Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- Seite 357 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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14. 7.1931 C Serlkn, 10. Juli 1031 X. Jahrgang ♦ Nr. 28 Einzelnummer LOPfennlg O X \U£~J/!<LK§L'M \ 7 X» 4\ V <> VIMM Mr> rrssÄDMM «nK Ws Biertelrahrsabonnemcnt L.5V NM. (zuzi-gl. Destcllgdd Verlag und Cchriftleitung: Brrlin V.'IZ, Emser Str. 42. Ferns; Lerlin-Dilmersdorf 1, Ho'.n Alleinige Anzsigsnanu-ahrre: Annonren-Lx^ediLion Rudolf Mo>; Rormalzeilenmeijer Nr. 4, Fainilien^nz-ngen und Stellengesuche -XNtzemeins Zeifung desDudenfums recher: J 2 DI:ra 5074. Postscheckkonto: Berlin. 204 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Deposttenkaffe 8 2, Zur Annahme des hoover-plans 31. E. Nach heißem Gingen zwischen Amerika und Frankreich ist der Hoover-Plan Wirklichkeit geworden: Deutschland hat ein Jahr Schnldenfreiheit. Nur wer im politischen Kampfe steht und die schwierige Lage der deutschen Regierung und der deutschen Wirtschaft aus nächster Nähe beobachtete, kann die wahre Bedeutung dieses Ereignisies ermessen. Arbeitslosigkeit und in ihrem Gefolge Hunger und Unruhen, zugleich Ursache und Austrieb für den Radikalismus von rechts und links, drohten Deutschland zu vernichten. Wir sind über den Abgrund hinübergeleitet. aber wir sind noch nicht über den Berg. Ein Jahr Schuldenfreiheib ist Aufschub, aber noch nicht Aufstieg. Damit aus dem Aufschub Ausstieg werde, müssen alle Kräfte friedlich Zusammenarbeiten, denen Deutschlands Wohl am Herzen liegt. Wir hoffen, daß der Aufschub der Schuldenzahlungen die deutsche Wirtschaft wieder ankuroeln, die Zahl der Erwerbslosen verringern und damit auch dem Radikalismus den Nährboden von rechts und links entziehen wird. Tie Kampse, die sich tagtäglich auf den Straßen zwischen den Radikalen von rechts und links abspielen, die Hetzreden, die besonders in nationalsozialistischen Versammlungen gegen Hoover-Plan und Regierung vom Stapel gelösten werden, die aufrührerische Sprache der nationalsozialistischen Presse, die immer wieder zu Zeitungsoerboten führt, sie sind nicht die richtige Grundlage für Deutschlands Aufstieg. Und wenn in diesen Tagen im Zusammenhang mit der Hoover-Botschast immer mächtiger der Ruf nach Frieden und Abrüstung erklingt, f o m ü s s e n wir zum inneren Frieden, zur Abrüstung des Radikalismus und des Hasses aufrufen. Nicht gegen einander, sondern m i t einander — das muß die Devise für Politik, Wirtschaft, soziales und gesellschaftliches Leben in diesem Jahr der Schuldenfreiheit sein, damit der Erholungszeit dauernde Genesung folge. Mehr Optimismus! Mehr Hingabe! Mehr Opfer! Don Or. Bruno Glaserfes-, Vorsitzendem des Landesverbandes Groß-Berlin. Die Weltwirtschaftslage ist ungünstig. Die deutsche Wirtschrn fristet ein kümmerliches Dasein.' Der Einzelmensch muß sich viele Entbehrungen auserlegen. Ter ^taat erläßt drückend-e Bestimmungen. Der deutsche Jude leidet wie alle andern Teuncheu unter diesen Sorgen — er muß außerdem noch täglich Beleidigungen und Anwürse^ einer fanafifierten Mape über sich ergeben lasten! Entschuldige, Leser, daß ich nicht den beliebten Superlativ anwende. Der Positiv kitzelt die Nerven nicht, entspricht aber ebenso der Wahrheit. Frühere Geschlechter haben gleiche Zeiten erlebt. Beneidet ihr die Bor-'ahren, welche Zeugen des Dreißigjährigen Krieges waren? War die politi'che Lage des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts zur Zeit der großen deutschen Dichterfürsten ein reiner Genuß? Habt ihr noel) nichts von Judenverw.'gungen in den letzten Jahrhunderten gehört? Rabbi Ben Akiba: Es ist alles schon einmal dagewesen. Unsere Vorfahren haben nie den Kopf verloren. Treu ihrem Claub-en, in Hingebung an ihr Vaterland, standen sie fest zusaaumen im Kampf gegen den gemeinsamen Feind. Der Kampf hat sich aeändert. Judenhaß vor der Emanzipation und Antisemitismus des zwanzigsten Jahrhunderts sind nicht ganz ideupsch. Tie Wurzeln, denen sie entspringen, sind die gleichen. Sie rnüfsen ausge rottet werden. Jsi das aufgeklärte, kluge, tüchtige deutsche Volk etnoas anderes als Engländer, Amerikaner, Franzmem Italiener? Diese sich aus allen möglichen Rurneu «zusammensetzenden Völker haben den Judenhaß besiegt. Das sollle inr Volk der Dichter und Denker eine Unmöglichkeit sein?.' ..Ach. leeres Gerede, achtunddreißig Jahre arbeitet ihr in eurem E. V. au der Judenhaßb-elämpsirng. Erfolg: arn 14. Seprember 19-R) ziehen cinhundeAundsieben Nazis in den Reichstag; am 17. Mai 1941 fehlen den Nazis in Oldenburg nur wenige Sitze au der absoluten Mehrheit!" Mit Verlaub. der Deutsche mit dem nationalsozialistischen Stimmzettel isi n i ch t als Vollblutantifj-n-.it zu werten. Aus Verzweiflung über sein.- trostlose wirtschaftliche Lage schlägt er sich zum alles versprechenden Hitler. 'LmfSMSM-Mse MS N§M§ Oer Dank öes Centcalvrrems Die Einweihung des Strestmann-Ehrenmals in Mainz, über die die Politische Presse' aller Richtungen und aller Länder ausführlich berichtete, ruft auch bei uns, gerade in den Wirren der letzten Wochen, das Gedenken an den großen Staatsmann wach. Die Vorgänge an den Universitäten in Berlin, München und Wien erinnern uns an den mannhaften Kamps, den Gustav Strcwmann zu seinen Lebzeiten gegen -den Howschutantistlnitismus führte, obw'vht er selbst einer Studentenverbindung angehörte, die - nach dein Kriege Juden aus ihren Reihen ausschtoß. In diesen Blattern konnten wir damals berichten, wie Stresemaiin den Allgemeinen Deutschen Studentenbund „ausdrücklich warnt.', seine alten Jdcale der Toleranz und Gleichberechtigung au-zngebench aus sein.? Eimrirkung war die Erklärung des A. D. B. zurück- Zufuhren, daß „der Bund für sich jede antisemitische Betätigung verwirft und seine Hauptaufgabe darin sieht, mitzuarbeiten an allen E i u i g n n gs be st re bu n gen der S tuden teufcha f t, über alle politischen, religiösen und Abstammung s n n t e r s ch i ed e hinweg.* Es war für den Centralverein eine selbstverständliche Ehren- und Tankespslicht gegen diesen großen Staatsmann, der ebenso für die innere Befriedung in D-entschtand wirkte, wie er für den Frieden zwischen den Staaten arbeitete, sich an der Ausbringung der Mittel für sein Ehrenmal zu beteiligen. Der Central- Verein hat gleich vielen anderen Einzelpersoulichleiten und Organisationen eine Marmor- Platte für die Wand der inneren Halle des Ehrenmals g e ft i f t c t und war bei den Einweihungsfeierlichkeiten in Mainz am 5. Juli dieses Jahres vertreten. LESEN SIE:!iii!::jim:!i!!iini!iiiS!it!!i!;ii!ii!i:i:uai;:itii;:!;:i:. uiivuu!-a-iilinn'.anür-üimilimiüüüuriru'du'cs'.rümuie Siudentenrebelhon. Seite 3d9 Studienrat Dr. Hugo Theodor (Beutben): Eltern, lasst eure Kinder turnen! Seite 3S0 Dr. Kurt Eckstein (Oberhausen): Alfred Rosenbergs »Mythus des 20. Jahrhunderts“. Seite 361 — Dr. Alfred Goldschrni dt: Ein Preisausschreiben der Moritz-Manheirner-Stiftung. Seite 363.