl der Mitläufer der NSDAP. ofsennchtli-ch stark vermindert worden ist, so zeugt dies für ein Anwachsen der Besinnung und des Verantwortungsgefühls, das dankbar begrüßt werden muß: Wir verzweckelten daran, daß sich in unserem politischen Leben der Satz bewährt, welchen Heinrich Laube als Direktor des Burgtheaters geprägt hat, daß der einzelne im Publikum ein Esel sein kann, und daß doch alle zusamnien verflucht gescheit sind. Wir haben keinen Anlaß, über das Ergebnis des Volksentscheides Jubcögeiänge anzustimmen. SSMy stellen die Tatsawe feit, daß auch nach dem Ergebliis de- Volteenlscheidee Millionen Stirnmen mr die NSTAP. abgegeben worden und. Wir nrünen leider den Vorwrirf erheben, da'.; unsere rvarnende Stimme von den politischen Parteien ruid von den Regierungen nicht zu einer Zeit gehört worden ist, in der noch verhindert werden konnte, daß solche Scharen Verzweifelter demagogischen Lockrufen radikaler Führer folgen. Jetzt schien es zu ipät, d:e Bewegung anfzuhalten. Das Erfreuliche an dem Ergebnis vom 9. Augiuü vl die Feustellung, daß es noch nicht zu spat rt, wenn nur jeder seine Pflicht erfüllt. Es gllt, das Gefühl der staatsbürgerlichen BerautworNing, das auch irr dem Schellern des Volksentscheides zum Ausdruck kommt, zu stärken; es gilt, eine ^ammlung^ all derer herbeizuführen, die in dem ^taat den Boden sehen, der auch für unser aller Einzelschick''al maßgebend ist. Ter Deutsche liebt — das wird" niemand bestreiten — sein Vaterland: aber wenn über unser Vaterland eine Not gekommen ist, wie w:r sie selbst in schweren^Zeiten uns nicht vorstellen konnten, dann zeigt sich echter Patriotismus darin, daß alle Kräne sich sammeln, um das Vaterland über die Zeit der Not hinwegzubringen. Jede Verhetzung ist jetzt eine unentschuldbare Versündigung an Volk und Vaterland. Wir können es gerade jetzt erleben, wie in anderen Ländern die Not alle Parteien, d:e den Staat überhaupt bejahen, ohne Rücksicht auf ihr Parteiprogramm, vereinigt, um zunächst der Not des Vaterlandes zu begegnen. Wir Deutschen bieten der Welt genug, um auch Lehren von anderen Völkern getrost entgegennehmen zit können. Ter 9. August ruft uns zu: nicht zu verzweifeln, sondern unsere Pflicht zu erfüllen, und zwar in jeder Hinsicht, auch trotz der schwere der Zeit— in finanziellen Opfern. Vgele von uns und viele unserer Führer mügen rast daran verzweifeln, noch AUS DEM INHALT: Dr.HarmsReissner: Amerika, du hast es fc-esser ..... S. 402 Quer durch das arbeitende jüdische Berlin (Eine Reportage) S. 403 Dr. Kurt Zielenziger: Die deutschen Juden — ein aus sterbender Volksteil? . . . . L. 405 Das Miltei, das wieder herhalten muss.S. 405 Dr. Hugo Lachraanski: Heinrich Heines Lebensgefährtin 3. 403

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