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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-31 · 31 (31.7.1931) · p. Seite 386

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
31 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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/7-, l tUan deukuch ftimmen, tic foult meinen, was ein Vertreter Dieses Systems sage, sei von vornherein abzulehnen: „. . . Wenn der Student überhaupt^ eine Ausgabe hat in der .illgemeinen Entgeistung der Zeit, dann ist es die, daß aus seinem Denken das SchlagworL verdrängt wird, durch geistiges Ringen. . . . . . . Das fruchtbare Ethos des HörsaatZ zum fruchtlosen Ethos der Straße machen, heißt es aber, wenn der Student die geistigen Begriffe ins Cewallpolius-wv zerrt und den Geist verpolitisiert, anstatt sich vorzubereiten, daß er einmal helfen kann, das politische Leben zu vergeistigen. Student ist nur, wer Freiheit zur autonomen Selbstentsaltung fordert und für das Wachsen der eigenen Person benutzt . , F III- Dieselben Grundsätze, die mir für die Austragung von Gegensätzen im allgemeinen össentlichen Leben eben entwickelten, nuüssen selbstverständlich auch für die Meinungsverschiedeuhenen im i n n e r j ü d i s ch c n Lage r Geltimg haben. Seit Fahren haben nur an dieser stelle die schwersten Bedenken gegen Ausartungen und Entartungen im innerjüdischen Kampfe geäußert. Man kann, soll und wird auch hier nicht an eine Art E i n h e i t Z front denken. Denn eine Einheitsfront wurde die verschiedenen Gruudeinstelluugen, die nun einmal in innerjüdischer Beziehung vorhanden sind u n d b l e i b e n muffe n, ertöten. Aber wenn man nur die großen und wesentlichen Gesichtspunkte in dieser Notzeit berücksichtigt, und wenn man sich darüber klar geworden ist, uxrs eigentlich im Kern heute noch die Gemüter trenut, wird man ohne Schwierigkeiten alle diejenigen vereinigen, die guten Willens sind. Wer sein Leben dem Studium dieser Probleme gewidmet hat und genau iveiß, w i e sie sich veränderten, wie die Stellung des jüdischen Bolksolemcnts in sich und im Verhältnis zur nichrjüdischen Umwelt sich verschoben hat, der muß zu dem Ergebnis kommen, daß heute Auffassungen, die früher als gesund und lebenskräftig galten, eine Wandlung erfahren haben und überprüft werden müßten. Auch hierfür wäre eine Liga für den inneren Frieden nächtig und sie konnte, von verständigen Menschen gebildet, die e r st a r r t e n Fronten! o ck c r n und in den schweren Tagen, die sind und die bevorstehen, von besonderer Bedeutung sein. IV< Wir müssen aber vor altern, jeder unter uns, einem unbegründeten Pessimismus in unseren Reihen cntgegentreten. Wir haben niemals über Schroierigkeiten hinwegzutäuschen versucht und unsere Freunde in falschen Hoffnungen gewiegt. Aber es geht nicht an, die jetzige und die kommende Generation für vollkommen erledigt zu erklären und dann von ihr Aktivität zu verlangen. Durch Erkenntnis einer Lage und den Willen, sie zu meistern, fatttt Pessimismus überwunden werden, und die Wapvrmng mit diesem Witten verleiht als wlche schon neue Kräfte. Unser verewigter Führer Eugen Fuchs hat oft darauf hingcwieseu. daß allein die Tatsache des Vorhandenseins des E. B. in zahlreichen Grien den jüdischen Bewohnern eine Kraftquelle bedeutet, die in Zeiten, die ungünstig und gefährlich anzusehen sind, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Vergegenwärtigen nur uns heute die Zeitlosigkeir dieser Erkenntnis und schaffen wir uns aus unserem Willen zum Zusammenhalt das Bewußtsein der Unzerstörbarkeit unserer Zukunft. k mö A§ Keift Anpassung Oor Wirtschaft an die Gesamtsage tut not Wir haben den Verfasser he3 Buches „Tie wirtschastlicW Leise des deutschen Juden" gebeten, zu der lebensrnichtigin Frage Stellung zu nehmen: „W i e m t r ft s i ch die he u t i g e Krise n i d) r n u r auf unser geistiges u n d kulturelles Dasein, sondern vor allem aus unsere physische Fortc x i st e n z a is s?" Ter Aufsatz wird manchem, der sich angesichts^der Wirtschaftslage bereits in einen ebgrundtiewn Pessimismus hineingelebt hat, Mut und Kraft zur rechtzeitiger: UmsteUung verleiden. Er stellt gleichzeitig eine Antwort des Verfavers ans die Besprechung feines Buches durch Tr. Ludwig Holländer in Nr. 24, Jahrgang 1931. der E. V.-Ztg.' dar. Tie S ch r i f t l e i t u n g. Tie starke und plötzliche Beschleunigung, welche die Entwicklung der deutschen Wirtschaft auf ihrem Wege zum Kollektivismus hin in den letzten Wochen" erfahren hat, stellt gerade uns vor Entscheidungen von ganz absoluter We'entlichkeit für unsere einfachste physische Forteristenz. nicht nur für imser weiteres geistiges und kulturelles Dasein. Denn die von Silbergleit (und für die Zeiträume nach dem Stichtage der Silbergleit sichen Statistik von mir) zahlenmäßig belegte Tatsache, daß sich das Gros der deutschen Juden in Berufen betätigt, deren Grundlage die freie Unternehmertätigkeit, die Freizügigkeit Ws Kapitals, die Selbstverantwortung"des wirtschaftlichen Tuns, kurz — der ungehemmte wirtschaftliche Individualismus sind, stellt uns zu einen: unendlich viel höheren Prozentsatz vor neue Aufgaben als die Gesamtheit der deutschen Staatsbürger. Es handelt sich hierbei aber nicht nur um die eigentlichen Unternehmer. Auch die Mehrzahl der jüdisichen Angestellten ist in Betrieben von dem Typus tätig, für .dem sich der Bewegungsraum jetzt noch viel stärker verengert hat, als dies in den letzten Jahren ohnehin schon der Fall war. Ter Waren Handel und das private Bankwesen. der industrielle Miuel- und Kleinbetrieb — die Positionen also, welche bisher die wirtschaftliche Basis des Wutschen Judentums abgegeben .haben, sind heute in ihrer Entwicklung Richtlinien unterworfen worden, welche die Frage nach der „volkswirtschaftlichen Berechtigung" ihrer Tätigkeit in einem ganz andern Sinne als bisher in den Vordergrund stellen. Als Krtterinrn dieser Berechtigung galt, wenn auch vielfach bereits angesochten, bisher die Rentabilität des betreffenden Einzelunlernehmens; heute ist aber als Kriterium hierfür anzufthen der allgerneimmrtschastliche, nicht der private Nutzen des Betriebes, und er m u ß hierfür gelten, ttmin die deutsche Wirtschaft überhaupt auch nur annähernd den dringend notigen Lebensbedarf der von ihr zu versorgenden C5 Millionen Bien scheu decken will. Das heißt: In einer sicherlich nicht kurzen, wahrscheinlich über eine Reihe von Jahren sich erstreckenden, aber doch in sehr fühlbare Intensität derlausenden Entwicklung wird ein weiterer und sehr erheblicher Teil der Unternehrnerlaiegorien verschwinden müssen, die unter anderem auch gerade jüdischen Inhabern und Angestellten die ökonomische larißeuz gesichert hahen. An diesem Punkte meiner Gedankenreihe sei es mir gestatt er. etwas über die vielberwene „Proletarisierung der deutschen Juden" zu sagen. Ich freue mich mehr und mehr darüber, daß ich seinerzeit der — literarisch sehr starken — Versuchung widerstanden habe, meinem Buche diesen Titel zu geben. Es handelt sich hier um ein ^chlagwort, und wie in solchen Fällen üblich, versteht jeder, der es ausspricht, etwas anderes hierunter. Wenn ich in diesem Zusammenhang? einmal eine Definition »vagen darf, so mochte ich sagen: Proletarisicrung beißt für uns die Aufgabe der wirtschaftlichen Freiheit im Sinn? der selbstverantworklichen wirtsck)aftlichen Entscheidung; oder positiv ausgedrückt: Prosttarisierung bedeutet die erwunaene .oder freiwillige Unterordnung des isher srciwin'chaftenden Individuums unter die Interessen der Gesamtheit aller Staatsbürger — des Kolleckivum?. In tiefem Sinne wird auch das deutsch? Judentum mir Naturuotweudigleit „proletarisierG werden. Blau mag es bedauern, daß das große £uantum frei* wirtschaftlicher Initiative, das zweifellos auch heute noch im deutschen Judentum steckt, in dieser Weise an der Entfaltung gehindert werden soll. Aber das deutsche Volk in seiner Gesamtheit befindet sich in einer Lage, in der das zwanglüusige Auseinanderstreben der ungehemmten wirtschaftlichen Initiative seinen nationalen Tod bedeuten kann. Dem haben wir uns unterzuordnen! Aus Erkenntnissen dieser Art ergeben sich für uns unmittelbare und praktisch? Konsequenzen von größter Bedeutung. Zunächst die eine: Wer sich »veiterhin der im Lebenswillen des deutschen Volkes bedingten Zwangläusigkeit entgegeustemmen wird, der wird nicht nur wirtschaftlich, sondern in vielen Fällen auch einfach physisch zugrunde gehen. Es muß also jeder einzelne von uns in eine ganz strenge und nüchterne Prüfung der Frage cintreten, ob seine wirtschaftliche Tätigkeit „volkswirt'chaftlich berechtigt" ist oder nicht. Kommt er hier nicht möglichst schnell zu einer ganz klaren und rigorosen Entscheidung, so wird er die Folgen am eigenen Leibe verspüren. Gewiß, eine radikale Umstell u n g wird heute für die Mehrzahl. nicht P.aketle von Jacob Pieuner Lßävjlg Haas zua Gsteiiei-! L. H. Am 2. August jahrt sich der Tag, an dem unser Freund Ludwig Haas in die Ewigkeit abberufen wurde. Wenn wir heute seiner gedenken, so wissen wir ihn zu schätzen und zu verehren als einen Mann der Voraussicht. Nie werde ich vergessen, wie er den Kreisen der rossen deutschen Politik eine charaktervolle 'erständigung mit nie aufhürender Lebendigkeit und mit grösster Herzlichkeit verkündete, und wie er auf der anderen Seite unseren jüdischen Mitbürgern, namentlich aber seinen gelehrten Standesgenossen und den ganzen jüdischen freien Berufen, ihr mangelndes politisches Verständnis und vor allemihre mangelnde Opferwilligkeit immer wieder verhielt. Denken wir an diö Lehren dieses grossen Mannes, der unser war. möglich fein. Wohl aber ist in allen Füllen eine weitgehende Anpassung der wirtschaftlichen Tätigstil an die nun auch sichtbar veränderte Gesamtlaae möglich, und zwar sowohl in geschäftlicher als auch in privater Beziehung. Ein Beispiel: Ter Konfektionär, der Deute noch Luruskleider fabriziert, muß sich auf die Verstellung eines billigen „Genres" einsrellen, sonst wird er fein Geschäft sthr bald schließen müssen. „Billig", das ist nun eher ein Begriff, der auch

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