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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-31 · 31 (31.7.1931) · p. Seite 387

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
31 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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3$7 fcl?r tueir in die Private Leben-sphäre des llnterncymers hineingreisi. Tenn cr wird wirklich nur dann in dem heute erforderlichen Grade „billig" sein kennen, wenn er seine persönlichen Entnahmen auf ein wirkliches Minimum reduziert, mcht nur auf ein fiktives, das einen im allgemeinen immer noch viel Zu hohen Ausgareucta: unffißt. Auch diejenigen von uns, die beute noch des Glaubens sind, sich etwas „leinen"' zu können, müssen mit eiserner Konsequenz an den Abbau io res privaten Etats Herangehen, nicht nur durch Verzicht auf Geleaenhei'ckausgaben^ Reisen usw., sondern ganz bewußt durch eine Senkung der laufenden Ausgaben im täglichen Gebrauch, durch eine Herabdrückung der „primitivsten" " Ansprüche an Epen. Kleidung usw. Genuß, auch hiermit wird so manchem Unternehmer nicht mehr über den Berg zu hxstsen sein, zumal die oben angedeuteten allgemeinen Entwicklungstendenzen dadurch nicht in ihrer Wirksamkeit aufgehoben werden können. Aber für viele heute noch selbständige kann hierdurch eine wesentliche Verlängerung der Lebensdauer ihrer Unternehmungen herbeigeführt werden — und das ist in jeder Beziehung ungeheuer wichtig. Besonders aber in einer: Der jüdische Nachwuchs irr Deutschland könnte so wenigstens in gewissen Teilen die Möglichkeit dazu erhalten, die für i h n unumgängliche radikale Umstellung unter einigermaßen günstigen Bedingungen $u vollziehen. Hier liegt für das dem'ch? Judentum das entscheidende Problem. Wir münen uns endlich an den Gedanken gewöhnen, daß die jetzt Heranwachsende Generation unter ganz anderen Bedingungen, aber auch in ganz anderen Berufen leben wird als wir und die Generation vor uns. Eine sehr weitgehende „berufliche Wanderung" ist unumgänglich. Ich möchte hier nicht die Tinge wiederholen, die ich in meinem Buch ausgesührt habe. Nur einen Satz möchte iw zitieren: „Wenn sich der jüdische Nachwuchs nicht dazu entschließt, die Entwicklung zu bejahen, die ihm nun einmal durch das Schicksal der deutschen Gesamtwirtschaft vorgezeichnet zu sein scheint, wenn er ohne'ausreichende innere Fundierung eine Ausnahmestellung beansprucht, die für den einzelnen nur zu einer Häufuna von Mißerfolgen und schließlich zur wirtschaftlichen Katastrophe führen muß, so darf er sich auch nicht wundern, daß seine Gcsamtposition immer schlechter und daß es ihm immer schwerer wird, einigermaßen gesicherte Stellungen zu erlangen." Tie Grreichnng dieses Zieles würde^ erleichtert werden, wenn wenigstens eine gewipe Anzahl jüdischer Familienväter durch eine entsprechende Einstellung auf die Notwendigkeit von Gegenwart und Zukunft der Jugend die sicher nicht leichte Lehrzeit in neuen, vielleicht zum großen Teil proletarischen Berufen wenigstens von den dringendsten materiellen Sorgen frei halten könnte. Ties ist aber auch notwendig im Interesse unserer „Alten". Wir alle wissen heute — Ernst Kahn hat es überzeugend genug nachgewiesen —, wie hoch der Prozentsatz erwerbsunfähiger alter Leute gerade im deutschen Judentum ist. Wohl jeder von uns, der heute noch akuv im Berus steht, hat neben der Last für die Gesamtheit der deutschen Erwerbslostn auch die Bersorgungspslicht für eine ganze Reihe alter Leute aus seinem Familien- ^und Freundeskreise zu tragen. Tie Erfüllung dic'er stlbstversiändlichen Ehrenpflicht können wir nur sichern durch stärkste Senkung unserer eigenen Ansprüche und durch möglichst große Steigerung unserer beruflichen Leistung' -1 in Anpassung an die Bodürstüsie der Gesamtheit. Wenn wir tiiit solchen Erkenntnissen und Absichten der ungewissen und dunklen Zukunft cntgegcngchcn, brauchen wir nicht Zu verzweifeln. Es lohnt auch für uns noch zu leben, für den Nach* wuchs,^ für die Alten und für eine Gesamtheit. die sich in furchtbar schwerem ^!h6'!^eu Weg in eine bessere Zukunft bahnen Tann vertieren auch Begriffe wie ..Verelendung" und „Proletarisiernug" ihre Schrecken. -ü.-enn wir leben wollen, werden wir leben könne n. H 11 sls Glichst Die Berichtigung als bestes Mittel gegen preffeverleumöung In einer Zeit, in der die nationalsozialistische Agitation mit großer Vorliebe nach „jüdischen Falle tr sucht, durch die der Verleumdung am leichtesten Tor und Tür geöffnet werden, ist großzügiges Uebersehcn schmutziger Angriffe eine Versündigung an der Allgemeinheit. War können' mi t 'Genugtuung fest stellen, daß unsere Erziehungsarbeit — gegenüber ängstlichen Naturen oft nicht leicht — nicht nur unsere Mitglieder von der Notwendigkei: überzeugt hat, gegen Verdächtigungen und Verleu'.ndungen der nationalsozialistischen Prene energisch vorzugehen und eine Berichtigung zu erzwingen. Heute wollen wir unsere Leser mit drei besonders hartnäckigen Fällen bekannt machen. Am 20. Juni brachte der „Angriff" in großer Ausmachung: Jüdische Frechheit. Ans Potsdam meldet man uns folgenden bezeichnenden Vorfall: Bor einer Woche übte der Gesanglehrer Wennrich mit den Schülerinnen der Ouinta des hiesigen städtischen Lyzeums das Deutschlandlied für die konnnenden Berfassungsseiern. Tie Schülerin K., ein elfjähriger jüdischer Fratz, weigerte sich sofort, das Lied mitzusingen. Ter Lehrer sagte daraus zu ihr in freundlichstem Ton: „Tie Inden wollen do-ch sonst immer Deutsche sein, warum singst du denn dann nicht die Nationalhymne?" Die jüdische Schülerin meldete den Vorfall sosort der Vorgesetzten T'.enststelle. Tie Folge: Der bereits über zwanzig Jahre an der Schule tätige Lehrer mußte sich am. 16. Juni vor versammelter Klaffe bei dem elfjährigen Judenmädchen entschuldigen'! Warum rührt sich denn da keine republikanische Beschwerdestellewenn eine Jüdin der Republik die Achtung versagt? Am 13. Juni berichtete der „Rote Adler", Organ der N^TAP. für Brandenburg, eine Freche Anderer in Eöeröwalde. Ein jüdischer Herr Wormann, der eine Epa- Filiale eröffnen wollte, Hab? den Inhaber einer Wohnung zu deren Räumung zwingen wollen. Das Blatt schrieb höhnisch: „Dem Juden Wormann ist bei seiner jetzigen Situation scheinbar nicht ganz koscher, denn er bestellte den Inhaber der so stark umkämpsten Wohnung, legte 300 Mark in bar auf den Tisch, und seinen fetten Lippen entquollen die Worte: „Sagen Sie ja oder nein." Der junge Mann forderte erst mal Aufklärung, was cr denn eigentlich bejahen oder verneinen sollte. „Sagen Sie ja oder nein", war die dauernde Antwort des netten Herrn Wormann. Er fand naturgemäß keine Gegenliebe für seine orakelhaften Wünsche, und schließlich bequemte sich Herr Wormann zu einer Erklärung. „Wenn er bereit sei, seine Wohnung aufzngeben, könne er die vor ihm liegenden 300 Mark sofort einstecken." Im „Völkischen Beobachter" vom 20. Mürz hieß es in Fettdruck an der Spitze des Blattes: Zum Tode des Pg. Gersienberg. Breslau, 17. März. Zu der Bluttat der Hörsing-Garde in Karlsmarkt in Schlesien erhallen wir noch folgenden Bericht: . Pg. Gerstenberg ist vor dem Lokal von Parteigenossen bewußtlos aufgesnnden worden. Ter augenblicklich verfügbare Arzt stellte sich als ein Jude heraus -—Tr. Arnseld —, der denn auch richtig die Behandlung unseres Parteigenossen aölchnte. Daraufhin haben unsere Parteigenoffen nach Dr. Kiefer geschickt, der, selbst krank liegend, ein Auto nahm und dem Verletzten erst? ärztlich? Hilfe brachte. Am 27. Juni las man int „A ngri f s" cin-e Berichtigung. Bor einiger Zeit brachten wir an dimer Stelle eine kleine Notiz unter der Ucberschrist „Jüdische Frechheit". Dazu bekommen mir heute folgende Berichtigung. 1. Das in Frage kommende Lied war wich: das Deutschlandlied, sondern das Altmedc-rländnche Tankgebet „Wir treten zum Beten". Tie jüdische Schülerin, die sich nicht frech oenommen hat. hielt das Lied irrtümlicherweist für einen evangelischen Choral, den sie nichc mitzuuiigen rrauche. 2. Tie — von ihr übrigens entstellte — Aeußerung des Musiklehrers hat sie nicht der „Vorgesetzten Tienststelle", sondern ihrem Vater mitgeteilt. 3. Eine „Entschuldigung vor versammelter Klaffe" ist nicht gefordert und nicht abgegeben worden. Ter Musiklehrer hat nur wiederholt, was bewies in der vorangegangenen Stunde gesagt worden war, daß nämlich das Lied nich: eigentlich ein evangelischer Choral sei, sondern bei Vaterlandsfeiern von allen Teutschcn, seien es Christen oder Juden, mitgestmgen'werde. Am 8. Juli stand im Angriff" felgend? Berichtigung. In Nr. 137 des „Roten Adler" vom 13. Juni 1931 brachten wir unter „Eberswalder Nachrichten" einen Artikel mir der Ueöerschrift „Freche I ud erei in Eberswalde". Wir haben uns davon überzeugt, daß wir durch den Inhaber der Wohnung, die an den Laden des Herrn Wormann angrenzt, nämlich Herrn Kolberg, wiffentlich irreaeführt worden sind. Wir stellen richtig, daß bei dem Verharren auf der Weigerung des Herrn Kolberg, die Wohnung zu verlaffen, ihm seine Wohnung nicht verbaut werden sollte. Zweitens, daß Herrn Kolberg keine 300 Mark in bar auf den Tisch gelegt worden sind. Herrn Kolberg ist auch nicht angeboten worden, durch Annahme diestr 300 Mark seine Wohnung aufzugeben. Wenn sich Herr Wormann durch die Worte „Freche Juderei" und ähnliche Ausführungen persönlich beleidigt fühlt, so bedauern wir dies, weil uns eine persönliche Beleidigung fern lag. Am 4. Juli (!) brachte Herr Hitler folgende Berichtigung. Wir hatten über die Begleitumstände bei der Ermordung unseres Pg. Gerstenberg ein? Meldung gebracht, die Herrn Tr. Arnstld (Karlsmarkt, Schlesien) Veranlassung gab, uns folgende Berichtigung zu senden: „Ihre in der Nr. vom 19ll20. Mär; ausgestellte Behauptung, ich hätte die Behandlung des National'ozialisten Adolf Gerstenberg abgelehnt, ist nicht wahr. Wahr ist vielmehr, daß ich zur Behandlung des Adolf Gerstenberg nicht herangezogen worden bin." Wir bedauern selbst, hier das Opfer einer Information geworden zu sein, die sich nach den inzwischen gemachten Erhebungen nicht ansrechterhalten läßt. Tiefe Beispiele ließen sich um ein Vielfaches vermehren. Uns liegt aber heute nur daran, lebendigen Anschauungsunterricht über die Notwendigkeit und Nützlichkeit solcher „Lerichtigungiu" zu erteilen. Auch in diesen Tagen, wo sich die großen wirtschastuchen und politischen Ereignisse lagen, ist Kleinarbeit des einzelnen von g Größter Bedeutung. Lebr.

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