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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 359

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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PlsnmKtzWM dsr TlusschTsMrzgörr — DerSLaat mM drstZWenb ft'cheeu —Srlc/z dssÄ Imen des Ce:ttr rrttusrlluwLestü SkudeKrenausf^rache-a lverslAS — "' <■> O ’ ■;', «««« » -»V* ‘>^ » -> ' V kei. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß zwischen den Vorgängen der Hochschulen in Wien, Berlin, Köln, Greifswald, Halle, Hamburg, Breslau, Kiel, Königsberg und München Zusammenhänge bestehen. Tie Ausschreitungen in Köln scheinen systematisch von dem Reichsstudentenführer der, Nationalsozialisten, Baldur von Schirach, angezettelt zu sein, und auch sonst dürste ein geminsamer Plan zwischen den nationalsozialistischen Bünden, aus die die Unruhen zurückgehen, bestehen. Selbst wenn das bewußte und gewollte Zusammenwirken sich nicht in allen Fällen erweisen ließe, es besteht die I d er n g em e i n s ch a s t der Gewalt und des revolutionären Kampfgeistes, der sich allerdings bisher nur m brutalen Angriffen auf Wehrlose bewährt hat. In Wien. Berlin und K ö l n hatten die Uebergrisse stark jndcnseindlichen Charakter; das wird jetzt auch nicht mehr von den Behörden bestritten. Tie mit Recht empörte deutsche Judenheit fordert Abhilfe. Es sind in den letzten Tagen Proteste, „flammende Proteste" und Beschwörungen erfolgt; sie nutzen wenig. Der CenLralverein hat sich an ihnen auch nur da beteiligt, wo diese Erklärungen der Unterrichtung der Tessentlichkeit über das gewalttätige und feige Trvibcn von Akademikern galten, die durch Falschmeldungen Sympathien zu erwecken mchten. Notwendig sind Massnahmen, die Schutz gegen Wiederholung derartiger Ausschreitungen gewährleisten, und solche Maßnahmen hat der C. V. insbesondere in Berlin und Köln umfassend zu treffen versucht. Wir haben mit allen in Frage kommenden Behörden Fühlung genommen. Alle Zuständigen Stellen, insbesondere die Rektoren der Universitäten Berlin und Köln, haben die Schritte zugesagt, die notwendig sind, um der Wiederholung solcher Brutalitäten für die Zukunft vorzubeugen. (Dieser Satz wird dein „Völkischen Beobachter" Grundlage für einen Artikel mit der Schlagzeile geben, „Universitätsrektoren als Judenknechte".) Polizei und Disziplinarverfahren allein aber werden nicht ausreichen, um die Gesinnung der deutschen H o ch s ch u l j n g e n d zu ändern. Sie werden hoffentlich jene zügellosen Elemente im Zaum halten, die sich in die deutschen Hochschulen verirren, obwohl sie vorn Geist der Universitas und der Humanitas keinen Hauch verspürt haben. Es sind diejenigen Nationalsozialisten, die sich den Schutz eiuer Uebermacht sichern, um dann über einen wehrlosen Studenten herzufallen. Als einer unserer jungen Freunde kürzlich den Versuch eiuer geistigen Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten im Nahmen eines politischen Seminars an der Berliner Universität wagte, erfuhr er statt einer sachlichen Antwort diese: „Sie finb ein ganz unverschämter Jickw, Sie würdige ich keiner Antwort." Eine ^char von Gesinnungsgenossen stand bereit, um bei dem Versuche einer Erwiderung über den jüdisichen Kommilitonen herzufatleu. Tiefen Studenten, die sich Revolutionäre nennen, eignet auch nicht das für jeden echten Revolutionär selbstverständliche Bekenntnis zu seiner Tat. Fast alle an den Uebersällen beteiligten National-' sozialisten haben sich durch die Flucht der Verantwortung zu entziehen versucht. Sie, die sich so selbstverständlich mit der Glorie des revolutionären Märtyrers schmücken, charakterisieren sich durch einen Artikel ihres Führers Ammer lohn, der im „Angriff" vom 6. Juli d. I. gegen die „deutschsprachige, dreckige Hebräerpresie" zu Felde zieh:. „. . . . Das alte Deutschland war in dieser Frage typisch liberal und humanitätsduselig. Im jungen Teutschland sieht es vollkommen anders aus. Kürzlich wurde ein Primaner einer größeren Stadt gewagt, ob an seiner Schule viel über die Judenfrage diskutiert würde. Er antwortete: .Diskutiert wird bei uns überhaupt nicht. Bei uns gibt z^ mir ein Prinzip! Und auf allen anderen Schalen uwerer Stadt desgleichen: Wir) ein Jude frech, kriegt er eins? ,Seh'n Sie', fügte er hinzu, .das ist bei uns im kleinen heute so. Ta die Zeit nun aber sortschreitet, muß es auch wohl einmal im großen so kommen!' Wir stellen das nur fest. Wir und hier nur Ehronisten. Interessierte Zeitbcobachter. Wir selbst ' sind durchaus friedlich, harmlose Passanten der deutschen Geschichte. Wir sind ja auch ganz ruhig. Ganz still! Stille wäre nicht, wenn es auch nicht den Sturm gäbe. Sie wechseln einander ab. Heute ist es still!" Warum diese verschämte Austordernng zum Pogrom? Warum sagt die'er Führer des jungen Teutschland nicht offen, dahier Blut sehen will, wie es seine Kampsgenosten mit ihrem würdigen „Iudenblut-Lied" gefordert haben? ' Tiefe Art von Ruhestörern hat keine Achtung für einen Staat, der sich ungestraft beschimpfen läßt. Sie verlachen die Milde und haben kein Gefühl für die Liefe Güte eines Rektors, der sich als ' Vater der Studenten fühlt und der für die Verständigung wirkt. Ihnen wird der Staat zeigen müssen, daß er seine Verächter nicht gros;- zuzichen wünscht; ihnen wird er durch Verweisung von sämtlichen Hochschulen klarmachen müssen, das; er Jugenderziehcr, Richter, Geistliche, AerzLe nicht dulden kann, die sich zum Prinzip der feigen Brutalität bekennen. Aber es gibt auch unter inneren jungen Gegnern an den Universitäten Hunderte, die verführt oder aus einem dumpfen Verzweistungsgefühl sich gläubig um das nationalsozialistische Banner scharen. Wir dürfen nicht verkennen, daß eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit Zehntaufende junger 'Akademiker niederdrückt. Kenner schätzen die Zahl der ausgebildeten Akademiker, die in etwa zwei Jahren ins Berufsleben treten werden, auf 40 000. Man weiß, daß für einen großen Teil dieser jungen Menschen keine Möglichkeit der beruflichen Betätigung vorhanden sein wir), wenn sich unsere wirtschaftlichen Verhältnisse nicht grundlegend ändern. In Italien, in Indien, in China stellte die Schicht junger prollsiarifierter Akademiker einen erheblichen Prozentsatz der führenden Revolutionäre. In Deutschland führt die wirtschaftliche Situation Tausende von junge:: Studenten in das Lager des pseudorevolutionären Nationalsozialismus. Von dort soll die Erlösung kommen; dort allein sei eine Idee vorhanden, an die man glauben könne, eine Idee, deren Verwirk.ichnng gleichzeitig die Möglichkeit praktischer beruflicher Betätigung gewährleisten soll. Aller Haß wendet sich den Kräften zu, die heute dieser Idee feindlich gegeuübersiehen. Mau sucht nach einem Symbol für die Widerstandskräfte gegen den Nationalsozialismus, und man findet es leicht und primitiv im jüdisichen Kommilitonen, der angeblich so sorgenfrei als Nutznießer des gegenwärtigen Systems dahinlebt. Diese verzweifelten Menschen können noch für den Staat gewonnen werden. Aber es ist nur selten zu ihnen so gebrochen worden, daß sie sich verstanden fühlten. Cs gibt unter den ’ Männern, die als Reprüwntauten des Staates gelten, starke Persönlichkeiten, deren Wort auch bei diestn verirrten jungen Gegnern „des Systems" Geltung hat." Tiest Männer mimen hmte aus ihrer Reserve heraustreten: sie mimen zu einer Jugend sprechen, die die Idee des Staates und die Gedanken uustrer Verfassung nicht kennt oder sie sür überlebt hält, obwohl sie zum Teil noch gar nicht erfüllt und einer begeisterungssähigen Jugend Hoffnung und Ziel sein könnten. Wir halten" uns für verpflichtet, mit der Schicht unserer ernsten jungen akademischen Gegner, die wir nicht sür verrrbt halten 'und von der wir glanben, daß sie mit den Broblem.en der Inden frage ringt, eine Aussprache zu versuchen. Wir wolle-, dieser Jugend'offen gegenübertreten und im Geist akademischer Objektivität uns über das Judenproblem auseinandersetzen. Wir freuen uns, sür dielen Plan das Verständnis der akademischen Behörden gefunden zu haben. Man mag das Unternehmen sür zwecklos halten. Wir zweifeln trotz der trüben Erfahrungen in den letzten Tagen noch immer nicht au dem guten Kern mißleiteter deutscher Jugend, und wir glauben, daß auch der Staat und seine Vertreter trotz aller^ niederdrückenden Erfahrungen der akademnchen Jugend zeigen müsien, daß seine Idee und ihre Vertreter den Geist der Universitas ernster, bester und dem deutschen Gedanken gemäßer bewahren als die'Pogrom- Hetzer vom schlage eines A m m e r l a h n. Der Rektor der Berliner Universität hat folgenden Aufruf an die Studentenschaft veröffentlicht: „Tie, Vorfälle des 27 und 29. Juni mit ihren feigen Uebersällen auf wehrlose Kommilitonen, verbunden mit tätlicher Vergewaltigung meiner Beamten, neben Sachbeschädi- 'gnngen und schwerster Störung der arbeitswilligen Studenten, zwingen Rektor und Senat dazu, etwaigen Wiederbokunaen solcher Ausschreitungen mit dem Einmh aller staatllichen Machtmittel unnachsichtlich entgegenzutreten. Unsere Alma mater ist eine Stätte geistiger Höchstleistung und darf nicht zu einem Tummelplatz politischer Leidenschaften erniedrigt werden. Ich weiß mich mit der erdrückenden Mehrheit der Berliner Studenten in dieser akademischen Gesinnung einig. Daher richte ich au Sie alle den vertrauen-vollen Appell, mitzuhelfen, daß der letzte und vielen für den Abschluß ihrer Studien h entscheidende Monat des Sommersemesters nunmehr völlig ungestört den hohen Ausizabeu gewidmet werden kann, deren Erfüllung Volk und Vaterland in harter Zeit von uns erwarten. Wegen der tätlichen Angriffe und Sachbeschädigungen haben Rektor und Senat strenge IIn:er|udjiiugen eingeleitet. * Studentischer AussprachcQl'crrd in München Za Mittwoch. 2-1. Juni, bucke der Klub de :n o - l r a t i [ d) fl c ] i n n: c r Studenten an bei llmreifttiit M ü n ch c n einer. Ausst rache abend mit Gegnern über das Thema „Antisemitismus" einte rufen. Tie ron jüdischen wie von nictstjüdifchen Mudmcken erfreulich gut besuchte Veranstaltung ging in der Weise vor sich, daß in kurzen Referaten^,zu je 10 Minuten Vertreter verschiedener panischer Richtungen zu Wort kamen, Nach dem ^uudikuS unseres Landes-

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