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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 360

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 360 (sequence 4)
Language
German
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360 Verbände- Bayern, Tr. C a h n m c n n, sprachen ein § i o n i ft, ein Demokrat, ein den National svziali st en nahestehender £ eit aus dem Jünger-Kreis, ein Herr aus dem Tannenbergbund, ein Sozialist, ein I u n erbeut scher und ein katholischer LMdent. Tr. C a h n m a n n erwähnte kurz die verschiedenen geschichtlichen Formen judenstmdlicher Bewegungen und kennzeichnete alsdann die gegenwärtige Lage als eine tiefgreifende Kri'e degesamten nationalen Lebens in Tcnt'chland, in der, durch unmittelbare Verschuldung hüben und drüben und allerlei Angstpsychosen veranlaßt, auch die Judenfrcge neu aufgerollt worden 'ei. Aber aus der ganzen deutschen Geschichte gebe hervor, daß diese Frage nicht anders als im Geiste einer guten Kameradschaft gelost werden könne. Tie übrigen Vortragenden sowie die zahlreichen Diskussionsredner waren rhetorisch wie inhaltlich außerordentlich verschiedenartig. Während vor allem die Herren aus dem Jünger-Kreis und dem Jungdeutschen Orden eine äußerst schrmse Stellung eirmabmen und die „Lösung' der Judenfrage nur in einer völligen Isolierung der Juden vom Gckamtkörper des deutschen Volkes erblickten, wobei sie den Zionisten einige freundliche Worte sagten, stellten sich die Redner von demokratischer und katholischer Leite, obwohl sie die Berechtigung mancher judenfeindlichen Regung einsaben. aus unseren Standpunkt: daß d<r deuoche Wille der Mehrzahl der Juden nicht übergangen werden könne. Ter katholische Ltudent ging darüber noch hinaus, indem er aus die religiöse Verbundenheit aller Menschen Bezug nahm. Bemerkenswert war, daß ein Ltudent, der sich selbst als ,.dcn Nationalsozialisten nahestehend" bezeichnet?, die These von der Einheitlichkeit' des Judentums mit der Bemerkung zurückwies, daß es sowohl deunch-naiionale als auch jüdisch-nationale Juden gebe, wobei er freilich die Mehrheit als bloß „allgemein-europäisch" gesinnt charakterisieren zu sollen glaubte. Ter Ausspracheabend gab einen Einblick in die Mannigfaltigkeit der möglichen Standpunkt? auf jüdischer wie aus nichtjüdischer Seite. Möge der Eindruck still weiter wirken und eines Tages die Früchte tieferen DerständnisscZ hcrvvrbringen. G. NW WWLiN Aus den Meldungen der Tagespreise wird unseren Lesern bekannt sein, daß sich am 23. und 24. Juni d. I. in Saloniki schwere südenfeindliche Ausschreitungen ereignet hadern Durch Flugblätter ausgehetzt, die sinnlose, aus der Lrrst gegriffene Beschuldigungen und Beschimpmngen der Juden enthielten, begann der Pöbel, üch im Iudenviertel von Saloniki zusammen.zurotten und tätlich gegen die friedliche jüdische Bevölkerung vorzugohen. Tie Räume des Makkabi - Klubs wurden gestürmt, die dort anwesenden, zum Teil jugendlichen Personen niedergeprügelt und schwer verletzt. Im Verlause der Ans'chreitungon wurde eine Reihe von Häusern in Brand ge st eckt; dieser nahm, da die Menge planmäßige Löschung verhinderte, großen Umfang an. Etwa 5 4 j ü d i s ch o Familie n find, wie uns aus'Stambul gemeldet wird, obdachlos geworden. Tie Negierung hat schon vor Ausbruch der eigentlichen Unruhen gegen die Hetze Stellung genommen, konnte jedoch."da sie nur Worte gegen die Ausrührer anwandte, das Unglück nicht verhüten. Erst als die Katastrophe eingetreten war, entschloß sie sich, tausend Mann Kavallerie der ohnmächtigen Polizei zur Verstärkung beizugeben. Ministerpräsident Venizelos hat in schärfsten Worten die Vorkommnisie gegeißelt, die Griechenland entehrten. Aus diesen Saloniker Vorgängen, die wir aufs tiefste bedauern, sollten auch andere Negierungen die Lehre ziehen, daß Worte allein nicht ausreichen, um drohendeGefahr zu verhüten, sondern daß zu rechter Zeit energische Vorbeugungsmaßnahmen getroffen werden müssen. Wir hoffen, daß die griechische Regierung Wege finden wird, um Leib und Leben ihrer jüdischen Bürger, von deren Treue sie nach ihrer eigenen Erklärung überzeugt ist, zu sichern. S»9 ist k:MM' sagt ein vorurteilsloser Fachmann Gegenüber den rahllosen, von Sachkenntnis nicht getrübten oder aus Vorurteils voller Wissenschaft beruhenden Veröffentlichungen zur Schächtsrage berühr! es wohltuend, auch einmal die Stimme nüchterner Sachlichkeit zu vernehmen. Ter bekannte Leiter des Berliner Schlachthoflaboratoriums, Obertierarzt Tr. Max I u n a ck , veröffentlicht in der „Vossischen Zeitung" einen Beitrag, dem wir folgenden Gedankengang entnehmen. Junack weist zunächst aus das Schächtverbot in Braunschweig hin, das er für unberechtigt und inhuman hält, und erinnert an die Erklärung der bedeutendsten Phrstoloaen der Welt, darunter des Nobelpreisträgers K r o g h. (Kopenhagen), daß die Schichtung „jede berechtigte Forderung der Humanitär erfüllt". Aach dem vorschriftsmäßig ausgeführten Schächtschnüt trete sofortige Bewußtlosigkeit, also Betäubung, ein. Ein propagandistisch aufgesührter Film gegen das Schächten, der bei stehenden und nicht"vorschriftsmäßig gefesselten Tieren Halsschnitte, die nicht durch ausgebildete Schlichteausgeführt lvnrden, zeigt, könne in keiner Bll Alle gegen das Lchächten ins Treffen geführt werden. Uebrigens berichte der englische Chirurg Professor Hill von 200 geretteten selbstmörderischen Halsabschneidern, daß nicht ein einziger von ihnen nach dem Halsschnitt Lchmerz empfunden hätte. Tie als Ersatz Tr d-en sofort betäubenden Schächstschuitt empfohlene elektrische „Betäubung" sei, erklärt Junack, gar keine Betäubung. Tie von ihm in Berlin und .Karlsruhe gesehene Behandlung erwachsener Rinder mit dem Leduc- Strom wäre sehr umständlich und unsicher in ihrer erstrebten Wirkung. Mehrere Schlachthofdirektoren sahen sich genötigt, die elektrische „Betäubung"' wegen ihrer Mängel wieder abzuschassen. Die Tierärzte Professor Tr. M ay e r, Tr. W e n g e r und Tr. Zimmer m a n n hätten an der Münchener Hochschule versucht, die ^Elektro-Narkose" bei Hunden zu operativen Zwecken cinzuführcn. Sie hätten gesunden, daß der» elektrische Schlaf keine eigentliche Narkose, sondern ein Erregungszustand mit NachfolgenderErschlaffung sei. L e d u c selbst war bei Versuchen an seiner eigenen Person nicht bewußtlos oder betäub:, sondern nur in seiner Vewegungssähigke't absolut gehemmt. Cohn und V o r u t t a u wiesen schon 1912 nach, daß es sich beider „Elektro-Narkose" nicht um eine Bewußtlosigkeit handelt, sondern um die 11 nmögli chfeit, Empfindungen z u äußern. Diese „Betäubung" habe auch schwere Gehirn- und andere körperliche Schädigungen zur Folge, die nun einmal rituell nicht zulässig seien. Aus allen erwähnten Gründen gebe es keine elektrische Betäubung, die die sofort nach dem vorschristsmäßigen Schacht schnitt einsetzende Bewußtlosigkeit ersetzen kann. Ter vielleicht ungünstige Eindruck der Vorbereitung zum Schächtjrijmtt an manchen Orten werde restlos durch den W e i n b e r g s ch e n Apparat beseitigt, der in verwandter Form stchon seit vielen Jahren als Operationstisch nach Vinsot erfolgreich in der Tiermedizin gebraucht werde. ..SNA L:r In der nationnlsozialistischen - Zeitung „Roter Adler" Nr. 141 vom 18. Juni d. I. lesen wir folgendes Inserat: Parteimitglied sucht von Freunden 700 Mark. In 3 Monaten 1000 Mark zurück. Gute Sicherheit vorhanden. Gest. Angebote unter 123 an den Verlag Roter Adler. Tas heißt: Verzinsung von etwa 170 v. H. Ein aufschlußreicher Beitrag zur nationalsozialistischen Lehre von der Brechung der Zinsknechtschaft. IoZt tW KlMr kMMN! Ter Vater eines jüdischen Schülers fragte mich vor Jahren einmal, was daran schuld sei. daß sein Sohn nichts im Turnen le.net er sei doch gesund und kräftig. Ich antwortete ihm: „Sie selbst sind schuld und noch inehr ihre Gattin. Sie haben Angst, daß chm etwas znstöß», und außerdem betrachten Sie die körperliche Ausbildung gegenüber der geistigen als weniger wichtig. Tiefe sehr bedauerliche Einstellung beruht auf dem Erbübel der allen jüdischen Hebers ch ä tz u n g des Geistes und der Gering s ch ä tz u n g ^des Körpers. Sw verlangen mir, daß Ihr Lohn in ^den wlstcnschartlichcn Fächern etwas leistet. Turnerische^ Leistungen erscheinen Ihnen nebensächlich. Dafür haben Sie kein Verständnis, vielleicht lächeln Sie sogar darüber. Tas weiß der Junge, noch deshalb gibt er sich auch keine Mühe. Er wcitz, maß über ein nnangeihafK im Turnen kein Wort verloren wird." Ter Vater erkannte meine Erklärung als richtig an und versprach Abhilfe. Ter Junge wurde später einer der besten Turner der Schule. Es muß leider gesagt werden, daß diese gleichgültige oder sogar ablehnende Einstellung des jüdischen Elternhauses zu d-en Leibesübungen auch heute noch weit verbreitet ist. Ich sehe darin einen der Hauptgründe. für die Jnter-c''-closigleit und das Versagen vieler jüdischer Schüler in Sport und Turnem Gute, bisweilen hervorragende Leistungen einzelner können nick: darüber hinwegtäuschen, daß im Durch'chniw die Leistungen jüdischer Schüler in den Leibesübungen noch zu wünschen übrig lauen, wie z. B. die Ergebnisse der Reich sch gendwewkämpw ofien beweisen. Ta jüdistche Schüler aber im Durch'chnitt körperlich cbenw tauglich sind wie christliche, w bleibt nur die Erklärung, daß sie weniger Interesse haben und sich weniger Mühe geben, weil es ihnen an Ehrgeiz aus dickem Gebiete fehlt. Taß jüdische Schüler auch im Turnen Hervorragendes leisten können, wenn sie sich^anstrengen und mit Lust und Liebe be: der Lache sind, beweisen die Leistungen, die schon vor dem Kriege, besonders in kleineren Städten, in jüdischen Schülerturnvereinen erzielt worden sind. Schon damals harten diese Schüler die außerordentlich? Bcdcutnng turnerischer Erfolge für ihre Stellung innerhalb der Schule erkannt. Seitdem bckaßt sich eine Reihe jüdischer Jugendorganisationen auch mit der körperlichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder. Und doch geschieht noch immer zu wcnig^ Vielfach wird nur gewandert oder leichter Lport getrieben. Versuche zu svstematischen. mit Anstregung (und Unbegnemlichkckten) verbundenen Leibesübungen, oft mit großem Eifer begonnen, scheitern aus die Tauer im'olge Nachlassens des Interesses und infolge geringer Unterstützung seitens d-cr Eltern, besonders allzu ängstlicher M ü t t e r. lieber die Notwendigkeit der Leibesübungen und die Richtigkeit des Wortes vom „gesunden Geest im gesunden Körper" braucht hier nichts weiter gesagt zu werden. In der heutigen Zeit aber ergibt sich für den jüdischen Schüler mehr denn je die Notwendigkeit, es ihren christlichen Mitschülern ^in den Leibesübungen alckchtzunm und im Klanenturnen denselben Eifer zu zeigen. Tie maßlo'e Agitation der Nationalsozialisten hat den Antisemitismus auch in die Schule hineingetragen und die Schüler angesteckt. Zur Hakenkrcuzgesinnung' gehören auch alle Vorurteile und Lügen über mangelnde körperliche Eignung der Juden, ihren Mangel an Mut, Sollen vor körperlicher Anstrengung u. a. Tie Riesenwelle eines jüdischen Schülers wird gewiß den Antisemitismus in der Schule nicht beseitigen. Bei der großen Bedeutung aber, die heute in der Lcksentlichkeit, besonders bei der Jugend, den Leibesübungen beigelegt wird, werden ca:sgezeichnete turnerische Leistungen jüdischer L-chüler ihren Eindruck aus die Mitschüler nicht verfehlen und ihre Vorurteile Lügen strafen.

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