Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Dipl.-fng. Frifz Landauer Architekt, BDA., München von heute Synagoge in Plauen Erbaut von Dipl.-lng. Frifz Landauer, Are Tie Schriftleitnng eines führenden Blattes der deutschen Judenheik hat wohl in erster Linie die Betrachtung und Klärung der politischen Fragen unserer Zeit zur Ausgabe. Nicht trennbar hiervon erscheinen, richtig aufgefaßt, alle ragen unserer Kultur, der Kultur deutscher uden.- Tenn es liegt doch wohl so, daß eine des Menschen würdige Politik nur auf der Basis der lebendigen Weiterentwicklung kultureller Werte geführt werden kann. Tie „E. V.- Zeitung" belegt diese Anschauung auch hellte wieder in besonderer Weise, wenn sie die schöperischeu Kräfte ans dem Gebiete der Baukunst owoht seststellend als anreaend auszeigen will. * Ter große „Einschnitt" in unsere Lebenszeit, der Weltkrieg, hat mit seinen unerhörten Folgen eine Umwertung und Neugestaltung auf allen Lebensgebieten bewirkt. Tie Zahl der nur vom alten Kulturgut zehrenden, der nur hinnehmenden Menschen ist geringer geworden, die Ps-ichtbewußtheit, die Freude am Aufbau, an der Mitarbeit, am neuen Cestalten hat sich weit ausgebreitet! So konnte auch die Baukunst im letzten Jahrzehnt — unter lebendiger Anteilnahme der ganzen Menschheit — wieder eine Führerin werden in der Ersapung und Ausprägung des Zeitgeistes, ähnlich wie dies der Fall war in den früheren, historisch gewordenen, schöpferischen Epochen der Umgestaltung und Neugestaltung. Wenn ich. unter solchen Umständen, heute zu einer uns besonders am Oerzen liegenden Bauaufgabe — als ein Selbst schassender — itekt, BDA., München Stellung Zu nehmen versuche, so darf ich beim Leser der Fähigkeit gewiß sein, „milzugehen"; er wird sich, wie in so vielen anderen Zweigen des kulturellen, und wirtschaftlichen Lebens, freimachen von mißverstandener Tradition des Aeußerlichen,von überkommenen „Erinnerungswerten"; viele von letzteren sind infolge der veränderten Basis wurzellos, ja sinnlos geworden. In unserem bewuderen Falle: unsere Borstellungen von Monnmeutalität, von Lakralwirknng, vom Charakteristischen des jüdischen Bethauses, der S h n a g o g e, waren nur sehr bedingt, erwachsen aus oberflächlicher Auffassung, leider auch aus der Gestaltungsunfähigkeit der letzten Epoche. Wie alle unsere Bauausgaben wollen wir heute un'we indischen Gemeindehäuser und Kultbau zum ganzen unseres neuen Lebens gehörig betrachten; dann ergibt sich von selbst, daß sie aus unseren heutigen Lebensbedingungen und veränderten Anschauungen zu gestalten sind! In einer jungen und bewegten Zeit wie der unsrigen kann überhaupt kein Gebiet gesondert oder in einer sich abschließenden Weise entwickelt werden. Unsere gesamte B a u g e s i n n u n g ist, wie wir meinen, eine neuartige und —vor allem — eine gereinigte geworden. Sie besteht keineswegs, wie der Laie oft meint, aus lauter Problemen! Wir haben m. E. sichtbarere Erfolge, als dies auf vielen anderen Lebens gebieten geschehen ist, alte abgebrauchte, und daher leblos gewordene Formeln ausgeschaltet; dagegen wurden der Sinn der Ausgabe, die natürlichen Geaebeuheiten, die Funktion des Konstruktiven und die Echtheit des Materials Wescnsbediugungen unserer Gestaltung. _ Bei dem besonderen Baugebiet, welches wir h:er betrachten, wäre hierzu noch zu bedeuten: höchste Ausgabe ist der ernstesten Hingabe würdig: so ist auch ohne weiteres erklärlich, daß in allen Zecken und Kulturen neu auftauchende bautechnische Gedanken vom Baumeister in erster Linie dem Bau des Gotteshauses gewidmet wurden, oder daß solche selbst erzeugt worden sind aus der Sehnsucht und dem geistigen Wollen ' des Kirchenbauers: die Kirche war die Stilbild n e r i n, und sie war gleichzeitig Auftraggeberin für alle schöpferischen Kräfte. Tiefe Betrachtung wäre besonders von jenen anzustellen, die bei Schöpfung von Gotteshäusern zu führen berufen sind: sie sollten handeln nach dem vortrefflichen Leitsatz des Rabbiners Tr. Goldmann (Leipzig- (aus denen Bede ur Einweihung der Synagoge Plauen): „Neiaion verlangt moderne Gestaltung, weil sie selbst Leben ist." Ter Srrhodore wird gewiß solche Aufsagung als liberal empfinden, auch er aber wolle bedenken, daß Leben ewige Bewegung und Umgestaltung ist und daß für den Turchschncktsmenschen jede Ucbung — sittliche oder relwiöse — der Gefahr der Erstarrung ausgesetchist, wenn sie sich in allem hart gegen die Einstellung der Zeit stellt. Tie historischen Baustile waren, richtig betrachtet, stets international — oder sie sind es kurz nach dem Entstehen geworden, wenn auch jeweils national abgewandelt. Tie Juden vor- Synagoge Augsburg Erbaut von Dip!.-Ing. Fritz Landauer, Architekt, BDA., München Privatsynagoge Berlin Erbaut von Dipl.-!ng. Harry Rosenthal, Architekt, BDA, Berlin