Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3Zmu§ in cinir Weise nngciuanM, daß eine gänzlich persönliche Ausdrucksweise 311111 Vorschein kam und die Ueberlieserung lediglich als ein souverän behandeltes Mittel angesehen wurde, das formale Gefühl einer jieuen Zeit^widertlingen zu lassen. Das Warenhaus Warthe mn in der Leipziger Straße zeig: dann diesen Vorgang in seiner schönsten und freiesten Entwicklung. Gewiß, die Pfeiler des riesigen Basars mögen aus der Gotik stammen, das Ziegeldach ist sich seiner Herkunft ans denn späten Barock bewußt, doch das tritt Zurück gegen die neue Form, die sich hier siegreich durchsetzte. Ein Bauwerk erstand aus Stein, Eisenkonstruktion und Glas, das sowohl seinen Charakter als Zweckarchitektur mit einer bis dahin unbekannten Offenheit zur Schau trug wie seine monumentale Wirkung in der vornehmsten GeschästZstraße Berlins im Auge behielt. Die ursprünglichen Teile dieses Mesjel- Baues — nicht so sehr der später angefügte Eckbau am Leipziger Platz mit seiner schmucksrohen Ausgestaltung — haben eine Wirkung über die ganze bewohnte Erde hin geübt. Für das Warenhaus und das große städtische Geschäftshaus überhaupt wurden sie auf lange Jahre hinaus maßgeblich, keineswegs nur durch die mustergültige, großartige und klare Schönheit der Fassade, vielmehr mindestens ebenst durch die kluge und gebieterische, ebenso ästhetisch wohltuende wie praktische Haltung des Grundrißes. Allein das Thema des großen, durch alle Stockwerke geführten Lichthoss wurde ein Motiv, das in allen Ländern und Erdteilen alsbald naehgeahmt wurde. Wie dies Bauwerk an der Jahrhundertwende stand, so begründete es die Umkehr der Architektur zu Gestaltungen, die aus dem Sinn der Bauausgabe erwuchsen, um allein von hier ans und von dem kultivierten Geschmack des Künstlers her ihr Gesetz Zu finden. Meyer wurde durch dies Werk, dem bald noch andere ähnliche folgten, der Ahnherr der gesamten modernen deutschen Architektur. Ein jüngeres Geschlecht freilich ging nun noch einen Schritt weiter. Es brauchte sich nicht mehr durch das Dickicht der historisierenden Studienerinnerungen durchzuschlagen, sondern konnte, bereits gänzlich in einer neuen Zeitstimmung ausgewachsen, duran gehen, eine absolut neue Formenwelt zu ersinnen. Wie eng dabei der Zusammenhang mit Mepel war, mag man erkennen, wenn man sich vor Augen hält. Gefaüenen-Denkmal auf dem Nürnberger Israelitischen Friedhof Von Dipl.dng. Fritz Landauer, Architekt, BD A., München Grunev/aldviila Erbaut von Oskar Kaufmann, Berlin daß Peter Behrens ein Schüler Meyels und Walter Gropius wieder ein Schüler von Behrens gewesen ist. In die'em Abschnittder^deutschen Baugeschichte tritt Erich Mendels oh n als einer der glänzendsten nud ersolgreichsten Führer auf. Ter bildnerische Ausdruck des Lebensgefühls eines jüngeren Geschlechts, die schärfer durchdringende Erkenntnis der Grundlagen einer Architektur, die den völlig veränderten Daseinsbedingungen der Gegenwart gerecht wird, die logische und konsequente Ausnutzung der Plötzlich aus dem Boden gestiegenen neuen Mittel, vor allem des Eisenbetons, der Stahlkonstruktion. der neuartigen Behandlung des Glases und alles, was sonst Phantasie und inneren Formtrieb des Baukünstlers aus früher ungeahnte Weise in Schwingung setzte, kam in Mendelsohns Bauten zu einer Anwendung, die schnell überzeugte und auch die Widerstrebenden bald in ihren Bann zog. Dabei gab es eine ununterbrochen aufsteigende Linie der Entwicklung, der immer klarer durchge'ührten Reiniaung der grundlegenden Vorstellung, vom Einsrem.-Turm bei. Potsdam bis Zu dem Warenhaus Schocken in Chemnitz, dem Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu Berlin, den Umbauten des Mosse-Hauses und ^des Geschäftshauses Herpich in der Leipziger Mraße, das einen berühmt gewordenen Kampf mit rückständigen Behörden hervorries, bis zu der wundervollen Friedhossanlage der Jüdischen Gemeinde in Königsberg i. P. Nickst minder hat Mendelsohn durch seine Buchpublikationen wie seine köstlichen Einführungen in die amerikanische Baukunst und durch seine Vortragstätigkeit, die ihn quer durch die europäischen Länder führte, der Aufklärung und der Förderung modernen Architekturdenkens gedient. Die Zahl der jüdischen Baukünstler, die sich an dem siegreichen Gndkampf der neuen Prinzipien und Vorstellungen mit rühmlichem Erfolg beteiligten, ist außerordentlich groß. Wenn wir hier Arthur 5k 0 r n , Erwin Gutkind, Leo Nachtlicht, Michael Nachlis, Siegfried W c i ß m a n n , Berliner Oberbaurat Nosenberg, ferner Harry Rosenthal, der selbst in diesen Blättern zu Worte kommt, nennen, so bleiben wir uns bewußt, daß solche summarische Aufzählung einiger Namen keine Vorstellung von dem Reichtum, der phantasievollen Vielstitiakeii, der alle Gebiete des Vauwefens um'astenden künstlerischen und handwerklichen Sich erbest dieser Persönlichkeiten geben kann. Mi: der sinnlicheren Freude der österreichischen Lande trat Oskar Kaufmann an die neuen Ausgaben der Zeit heran. Er war durch seine Eigenart wie geschaffen zu dem überragenden Tnemerarchileklen Berlins, der in wenigen Jahren eine lauge Neihe außerordentlicher Bauten dieser Art aus dem Boden zauberte. Es ist Kaustnanns Aerdienst gewesen, in seinem Spezialbezirk den ganzen Wust überlieferter Konventionen über Bord zu werfen und einen neuen Tyrns^ves Theaters zu schassen als eines weltlichen wempels für die Steigerung der Lebensfreude aller Schichten des Volkes. Tabei wurde er dem verwöhnten Geschmack und Komsortbedürmis sowohl des kleineren Kreises kunstgeübter Wohlhabender ebenso gerecht wie den in ganz andere Höhen künstlerischen Schaffens weisenden Forderungen, wie sie der Neubau der Volksbühne, des schönsten Theaters von Berlin, erfüllt zeigt. In Wien selbst darf Oskar Srrnad in diesem Zusammenhang genannt werden, der gleichfalls auf dem Gebiet der Theaterarchitektur und dazu der Bühnendekora- Lion den neuzeitlichen Laugedanken zum Mege verhals. Für das Wiener Burgtheater und die Oper, für Mcar Neinhardts Inszenierungen und für seine Salzburger Festspiele bat Strnad Entwürfe von höchstem Reiz und gänzlich origineller Haltung geliefert. Nicht vergessen werden darf dabei die rühmliche Tätigkeit jüdischer Ingenieure, deren Schassensgebiet sich mit dem der Architekten während der letzten Jahrzehnte so eng berührte, daß die Grenzen sich verwischten. Biele kühne Entwürfe von Drücken und Eisenhochbauten in Deutschland sind bedeutsame, vielbewunderte Leistungen von Ingenieuren jüdischen Glaubens. Höchstes 'Ansehen hat sich dabei, um nur diesen Namen hervorzuheben, Baurat Tr.-Jng. h. c. Karl Bernhard erworben, der überall als Autorität in den Fragen der Koustruktionsbere-ohnungen verehrt wird. . Auch einige der interesianteßen Entwürfe zu modernen Maschinenanlagen stammen von jüdischen Ingenieuren. Man kann dabei, um auch hier nicht mehr als ein paar Beispiele heran zuziehen, an die mustergültigen Kältcmasckstnen-Anlagen oben im Erweiterungsbau des Kaufhauses des Westens in Berlin von Ludwig H i r s ch oder an die neuartigen Kraft- und Wärmeanlagen der Ullsteinschen Druckerei in Tempelhos sowie an die während des -Krieges entstandenen Geireideumschlag-Anlagen an der Donau denken; dies alles sind Arbeiten des Regierungsbaumeisters Tr. Rudolf H e r z f e l d. Man müßte einen ..Schifsskatalog" nach Art des homcristchen niederschreiben, wollte man alle Namen auszählen. die an dieser Stelle Anspruch darauf hätten. Doch es handelte sich lediglich darum, bei Gelegenheit der Deutschen Bauausstellung zu Berlin, die das längst vorhandene allgemeine Interesse an den Fragen der Architektur, der Gememschasts- und Wohnungs- Naumgestal-nng so w-eithin sichtbarlich zusammenfaßte, auch stechenschaft darüber abzulegen, in welcher Weise und welchem. Umfang Künstlertum und schöpferische Energie des Judentums dabei hervorgetreten sind.