Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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33$ >- Einfamilienhaus Erbaut von Dipl.-lng. Harry Rosenthal, Architekt, BDA., Berlin Grosssiedlung am Wal- Haus der Deutschen Turnerschaft, chenseeplatz.Entwurf Dipl.- Berlln-Westend. Erbaut von Korn und Ing. Fritz Landauer, Architekt, V/eitzmann, Architekten BDA., Mönchen (1B11—1881) begnügte sich nicht damit, die Lehren Schinkels zu übernehmen und weiterzuführen, sondern wuchs zu einer völlig selbständigen baukünstlerischen Tätigkeit mir neuen Gedanken und Zielen auf. Ter Enkel des friderizianischen Bankmanns Taniel Jtzig und Sohn des bedeutenden Kriminalisten Julius Eduard Hitzig, der bei der Taufe seinem Namen den jüdischen Klang nahm, wurde der Begründer der von lebhafteren Formverstellungen bestinimten Architektur der Jahrhundertmitte. Tie Renaissance-Ideen, mit denen er die antikisierenden Tendenzen seines Meisters durchsetzte, führten erst viel später zu jenen üppigen Bildungen, in denen wir dann den Kern des Niedergangs wahrend der achtziger und neunziger Jahre erblicken. Hitzig selbst hielt sich noch durchaus im Bezirk eines reinen, großzügigen Stilausdrucks von starker und ernster Haltung. Tafür spricht sein erster Monumentalbau der Börse, die 1864 vollendet wurde, ein Werk von wundervoll klarer Behandlung der Fapade wie des Grundrißes. Tafür sprechen weiter der Bau der Reichsbank, die Technische Hochschule zu Eharlottenburg, der geschickte Umbau des Zeughauses zu Wafsenmuseum und Ruhmeshalle, und nicht zuletzt die reizvollen Wohnhäuser und Billen des Tiergarterwiertels in ihrer ruhigen, soliden, höchst preußisch-berlinisch anmutenden Vornehmheit. Noch heute künden die Ueberbleibsel dieser Hitzigschen Bauten in der Tiergartenstraße und in der Viktoriastraße von dem Geschmack und dem Feingefühl, mit dem sie dem Charakter und, so darf man sagen, der besonderen Lust Berlins angepaßt waren. Von der Börse in der Burgstraßw die nach langer Zeit der Enthaltsamkeit des Berliner Bauwesens wieder eine Fan ade aus echtem Sandsteinmaterial erhielt und dadurch ermutigend, ja epochemachend auf die Berliner Architektur wirkte, zieht sich eine gerade Linie zu der schlichten Noblesse jener Privathäuser — sie bezeichnet den umfapenden Umkreis baukünstlerischen Schaffens, den Hitzig beherrschte. Sein Lebenswerk vor allem haben wir neben dem Schinkels jm Auge, wenn wir heute von der charaktervollen und edlen Architektur des allen Berlin sprechen. In der folgenden Epoche der historisch orientierten Baukunst konnte von ähnlich überragenden Leistungen nicht die Rede lein, weil die dauernde und wechstlnde Verwendung ge'cluchtlicher Formen, sowie das Uebenvuchern ornamentaler und dekorativer Bildungen über die eigentlichen Probleme der Raumgestaltung und Baumassengliederung den hohen Stand der Architektur, den sie in den voraufaegangencn Jahrzehnten sich erobert hatte, überhaupt herabdrückren. Auch die begabtesten Persönlichkeiten jener Jahrzehnte waren durch die allgemein herrschenden Gepflogenheiten und Eeschmackssorderungen, denen sich niemand enwzichen konnte, derart gebunden, daß sie zu einer unabhängigen und individuellen Haltung des architektonischen Ausdrucks nicht gelangen konnten. Innerhalb der so gezogenen Grenzen jedoch war auch jetzt der Anteil der jüdischen Kräfte höchst anschnlich. In Berlin ist hier vor allem Riward Wolffenstein zu nennen, der mit Wilhelm Cremer eine der Architekrenfirmen begründete (1862), die in der Baugeschichte der jungen Reichshauvtstadt eine so erhebliche Rolle spickten. Bei dem Wettbewerb um das Rcichstagsaebäude gewannen Eremer und Wolffensiein den zweiten Preis mit einem Entwurf, der neben dom des Siegers Wallot allgemeine Beachtung fand. In anderen Konkurrenzen waren die beiden noch glücklicher: für die Neubauten der Kauer-Wil- Helm-Straße in Berlin, für die AEG., für das Geschäftshaus von Gebrüder Simon in der Klosierstraße (wo jahrzehntelang Tr. James Simon sein Büro hatte), für zahlreiche vornehme Wohnhäustr des Berliner Westens, für das Klubhaus der Gesellschaft der Freunde in der NebensfehendesBild: Gummifabrik Fromm, Köpenick. Erbaut von Korn u.Weitzmann, Architekten Die Bilder auf der Titelseite der Nummer stellen dar: Von links nach rechts: Geschäftshaus,Berlin Schonhauser Ter Erbaut von Dr.-ing. Alfred V/iener u. Dipl.-lng. Hans Jaretzki, Architekten, EDA. Siedlung Reinickendorf mit inferess. Kindergarten-Anlage (Glaspavilfonj.Erbautvon Dipi,- Jna. Erwin Gutkind, Architekt, BDA. WarenhausSchocken, Chemnitz. Erbaut von Erich Mendelsohn, Architekt, BDA. Potsdamer Straße erhielten sie dll Ausführung. Tie Zusammenarbeit Wol'"enstcins mit dem Katholiken Eremer führte es auw mit sich, daß der Architekturfirma der Auftrag für das sehr hübsch gelungene Probstcigebaude von St. Hedwig,' Hinter der katholischen Kirche, zufiel. Schon vor der Verbindung mit Eremer hatte Wolüenstein das durch scüw ma'üve Ruhe und Wucht ausgezeichnete Gebäude des Reichsschatzamtes am ^Wilhelmsrlatz was heutige Reichssmanzmiuisiernnn) errichtet. Auch am Erweiterungsbau des Auswärtigen Amtes war er beteiligt. Tabei wurden die Auwaben des jüdischen Kultbaus (die in diestm Heft an anderer Stelle besprochen werden) nicht Eremer? bekannteste Arbeit aus diesem Gebiet war die Synagoge in der Lindemtraße. Mancherlei jüdische Archstek.un von Rang traten namentlich in S-esterreich hervor. So Mar Fleischer, der zu den Schülern des Gotikers Friedrich von Schmidt gehörte und unter chm am Bau des neuen Wiener Rathauses mitwirkte; der weiterhin in der habsburgischen Kaiserstadt vielchche öffentliche und private Gebäude schuf und wiederum als bedeutender Synagogenbaumeister hervortrat, in Wien selbst, in Dudweis, in Krems. Es sei nicht vergehen, daß Schmidt die Mitarbeit seines Schülers dadurch ehrte, daß er Fleischers Büste am Rathauseingang anbringen ließ, worauf Adolf K 0 h u t in seinem keineswegs erschöpfenden.'doch brauchbaren Buche über „Berühmte israelitische Männer und Frauen" (um 1900) aufmerksam machte. <ro ferner Sskar Marmore!, der in Wien und Budapest manches imposante Gebäude errichtete und besonders -volkstümlich wurde durch seine Rekonstruktionen „Alt-Wien", bei der Tbeaterausstellung von 1892, in der er als Chefarchitekt fungierte, sowie „Venedig in Wuen"st dos in den neunziger Jahren vielfache Nachahmungen ^an anderen Stätten fand. So auch Wilhelm ^tiaßny, der aleichsalls zu den Jüngern den Schmidt gehörte und an der Reform des Wiener Wohnungswesens durch eine gewallgge Zahl von Wohngebäuden, Einfamilienhäusern, Schulen und' Krankenhäusern tätigsten Anteil nahm. Ein Ruhmesblatt in der Gerichte der jüdischen Architekten bildete es jedoch,, daß an der Ueberwindung der historischen schule und ihrer Freude an der Ilebernahme trüberer Gedanken in eine völlig veränderte Zeit ein Künstler jüdischer Abuammuna: Alfred Mench in Berlin, das entscheidende Verdienst hat. Mepel kam noch durchaus aus jener gtsthimllich orientierten Anschauung, die sich auf Bau formen der Derganaenheit zu stützen liebte. Ater er fand bereits den Weg, man darf sagen: als erster, aus diesen überkommenen Ideen zu einer Baugestaltun'a zu kommen, die auf gänzlich neue Wege wies. In den Gebäuden der Handelsgesellschaft am Gendarmcmn.arkt, der Nationalbauk in der Vehrenstraße, des Palais Baron Eohn in Tesfau, des Museums in Tarmstadt, in den Wohnhäusern und Villen (Haudes Lette-Vereins,' Villa Tr. Eduard crimen in der Viktoriatraße, „KugelVillcG in der Be.udlerstraße) ercheinen Formen der Renaissance, des itouis XVI., des frühen norddeutschen Ktassizis-