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Central-Verein-Zeitung · 1931-07-03 · 27 (3.7.1931) · p. Seite 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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Kultbau der Vergangenheit Vom Einfluss der deutschen Umwelt und Kunst auf den Synagogenbau Von Prof. Dr.-Ing. Alfred Grotte (Breslau) Ms nach^Z-erstörung des Tempels die Synagogen die etaite der Cottesverchrnng ablösen rnußren, bame man solche an allen Orten des Orients. Was daran in Trümmern (iwalilüa und 311m Teil Palästina) oder nach dein jüdischen ^christwun (Lllcrandria) in Beschreibungen erhalten ist, zeigt den für jüdische Kul'zwecke adoptierten Typus der römischen Basilika, der ja auch ebenfalls in abgeand-erter Form, den ersten christlichen Kulibanuen als Vorbild diente. Nur ausnahmsweise diente der Tempel stlLst als Vorbild; am vollendetsten wohl bei der im 12. Jahrhund-ert errichteten Synagoge in Eaifong-su (China), die von Murr beschrieben wurde. Aber um die gleiche Zeit (1054) entsteht die erste Synagoge auf deutschem Boden (23) 0 r 1:1 sch Und da ist es bezeichnend, daß man einen neuen Typus schasst, der sich von dem Schema des Tempels völlig loslöst. Es ist klar.^daß in erster Linie die beengten Raumverhältmpe der mittelalterlichen deutschen Städte jedes Anlehnen an den im jüdischen Schrifttum ausführlich beschriebenen Tempelgrundriß ausichließen mußten. Anderseits war um jene Zeit die Fühlungnahme mit der chr ist lich-de urschen Umwelt noch nicht durch Ghetto schranken dermaßen eingeengt wie schon wenige Jahrhunderte später. Die im Zeitalter der romani'chen Bauweise entstandenen herrlichen Tome und Klosterkirchen mögen der deutschen Judenheir des tiefen Mittelalters als begehrenswerte Vorbilder für eigene Gotteshäuser erschienen sein. So erblicken wir d-enn in der altehrwürdigen Synagoge von Worms den ersten Typus eines jüdischen Bethauses, das, von einem unbekannt gebliebenen christlich-deutschen Meister geplant und errichtet, das Vorbild für eine Reihe von Synagogen der späteren Jahrhunderte werden sollte, als Markstein in der Ceschichte des jüdischen Sakralbaues und der jüdischen Kunst im Einslulle deutschen Bauempfinden-. Der Bau der Altneu-Synagoge in Prag stellt die nicht minder bedeutsame zweite Etappe aus diesem Gebiete dar. Hier wie in Worms das System der zweischissigen" Halle mit besch-eidener Apside für den heiligen Schrein und Betonung der Mitte durch den Mmemor. Die 1519 zerstörte Synagoge in Negensburg stellt den Höhepunkt dieser im Sinne deutscher Kirchenbaukunst stehenden Epoche jüdi'cher Sakralkunst dar. Der von mir bekämpften Nestauration des Grundrisse-, wie sie K r a u t h e i m e r vornahm, schließen sich die sehr^dankenswerten Forschungen des Regensburger ^ladtbaurats Schmetzer an. Der eigenartige, künstlerisch hochwertige Ausbau Holzsynagoge in Bechhofen (Bayern), erbaut um 1500, noch in Benutzung Ans dem 5. Bond des , Jüdischen Lexikons". Ersdiiencn im Jüdischen Verleg, Berlin XV50. Nochdruck verboten. reizte Mbrecht Altdorfer, den deutschen Meiner der Radierkunst, diesen im Bist-e feftzuhollten und auf diese Weise der Nachwelt zu überliefern. Tie Prager Synagoge, entstanden in der Stad d-er klassi'chen gotischen Epoche, galt für den Osten Deutschlands als vorbildlicher Typus Synagoge Bamberg in zeitlosem Stil, völlig dem jüdischen Kult ongepasst für das jüdische Gotteshaus. Prager Emigranten kopieren ihn, reichlich vergröbert, aus dm Kazmierz in Krakau, und vor wenigen Jahren gelang es mir selbst, diesen alten Typus aus der Saloatorkirche zu Oels (Schlesien) herauszuschalen. Hier hatte Ehajjim Schwarz, ein Buchdrucker aus Prag, im Jahre 1532 eine Synagog-e für die durch ihn begründete Juden- Synagoge Mönchen Typisches Beispiel des Eklektizismus (Komanische Bauweise) gemeinde errichtet, ein Bauwerk, das in auffallender Weise, im Grundriß auch nach der Abmessung hin, das Prager Vorbild streng kopiert. Aber schon drei Jahre später erfolgte die Vertreibung der Juden, deren verfallende Synagoge 1095 zur Kirche geweiht wurde. (Mimsterial- Zcitschrist „Denkmalpflege und Heimatschutz* 1929.) Besonders beachtenswert ist. daß die deutschen Künstler, die an diesen mittelalterlichen Bauarten tätig gewesen waren, ostenbar einem Wunsche ihrer Auftraggeber folgend, auch jüdische Motive verwendeten. So erblickte ich in tai Motiven der Nippenanfänger an den Gewölbestützen in Prag (Krautheimer, Abb. 79) die über Eck gestellten mosaischen Gesttzestaseln. Besonders beliebt ist das Weinstockmotiv, das ich auch als einzige Spur der ehemaligen Synagoge in S t r i e - gau in der dortigen^Barbarakirche Nachweisen konnte. (Literatur wie vor.) Neben diesem zweich'.ssigen Bausystem finden wir im Mittelalter auch die^ einschiffige Halle, fortschreitend mit dem Berlayen des basilikalen Systems in der deutschen Baukunst, auch hier von dieser beeinflußt. Indessen hört mit der Gotik auch die weitere Entwicklung der synagogalen Baukunst auf. Als diese — von Einzelerscheinungen abgesehen — erst im 18. Jahrhund-ert wieder austebt, ist es wiederum der deutsche Barock, der ihr seine Formen leiht. Waren es im Mittelalter die kirchlichen Baumeister, die, wie formal ohne weiteres nachweisbar, ihre bei Kirchen der gleichen Stadt erprobte Kunst bei den Synagogen anwandten, so sind es nun, im Zeitalter der höfischen Kunst, die Baumeister des fürstlichen'oder adeligen Grundherrn oder Patrons, die die jüdischen Gotteshäuser errichten und ihnen damit den Stempel deutschen Kunstempfindens aufdrücken. („Synagogen-Typen des 12. bis 19. Jahrhundert" vom Versager, Berlin 1915.) Erst der Eklektizismus des 19. Jahrhunderts hat dieser Stetigkeit ein Ende bereitet. Ter Deutsche, der damals seine Kirchen im Stil der Glanzzeit seiner Kunst errichtete, historisch „nachempfunden" und kaum über das Tilettantisck)e hinausgehend, war aber auch dem deutschen Juden das Vorbild in seiner Kunstaussassung. Die Inden besannen sich ihrer Vergangenheit. Auch sie konnten auf eine kulturelle Glanzzeit Hinweisen, und so schufen sie, dienen die Emanzipation endlich die Freiheit gebracht, großräumige Gotteshäuser im Stil der Maurenepoche und verpflanzten diese vergessene Kunst in das Sk. Salvator m Oe!s, bis 1535 Synagoge. Der höhere Bauteil zeigt die Formen des Prager Vorbildes

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