Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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35$ Dieser und feine kleineren Halbgötter sind nicht die würdigen Epigonen der Nurantistnnten Pückter, Ahlwardt, sie gebrauchen für ihre verworrenen Pläne den Antisemitismus, um gegen den Sraat, den sie hassen, anzugehen. Ter gebildete und Arbeirerroähler der ^Nazis wendet sich mit Schrecken von den Gemeinheiten cines „Stürmer^ und'von den Fenster scheibe nzertrümmerern ab. Daß das antisemitische Gift, welches, von den Na z i t> e in a g v g e n ausgegossen, das deutsche^ Volk uberschwemmt, nicht zu Lief in das Herz des Volkes frißt, ist das Verdienst des Centralvereins. Seine Arbeit hat sich mit den Jahren geändert. Nicht in schönen Versammlungen vor Gleichgesinnten, mit dem immer wiederkehrenden Bekenntnis für Deutschtum und Judentum schlägt man den Gegner. Geld für die Ilnter- Haltung unserer Mitglieder zu verpulvern, ist sinnlos. Intensiviert, im wahrsten Sinne des Wortes, ist die Arbeit. Und die Erfolge dieser wigenschaftlichen Spezialtätigkeit sind nicht als Heldentaten vor dem großen Kreis der Mitglieder ocmlos zu demonstrieren. Abwehr vollzieht sich im stillen. Diese Arbeit schuht sechsmalhunderttausend deutsche Juden, von denen nur ein Bruchteil uns unterstützt. Taß deutsche Juden, welche, geblendet durch zionistische Weltarbeit, das Heil von nationaliüdischen Gedanken erwarten, beiseite stehen, ist noch nicht einmal so schlimm. Aber warum steckt in dem erklecklichen Rest der deutschen Juden, die auf unseren: Beden stehen, nicht so viel Hingabe, daß sie uns, die wir ihr Leben, ihre Verusstätigkeib schützen, geldlich und arbeitlich unterstützen? Daran tragen wir selbst Schuld, besonders in den Großstädten. Hand auss Herz, Groß- Berliner, wäre es nicht eine ^Kleinigkeit, uns im nächsten Monat ans dem engeren Bekanntenkreis je einen Gesinnungsfreund als Mitglied zuzuführen?! Kommt nicht mit der Ausrede der schweren Wirtschaftslage. Ter erwerbslose Nazi gibt seinen Obolus. Natürlich muffen Opfer gebracht werden. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Nicht nur Eeldopfer. Tie Mitarbeit in der Organisation erfordert Kräfte. Die Führer sind überlastet. Zur Ausführung ihrer Anordnungen gehört ein Stab. Generale und Stabsoffiziere haben wir. Gemeine könnten mehr fein. Tie Unteroffiziere fehlen! Ist die deutsch-jüdische Jugend aus richtigem Wege? Tie jüdisch Interessierten, zu fern von der christlichen Umwelt, jagen Problemstellungen mit öfters schiefem Weltbild nach. Tie sogenannte indifferente Jugend stellt sich nicht zur Verfügung, weil ihnen unser Hauptgedanke, den sie durchaus billigen, nicht mit Begeisterung vorgetragen wird. An sie heran, meine Freunde! Jeder Helfer i st e r w ü n s ch t. M e h r O p t i m i § m u %!! Tie Welt geht nicht unter. Auf Regen folgt Sonnenschein. Tie Wirtschaft'bewegt sich in Wellenbewegungen. Tas diesmalige Tal ist eng und tief. Aber Silber-- streifen kommen. Ter Zufall führt mir die Jeder zur "Hand am Tage der Verkündung der Hooverschen Pläne. Mehr Hingabe! Mehr Opfer! Ter deutsche Jude kann sich nur erhalten, wenn in starker Organisation täglich und stündlich dom nationalsozialistischen Agitator auf die Finger geklopft, dem deutschnationalen Judenfeind seine falschen Anschauungen über das Judentum widerlegt, der leichtgläubigen Mape der Schwindel der plumpen antisemitischen Lügen nachgewiesen werden. Nicht verzweifeln, neue Mitglieder heran» bringen, neues Mitarbeiterbtut heranschassen, keine Geldop ser schien! Ties meine Ermunterung. welche ich dem deutschen Judentum bei der Vollendung meines fünfzigsten Lebensjahres gebe. Kommt nicht zu mir mit den abgedroschenen Lobeshymrien über die erfolgreichen sechs C. V.-Arbeitsjahre. Mein 50. Geburtstag ist meine Privatangelegenheit. Vervielfacht die Arbeit des C. V. Davon hat die West mehr. Erst wenn der Antisemitismus aus Deutschland schwindet, ist es eine Großmacht! Wir gratulieren Bruno Glaserfeld zum 50. Geburtslage Anr 10. Juli feiert Bruno G l a s c r s e l d, der Vorsitzende brs Landesverbandes Groß- Berlin des E. V., seinen SO. Geburtstag. Es ist mir als feinem Vertreter ein Bedürfnis und eine besondere Freude, ihm im Namen des Landesverbandes recht herzlich Glück zu wünschen. Wie es üblich geworden ist, entzieht er sich auch der bescheidensten Feier durch eilige Flucht in die Ferien. Er wird am schönen Timmendorfer Strand fern von allen Gratulanten mit seiner Familie im Sand liegen und die Neichsfarben bewachen. Vielleicht wird er auch mit seiner Familie die Umgegend durchstreifen, er wird irr das schöne Lübeck zeigen, das Holstentor und das alte Rathaus. Vielleicht wird er aber auch nichts von alledem tun, sondern sich nur sonnen und ausruhen und neue Kräften schöpfen, damit er neugestärkt in seinen heimischen Wirkungskreis zurückkchren kann. Wer, wie ich, seit nunmehr bald sechs Jahren sein Wirken in innerem E. B. aus der nächsten Rühe hat beobachten können, der weiß, was von diesem unstrem jüngsten Fünfzigjährigen verlangt wird. <aeit der Landesverband Groß-Berlin gegründet ist, stcht er ihm mit Umsicht und zum Glück nicht immer nur mit Würde vor. Er hat eine beneidenswert glückliche Hand, wenn cs gilt. Stürme — natürlich nur im Wasserglas — zu beschwichtigen: wenn der Nedesluß eingebämmt werden muß. hat er immer einen guten Freund zur Seite, der Beschränkung der Redezeit oder gar Schluß der Aussprache beantraach Aber trotz alledem kommen alle auf ihre Kosten, und es hat sich noch niemand gesunden, der ihm auch nur eine ganz kleine Tyrannis nachzusaaen vermag. Wir alle lasten uns gern von ihm leiten und wissen, daß wir ihm mit Grund unser Vertrauen schenken können. Obwohl er seit vielen Jahren auch parteipolitisch tätig und als Angehöriger der Staatspartei Mitglied der Schöneberger Lezirksversannnlung ist, muß auch sein politischer Gegner bekennen, daß er im Centralverein eine vollendete Unparteilichkeit bewahrt, die nichts davon ahnen läßt, daß er auch eine scharfe parteipolitische Klinge zu stchlagen versteht. Er hat die gerade bei uns so schätzenswerte Gabe, ohne je seine politische Ueberzeuanng verleugnen zu muffen, politisch im besten Sinne dcs Wortes zu sein, ohne den Andersdenkenden zu kränken. Er vertritt nunmehr im sechsten Jahre die Groß-Berliner Interessen — es gibt wirklich so etwas! — mit, wie wir meinen. Einsicht und Tatkraft im Hauptv-rrstand und im Arbeitsausschuß. Er ist der von uns gewählte Führer, dem wir unbegrenztes Vertrauen entgegenbringen. Wir wünschen dem zum Glück so rüstigen Manne ungezählte Jahre ungebeugter Arbeitskraft. Tie schwere Zeit der wirtschaftlichen und politischen Not verlangt Führcrpersöntichkeitcn, die, über den Tagcskampr hinausragend, die widerstreitenden Interessen der einzelnen und der .chmlercssen.gruppcm" cuszugleichen iu der Lage sind. Bruno Glastrfetd hat durch seine vorbildliche Geschäftsführung gezeigt, daß er dies vermag. Wir danken ihm heut für das, was er für uns geleistet hat. Wir wünschen ihm und uns, daß er noch lange Jahre, vom Vertrauen seiner Mitbürger getragen, weiter Dienst am Volke und am deutschen Judentum zu leisten imstande sei! Landgerichtsrat Dr. Joachim Sellgsobn. Ernestine Eschelbacher Wenige Tage vor Vollendung des 73. Lebensjahres starb Ernestine Eschelbacher, die Witwe des verewigten Rabbiners Dr. Josef Eschelbacher und Mutter unseres hochverehrten Freundes und Mitarbeiters, des Rabbiners Dr. Max Eschelbacher (Düsseldorf). Ernestine Eschelbacher war eine Frau von hervorragender Mütterlichkeit, Güte, Klugheit und von gewinnender Persönlichkeit. Sie war in Wertheim a. Main geboren, verlebte *26 Jahre ihres Lebens in Bruchsal und siedelte mit ihrem Gatten 1900 nach Berlin über. Neben der unermüdlichen liebenden Fürsorge in ihrem eigenen Familienkreis schuf sie sich überall einen grossen, segensreichen Wirkungskreis. In jeder sozialen Not war sie hilfreich, im grossen wie im kleinen, und es ist daher kein Wunder, dass nicht nur die jüdischen Frauenorganisationen, sondern auch zahlreiche andere Vereinigungen sie um ihre Mitarbeit ersuchten. Ernestine Eschelbacher war bis zum vorigen Jahre Vorsitzende des Sch Western verband es der Logen U. 0. B. B. und gehörte mehr als 20 Jahre dem Vorstande des Jüdischen Frauenbundes an. Auch in der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Berlin wirkte sie mit. Dein Centralverein hielt Ernestine Eschelbacher die Treue. Mit aufrichtiger Freude verfolgte sie das Aufblühen der Frauenarbeit im C. V., und immer wieder hat sie uns mit ihrem Rat und ihrer weisen Voraussicht zur Seite gestanden. Gerechte Arbeit findet ihr^n Lohn, das hat mich das Leben gelehrt“, waren ihre Worte, die Mut zusprachen, wenn bange Sorge uns drückte. Ernestine Escbelbachers Tod reisst eine Lücke, die sich nie wieder schliesst. Aber unvergessen lebt ihr Andenken weiter in den Herzen aller, die den Kampf für Deutschtum und Judentum im Glauben an den endlichen Sieg führen. Jacques Stern Am 15. Juli jährt sich der Tag, an dem unser lieber Freund, Kammergerichtsrat Dr. Jacques Stern, Berlin, heimgegangen ist. Wir haben in jeder Woche der C. V.- Arbeit die Lücke schmerzlich gespürt, die sein Tod in unsere Reihen gerissen hat. Er war jede Stunde bereit, seine Persönlichkeit im Dienste des C. V. einzusetzen. Sein Ende ist symbolisch für seine Verbundenheit mit uns: Er hatte sich erhoben, um sich in eine wichtige Konferenz des C. V. zu begeben, als ihn die Ohnmacht befiel, aus der er nicht mehr erwachen sollte. Wir gedenken in wehmütiger Trauer des vortrefflichen Mannes, dessen Gedanken in seinen Werken fortleben und dessen Persönlichkeit allen Mitkämpfern ein anspornendos Beispiel bleiben wird. Rei.