Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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3ö1 Der jüdische Schüler sollte also besonders seine Anstrengungen auf dem Gebiete des Turnens und bex Leichtathletik, die heute auf den Schulen besonders gep-legt wird, vergrößern und sein Jnteresie nicht ausschließlich dem Sport Znwenden. Des empfehle ich noch aus einem ganz besonderen Grunde. Sport kostet Geld, beispielsweise Tennis und Schtteeschuhlaufen. Tie wenigsten Schüler können sich die Ausgaben dafür leisten. Es wrackst keinen guten ^Eindruck, daß sich jüdi'che Schüler gerade diesen kostspieligeren Sportarten in prozentual viel höherem Maße zuwenden. Gegen ernsthafte Hingabe auch an diesen Sport soll an sich nichts ^eingewendet werden. Aber, besonders beim Tennis, scheint bei vielen Schülern die Entfaltung von Eleganz und der Genuß der Freuden des Tennisplatzes eine größere Nolle zu spielen als der Sport selbst. Schüler, die sich vom Turnen drücken und im eleganten Tennisdreß Paradieren, sind ein unerfreulicher Anblick. Ter jüdische schaler sollte also, züt seinem eigenen Vorteil, aber auch aus schulpolitischen Gründen, mehr als bisher auf allen den Gebieten der Leibesübungen, die allen Schülern zugänglich sind und die in der ^chnlgenwinschaft ausgeübl werden, den Wettbewerb aufnehmen. An alle jüdischen Eltern ergeht deshalb die Sitte, ihre Kinder ourf) zur turnerischen Betätigung mit Nachdruck auzuhalren. Tie körperliche" Erziehung ist ebenso wichtig wie die geistige. Lhne zwingenden Grund sollen Eltern keine Anträge auf Befreiung vom Turnen stellen. Sie sollen sich in gleicher Weise davor hüten, intellektuellen Dünkel großzuziehen, wie ihre Kinder durch allzu große Äengstlichkeit zu verweichlichen. Geist und Körper sollen in der Erziehung in gleichem Maße zu ihrem Recht kominen: denn „es ist nicht eine Seele, nicht ein Körper, den wir erziehen, es ist ein Mensch". Ltuckiewrat Dr. Hugo Theodor (Beuthen, 0.-8.). Nationalsozialistische Wissenschaft Mftsö RssWbs§§: „Dee MpchM öss LH» M-chMöseLs" Tas Buch vom „Mpthus des 2O.Jahrhunderts" des bekannten wa-ionalsozialistischen Schricksiellers hebt an mit den Sagen grauer Vorzeit. Im nördlichen Teile des Atlantischen Tzmns, so glaubt der Versager, ragte einst ein Erdteil aus den Fluten. den eine schöpferische Rape mit hoher Kultur bewohnte. Tiefes Volk sandte auf seinen Schwan- und Drachen schiffen Kriegerschwärme „strahlenförmig" über die ganze Erde. Ueberall dort, wo wir rückblickend die Zeichen hoher Kultur gewahren, ergriffen die blauäugigen, blonden Weltemvanderer Besitz von Land und Leuten. Sie bildeten die Herrenschicht und schufen das Lichte, Helle. Strahlende, das als die bedeutsamste Aufgipfelung der kulturellen Schöpscrtat aus dem' Tunkten, Tumpfen, Magisch-Gebundenen der Urbevölkerung herausragt. Ganz unmerklich wandelt sich dem Ber'asier diese phantastische Annahme in Wirltickkeit. Tas Ergebnis' seiner „Forschung" steht ihm jedenfalls fest: der „Sinn der Weltgeschichte" nt „von Norden ausstrahlend über die ganze Erde gegangen, getragen von einer blauäugig-blonden Raffe, die in" mehreren großen Welten das geistige Gesicht der Welt bestimmte . . ." Auf diesem Grunde baut sich nun eine löckst Vereinfachte Geschichtsbetrachtung auf. Mit den Sieben'neilenstiefelu seiner Blntstheorie macht Rofenberg, übrigens in enger Anlehnung an H. St. Ehamberlain, einen Gang durch die Weltgeschichte. Er hat nur zwei Farben aus seiner Palette. Weiß und schwarz. Alles, was bell, vernünftig, willenhaft ist, wurde vom arckchen, schöpferischen „blonden Blut" geschassen. Alles was dunkel, chthonisck, dem Irdischen verhaftet, ekstatisch und magisch ist, stauunt von d-en Ureinwohnern, den „Untermenschen^ der „G-cgenrasse", soweit Rosenberg sie überhaupt einer Tat sür fähig hält. Rvscnberg ignoriert. daß es eine polare Zusammengehörigkeit verschiedener Grundkräfte gibt, so leicht er von Goethe hätte lernen können, daß auch zwei Seelen in einer Brust wohnen. Er zeigt sich als „Gerr der G-eschichtswiüen'chaft" (diesen Titel nimmt er für dre Deutschen in Amftrnch), indem er nach Willkür mit den Ereignissen schaltet. -5 Rvscnberg brfteticrl: „Es gibt keine voraussctzunpsck.se Wi"uischon5, sondern nur Wisien'chon't mit Es scheint ibm bei snner blonden Guschiäst-püilo'ophie wohl selbst nicht reckt aeheuer zu werden. Zwar nimmt er das Reckr, ^oran-'etzang-it zu macken, nur sür die aerrnangch- Wckin'chast in Anspruch. Tie Voiaussitzuug. dürftüoi'ckeri Wisstnschast ist ibin zum V>cU jpicl otc „pitrien, aus deutsch: der Betrug", wobei lyni auerdmgs der betrübliche Irrtum unterläuft. daß Fiktion weder Betrug nock Voraussetzung ist, und von den germanischsten Wi-emchastlern, wie Newton, Kepler. Galilei, angewandt wurde. Voranssttzwngslose Wisscn'chast. so meint Rosenberg, würde nur von wistenschastticken Dunkelmännern vorgetäuscht, um ihren Anschauungen den Anstrich von allgemeingültrgcn Lehrsätzen zu geben. Wäre dies richtig, so würde wohl auch Kant, den Rosenberg gern sür die germanische Wi'wnschast in Anspruch nimmt, zu dicken Dunkelmännern gehören. Es ist jedenfalls erstaunlich), in welchem Ausmaße man unter der Einwirknng den Idee vom alleinfchörferischen und edlen blonden Blut klare Tatsachen ignorieren und andere gcbässig umsälschen muß, NM sich Unterlagen sür seine Behauptungen zu schaffen. Soweit von Methode in diestm Buche überhaupt die Rede fein kann, erstreckt sie sich darauf, für die vorgefaßte Meinung irgendwo, durch ein zielllses Umbertasten in der Geschichte, Belegstellen zu wchen. Mit dieser Methode wären natürlich eben'o leicht den „Ariern" dieselben Fehler nachznweistn, die Rosenberg den „Gcgenra'st'n' vorwirst. Es kommt ihm hierbei gar nicht auf Widersprüche crn, wenn sie nur weit genug voneinander entstrnt vorg::ragen werden, daß sie nicht w'ort ins Auge fallen. Es fehlen logistche Hemmungen und Disziolin des Forschen-. Die Geistigkeit, die hierin zum Ausdruck komm:, ist von molluskenhalter Gestolrlosigleit, ihre Acußcrungen entwinden sich glan jedem Griff. Ist einerstits das Vorgehen aus Besckimpstmg und Herabsetzung alles dessen, was ihm fremdartig erscheint, abgestellt, so wird anderseits ein blindes Lob den Eigenschaften und Leistungen der eigenen Rasse gesungen. Wenn Rostmberg einmal bemerkt, daß der jüdi'che Mythus der Auserwählt heit wie die ,K a i f e r - I l l u s i o n eines Wahn sinnige n' klinge, so kann man dazu nur sagen, daß dieser Mythus, zumal wenn man ihn sachlich in der Begrenztheit betrachtet, die er sich selbst auserlegt hat. außerordentlich bescheiden erscheint im Vergleich mit der Anmaßung und _ Nebcrheblickleit des sich crisck düulenden Menschen. Tie Uebcrhebung hat hier einen so hochmhrenden Klang, bah ne sich mir erklären läßt aus einer angeborenen knechtischen Gesinnung. die sich gewaltig anfreißt an hinein ftbr fremden Ideal. Tenn Hochmut und Stolz pnd zweierlei. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn ein Volk stolz ist auf die Leistungen seiner Großen, aus seine Sprache und sein Land. 'Aber cs ist ganz etwas anderes, wenn cs einfach jede positive Leistung in der Welt sür sich reklamiert und sich selbst keine Schmeichelei sagen kann — so ist es bei Rotenberg tatsächlich —, ohne im gleichen Atemzuge andere zu verunglimpfen. Er mißbraucht die Cefühlsberomheit der Worte dunkel und hell, ohne die sachliche Berechtigung dazu in Erwägung zu ziehen, er verbindet Wörter — und insbesondere des Wort „jüdi'ch" erscheint in allen erdenklichen Kombinationen — miteinander, die nicht .zueinander Paffen, um Beschimviungen auszusprechen, treibt sein >-vick mit Wottgebilden wie syrischasiatisch-asrikani'ch, die so ungeheuerlich klingen, daß ein einfacher Memch, wenn er sich auch nichts darunter vorstelün kann, doch Wunders denkt, es müsse wohl etwas Ungeheuerliches dahinter stecken. Der Arier ist — so behauptet Rosenöerg. wenngleich es der geschichtlichen Wahrheit nicht entspricht — abhold allem Zauberglauben, aller Magie, allem Dämonischen. Aber einen. Dämon braucht der Nationalsozialist doch, und so entstcht der Mythus vom Juden, von der Cegenraffe, vom Er sinder des Satans, von den Triebhaften, ewig Unsruchtbaren, die nur den bösen Traum träumen, den schwarzen Maaiertramn von Gold und Weltherrschaft, und damit die ganze Welt vergiften. Hier entfällt jede Hemmung. Nicht einmal die Erfindung des Satans gönnt Rosenberg den Juden; denn, so heißt es an anderer Stelle, auch den Bösen sollen sie von den arischen Persern (!) übernommen haben. Ter Haß macht blind, und in_ diesem. Dunkel feiert na t i ona lsozialistische Wipenschaft ihreTriumPhe. Jetzt kommt esnicht einmal mehr aus die Wahrscheinlichkeit der Behauptungen an. Wer, der sich nur flüchtig mit der jüdischen Religion beschäftigt batte, wüßte nicht, daß pe ein monumentales^ Werk zur Ueberwindung des Triebhaften ist'. Wer könnte übersehen, daß die Religionsschöpfung des Judentums unbezweifelbar dasteht, selbst wenn jene erste Schöpfung alle späteren absorbiert haben sollte, und daß die künstlerische Tat, wenn sie sich auch nicht der Farbe und des Meißels bediente, doch als Material den Memchen selbst nahm und ihn formte! Wer könnte verkennen, daß der Magiertraum von Gold und Weltherrschaft weit eher in der altgermanischen Mnthologie als im jüdischen Schrifttum zu finden wäre. Aber bei diesem Thema hört alle Besonnenheit auf. Es ist im Nahmen dieles Berichts nicht möglich, auf die vielen Einzelheiten einzugehen, deren Zurückweisung jedern Besonnenen leicht fallen müßte. Aber es sei als besonderes Kuriosum erwähnt, daß Rosenberg behauptet, der lüdisckze Moraikoder erlaube neben anderen Ungeheuerlichkeiten das Ueberlisteu, den Diebstahl und den Totschlag. Tie zehn Gebote des Alten Testaments scheinen sich seiner Kenntnis zu entziehen, trotzdem er seine Weisheit beim „Studium der Geschichte und des Schrifttums der Juden" gckunden haben will. Sollte auch Unlenntnis die energische Forderung erklären, das Alte Testament abzus-chassen und aus dem Religionsunterricht zu entternen? Oder stellt er diese Forderung rlclmepr aus dem Grunde, weil ihiu ein anderes der zehn Gebote peinlich r.;;: Hi'.UiauüNüiuniiiiinnnuiiiiiiin!! .;uc:!in:c hoiu*!!i!i-:!!!>:i!!i!!!Hu I Ich wohne nunmehr: | Berlin-Wilmersdorf, Hohcnzollerndamm 195 III, Ecke Ulilandstrasse. Unmittelbar am UntcrgruncJbahnhof Hchenzcüerridajnm. I Haltestelle der Linien der Strassenbahn Nr. 7 und 92. \ Meine Fernsprechnummem sind: Pfalzburg 7798 und Oliva 5074. \ Ich bitte, in der Rege! den Anschluss Pfalzburg 7798 zu benutzen. Persönliche =. Rücksprachen in umfangreichen Angelegenheiten bitte ich nach vorheriger telephonischer 1 Anmeldung in meiner Wohnung und nicht in den Geschäftsräumen ces Ccntralvereins 1 - vornehmen zu wollen. f Direktor Dr. Ludwig Holländer, 1 Ci';'-1!:!::!!!!!;!!!C'iHmn!!:' ai!!!ni!";‘!:!!;. \ÜV eiia-u.:':l!ll!e^!C!II!II!I!!!_::iIII!III!!::!!:!'Hi!!! 'iiü’üü! IMÜlüullülimiHIir.i^M -ifililj