Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Soll Heidelberg Schule machen??. A. Heidelberg, Endo Juli 1931. Gegen die Krawallmacher an der Kölner Universität ist kurzer Prozeß cernacht worden. Ter Hauptanstister, Baldur von Zd) i - rach, der auch aus der nationalsozialistischen Schüterbewegung bereits unliebsam bekannt vt, ist vom Schnellgericht zu drei Tstonaten Gefängnis, der mitangeklagie Student Gasser zu zwei Monaten Gefängnis verurteil: worden. Zn Heidelberg vergingen mehr als fünf Monate, ehe der Student Karl Georg Dörr aus Ludwigshafen wegen Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor Gericht gestellt wurde. Ter Anklage zugrunde liegen die Temonstrationen gegen die Ernennung des Privatdozenten Tr. Gumbel zum Titularprofessor. Als am 21. Januar d. I. im Anschluß an eine Kundgebung der Teutschen Studentenschaft Krawalle in und vor der Universität entstanden. die zu Provokationen gegen sozialistische und jüdische Studenten und zu. tätlichen Angriffen gegen die Polizei führten, konnte der Rädelsführer herausgegrcksen und unter Anklage gestellt werden. Tie Eröffnung des Hauptverfahrens wurde aber immer wieder hinausgeschoben und so konnten die Nationalsozialisten in der dazwischenliegenden Zeit durch ihre Presse entsprechend auf das Gericht und die Studentenschaft einwirlen. Unter diesem Truck stand dann auch sichtlich die Hauptverhandlung, deren Resultat ein durchaus" unbefriedigendes Urteil war. Torr wurde wegen 3t ö t i - gung zu 50 Mark Gelds: rase verurteilt, in: übrigen aber freigesprachen, obwohl dur-ch das Zeugnis der Polizei und der Belastungszeugen durchaus einwandfrei die Schuld des Angeklagten erwiesen war. Tabei hatten der inzwischen verbotene ..Heidelberger Beobächter" und der sich ebenfalls in den Händen der Nationalsozialisten befindende „Heidelberger Student" noch wenige Tage vor Beginn des Prozesses in Ausrufen und Anzeigen nach Entlastungszeugen gesucht. So gelang es dem Verteidiger, als der der nationalsozialistische ReichsragsaLgeordnete Rechtsanwalt Nu pp (Karlsruhe) fungierte, ein ganzes Tutzend Zeugen aufmarschieren zu lasten, von denen aber keiner zur Entlastung des Angeklagten beitragen konnte. Und dennoch blieben diese Aussagen merkwürdigerweise aus das Gericht nicht ohne Eindruck. Ter Staatsanwalt beantragte nach einem Plädoyer, dem man die Sympathie für das Verhalten der Studentenschaft deutlich anmerken konnte, einen Monat Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe. Herr Rupp beschuldigte die Belastungszeugen, vondenener nieandersalsvonden „Herren Juden" sprach, des Meine i d e §. Das Gericht kam zu den: bereits erwähnten, unverständlich milden Urteil. Aber nicht die Höbe der Strafe ist es, die letzten Endes zur Kritik Anlaß gibt, sondern die Begründung des Urteils. Es macht sich in letzter Zeit in Prozessen gegen Nationalsozialisten eine Ü.ebung vor Gericht bemerkbar, an die Würdigung und den Wert des vorgebrachten Beweis-materials einen, gam besonders strengen Maßstab zu legen Und selbst bei ganz klar zutage liegenden: Tatbestand zu erklären, daß das Gericht nicht vollkonunen von der Schuld des Angeklagten sich habe überzeugen können. So ist es auch hier in Heidelberg geschehen, indem rnan über die präzisen Anssagen von drei Studenten und den sie durchaus deckenden Aussagen der Polizeibeamten hinwegging und alles mit der Langen Zeit, die seit den Vorkommnissen verflogen ist, zn erklären versucht. — Aus diese Weise wird man das organisierte Rowdytum auf den Hochschulen nicht zur Ruhe bringen. Im Gegenteil: Einem im Gerichtssaal anwesenden Führer entschlüpfte bei der Verlesung der Urteilsbegründung das schöne Wort: „Ter Richter ist ja besser als unser Rechtsanwalt." Es ist nur zu hoffen, daß Heidelberg keine Schule macht. Zwei jüdische Studenten Ln Hamburg schwer verletzt Referendars Dortragsihema in Rostock: „Der Jude, der Mörder der deutschen SeeLe^ Ul. 6. Hamburg, 24. Juli 1931. Ter „Raticmalsozialistische Studentenbund an der Universität Hamburg" hatte für Montag, 20. Juli, die gesamte Studentenschaft zu einem Tisku'sionsabcnd über das Thema „Stalin oder Hitler" ins SLudenienhaus eingeladen. Tas Referat und die Tiskusuonsreden zweier kommunistischer und eines sozialistischen Studenten waren durchaus sachlich gehalten. Schon während der zweiten Diskussionsrede erschienen auf das Zeichen eines am Vorstands- Lische sitzenden Nationalsozialisten mehrere, teilweise unisormurte, nicht st u d e n t i s ch e S.A.- Männer unter Führung des Stnrmsührers und umstellten einen Zwischenrufer. Tiefer Vorgang erregte das stärkste Befremden der ganzen Versammlung. TerLeiLer derVersam ml u ii i]; darauf aufmerksa m gemacht, wies die st i ch L st u d e n L e n nicht aus dem Saal. Als dann ein weiterer Zwischenruf siel, waren der Führer und seine Leute nicht mehr zu Hallen und stürzten ohne Aufforderung des Vorsitzenden auf diesen — Politisch indifferenten — Zwischenrufer zu, risten ihn vom Stuhle und Prügelten ihn aus dem Saale. Im Bruchteil einer Sekunde entstand eine wüste Schlägerei, bei der ein jüdischer Student eine Wunde am Kopf und an der Schläfe davontrng, ein älterer Student — Kriegsteilnehmer, schwer kriegsverleht — von vier S.A.-Männern mit Schlagringen bestialisch behandelt wurde. Tie Polizei räumte den Saal, konnte aber den Nädelsjührer nicht mehr sestnehmen. Am 23. d. M. verteilte die sozialistische Studentenschaft Flugbläner, die sich mit den Vorfällen am Montag befaßten und zum ener- Gymnasialruderverein im Kampfe um sportliche Ehre? Tie Armmusketn angespannt, Kops und Herz auf sportlichen Sieg gerichtet. Davon kann keine Rede sein! Wer die „Preußische Zeitung" vorn 21. Juli liest, weiß schon durch die Ueberschrist „T e r Jude i m L y ck e r G Y ru n a s i a l r u d erverein", worum der Kampf geht. Um die Ausnahme eines jüdischen Schülers. Ter Artikel des Königsberger nationalsozialistischen Blaues ist deshalb über die Grenzen Ostpreußens von Bedeutung, weil er uns einen Blick in das Getriebe der Schülerverbände verschaff:. Lassen wir das Blatt sprechen: „Bei einer Versammlung des Gymnasialrudervereius in Lyck wurde über Aufnahme neuer Mitglieder beschlossen. Tabei wurde der Sohn des Ltzckcr Rabbiners Fein entgegen den Satzungen des Vereins ebenfalls aufgenommen. Tiefe Satzungen besagen: ,L8enn die Aufnahme eines Schülers durch die Bersanunlung abgelehnt wird, so darf eine zioeite Abstimmung erst nach einem Monat vorgenommen werden." gischen Kampf gegen solche Zustände anfforderten. Um elf Uhr kam von dem Partcihaus der RSTAP. in der Moorweidenstraße eine ganze Horde S.A.-Leute. Mehrere der R r w d i e s st ü r z t e n sich auf den Studcnten der Nationalökonomie Rolf Bürend son und mißhandelten ihn derart, daß er mit einem schweren Schlüsselbembrum. schwerer Gehirnerschütterung und Bluterguß . unter dem rechten Auge in das Epvendorser Krankenhaus abtransportiert werden mußte. Es gelang, den Führer und drei nichcktudentische S.A.-Leute auf Universitätsboben seüzustellen. * R. W. Rostock, im Juli 1931. Jüngst brachte der „Rostocker Anzeiger" eine Vevsamw.lungsanzeige, in der seitens der nationalsozialistischen Ortsgruppe neben einem dänischen Redner der Nostockcr Rewrendar Tr. Thor mann mit dem Thema „Ter Jude, der M ö r d e r der deutschen Seele" engekündigt war. Geschmackvollerweise war diese Anzeige über den Famitiennachrichtm placiert. Für den im Staatsd ie n st st e h e n d e n Tr. Thormann i st es also offenbar unbedenklich, wenn er durch die von ihn: entfachte I u d e n h e tz e unter der Bevölkerung die Keime der Zersen u n § und Unruhe a n s st r e u t. Tw „Rvstocker Anzeiger" macht uns nicht wundern, wenn er durch Ausnahme und Placierung dieser Ankündigung seiner Sympaüst.e;ür das Hakenkreuz Ausdruck verleibt. Aber, so fragen wir den zuständigen Laudgerichtsprasidenten und den Justizmimst er von Meminburg-Schwerin: ist es angängig, daß ein Staatsbeamter in derartiger Weise Verhetzung betreibt? Wenn auch die Versammlung nicht statckand, und derselbe staatsbeamtetete Jüngling Tr. Thormann für den nächsten Abend (ebenfalls mit deutlicher Tendenz) das Tbmra kreierte: „B 5 r s e n m a n ö v e r? Unsere Antwort auf den Hoover-Plan", so ändert das deu Sachverhalt nicht im geringsten. Tie Zustände in Mecklenburg schreien zun: Himmel. Es wird geduldet, daß Nationalsozialisten, wie in dicken Tagen erst in Rostock, auf öffentlichen Plätzen — unter Polizeischntz! — Ansprachen halwn. Wir sind der Meinung, daß man die Hakenkreuzler nicht unnötigerweise zu Märtyrern machen soll, jetzt, wo sich die Welle an den Tatsachen bricht. Aber groben Unfug sowie össtntlichc Aufreizung zum Religion-Haß braucht rnan darum noch lange nicht zu dulden! Tie Mehrheit der Mitglieder lehnte bei der ersten Abstimmung in der erwähnten Versammlung Fein ab. Daraus hielt ein ehemaliger Ruderer eine „zündende" Ansprache, in der er betonte, er habe gegen die Ausnähme eines Juden nichts einznwenden. auch würde cs bei den: Protektor de; Vereins, einem Stndienrat E.. keinen guten Eindruck machen. Gleich darauf stimmte m:n nachmals ab. Fein erhielt eine knappe Mchrhei: und galt als aufgenommen. Tie Einwürfe der Opposition, die Aufnahme sei ungültig, da sie entgegen den klaren Bestimmungen der Satzung erfolgt sei, waren lange Zer: in den Wind gesprochcn, bis ein großer Teil der Mitglieder sogar mit den: Arrs tritt drohte. Ta endlich entschloß sich der Vorstand, nochmals eine Versammlung einzuberufcn, in der die endgültige Entscheidung über die Aufnahme des Fein fallen sollte. Ber der Abstimmung wurd^ der Jude 'mit 24 gegen 2 stimmen bei 4 Stinnnenthaltunaen alm lehnt. Freudig verließen die siegreichen 24 die Versammlung. Toch cs sollte anders Blick ins Getriebe eines Schülerverbanöes WÄOMMN tl MM