Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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372 MW Am Sonntag, den. 12. Juli, ftarHti&tff futjcr Krankheit Ut Hcidclbcrgcr Literattrrprofcssor Dr. Friedrich Gundolf, dessen hervorragende Werke gerade urn seines Eirrdringens in dcittsärcS Wesen willen von Freunden «nd Feinden des Fudentums anerkanrU waren. Wir würdiger: den großen Gelehrten am Vesten, indem wir seine beiden letztere Werke kritischer Betrachtung urrtcrzichcrr. Die Schriftleitung. Friedrich Gundolfs Werk „Romantiker"*) interessiert in diesen Blättern weniger wegen des Stoffsreifes, der als solcher das Judentum kaum berührt, als um des Autors willen, der, ein gebürtiger Jude, zu den reprZ'entativften, schöpferischsten und eigenwilligsten Persönlichkeiten unter den ^Literarhistorikern deutscher Zunge zählt. Fünfzigjährig eben erst lebhaft gefeiert, sodann als Erster mit dem neugeschassenen Lessing-Preise der Stadt Hamburg ausgezeichnet, hat der so früh Verstorbene von Heidelberg aus, wo er seit langem das Ordinariat für neuere deutsche^ Literaturgeschichte bekleidet, ebenso wie in die Weite in die Tiefe gewirkt: Verkünder und Teuter der feierlichen Afletenkunst eines Stefan George; Tolmechch und Vermittler Shakespeares und ^seiner Einwirkungen auf den deutschen Geist; Gestalter Ulrich von Huttens, Lesungs — den er, in feiner meisterhaften Jubilamnsrede zum 22. Januar 1929-, als den „Sieger vermöge der Freiheit deswachen Herzens" unserer Gegenwart wieder zw» geführt hat —, Heinrich von Kleists, des aus der Einsamkeit geborenen Genies, und vor allem Goethes, dessen Lebens werk von ihm. als das genialste Zeugnis der geistig-leiblichen Einheit des wahren Künstlermenschen. weit 'über das biographische Schema hrnausgehoben wurde. Auch Gundolfs Romantikerbuch. das aus der großen geistigen Bewegung urn die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts fünf der markantesten Gestalten, Friedrich Schlegel, Schleiermacher, Arnim, Brentano und den romantischen Spätling Georg Büchner, in eine aus dem „Gesicht der Gesamtrcmantik hervoraegangene Einheit"' zusammenzu fassen sucht, ist keine Sammkung herkömmlicher Biographien, keine um Herkunft und Stammbaum bemühte Schilderung äußerer Lebensläufe zur Erkenntnis und Erklärunggeistiger, seelischer oder dichterischer Werte. Für- Gundolf, den hartnäckigen Verfechter einer monistisch-ideologischen Sestaltenlehre-, setzt sich alles Leben schöpferischer Naturen in geistigen Ausdruck, in individuell geprägte Norm unr, und so wird ihm. der erhöhte Mensch zum Träger von Ideen, di? biographische Darstellung zur geistesgeschichttichen Analyse, die das Wesentliche der Emzelpersönlichkeit nicht aus dem Auf und Ab, der Armut oder Fülle des bewegten menschlichen Daseins, sondern einheitlich vom Grunde des Werkes her bestimmt und begreift. Dieser grundsätzlich? Standpunkt muß sich jedoch mit der unverkennbaren Tatsache abfinden, daß gerade der Mensch der Romantik mit seinem gesteigerten Lebensgefühl auch in anderen Bezirken wurzelt als dein nmschlossenen Gehege einer abstrakten Geistigkeit, die sich von der Erde um so weiter entfernt, je mehr sie sich ihren Metaphysischen Bedürfnissen hin- . *1 Verlagrrrr Heinrich Keller-, Vtrllu-WssmerLdorf, im ES ■ $ heilt Mieren-ond Li- \i BJascnJeidcn. 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Aber auch dort, wo die vitalen Mächte hinter der sie beherrschenden Idee fast zu verschwinden scheinen, wie in den beiden scharfsinnigsten und gehaltvollsten Aussätzen dieser Anthologie, den Studien über Friedrich Schlegel und Friedrich Schleiermacher, die geistigen Häupter der romantischen Schule, wird Cundolfs „Willezum Bild" und ,,Wissen des Stoffs" (die ihm die eigentlichen Kennzeichen wahrer Geschichtsschreibung bedeuten) auch aus Lebenssirömen gespeist, die von außen her in die esoterische Darstellung emdringen. Und es bleibt höchst, beachtenswert, daß diese äußeren Einflüsse aus jüdischen Lebenszentren"hergeleitet werden: aus den Berliner Salons jüdi- Mr Frauen, die der gesellschaftlichen und geistigen Bildung der in einem nüchternen Rarionalisurus erstarrten hauptstädtischen Kreise einen ganz neuen Aufschwung gaben. Hier fand Friedrich Schlegel in Dorothea Beit, der ebenso gescheiten wie opferwilligen Tochter Moses Mendelssohns, das ersehnte romantische' Frauenideal. seine Tiotima, seine Lucinde;unÄ' hier spannen sich zwischen' Schleiermacher und Henriette Herz, der schönen Gattin des Arztes und Philosophen Markus- Herz, die regsten Beziehungen einer kultivierten Geselligkeit, die zwei verwandte, anschmiegsame- Naturen miteinander in seelische Nebereinstirnmung zu bringen suchte:. Die aparte Kunst der Einfühlung, mrt der: Gundolf diesen beiden romantischen Lebens¬ und Freundsch-aftsbünden nachspürt, laßt es besonders bedauerlich erscheinen, daß solche pst), chologischen Zusammenhänge nicht auch weiterhin ausigedeckt werden- So wäre es gewiß äußerst reizvoll^ gewesen, wenn Cundolfs "weitschichtig-analytischeBstrachtungenauch Friedrich Schlegels spätere Zeit berücksichtigt und den menschlichen Kern der Frage berührt hätten: Wie kam es. daß dieser souveräne Herrscher inr llceiche der Willklir zum Unfreien wurde; daß der weleirohe Lehrling, der Griechen sich zum weltabgewandten Nazarener wandelte; daß der ehemalige Freigeist, wie Heinrich -Heine spaltete,, „in die zitternden Nuinen der katholi'chen: Kirche flüchtet?" — wohin ihm die allzeit getreue Dorothea, längst losgelöst von der Tradition des Vaterhauses, schwärmerisch und im Glanz, der Cnadensonne folgte? Wie kam cs-' ferner, daß Schlegels mannigfache literarische Tätigkeit nach dem Uebertritt immer ausfälliger di? politisch-reaktionären Geschäfte eines Metternich besorgte? Und wie ist es schließlich zu erklären, daß die intime Freundschaft mit Schlcierm.acher. an dessen sittlicher Größe die unstet scllwankende Persönlichkeit des jüngeren Weggenossen lange Zeit einen Halt gesunden haue, zu: einem äußeren und inneren Bruch führte? Tie Beantwortung dieser Fragen mag der programmatischen Absicht Gnndolss von vorn^ herein widerstrebt haben. Und sie verstummen letzten Endes vor dem beträchtlichen geistigen Format und der sprachlichen Ausdruckskraft eines Werkes, das, wenn es auch von dem Gesamtgesicht der Romantik im weseiulichen nur WfiUi-.-; -tch sich-st sti stchB ihre ideellen Züge verkörpert, noch in seiner Beschränkung überall den Meister verrät. Dr. kin§ollucbmnnsüi. Friedrich Cundolfs letzte Arbeit, ein Vortrag, der noch nicht im. Buchhandel erschienen ist: „Bismarcks Gedanken und Erinnerungen als deutsches Sprachdenkmal", reflektiertans unsere Geamwarr und hat dadurch erhöhte Beden-ung. Durch seine Interpretation des Bismarcksthen Vermächtnisses gab er denjenigen. Deutschen, die mit Stolz und Ehre, mit Wissen und-Verantwortung^ an dem Schicksal der Nation Anteil nehmen, den führenden Heros: Der von Bismarck selbsigeschasstne Wirknugsrwam, das llteich, erstand unter seiner Deinung aufs neue als der schöpferische Bezirk aller undalles Deutschen. L. Th. Rlsfns djroniP Am 12. SuTr fand in ^cöcraorrt eine präge Tagung) der EurüLäwkolonnen. aus der Provinz cf*falcn und Lippe [tat!. Im Deifein des Ehreuuorstckeuden, des Erzbischofs Tr: K I e i :r, wurde ient Ehreumitglicö der Hstwerboruor Kolonne, d:m ietzigeu Kolouneufiihrrr, Kaufmann: Adolf i; t n h_c int * Lcmgo,. welcher nunmehr 30 Jahre aliiv als eranitäter. tätigist, durch den Verbaudsvorützc-nden, Reg>Mr-d.-Nat Tw Burgunder (ullüustrr), ein silberner Ehrenbechcr mit Widmung überreicht. — Herr Dir. £i.ttau.tr (New Bork), der bereits rer einiger Zeiv eine namhafte Summefür die Iustaudsttzung des bekannten Tempels- Israel Iacrolaus irr Lceserr gespendet hatte, hat auch dir Mittel für die Wieder Herstellung der Orgel, die als erste und älteste in einem, jüdischen Gotteshause ron kulturhistorischer Vcdeutuugist, zur Versagung gestellt. Am 27. Juni wurde sir ru feierlichem Cottesdiensie rmrrr Mitwirkung, vou Landrabbiner Tr.. S ä rt n e r und Oberkantor G o t t ~ lieb von Braunschweig wieder eingeweiht. iekr wolme nunmehr: Berlin - W ilmersdorf, Hohenzollerndamm 196 III, Ecke Uklandstr. Unmittelbar «"rt. Unter^rimdbcliiiKof HohenzoIIernplit2^ Haltestelle der Linien der Strassenhabn Nr. 7 und 92. Meine Fernsprechnummern sind: Pfalzburg. 779S und Oliva 5074- Ich bitte, In der Regel den Anschluss PfaLburg 7798’ m benutzen. Persönliche Rücksprachen In umfangreichen Angelegenheiten bitte Ich nach Yorherlgec telephonischer Anmeldung in meiner Wohnung und nicht ln den Geschäftsräumen des Centralverelns vornehmen zu wollen. Direktor Dr. Ludwig Holländer, uiiiiiirdnniiiii^iii'niiiiiiiiiiimnüüiiiiiinmmmmrr. Verlag: Cenlralverein deutsch er Tiaalsbllrgrr lübischen Glaubens e. V-, Berlin W 15, Emstr 6*r. 4ü Tel.-- Adr.: „Cenlralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 50172. Hauplschrisllcitcr- Dr. Ludwig Holländer.. Verantwortlich:- Dr.- Tt a r g a r e t e E.d e l tz e i m. Leide Berlin. V/15. — Unr-erlangie ^Mnrnistchplewerden nurzurückgesardt, wenn Breiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil:- H e Um-irt Lohn, Vln. - Echlack:ensee. — Druck: N ud o If Müsse, Berlin. .Cc-f-’cc Cg:;::[:gc.6 guT)rtGrauoen, verdickt? Hornstmlllen an sillndenund Fühewhat sich-„Leolm" als stubersies undbequemsteI Mittel zur gründlichen Lcschü unm aller honen Haut- Wmherungen beinns bemckstt. Pallung für nnehr-- mallgsn. Gebrauch mit gruaurr Gebrauchoairroeistng- L0 Pst 2n allen Chlowdonl-BLAwuststellen Zu haben.-