Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 31 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- Seite 385 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 31. Juli 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 31'^'r, Einzelnummer 2Spfenniö BSßJtef Br> Hs«EMm» A ö A *ß* A A A-A-Ä UttP jtt98tttlttn. m Hss tÄr§«Msss!ss As«Krks Ivl?tzK AMMsbüm^ 0Um Allgemeine Zeitung des Judentums a 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, D .. . ..96, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Cxpedition Rudolf Moj>e, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,00 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffe» RormalzeileninTsser 5ir. 4, Familicnanzeigcn und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Lentralvereins 0,45 J2M, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JIJL Vicrtelfabröabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin W 15, Cmser Str. 42. Fernsprecher: J2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Deposttenkaffe 3 2, Derlin-Wilmersdorf 4, Hohenzollcrndamm 496, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin WP Unter der Ueberschrift „Hugcnberg gegen Hitler" veröffentlicht die rechtsstehende „Tägliche Rundschau" am 25. Juli einen Brief des Führers der deutschnationalen Partei, Geheimrat Hugenlnrg, an die Vorsitzenden der Landesverbände, Kreisvereine und Ortsgruppen. In diesem Schreiben von hochpolitischer Bedeutung heißt es wörtlich: „Die unter Billigung des Parteivorstandes verfolgte Politik ist jetzt über die Organisation der Partei hinaus als richtig erkannt. Damit ist der Beweis erbracht, daß die Partei heute als die größte Rechtspartei dastände, wenn die sich in den Jahren 1924 bis 1923 bietenden politischen Möglichkeiten richtig ausgenutzt wären. Tie damaligen Fehler und Unterlasiungcn sind anderen zugute gekommen (d. h. den Nationalsozialisten. T. Redaktion), von denen man noch nicht weis;, ob sie in der Lage sein werden, die Befreiung Deutschlands von der Versklavung und vom Sozialismus so dnrchzusühren, wie wir und ein großer Teil derjenigen, die sich enttäuscht von der DettLschrrationalen Volkspartcr abwandten, uns diese Vefreirrrrgspolitik vorgcsteüt haben." Wichtig, so meint die „Tägliche Rundschau", ist an dem Schreiben Hugenbergs vor allem die vorsichtige Slepsis gegenüber den Nationalsozialisten. Offenbar mache ihm auch der „Sozialismus" der NSDAP. Kummer. Deshalb die Wendung: „Tie Befreiung von der Versklavung und vom Sozialismus". ii mi 4 4 4 ' Wie ans einem Artikel „Die Persoualvcrhältnisse bei der Staatsbank" im „Bayerischen Kurier" Nr. 159 zu entnehmen ist, hat die Fraktion der Bayerischen Dollspartei im Bayerischen Landtag Beschwerde darüber geführt, daß unter den Beamten der Bayerischen Staatsbank. insbesondere in den höheren Stellen, die Protestanten unverhältnismäßig überwiegen. Es wird eine statistische Zusammenstellung vorgelegt, deren Ergebnis unsere Leser interessieren wird. Danach waren unter den insgesamt 1061 Beamten und Beamtinnen der Bayerischen Staatsbank: 598 katholisch, 458 protestantisch, 3 altkatholisch, 1 (Staate bankbuchhalter) israelitisch und 1 Beamter freireligiös. Unter den acht obersten Stufen: Direktoren, Bankräte. Oberbeamte, Kassierer und Jnspek- >bren, finden sich 174 Katholiken, 204 Protestanten und kein Jude. l, L. H. Note und Sorgen .unserer Tage beruhen nicht allein auf wirtschaftlichen Gründen; in mindestens gleichem Maße, wie man von eingefrorenen Krediten spricht, muß man beklagen, daß heute gegenüber den allgemeinen und persönlichen Sorgen und Nöten allenthalben die Seelen und Herzen der Menschen wie von Eis umkrustet — eingefroren sind. In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 12. Juli d. I. hat Dr. Schlenker, Tüsieldorf, unter dem Titel „Die Front der A n st ä n d i g e n" in ähnlicher Weise wie diese Blätter in der vorigen Woche Stellung genommen: Heute seien Unwahrheit und Uebertreibungen von der Ausnahme zur Regel geworden. Opposition werde allzuoft nicht nur um der Sache, sondern um der Opposition willen getrieben. Auf diese Formel der politischen Giftmischerei haben wir in Wort und Schrift seit Jahren immer wieder hingewiesen und eine geschloyene Front aller anstüudigen Menschen gegen den Geist der g r u n d s ä tz l i ch e n B e ru e i n u n g und Verantwortungslosigkeit in Politik und Presse gefordert, um den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Tageskamps aus der Niederung der minderwertigen Polemik wieder auf die Höhe ehrlicher Anständigkeit zu führen. Wir sprachen schon vor Jahren von der Notwendigkeit, eine Liga für den inneren Frieden zu begründen, in der Persönlichkeiten. die den Mut zu wirklich unparteiischer Untersuchung besitzen, die Behauptungen aus ihren Wahrheitsgehalt nachprüfen sollen, welche die öffentliche Meinung besonders beeinflussen und erregen. In diesen Blättern sind seit vielen Jahren regelmäßig Zusammenstellungen erschienen, die den Lesern. zeigten, wie gerade mir jüdischen Deutschen in völlig unberechtigter Weise unter der Verbreitung von Behauptungen leiden, die auch nicht i m c rt t f c i n t c ft e n der Wahrheit entsprechen. Wenn auch unser S o n d c r bedürsnis nach Wahrheit über uns in einem Zeitpunkte nur nebensächlich und uniNdeutend sein kann, zu dem politisch und wirtschaftlich jeder Tag und jede Stunde eine allgemeine Auseinandersetzung der verschiedenen Vollskreise gegeneinander bringt, die, aus gewolltem oder ungewolltem Mißverstehen, überhaupt zu keinem fruchtbaren Ende gelangen kann, so bleibt die Idee einer solchen Liga für den inneren Frieden eine Notwendigkeit. Sie ist es schon deshalb, n>eil in den verschiedenen Abteilungen, die sie enthalten würde, Menschen verschiedenster Art und Herkunft miteinander in Berührung kämen und somit von dem, was als treibendes Moment in dem anderen lebt. sich eine Vorstellung machen könnten. Bei der Untersuchung und schließlichen Feststellung der Wahrheit könnte und sollte zwar niemals die Verschiedenheit der politischen Zielsetzung erschüttert werden, aber es ergäbe sich doch immerhin eine Grundlage, auf der eine wirksame Entgiftung des politischen Kampfes möglich wäre. Wer an dieser Ausgabe Mitarbeiten wollte, tüte ein Werk nationaler Versöhnung und Erneuerung. Unser Ruf ergeht an Menschen in den verschiedensten politischen Parteien, sich zu dieser Arbeit zur Verfügung zu stellen. II. Bei der akademischen Jugend ist die eisige Unbeweglichkeit ihres Fühlens ganz besonders zu beobachten. Gerade die Jünger des Geistes müßten die geistige Kraft besitzen, sich stärker als der Durchschnitt über die Zeit zu erheben und sie durch ihre Verstandesschulung zu verstehen. Ohne Frage hat der Verlust von fast allem, was wir und unsere ältere Generation besessen haben, die akademische Jugend zu neuen Entscheidungen veranlaßt. Gewiß sind die Voraussetzungen, unter denen der Student heute die Hochschule bezieht, ganz andere als früher, aber gerade weil ein völlig Neues sich vollzieht, soll der junge geistige Mensch vom G e i st i g e n her an dieses Neue heran treten und nicht mit ihm zusammenprallen, unfruchtbar, zerstörend undzersplitternd — wie Eisschollen. Die Forderung, die Minister Grimme vor wenigen Tagen bei der Versaffungsfeier des Deutschen Studenten-Verbandes erhob, sollte auch diejenigen Studenten nach- AUS DEM INHALT: Dr. Alfred Marcus: Wir und die Krise.S. 386 Ludwig Haas zum Gedenken S. 386 §11 als Erzieher.8. 387 Soll Heidelberg Schule machen? S. 388 Gymnasialruderverein im Kampfe gegen jüdische Jugend 8. 368 Dem Volksmann Friedrich Payer S. 389 Dr. Heinrich Stern: Kulturgeschichte einst und jetzt . , S. 389