Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 26 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Vsrü'ägs De jsösrK-aM in der Stznagoge Zu dem Artikel „Aufklärungsvorträge in jüdischen Gottes hau fern" in Nr. 16 sei mir ein Wort der Bestätigung, allerdings auch der Einschränkung uni so eher gestattet, als ich darin wohl über die ausgiebigste Erfahrung verfügen dürste. Sonntagsvorträge in der Synagoge für Christen habe ich schon vor Jahrzehnten besür- Rvortet. Während des Krieges habe ich längere Zeit jede Woche Abcndvortrage für jedermann in der Synagoge gehalten und nach dem Kriege jahrelang ganze Zyklen von Borträgen am Sonntagvormitlag von 11 bis 12, z. B. „Tie «rsten Blätter der Bibel" (später im „Morgen"' Derösfentlicht). „Tie Zehn Gebote"', „Moses als sozialer Gesengcber", .„Anstößige' Stellen :n der biblischen E-eschickste des Alten Tesimnents', „Talmud und Schulchan Aruch". Tie Synagoge war stets ütorüßt, und z. B. dem letzten in diesem Vinter neben zwei andern Rednern gehaltenen Vortrag („Ter Gott der Rache") wohnten etwa zweitausend^ Hörer bei, obgleich die Synagoge nur 12iX> Sitzplätze hat, und viele mußten wegen des Andranges umlehren. Tiese Borträge, die von allen Klassen der Bevölkerung <zn mindestens drei Viertel von Christen) besucht waren und von denen ich einige in andern Städten wiederholt habe, verschafften mir unter Christen beinahe eine größere Gemeinde, als ich sie unter Juc-en zahlen konnte. Daher habe ich beständig znr Nacheiferung in anderen Orten an- Agporut. Freilich sind dabei einige einschränkende Grundsätze zu beachten, wenn man nicht Mißerfolge beklagen will. Tie Vorträge sollen in der Synagoge gehalten werden. Warum? Weil wir damit sofort die für uns günstigste Position gewonnen haben. Tie WeihedesOrLs ist eine Macht, ber sich niemand ganz entziehen kann. Lchon bas ist ein nicht gering zu veranschlagender gewinn. Laß Christen in Scharen die Synagoge betreten, um zu erleben: „Wie erhaben ist dieser •Ort! Ist es doch ein Gotteshaus und ein Tor .zum Himmel.". Es gibt noch immer Leute, die meinen, einem Andersgläubigen sei es nicht geiftnttet, das Innere einer Synagoge zu betreten, und manchmal bin ich vorher darüber angesragt worden. Noch immer ist die Vorstellung nicht ousgerottck, daß die Juden dort ihre Heimlichkeiten haben, die keine fremden Zeugen vertragen. ’ Auch geht noch immer das Gerede von bcr „Iudenschnl" mit ihrem ungezügelten Trei- 4>cn. Don alledem wird geheilt, wer unserer Einladung folgt, und er wird eine Hemmung '»mehr in sich fühlen, von Juden gehässig oder '«verächtlich zu denken und zu sprechen. Im Eotteshause sprechen zu dürfen, ist ein chohes Privileg. Ter heilige Raum verträgt keine Gegenrede und Diskussion, nicht -einmal eine Zwischeusrage. Die Synagoge ist fLein profanes Versammlungslokal, in dan sich ijcder zum Worte melden kann, sondern eben ein „Gotteshaus", das zu religiösen Zusammen- Wnstcn, Vorträgen und Veranstaltungen erbaut -und benimmt ist. In dieser Voranssttzung hat es auch der Christ betreten und stellt er cs seiner Kirche gleich. So wie es daher ein grober Mißbrauch wäre, die Synagoge andern Zwecken, die an sich durchaus billigenswert sein mögen, dienstbar machen zu wollen, so wäre cs von dem Redner höchst unpassend und unfair, wenn er sein Privileg zu einer Agitation benutzen wollte. Tor Zuhörer könnte mit Recht sagen, daß er in eine Falle gelockt worden sei, und der Redner muß gewärtig sein, daß ihm cn anderem Orte um so bitterer erwidert wird. Ein einziger provozierter Zwischenruf kann auf die peinlichste Weife alles verderben. Ich pflegte zu erklären, daß ich am Schluß eines Zyklus an einem andern Ort einen Tiskufsionsabend für etwaige Anfragen veranstalten werde — aber es liefen keine ein. Daraus ergibt sich: alle Politik ist zu vermeiden. Politisch Lied, ein garstig Lied. Nichts erhitzt mehr die Gemüter, und jeder hält sich für mindestens ebenso beruß n und sachverständig wie den Redner. Tiese Klippe zu vermeiden, ist für uns Juden besonders schwer, weil wir von gewissen politischen Parteien nicht als Politiker, sondern eben als Juden angegriffen werden. Gewiß, nur müyen uns dagegen verteidigen, aber so wenig dies die Ausgabe der religiösen Organe unserer Gemeinschaft, der Syn.agogcngemeinde, des Rabbiner tes, der Gememdeverbände, ist, so wenig ist der Ort dafür das Gotteshaus. Dafür haben wir andere Instanzen und Organisationen, wenn auch die Personen der Natur der Sache nach hier wie dort meist dieselben sein werden und jede Seite für die 'Arbeit der andern dankbar sein kann. Nicht eindringlich genug kann sich der Redner beständig Vorhalten, daß er nicht in einer Vereins- und Volksversammlung spricht. „Ziehe die Schube von deinen Füßen, denn der Boden, aus dem du stehst, ist heilig." Ilebev unsere Religion aufzn - klären, soll der Z w e ck sein. Es ist erstaunlich, wie groß das Verlangen danach in den weitesten Kreisen ist. Trotz allen antisemitischen Rassegeschreies betrachtet man noch immer ben Juden vorzüglich als den Träger einer besonderen Religionssorm, über die man authentisch belehrt werden nmchte. Aber bei aller Ueberzeuguugstreue und Bestimmtheit, mit der der Jude über seine eigene Religion sprechen wird, muß auch religiöse Polemik vermieden roerden. Solche Bekämpfung gehört in die Wisienschast, nicht auf die Kanzel vor Andersgläubigen. Viele Juden wissen leid-er nicht, wie empfindlich der Christ gerade darin sein kann. Ebenso hüte sich der Redner vor s a l s ch e r Apologetik, die nichts zugebc-n und anderseits Nachweisen will, daß alle Vorzüge, die die andren zn haben behaupten, auch bei uns enzufinden sind, und vor einer überschwänglichen Lobpreisung des Eigenen. Tauer- Hafter als solche billigen rhetorischen Scheinsiege ist die Wirkung einer gediegemn sachlichen Belehrung, die auf gründlichen Studien beruht. Znr CaMdife-lräiiiuig aber auch «ur Bräunung drs ganzen Körpers lek Sonnenbädern rerroende man die reizmildernde und kühlende Lerdor-Fell-Creme. Tube 69 Pf. und 1 Mk. Wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseise Stück 60 Pf. Zu haben in allen Chlorodont-Verkaufsstellen. Das d a n k b a r st e Thema ist i m m c r dieBibe!, das AlteTesta m e n t. Hierfür besteht — zu unserer Beschämung müssen wir es sagen — bei Christen ein weit allgemeineres und tieferes Interesse als bei uns, ja ein wahrer Hunger. Ter Christ kennt das Alte Testament aus seinem Religionsunterricht, es ist auch ihm teuer, aber mm ist er begierig zu erfahren, was die Juden darüber lehren. Man mag ihm gesagt haben was man ivolle, sie sind doch nun einmal die Nachkommen von Abraham, Isaak und Jakob, vom Volke des Alten Testamentes, und wer sollte besser darüber Bescheid geben können- Es wird aus alle Fälle interessant sein, es von einem Juden ausgelegt zu hören! Tahev die angespannte Ausmerlfamkeit gerade frei diesen Themen, die solche Vorträge zu wahren Weihestunden macht, wenn dabei zugleich das allgemein Religiöse und Menschliche getrossen wird und der Redner versteht, nicht bloß zu Juden, sondern Zu allem Volke zu sprechen. Hier kann an das Innerste gegriffen und euch der Rabbiner zum deutschen Volkslehrer werden. Das wird auch die erfreulichste „politische" Wirkung haben, insofern die Achtung vor der Religion des Inden, die doch das Höchste und Beste ist, das er vor der Welt auszuweiftn hat, die Achtung vor dem „Juden" nach sich ziehen muß. Taß der Vortragende sich auf das sorgfältigste bis auf den Wortlaut vorbereiten muß und nickst etwa cmf Routine und einen angeborenen Redefluß, der manchen verleitet, sich schon deswegen für einen Redner und Prediger zu halten, verladen darf, sei immerhin ausgesprochen. Redner wird selten ein anderer sein können als der Rabbiner, der jüdische „Geistliche", dem der Christ von vornherein ehrerbietige Aufmerksamkeit entgegenbringb und den er für kompetent hält, über Religion zu sprechen. Ist ja sein eigener Geistlicher für ihn mit Erinnerungen cn heilige Stunden verknüpft. Tie Desürckstnngen ängstlicher Gemüter, daß es zu Störungen kommen könnte, haben sich ausnahmslos cls hinfällig herausgestellt. Vielmehr haben wir als nachhaltige Wirkung eine merkliche Entspannung und Klärung der Atmosphäre verspürt. Eines großen Apparates bedarf es kaum, nur ist Bedingung die Gßgememe Zugänglichkeit und die Unentgeltlichkeit: „Eintritt frei für jedermann." Tem Bedenken wegen der K o p s b e d e ck n n g bin ich aus die einfachste Weise begegnet, indem ich am Eingang ein Plakat anbringen ließ: „Tie Herren werden höslichst geboten, die Kopsbedecknng aufzubahalten", was stets willig befolgt wurde. 6. ckacob (Dortmund). W/WZf' EN ^WTc^W^WPerSesundbrnnnen. MN Vv \m für Sie und ähre ) W'S'f A'Yt * ffämi/ie * i Jlfl \jlm \ ybeia/kn&rkrankungen %S~l!üMälä£rMm“n9Sorgane cfjronchim, HstJwvz, y ‘Ueurasthenie. ), TropenkrankhQitenek —^GRAUBÜNDEN-löOOrn-SCHWBZ Wie Informationen durch dieXurvermaltung