Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277912--06821-2287670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

331 MkE . WMMWch Wer lv!rö Weizmanns NeLfolger? Am 30. Juni tritt in Basel der 17. Zionijtenkongreb zusammen. Tie ganz besondere Bedeutung der Avbeitsperiode, deren Abschluß er bildet, und die grundlegende' Wichtigkeit der Fragen, deren Beratung vorgesehen ist. haben sich bereits in den Ergebnissen drr Tclegiertenwahlen ausgcdrückt. Das Zahlenverhälruis der verschiedenen zionistischen Mrwicn ist in heilige Bewegung geraten. Tie Fehlschläge und Mißerfolge der letzten zwei Jahre, die ausgetretenen Schwierigkeiten und das langsame Tempo der palästinischen Entwicklung Huben Zroeifel an dem Kurs der Leitung groß werden lauen. Ter Erfolg, dessen ausfällige Achnlichkeit mit unseren innerdeutschen Verhältnissen keineswegs eine intereffante Merkwürdigkeit, wudvrn die folgerichtige Auswirkung soziologischer Gesetze darstellt, war, daß die M i t t e "geschwächt und die Flügel gestärkt worden "sind. Tie All - gemeinen Zionisten, die programmatisch nicht einheitliche Mittelgruppe, ein lieberbleibsel aus den Zeiten, in denen die Auseinandersetzung der Parteien innerhalb des Zionismus noch nicht die heutige Rolle spielte und in denen es noch genügte, Nichts-als-Zionist zu sein, geht stark vermindert aus den letzten Wahlkamps hervor, ebenso ergeht cs der Partei der g e s e tz e s t r e u e n Zionisten, ocm Misrachi. Sehr stark gewonnen haben hingegen die Parteien der nationalistischen a ch t p o l i t i k, die R e v i s i o n i st e n und die aus Hitachduth und P o a l e Zion zusammengeschlosjene Arbeiterpartti, die diesmal als stärkste Gruppe zum Kongreß erscheint. In Deutschland betrug die Zahl der abgegebenen Stimmen §494 gegen 8749 Gesamtstimmen im Jahre 1929. "Auch hier hat sich im innerzionistischen Parteienverhältnis die oben angedeutete Entwicklungslinie fcfrftclfen lassen: Allgemeine Zionisten und Revisionisten Huben je ein Mandat eingebüßt und werden nur noch je zwei Telegierte zum Kongreß enrs-nd-en. Tie Arbeiterparteien haben ihren Besitzstand von drei Mandaten gewahrt, haben aber insofern die Auswärtsbeweaung ihrer Richtung mitgemacht, als sie trotz des allgemeinen Stimmenrückgangs einen gewissen absoluten und beträchtlichen relativen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Sehr stark profitiert haben die Revisionisten, die von 463 Stimmen (1929) auf 1189 angewachsen sind und infolgedessen ihren deutschen Spitzenkandidaten Richard Licht- Heim nach Basel entsenden. Auch die kleine Gruppe der Radikalen Zionisicn hat zahlenmäßig. wenn auch nicht so stark, zugenommen und ist dadurch gleichfalls erstmalig durch einen Abgeordneten, Tr. S o l o w e i t s ch i k, vertreten. Tie Mehrheitsverhältnisse des bevorstehenden Kongresses sind völlig ungeklärt. Sie sind cs um so mehr, als die eiaenarstge Verquickung religiöser, wirtschaftlicher und politischer Progrannnpunkte, die der innerziorttstischen Gruppierung ihren eigenartigen Charakter verleiht, es mit sich bringt, daß die Fron Unbildung zu den verschiedenen Problemen unter Umständen je nach der zu behandelnden Frage verschieden aussallen wird. Tie Misrachi haben bisher außer ihrem vorherrschenden Charakter als religiöskonservatives Element eine bestimmte, von der Linken als reaktionär verschriene Haltung in wirtschaftlichen und politischen Fragen eingenommen. In nationaler 'Beziehung stehen sie den Revisionisten nahe. Ter deutsche und der Schweizer Misrachi haben beschlossen, diesen Kurs nicht mehr mitzumachen und den Fraktionszwang nur in bezug auf religiöse Fragen anznerkcnnen. Hier 'sind also unter. Umständen Uebcrraschungen zu erwarten. Aehulich uneinheitlich stellen sich die Allgemeinen Zionisten dar. Tiefe sür Teutschland durch Kurt Blumenfe l d und Salman Schocken vertretene Gruppe, deren realpolitische gemäßigte Haltung von jedem Standpunkt sachlicher Politik aus anerkannt zu werden verdient, wird aus ihren eigenen Reihen her bedroht. Tie palästinischen Allgcmeincn'Zionisten haben durch ihren Führer lks fisch! in bereits darauf Hinweisen laßen, daß eine einheitliche Richtung mit den Allgemeinen Zionisten Deutschlands nicht besteht, und ihre Fraküonsfrcunde in Amerika haben Vorschläge veröffentlicht, die sich von revisionistischen Zielsetzungen vielleicht weniger unterscheiden als von denen der deutschen Richtung. In so neuartiger und in ihrer Auswirkung nock) völlig unübersehbarer Zusammensetzung geht der 17. Kongreß an seine Arbeit. Äußer den üblichen, diesmal freilich besonders entscheidenden Beratungen über Palästina- und Tiasporaproblcme, über ideologische und organisatorische Fragen, über die wir uns ausführlichere Berichterstattung Vorbehalten, wird er eine schwere Ausgabe zu lösen haben, die alles zugleich betrifft und die den Kernpunkt aller Zukunftsmöglichkeiten bildet: die Nachfolgerschaft Ijü c i 3 m ö ii n s. Vor vielen Monaten schon ist Weizmann als Antwort aus die Veröffentlichung des englischen Weißbuchs von seinem Prändcntcnposteii ‘ zurückgetreten. Er hat die Geschäfte Provisorisch weitcrgesührt, kommt aber sür eine Wiederwahl keineswcgs mehr in Frage. Es ist kaum anzunchmen, daß eine Persönlichkeit den Mut besitzt, kein verantwortungsbelastetes und undankbares Amt zu übernehmen. Man denkt cm die Regelung der Nachfolge durch ein Kollegium. Namen, die genannt und verworfen wurden, werben sich erst innerhalb der eigentlichen Kongreßverhandlungen deutlicher abhcben. Vom Standpunkt des nichtzionistischen Beobachters muß die innerzionistische Entwicklung mit Ernst und Aufmerksamkeit beobachtet werden. Alles wird in Basel daraus ankommen, ob cs möglich sein wird, den revisionistischen Heißspornen durch eine Vereinigung der ruhigen Elemente aller Parteien Widerstand zu leisten. Gelingt das nicht, so wird damit nicht nur der unpolitische Kern des Palästina-Ausbaues, sondern auch die außerpalästinische Judenheit schiveren schaden erleiden. vr. E. R.-J. Der Evangelische Bund teilt mit: Zu tem Aufsatz „Evangclsiche Kirche und Nationalsozialismus" in Nr. 21 der „E. D.-Zcitung" vom 12. Juni teilt uns der Evangelische Bund mit, daß er bisher ivedcr der rechtsradikalen Bewegung kritiklos sympathisch gegenübergestanden habe, noch daß bei seiner Generalversammlung in Magdeburg vor dem geistigen Irrweg des nationalistischen Fanatismus gewarnt worden sei. Ter in Magdeburg gehaltene Vortrag von Tr. Kreme rs (Bonn) über Nationalsozialismus und Protestantismus werde in Bälde im Truck erscheinen. —Wir werden dann aus ten Vortrag zurückkommen. Verein sür das Deutschtum im Auslandc. In dem Bericht über die Aachener Tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande st.E. V.- Zcitung" Nr. 24 vom 19. Juni d. I.) ist durch ein Berschen die Studienrätin Tr. Käthe Nosenthal in Breslau als die Verfasserin der in der genannten Nummer der Zeitung Iviedergegcbenen Eindrücke über die Aachener Tagung genannt worden. Fräulein Tr. Nosenthal hat uns zwar dankenswerterweise einen Bericht über die Tagung geschickt, innere Darlegungen entsprechen aber nicht dem Wortlaut der von ihr niedcrgelcgten Eindrücke. Tie geschilderten Stellen geben ein allgemeines Stimmungsbild aus Berichten und Zeitungsnachrichten wieder. Hornhaut, verdickte Horn« sHnsielen an Händen und Füßen, überhaupt olle hatten Hawrvuherunaen werden gründlich auf sauberße und bequemste Art beseitigt durch „Leolin". Packung für mehrmaligen Gebrauch mit genauer Gebrauchsanweisung 60 Pf. In allen Chlorodont-Derkaufssiellen zu Hedem Neue Mische bauern auf öeutscher <kröe .chstn Anfang war die Tat." Und seit Monaten geschieht diese Tat. Sorgfältig vorbereitet, behutsam und ohne die große Reklametrompete. Ein Siedlungsgut mit alten soliden Gebäuden, mit all dem lieben Vieh ans unseren Bilderbüchern, mit landwirtschaftlichen Maschinen, mit Versuchsbeeten, mit Getreidefeldern erfreut das Auge des neugierigen Großstädters in der kläglichen Breite der märkischen Landschast. Und da sind die Menschen, deutschjüdische Menschen, die als Gäruwr und Landwirte arbeiten nach biblischem Worte: „Jur Schweiße ihres Angesichts." Wir freuen uns alter, geachteter jüdischer^ Ackerbanersamilien in manchen Teilen des Reiches. Aber auch unsere junge jüdische Generation kann nickst nur politisieren, oder dem Sport lciden'chafttich nachjagen, oder in Handel und Industrie ihren Mann stellen; sie zieht in Groß-Gaglow auch in die Felder und in die Beete, gesund, fonncugebräunt und fröhlich, und solcher Anblick labt des Menschen Herz mehr als Wein. Mancher von ihnen wird sich an sied ein, wird ein bescheidenes, aber auskömmliches Leben führen. Vielleicht entsteht gar eine Landgemeinde oder gar mehrere. Wer gern in der Zukunft spaziert, sieht schon Freund Sattler den Maschinenrieuu.uu flicken, den kräftigen Schmied den Pstug zurechthämmern und Meister Bäcker die frischen Senuncln aus dem Ofen ziehen. Gewiß ist es nicht gleichgültig, ob der Siedluugssachverständige recht, ob der Nentabititäisrechner unrecht hat. Aber: die jüdischen Menschen, die jüdische" Bauern haben schon dem deutschen Ackerboden sich verschrieben, und viele stehen da, die in Reih' und Glied treten möchten. Ter R e i ch s b n n d s ü r jüdische Siedlung will ihnen Beit und Beet bereiten, und wer Helsen kann, der soll nicht abseits stehen. Tie Hitler und die Goebbels sollen staunen, daß nicht nur m Palästina, nicht nur im Sstcu, sondern auch im deutschen Vaterlan.de junge dcuischjüdische Hände Pflug und Hacke führen. Sie werden solches Werk schwieliger Hände nicht segnen. Wir aber wollen ihm unser Her; schenken. Ihnen draußen aus märkischer Erde leuchtete das Wort voran: „Im Anfang war die Tat/ Es sei auch uns Befeuerung zur Hingäbe. Dr. Alfred Wiener. * Grun-fteinlegung in Groß-Gaglow Am 2t. Juni fand in Crvß-Gaglow b<i Kottbus die Grundsteinlegung der neuen j ü d i? ch e n Siedlung stat t. lieber die Bedeutung des Siedlungsgcdankeus für die jüdi'che Guneinschaft sprach Rabbiner Tr. Baeck. Schon immer, w führte er aus, habe das Judentum die enge Verbundenheit zwischen „Mensch' und „Boden" empfunden. Sei cs während der Ghsttozeit des Mittelalters möglich gewesen, an die Wstle der uumntelbarcn Verbundenheit mit dem Boden die Sehwucht und die Bindung an geistige, religiöse Werte zu scheu, so sei mit der Emanzipation die Gefahr der Auflockerung und DindungAosigl-.it immer mehr in den Vordergrund getreten. Heule beobachte man bereits vielfach ein „säkularisiertes" Judentum. ein Judentum, dessen Fortbestand durch die alten Bin- SCHOKOLADE PRALINEN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.