Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
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sss flis’iiaoi ml &eiois des Ztofeiic^sssss Weizmann gs&l, seine PcIIlüs LIsISI Weizmanns Rücktritt Noch im scheiden, resigniert und verlasien von der Mehrheit, prägt W cizman n das Gesicht des Kongreßes. Vor nnd hinter den Kulissen dreht sich alles um seine Person. Er wird von der Rechten leidenschaftlich bekämpft, von dcr Linien mir allen Krähen zu stützen versucht. Was seinen Freunden in diesem Kampfe an Radikalismus fehlt, das ersetzen sie durch eine Inbrunst der Einsicht und der Verantwortung, die sie unverletzlich macht gegen die drohenden Gefahren der U n p o p u l a r i t ä t. Roch ist der Ausgang des Ringens zwischen so ungleichen Kräften ungewiß, r*od) weiß man nicht, mit welchen Mitteln die unerbittlichen Gegner von rechts zum letzten Sturme rüsten — da konunt ihnen ein unerwarteter Zw i sche n f a i l zu £ilfe: Weizmann gewährt den: Chef der Indischen Telegraphcnagcnmr ein Interview, in den: er seinen cnd-gültigen Rücktrittswunfch begründet und seine Ansicht über die Fortführung des Palästmawcrkcs darlegt. Er iordert als obersten Grundsatz P a r i t ä t.7 ü r Jude n u n d Araber. ,/Ich habe weder Lvanpathie noch Verständnis für die Forderung mrd) einer jüdischen Majorität", führ: er fort. „Tie Maiorität garantiert nicht notwendigerweise^ micfj die Eräzerheit. Wir mögen die Majorität besitzen nnd könnten trrtdcnch noch imnier in Unsicherheit leben. Jüdische- Mehr beit ist für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur im Lande nicht erforderlich. Tie W c l t w i r d diese F 0 r d e r u n § nur i n d c rn Sinne <1:1 f f n f f c n , daß w i r die Majorität zu erlangen w ü ns ch c n, um d i eA ratz e r z u v c r d r ä n g e 11. Warn m sollten wir eine Forderung erheben, die bloß eine;e provokatorischen Eindruck erwecken kann.' An den letzten Sätzen haken sich die Gegner fest. Tor gesamte Inhalt des Interviews ist ihnen, da er nüchterne, sachliche, allzu deutliche Wahrheiten in sich faßt, mehr als peinlich. Tie letzten Sätze aber könnten als Verdächtigung aufgefa'ß: werden. ^Ind mit aller Wucht stürzt mcm sich auf dem Teil, um damit das Ganze zu treffen, und mehr als das Ganze: den Führer und sein System. Weizmann wird gezwungen, sein Interview zu interpretieren. Er tut das mit tcr Erklärung, daß die Forderung nach jüdischer Majorität in Palästina zwar die Vertreibung der Araber nicht bedeute, daß sie aber von der Außenwelt in dieseln Sinne erfahrungsgemäß mißdeutet werdch und daß er dccher der „Formulierung der Mehrheitsforderung als politische Parole" sein Verständnis versagen müsse. Tie Erklärung wird kühl aufgcnonunen. Wenn auch die „Jüdische Üb!'' %|jj Rund s ch a u" (Nr. 53) die Darlegungen über die Parität für Inden und Araber als „historische Kundgebung" wertet, als das, was von dststm Konarcß bleiben wird, wenn alle Reden verklungen sind — W e i z m a 11 n § S chiclsal ist m i t diesem Zwischensall besie - gelt. Auch diejenige, die vorher nicht wagten, sich offen gegen ihn zu stellen, haben jetzt die erwünschte Gelcgcnhcstsurfache und bekämpfen ihr schlechtes Gewissen erfolgreich mit billiger moratischer Entrüstung. Ein Mißbilligunasantrag wird mit V2S argen 166 Stimmen a n g c - n 0 m m e n. Eirw große Epoche zionisticher Politik iit zu Ende. Da8 zionistische Endziel Tie Entwicklung jeder politischen Bewegung best in: mt sich durch das jeweilige Verhältnis von Weg und Ziel.' Th ne großes, begeisterndes Endziel setzen sich Meisteren incht in Marsch, und um so stärker ist d:c Anziehungs-- krast einer pelitstchen Aktion, je mehr die Idee, die es zu erreichen gilt, dc:u Wurstchbild von Masten von Einzelwestut entspricht. Aber der Weg Zinn Sic 1 birgt nur zu oft die Gefahr in sich, den Ausblick durch kleine Teilerfolge zu verdunkeln. Einzelheiten werden erreicht, oft rnühstm, unter großen Tpfcru an Leistung nnd Gesinnung — die Verwirklichung der großen Idee rückt darum nicht näher. Tie Folge iß regelmäßig eine Krise der Bewegung. bäuua genug eine Spaltung. Tie sozialistische Bewegung mir ihrem Rickrungskautpü zwischen Revisionismus und orthodoxem Marxismus frieret das km suche Beispiel. Ter \i. Zionistenkongrcß steht ganz im Zeichen einer solchen E n d z i e! k r i s e. Tic Siedlung in Palästina ist zwar Tatsache geworden, aber wo ist das Endziel gcbliobrn. die -Heimstätte. der Indcnstacu? Blau ist verstrickt in Beratungen, diptomatifchc Aktionen. Getd-sammlungen, Fn die ganze mühselige Tagesarbeil. Aber wo ist noch der allgegenwärtige Geist der Idee, der aus die Tauer allein imstande ist, die Manen in Bewegung zu halten? Tic Feststellnug eines solchen Tatbestandes trist: in tcr Tat d-cn Kern. Aber diejenigen, die ihn am rücksichtslosesten offenbaren, die R c visionist c n . haben die geringste Fähigkeit, die Gefahr zu staunen, die da auststeigt. Sie verkennen, daß 'c§ nicht neue Phrase n sind, die sthlcn. sondern daß — im Gegenteil — die nationalen Phrase n das Unglück a n g c r i d) 1 c t haben. Sie haben mlche. unerfüllbare -vmmungen geweckt, sie tragen die volle Verantwortung sür 'das Auseinandcrklaffcn von Idee und Wirklichkeit, f i c allein, tk in Grundlage nnd Zielsetzung mischen Konftruftior.cn eines jüdischen Rationalismus, sind schuld an der g e g e n w ä r t i g e n Endzielkrisc. Aber noch ist dcr Kongreß nicht so weit, um düst schicksalhafte Verkeilung zu durch'chaucn. Tie radikalen Endzielresoltttiomn. die von der Rechten erwogen nr.d ''ogar cinaebracht nundetu und die in der Forderung nach dem I u d c n st a a t zu beiden Seiten des Jordan aip'eln. finden zwar keine Mehrheit; aber 'die Erklärung zur zionistischen Zielsetzung, die schließlich angeltommen wurde, bedeutet doch trotz ihrer Farblosigkeit ein offenbares Zugcstäardnis an ihre Wünsche. Schon die Tatsache, daß überhaupt eine solche Entschließung für notwcndig gehalten wird, bedeutet eilt bedauerliches Entacaenlow.mcn. Roch deutlicher aber stemgelt der Wortlaut, der gewählt worden ist. die Erfiärirng für jeden objektiven Betrachter zu einem naticnaliststchen Tokmnclit. Es lautet: ..Angesichts der wiederholten Versuche, das Wc'en des Zionismus zu entstellen, erklärt der XVII. Zionistcnkongreß: Tcr Zionisrnus ist die nationale Bcsrcinngobcpocgttng des jüdischen Volkes. Gr halt an seinem i:n Basler simsiv üstl. nch' f'stchMNs Progrannn nicdergclcglcn Ziel uncrschüLtcrlick) fest, in Grcz-IsracL die Lösung der Irrdcnsragc hcrbci^usührcn. Das hcirnarlosc, landlose, zur Littsrrandcrung drängende Volk will durch seine Wiedcrvcrwurzclung iu scincur hrstotischcn Hcinratland aus dem Wege einer ununterbrochene!: Ginwauderrrng und Entwicklung seine wirtschastliche, geistige und politische Not überwinden und in Grcz-Jsracl ein :nit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens auögcstaltctcS nationales Ta sein erneuern. Ter Kongreß weist jeden Versuch, dieses Ziel zu verkleinern, mit Gnkschiedenheit zurück. Es ist sür den Außenstehenden ein schwachcr Trost, daß auch dicfc Erklärung vielleicht nicht nur als Selbstzweck, sondern vor allein als Mittel zum Zweck der Ausschaltung Weizmanns zu werten ist. Sic ist mm einmal da nnd muß ohne A'nsleannacn und ohne Teutnnaen als die politische Grundlage der neuen zionistststen Acra betrachtet werden. Ahne Znwisel ist sie geeignet, ihre Schwiccigkcrtcn zu mehren. Der neue Präsident Tic Mißbilligung Weizmanns tnid die Gndzielcrklärung waren Etappen. Mir der Wahl S och 0 l 0 na s zum Präsiden ton ist ein vorläufiger Wb'chluß erreicht. Auch diese 'Wahl trug selbst in ihrer äußeren Form noch alle Merkmale der B e r w c r r e n h c i t dieses Kvngiessos. Ein Vorbild freilich gab es nicht sür ne. Während für die früheren Kongresse die Ausgabe darin bestand, dem unbestrittenen oder doch nicht, ernstaast bestrittenen Führer die seiner Richtung' gemäße Exekutive zu schassen, so waren diesmal Führer, Exekutive und Richtung ungewiß. Bci ordnungsmäßiger Abwicklung hätte die Reihenfolge der Emtschlicßungen erst die Richtung fest legen und von ihr Exekutive^ und Präsidentenwahl abhängig machen nun*nt. Man schlug jedoch den utngckchrten Weg ein und stellte den TOjä^rircn Kämpen der zionistischen Bewegung, den Freund Weizmanns. Rahuru S 0 k 0 l 0 m , zur Wahl. Trotz Protestes der Arbeiterpartei und der Gruppe A dcr Ttckaerncinen Zionisten, der allerdings der Anordnung der Wahlen, i'-icht der Person Sokolows galt, wirrde Solo low m i t 11 8^ g c (] c n 4 8 2 t i m 111 e n gemäht t. F ü r ihn stinnw.cn die ssicvisionistcn, die nach seiner politi'cheri Vergangenheit seiner Politik s e r n st c h'c n; gcge n ihn Arbeiterpartei und (siruppe At die voraussichtlich seine Politik werden stützen können. Tie merkwürdigen Parteigr.'wvic rangen, die diesen Kongreß auszeichncten, werden durch nichts dcutlichcr als durch diese widerspruchsvolle Präsidenteravahl. Kin lehrreiches Zwischenspiel Einem kurzen abcr nickt bedeutungslosen Zwischenspiel sti noch Beaehluitg geschenkt. Innerhalb des Berichtes der Er- Ziehungskommission wägt der Berichterstatter einen Vorschlag zu einer En.tschließnng vor. den die .Kommission aus Grund der Vor spräche einer Abordnttng zionisti'chcr Ssiadenten angencnunen hat. Tcr Vor schlag, der dm Wunsch nach Ausbau der Icri:'a!emcr Universität in eine Voll- ' - *■ - '. x-..- '<-ry r - /• - <&■/ f: SCHOKOLADE. PH ALB MEN