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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 362

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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362 ...LALMLLKZ ikiEatlimne^fö fp&mßMgGM &M. -. ist, das da sagt: „Tu sollst nicht falsch Zeugnis eblegen wider deinen Nächsten/ 4'. Tas Buch Rosenbergs cntfjüCt, wie auf so vager Grundlage nicht anders zu erwarten, das Fehlen aller Rias;stäbc für geschichtliche Werte und Wahrheiten. Ter Autor wird cs nicht als ein besonderes Verdienst für sich buchen Lönnen, wenn er die längst anerkannten Werte der Vergangenheit abermals gut heißt. Leine Urteilsfähigkeit hätte sich eher in einer Auseinandersetzung mit den so zahlreichen und wichtigen Problernen der Gegenwart gezeigt, die er bei. seinem Thema wenigstens zum Ausgangspnnkthätte nehmen müssen, wenn der Mythus deS!?0. Jahrhunderts nicht eben Mythus bleiben soll. Aber in denn umfangreichen BuaP wechseln nur Phantastcu über die Vergangenheit mit einem gehaltlosen Gerede über die Zukunft ab. Neben den Angriffen auf das Judentum nehmen Angriffe auf die katholische Kirche einen breiten Nauru ein. Rosenbergs Philosophie ist in Vortrag und Gehalt der Psyche Jugendlicher angepaßt. Wikingerromantik, starke Betonung kriegerischen Heldentums und drakonische Strafandrohungen für den Frevel an dar nationalen Ehre im nationalsozialistischen Zukunftsstaat, wie Strick und Galgen, Verbannung und Acht, zeigen die Art feiner Geistesverfassung an. Auch die Behandlung des Ehrbegriffs, dessen hohe Bedeutung von uns keineswegs' verkannt wird, ist, dazu angetan, diesen Eindruck zu verstärken. Rosenberg berücksichtigt säst nur die kriegerische Ehre und ergibt sich dazu'einer Ausfassung, die noch mit einem Kampf Mann gegen Mann rech- . net wie vor Erfindung der Feuerwaffen. Jeder Stand hat seine Ehre, und daraus geht hervor, d-aß Ehre nicht ein Höchstwert, sondern Grundlage aller Werte ist und von ihnen erst Sinn und Bedeutsamkeit erhält. Ter Begriff der Eiche muschließt auch das Verhalten anderen Menschen gegenüber. Mer die Ehre anderer ohne Sinn herabsetzt, zieht feine eigene Ehre in d-cn Staub. Gerade unsere Zeit mit ihren schwerwiegenden Problemen fordert. Laß wir den Tatsachen gerade ins Auge sehen und sie unvorcingcnouuucn aus ihren Gehalt prüfen. Es kann uns nicht vorwärtsbrmgen, wenn wir uns. um mit dem nordischen Tichtcr Henrik Ibsen zu reden, eine Lebenslüge zurcchtstutzcn und sie zur Grundlage unserer Weltbetrachtvmg machen. Wer wie Peer Gynt sich selbst genügt und mit prahlerischen Redensarten sich dem -Sinn des Lebens verschließt, wird jene ernste Prüfung nicht bestehen, deren Urteil über die Verwirklichung der wahren Bestimmung des Men'chen ergeht. Tie Ausgabe der Zukunft wird sicherlich fein, Persönlichkeiten zu bilden und echte Gemeinschaft herbeizuführen. Aber der Weg zu diesem Ziele wird nicht durch Phantastereien bereitet werden, sondern nur durch gcwisicnhaste und unbestechliche Wirklichkcitscr'kcnntnis. Die Ehre der Ration ist kein Caukkcrwort, das man ständig im Munde führt. Sie ist eine schlichte, selbstverständliche Tatsache. Tie Nationalchre erweist sich in dem verantwortungsbewußten Ernst, mit dem jeder feine Aufgabe 'an seinem Platze erfüllt und seine Kraft zum Mchle des Ganzen ein setzt. Dr. Kurt Eckstein (Oberhausen). Mlk8g iüE M Mock HU krMM" Neu auszrrnchmcn: Siolp ia Pommern: (Safe SReiafsrtt. Kotberg (Ostsee): Pension Ben:hien. Rosi.ebcs a. d. Anstrut: Hsicl Tät!rmc:r Hof. Schotten (Obcrhcsscn): Hessisches Haus. Dss XVII. HsfZ^r A'Z „Es bedv.rl noch vieler Worte. Tie Tclcgierten. die sich in diesen Tagen zum XVII. Zicuisieukongrcß in Basel versammeln, wissen, was auf dme Spiele fuhr. Tie finanzielle Lage der Jewish Agency ift bekannt. Tie volinsichen Schwierigkeiten sind noch ungelöst, ihre Tragweite wird heute von den meisten' begriffen. Tie inneren Verhältnisse der Organisation sind verworren, Parteihader zerreißt die einst geschlossenen Reihen und lähmt die Arbeitskraft. Man spricht von Spaltung, man rechnet mit äußersten Möglichkeiten. Alte treue Zionisten sehen diesem Kongreß mit banger Sorge entgegen. Wird sich in diesem schwersten Moment die Bewegung der Lage gewacbftn zeigen? Wird sie "der Verlockung, die jede öffentliche Tribüne bietet, alle destruktiven, nur auf monientaue Außcnwirkung abziclenden Talente spielen zu lassen, widerstehen? Wird dieser Kongreß, die als Grundpfeiler des Zionismus geschaffene Institution, vermeiden, der Sache unheilbaren Schaden zn bringen?" Mit diesen ernsten Worten beginnt die „I ü dische R u n d s ch a uM, Nr. 49/50, ihren großen prrgranunatischen Artikel zur Begrüßung des Baseler Zionistcnkougresies. „Ein sorgenvoller Kongreß" heißt da-H Leitwort ihrer Betrachtungen, und dev bisherige Verlauf scheint diese Voraussage zu bestätigen. Zwar zeigt das äußere Bild keine wesentliche Veränderung gegenüber den früheren Kongressen. Aber waren auch scho-u die letzten Kongresse weit davon entfernt, einheitlichen „DolksA-Willen zn verkörpern, so ist der diesjährige mehr denn je überladen mit innerer Spannung. Lauernd müssen die Parteien ihre eigene Stellung überprüfen, ununterbrochen bilden und lösen sich die Koalitionen. Jede Entscheidung im kleinen wie im großen geschieht in dem Bewußtsein, Bresche zu schlagen für den neuen großen Weg, der gegangen werden soll, der gesunden werden muß. Tie Eröffnungsrede hielt S o k o l o w. Er verstand es, klug und diplomatisch alle Ereignisse der letzten Jahre zu erwähnen, ohne mehr eigene Meinung hinzuzufügen, als mit Aussicht aus allgemeine Billigung geäußert werden durfte. Rur durch solche selbst auferlegte Enthaltsamkeit konnte es ermöglicht werden, diesen Auftakt zum Kongreß vor dem Schicksal der eigentlichen Verhandlungen zu bewahren. Tie Einleitung sowohl wie die darauffolgenden offiziellen Begrüßungen der Ehrengäste errangen den ungeteilten Beifall der Anwesenden. Auch dem ersten Referenten, Dr. Artur Ruppin, der über „Die wirtschaftlich Lage in Palästina" sprach, blieb die friedlich Stimmung noch einigermaßen treu. Auf Grund seiner anerkannten Sachkenntnis entwickelte er die wirtschfilichen Möglichkeiten, übte scharfe Kritik an den Ergebniisen des englischen Simpson- Berichtes, dessen Berechnungen über die relativen Siedlungskosten er weit günstigere gegenüberstellte, und forderte schließlich eine großzügige Palästina-Anleihe als Vorbedingung für die notwendigen Bodenverbesscrungen." Am zweiten Sitzungstage folgte das große Ereignis des Kongresses, die Rede W e i z - tnanns. Sie war viel mehr als nur ein Kongreßercignis. Sie war auch mehr als das politisch Testament eines Mannes, der dreizehn Jahre laug das zionistische Experiment "ans seiner Entwicklung von der Utopie zur Wirklichkeit maßgebend beeinflußt hatte. Es war eine historisch Abhandlung über den llllag des Zionismus von Hcrzl über die Balfour-Teklaralion mit allen ihren Interpretationen bis zun, Unglücksjahr 19>9 und feinen noch nicht abgeschlossenen Folgen. Ein verantwortlicher Staatsmann, mit der Ueberlegenhett des objektiven Geschichtsschreibers, eine. Persönlichkeit, anss unmittelbarste aus Werk gekettet, identisch jnnniit dem Werke und doch dar üb er sichend, losgelöst und kritisch: das ist der Eindruck, den d'ese Rede vermittelte. Aber vielleicht war der Mann zu groß für sein Werk, das — weil tedas Wer! vieler Menschen und ein Werk gegen eine harte Wirklichkeit sein mußte — nick: einheitlich nach dem Willen dieses einzelnen gestaltet werden konnte. Die vielen aber, die es nach dem Gesetz der Menge betrachteten und es nivellierten, mußten des einen Feind sein. Daß Weizmann nicht wiederkommt, scheint gewiß, daß der Zionismus verwirklicht wird, ungewiner denn je. Ten Bericht des K e r e n K a j e m e t h erstattete dessen Vorsitzender U s s r s ch k i n , den Bericht des Keren H a j e s s o d ' dessen gcschästssührender Direktor Dr. Artur Hantke. Hantkes Rede überraschte durch das völlige Fehlen von Hinweisen aus den sogenannten neutralen Charakter des Keren Hajenod. Kein Wort widmete er diesem für Nichtsioniüen, mögen sie nun dem Palästinawerk wohlwollend oder ablehnend gegenüberstehen, so wichtigen Wesensbestandteil dieses Fonds, der ibn ja gerade von den übrigen, rein zionistischen Palästinafonds unterscheidet. Aber Hantle ließ nicht nur alles für die Neutralität Zeugende fort, sondern er erklärte sogar, „daß der Keren Hajessod eine der Forrnen ist, in der sich der Einheitswille des jüdischen Volkes manifestiert. Er ist ein Symbol des Willens zur Wiederherstellung des nationalerr Heims in Palästina, und mit der Forderung der jährlichen Steuer, gestasielt nach dem Einkommen, erhebt der Keren Hajessod die Sammlung als solche in die- Sphäre des staatlichen Lebens. Er macht den Jrrdcn der Diaspora zurre Steuerträger von Palästina, zürn ideellen Bürger des cntstchewdcn jüdischen nationalen Heims." (Kcng^szd’ung Nr. 3 vom 3. Juli 193/. Seile 20.) Es wird dringend einer Aufklärung bedürfen, ob diese an „nationalem" Erhalt kaum mehr überbietbarcn Worte tatsächlich eine Neuorientierung der Keren-Hajegod-Arbeit cms-- Lrückcn sollen. Außerordentlich interessant war Pas Referat Felix R o s e n b l ü L h s über „Tie Lage der zionistischen Organisation und ihre Probleme". Seine reichlich pessimistische Darstellung — „die Organisation ist innerlich krank" — zeigte dir enge Verbindung, die zwischen den Schwierigkeiten der Palästinapolitik und der Ausrechterhaltung der GalutharbeiL besteht. Es ist bemerkenswert, daß gerade von diesem der innerzionistnchm Auseinandersetzung scheinbar völlig abgewandten Thema aus Noscnblüth sich gezwungen sah, schärfste Vorwürfe gegen die Revisionisten zu richten. Ihrer Maßlosigkeit und T-isziplinlosigkcit sei es zuzuschrciben, führte er aus, daß der zionistischen Idee viel von ihrer Anziehungskraft verlorengegangen sei. Tie Generaldebatte wurde durch den Vertreter der größten Partei, der Arbeiterpartei, I. Ben Gurion aus Palästina, eröffnet. Er zog einen sehr bemerkenswerten Trennungsstrich zwischen dorn „leichten" und dem „schweren" Zionismus, d. h. der Abart, die es sieh mit logischen Teduknoncn, phrasenhaften Antworten und' Phantastischen Forderungen leicht macht und die hauptsächlich im Revisionismus verkörpert ist. und seiner eigenen Richtung, die sich mit der'schweren Realität ernsi auseinanderwtzt. Tie maßvolle realpolitische Haltung der Arbeiterpartei, die nach der Tezimierung der aesinn'ungsverwandten Mittelgruppen die Hoffnung des Kongresses bedeutet, kam beutlich in seinen Worten zürn Ausdruck. In bekannter zündender Beredsamkeit funkelte Jabot i n s k p , der Vertreter der Revisionisten. Er vielt Abrechnung mit England. Er leugnete die Annchnibarkeit der MacDonaldschen Interpretation des Weißbuches, weil sie ja nur Interpretation sei, d. h. das Weißbuch als Grundlage voraus setze. Allen Zweifeln und

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