Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37J gegenüber dem Primat der religiösen Weltanschauung. Dieser Staat war ein Scheingebilde. Es ist in der Menschheitsgeschichte beispiellos, daß ein Volk 600 Jahre auf eigenem Loden unter fremder Herrschaft leb: —- die Geschichte der makkabaischen Selbständigkeit während 70 Jahren ist eine belanglose Episode ohne seine Ketten .abzuschütteln, ja, ohne die Ketten zu empfinden, wenn es seiner religiösen Sonderart leben kann und;em Lebensprinzip unangetastet bleibt. So hat sich die Judenheit, seitdem sw zum Bewußtsein ihrer einzigartigen geistigen Stellung gelangt war, nicht als ein Volk im staatsrechtlichen und politischen Sinne betrachtet. Und auch das andere'Kriterium jedes Volkslebens, die eigene Nationalsprache, wird negiert: das Aramä-gche wird Umgangs-, das Hebräische Gelehrten- und Gebetssprache. Das jüdische Volk empftndet sich als Gottesvolk, als eine religiöse Sememscheut. So wurde vor allem später der 9. Ab immer nur als der Tag der „Zerstörung des Heiligtums, des (Gottes-) Hauses" erlebt. In diesem Sinne verstehen wir es, daß es kein hebräisches Wort für „^taat" in der Bedeutung der griechischen, römischen und modernen Auffassung des Legrisses gibt. In der Bezeichnung malchut — Reich liegt vielmehr das Königtum, wie es auch eindeutig für Gottes- oder Himmelreich (malchut sebamajim) gebraucht" wird. Das Jerusalemische Heiligtum gilt als die Repräsentation der jüdischen Idee, der einzige Tempel als die Verkörperung des einzigen Lebensprinzips, um deyen Bestand man ausschließlich besorgt gewesen ist und desien Eesährdung man beklagt hat. Deshalb ging nach der Katastrophe dos Jahres 70 der Gedanke^ der Judenheit aus die Erhaltung der jüdischen Idee, deren Verwirklichung unabhängig von jeder großen äußeren Organisation war und der die Gemeinschaft der Familie und der Gemeinde völlig genügte. Und der Bestand und die Verbreitung des Judentums in allen Ländern seit nahezu zwei Jahrtausenden beweist, daß die Idee höchste Lebens- und Keimkraft besaß und das nationale Leben im Sinne aller politischen Auffassungen der Weltgeschichte für das Judentum unerheblich gewesen ist. So ist es der Sinn der jüdischen Geschichte, daß sie sich unfeinen einzigen Gedanken, um die religöse und sittliche Idee in ihrer durchdringenden Einheit, dreht. Kein Volk der Erde hat diese geniale. Einheit der Entwicklung auszuweisen. Darin liegt eine grandiose Einseitigkeit, die es erreicht hat. im Laufe der Geschichte die fremden Kulturelemente von Wert in sich aufzunehmen und organisch mit dem eigenen Sein zu verarbeiten. Nur wer sich seiner innneren Festigkeit und Geschlossenheit bewußt ist, kann äußere Einflüsse ohne Schaden für seine Selbstbehauptung erleiden und hat den treffsicheren Instinkt für die Aneignung und Umschmelzung des Fremden. Ter Jude hat, wo ihm der frische, geistige Luftzug gewährt war, stets den großen Amalgamrerungsprozeß der Kultur vollzogen, er ist in der Welt ausgegangen, hat sich aber nie aufgegeben, „damit alle Völker der Erde erkennen, daß der Ewige der wahre Gott ist, keiner sonst". Aber eine Idee kann sich nur in der Freiheit verwirklichen. Diese ist das einzige Kennzeichen des wahren Geistes. Das Freiheitsbewußtsein ist schon in der biblischen Gesetzgebung das grundlegende. Element für die Gestaltung aller irdischen Beziehungen. Unbedingt abhängig ist der Mensch von Gott, innerlich unabhängig von allem menschlichen Werk. Die Geschichte des Judentums ist das einzige Beispiel, daß die Freiheit die Grundlage des individuellen und des Gemeinschaftslebens ist. Daher die Negierung des Stlavcrciprinzips einerseits und die Schöpfung des Sabbats als des Gedankens dev inneren Freiheit anderseits. Hier können wir Hegel nicht zustimmen, wenn er behauptet, „daß"die Orientalen nur gewußt haben, daß einer frei (der Despot), die griechische und römische Welt aber, daß einige frei sind^die meisten sind Sklaven), daß aber wir wiyen, alle Menschen, das heißt der Mensch als Mensch sei frei!" Wo ist je das Prinzip der Freiheit klarer und allseitiger formuliert und verwirklicht worden als in der ganzen Geschickte der Judenheit? Nie hat sich einst in Palästina und dann in der Zerstreuung die Herrschaft einer jüdischen Gruppe über die Gesamtjndenheit erheben können. Und in dem ausgeprägten Freiheitsbewußtsein liegt vielleicht der tiefste Grund für das Fehlen jeder zusammenfassenden Organisation, weil von einer solchen immer eine Begrenzung der Freiheit notwendig ausgeht. Hier liegt auch die Lösung des Rätsels der Erhaltung des Judentums. Die Freiheit war gegeben innerhalb des jüdischen Lebensprinzips, leine innere Spaltung und Entzwunung trat so ein, der innere Feind, der das Volkstum der Nationen mit ihrer Lebensanschauung mehr unterdrückt als die äußeren Gegner, konnte nicht auskommen. Ketzer mit großem Anhang gibt es in der jüdischen Geschichte kaum. Alle waren frei, gebunden und geeint nur durch die religiöse Idee, die sich in gemeinschaftsbildenden Formen verwirklichte. Tne Religion gibt im Judentum die innere Freiheit gegenüber aller äußeren Bedruckung durch die Umwelt. So wird es verständlich, daß in der jüdischen Geschichte die großen Menschen Zurücktreten. Die Idee ist alles. Sie fordert, daß jeder ein Held werde im Kampfe für Gott. Die Persönlichkeiten haben nur Wert durch den religiösen und sittlichen Geist, der von ihnen ausgeht. Groß ist jeder, der der Idee sich weiht" ein Held der bewußte Märtyrer, der sich für die Idee opfert. So hat das Judentum Legionen von Helden. Verehrung genießen diejenigen, die dem jüdischen Lebensgedanken durch Erkenntnis größere Klarheit und Tiefe gegeben haben. Geistiges Werk und sittlicher Wert allein gewinnen Geltung, das persönliche Leben mit seinen einzelnen Zügen ist von geringer Bedeutung. So geht in gewissem Sinne ein Zug des Unpersönlichen durch die jüdische Geschichte, der aber nichts anderes ist als der lebendige Gesamtgeist als freier Träger der einen großen religiösen Idee. Aus der geschichtlichen Rückschau in die Jahrtausende wissen wir heute, daß der leise Zweifel, der in der Generation der Katastrophe vom 9. Ab des Jahres 70 n. d. g. Z. ausgetreten ist, ob das Judentum den Stürmen der Weltgeschichte standhalten werde, unbegründet gewesen ist. Die Menfchheitsreligionen und die Böller gehen ihren Weg und vollenden ihre Aufgabe und ihre Sendung, auch wenn es ein dorniger und steiler Pfad ist. Aber sie richten sich doch immer an den Höhepunkten ihrer äußeren Entwicklung, an ihrer Macht und weitreichenden Geltung auf in Zeiten des Niedergangs und des Verlustes ihrer Stellung. Anders das Judentum, das stets in gewollter Minorität und äußerer Rechtlosigkeit lebte. Wenn irgendwo, gilt hier das Wort Hegels: „Die Weltgeschichte ist nicht der Vod-en des Glücks/ So war für die Judenheit in aller langen Not die Frage nach Gluck nicht entscheidend. Aber wenn wir die jüdische Geschichte nacherleben, empfinden wir tief und mit unsagbarer Bewunderung den einzigartigen Lebensmut, der aus allen kleinen und großen Zügen der jüdischen Tragödie uns entgegenweht. Darum ist auch das der Zinn der jüdischen Geschichte: der Sieg kes Geistes über die Materie. Wer immer nur um sein Glück und sein Behagen bangt, ist schwach. Stark ist, wer seiner Aufgabe lebt. Seine Kraß ist unzerstörbar, sein Mut grenzenlos. Weil das Judentum nie den Gedanken au'gegeben hat. daß es der .Menschheit eine Idee zu bewahren habe, ohne die eine ungeheure Verarmung der Seele eintreten muß, hat nie die Verzweiflung sich seiner bemächtigt. In Demut bat es -ein Schicksal getragen und sein inneres Gleichgewicht nicht verloren. Es vernimmt immer nach dem Trauer- Lage am Trostsabbat den Ruf des Propheten: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott/ Erzbischof Soeöerblom Der Heimgang des großen 'chmedi'chen Theologen Nachan Soederblom ruft auch innerhalb des Judentums und bei den deuv'chen Juden Gefühle der Wehmut hervor, denn einer von den Großen und Verstehenden, denen das Prädikat echten Menschentums zukomm:, ist dahingegangen. An umfassendem Wissen und weltlichem Wirken Adolf bctuod gleich, ausgereift, gütig und liebend", ha: er dach den Altmeister der modern gerichteten proieftamsschen Theologie in Deutschland noch überirassen. Zein verwirklichtes Ideal war das große Gebie: der Verständigung, und indem er die christlichen Bekenntniye einander zu nähern versuchte, bat er auch uns Juden eine Basis und eine Brücke mitgewiesen und praktisch vorgelebt. Er war der von uns bewunderte seine und edle Typ seines Volkes, das in Deutschland so graße Sympathien genießt. In adliger und wirklich vollendet nobler Art hat Erzbischof Soederblom wie viele Schweden Wert darauf gelegt und bewiesen, daß der Unterschied von Bekenntnis und ^tamm sich nicht feindlich auswirken muß. Gerade jetzt wird diese Einsicht uns leicht gemacht, wenn wir die Denkwürdigkeiten des ersten Juden in Schweden, Aron I ' a k, lesen. Wir verfolgen den Weg, den ein aus Unkenntnis und Tradition verfemter Stamm mühselig beschritten und erfolgreich vollendet hat. Hier ist nicht der Ort, die souveräne wissenschaftliche Leistung Erzbischof 'Soederbloms zu registrieren, der in seiner Kirche die höchsten Ehrenstellen genossen hat; wir nennen seinen Namen und sein Gedenken zum Segen, weil er immer, in Frieden und Krieg und Nachkrieg, ein Freund Deutschlands toat, weil er auch hwr gewirkt hat und vieles zur Linderuna der deutschen Not angebahnt und erreicht hast. Keinem Würdigeren konnte im vergangenen Jahre darum der Friedens-Nobelpreis verlieben werden, und wenn schließlich sein Wesen in jütischer Prägung sestaehalten werden soll, dann wollen wir ihn eine Nathan-Natur nennen. Tie wohltuende, gerechte, harmonisch - ansgleichende Regung, das prophetische Element geht von Nathan Soederblom aus, und wieder zeigt sich die alte Wahrheit unseres Schrifttums, daß der Mensch wie sein Name ist oder, wie wir sagen würden, seinem Namen Ehre gemack: hat. Auch nach dem Hintritt von Natban Saederblom ist Schweden an religiösen und zum Frieden strebenden Geistern nicht verarm:. Ein nicht volkreiches Land hat seinen Wer: unendlich durch selbstge'lchasfene Kultur und Ritterlichkeit vervielfacht, und wenn die große Tstrsöhnung der Nationen fortschreiten wir), dann behält Soederblom daran einen fundamentalen Anteil' Dr. Martin Salomonski. .. . ] i!• Zur natürlichen Sraummg dev Haut sekke man vor And nach der' Besonnung die Haut, insbesondere Gesicht und Hände, mit Creme Leodor gründlich Sn'J?örn cr3*c^ dann ohne schmerzhafte Rötung eine gesunde, sonnengebräunte Haulsärbung. Creme Leodor — fettste!, rote Pollung, fetthaltig, blaue Pallung — AAiot 60 Pf. und 1 Mach Leodor-Edrl-Skise M Pf. Ln allen Chlorodont- AeckaussMen zu haben. 2. 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