Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 26 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277886-2277912--06818-2287667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32$ Tr“'^ in Formen und Papier lebt, sondern kräftig hanoelt, weil ihn seine Verhältnisse in das wirkliche Leben Hineinrusen und zur Teilnahme an dem Gewirre der menschlichen Angelegenheiten nötigen . . . Hat eine Nation fuf) über den Zustand der Sinnlichkeit erhoben, hat sie sich eine bedeutende Masse von Kenntnissen erworben, genießt sie einen' mäßigen Grad von Tonksreiheit, so richtet sie ihre Ausmerksamkeit aus ihre eigenen National- und Kommunalangelegenheiten. Räumt man ihr nun eine Teilnahme daran ein, so zeigen sich die wohltätigsten Reicherungen der Vaterlandsliebe und des Eemeingeistes, verweigert man ihr alles Mitwirken, so entsteht Mißmut und Unwille, der entweder auf mannigfaltige schädliche Art ausbricht oder durch gewaltsame, den Geist lähmende Maßregeln unterdrückt werden muß/ Durch die Edikte vom 29. März 1808 und vom 24. Oktober 1808 legte er Bresche in die bisherige Zunft- und Monopolwirtschast, indem er den Grundsatz proklamierte, daß „Zunftzwang und das Verkaussmonopol den sämtlichen übrigen Einwohnern der Städte zum großen Nachteil gereicht . . . nur völlige Gcwerbefreiheib und uneingeschränkte Konkurrenz von Verkäufern die möglichst wohlfeilsten Preise herbeisühren kann*. Das Edikt vom 18. Oktober 1807 tat den entscheidenden Schritt nach der Gewerbefreihcit hin, und die Instruktion für die Regierungen dom 26. September 1808 trug die Grundsätze einer neuen Wirtschaftspolitik in die Verwaltung hinein, indem für die Behörden zur Maxime erhoben wurde, „daß niemand in dem Genuß seines Eigentums, seiner bürgerlichen Rechte und Freiheit unnötig eingeschränkt werden sollte; daß einem jeden innerhalb der gesetzlichen Schranken die möglichst freie Entwicklung und Anwendung seiner Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte gestattet werden müsse, daß es dem Staat und seinen Gliedern immer am zuträglichsten sei, die Gewerbe ihrem natürlichen Gange zu überlassen, keine derselben vorzugsweise zu begünstigen, aber auch keine in ihrem Entstehen, ihrem Betriebe und ihrer Ausbreitung zu beschränken; daß es unstaatswissenschaftlich sei, die Gewerbe nur von gewissen Klassen betreiben zu lassen; daß Leichtigkeit des Verkehrs und Freiheit des Handels notwendiges Erfordernis sei, wenn Industrie, Gewerbefleiß und Wohlstand gedeihen sollen — daß möglichste Freiheit der Konkurrenz das konsumierende Publikum am sichersten gegen Teuerung und übermäßige Preissteigerung schütze; daß es falsch sei, das Gewerbe an einem Ort auf eine bestimmte Anzahl von Subjekten cknschränken zu wollen" und anderes mehr. VI. In allen diesen grundlegenden Gesetzesarbeiten und Verordnungen ist mit Ausnahme der Städteordnung von den Juden keine Rede. Das Edikt vom 9. Oktober 1807, das die Freiheit des Besitzes und die Beseitigung der bisherigen Standcsuntcrschiede proklamierte. schloß sie ausdrücklich von den Wohltaten der Neuordnung aus, indem es bestimmte: „In Absicht der Erwerbsfähigkeit solcher Einwohner, welche den ganzen Umsang ihrer Bürgerpflichten zu erfüllen durch Rellgionsbegrrjfe verhindert werden, hat es bei den besonderen Gesetzen sein Verbleiben/ Aber nichtsdestoweniger schuf dieses ganze Reformwerk Steins die logischen Grün dlagen für die Emanzipation der Juden. Riß man allenthalben die Mauern nieder, die in dem bisherigen Kastenstaaie die verschiedenen Dolksteile voneinander trennten, so konme mau den Juden, der neben dem Adel, Bürger und Bauern die vierte Kaste des friderizianischen Staates bildete, nicht weiter in seiner Isolierung lassen. Ersah man das Heil des Staates in der Entfesselung aller gebundenen'Kräfte, so konnte der Jude nicht weiter cesestelt bleiben. Bekannte man sich zu einer Wirtschaftspolitik, die im freien Spiel der Kräfte die wahre Öuelle der allgemeinen Wohlfahrt erblickte, so konnte man, ohne sich selbst untreu zu werden, den Juden in seiner wirtschaftlichen Gebundenheit nicht lassen. Entsprachen die von Stein proklamierten Verwaltuugsgrundsätze „ebensowohl den unerläßlichen Forderungen der Gerechtigkeit als den Grundsätzen einer wohlgeordneten Staats-Wirtschaft/ bil- Jn dem knappen Zeitraum von hundert Jahren haben drei große deutsche Politiker vor der Aufgabe gestanden, im Kampfe um die Größe und Einheit des deutschen Reiches jungen, entwicklungsbejahenden Kräften den Weg zur Verwirklichung ihrer Ideen zu ebnen. Der Freiherr vom Stein, Bismarck und Stresemann. Alle drei haben mit den gleichen Schwierigkeiten Zu kämpfen gehabt: die Anhänger des untergeheuden Systems, die vom Alten nicht lassen wollten, stellten sich ihnen in den Weg. Und wo die sachlichen Argumente nicht ausreichten, mußten unsachliche wie persönliche zum Kampf gegen den sich:baren Exponenten des Neuen herhalten. Eines der beliebtesten Mittel im Kamps dieser Reaktion ist damals wie heute die Differenzierung des Staatsmannes und seines Werkes als Judenkuecht und Iudenstaat. Es ist noch erinnerlich, wie nach Stresemanns T o d in der radikal-völkischen „Deutschen Wochenschau" vom 12. Oktober 1929 in einem . Artikel „Stresemanns Vermächtnis" geschrieben wurde: „So wurde er zum gedanken- und willenlosen Vollstrecker der jüdischen Pläne, ohne sich selbst denen bewußt zu sein, da er ja weiter nichts mehr als Medium jüdischer Suggestion war/ Genau die gleichen Vorwürfe wurden gegen Bismarck erhoben. So erinnert Heinrich Bosse in einein Artikel „Rechtsradikalismus und Staatspolitik" („D e u t s ch e Stimmen" beten sie die unerläßliche Voraussetzung für die innere und äußere Wiedergeburt des Vaterlandes, so widersprach die Belassuug der Inden iu ihrer bisherigen mittclalrerlichen Lage nicht nur alleil Geboten der Sittlichkeit, sondern auch den elementarsten Forderungen der politischen Zweckmäßigkeit. D i e E m a n - zipatiou der I u d c n w n x c i n u n entbehrliches Glied in d e r Kette des von Stein e i n g e l e i t e t e n und von seinem Geiste erfüllten R e f o r m - Werkes. Sie m u ß t e kommen, sollte dieses Werk nicht Stücknoerk bleiben und an einem verhängnisvollen inneren Widerspruch kranken. Jedes einzelne Gesetz der Stein scheu Reform legte ideenmäßig Bresche in die Ghettomauern des preußischen Judentums, un.d machte sie reif zum endgültigen Falle. So ist das große politische Reformwerk Steins, mag sein unmittelbarer Anteil daran auch nur gering sein, doch von grundlegender Bedeutung für die preußische Judenemanzipation, und deshalb ziemt es sich, daß, wenn am 100jährigen Todestage des großen Reformators die Nachwelt seines Wirkens sich erinnert, auch die preußische Judenheit mit ihrem besonderen Dank nicht fehlt, im Bewußt'/:: dessen, was sein Werk jür ihre bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung bedeutet. 1924, Nr. 3) daran, daß „die antisemitischen Schriften der siebziger und achtziger Jahre augefüllt waren mit den gröbsten Anpöbelungen auf Bismarck" und daß Tr. Rudolf Meyer 1877 in einem Pamphlet „Politische Gründer und die Korruption in Deutschland" geschrieben hatte: „Solange der Fürst Bismarck das allmächtige Idol bleibt, wird die deutsche Nation dem Reiche, das Reich dem Kanzler geopfert werden, und der Kanzler gehört den Juden und Gründern." Wie 1929 und 1877, so auch zu Zeiten Steins: In einer Eingabe der Stände aus den märkischen Kreisen Lebus, Storkow und B e e s k o w, die den Unwillen des Adels über die eingeleiteten Reformen des F r e i - Herrn vom Stein zum Ausdruck brachte, heißt es, wie auch an anderer Stelle dieses Blattes zitiert wurde, er wolle „aus unserem alten, ehrlichen brandenburgischen Preußen einen modernen I u d e n st a a t mache n". Treffend hat aus diesem Anlaß Hardenberg das Treiben dieser Mächte gekennzeichnet, deren Mittel heute noch genau die gleichen sind wie zu Zeiten des Freiherrn vom Stein: „Sie geben sich das Ansehen, als ob sie wie Mittelspersonen für das Volk sprächen, da sie doch nur ihre Vorrechte zum Nachteil für das Volk verfechten. Sie rühmen sich pomphaft patriotischer Gesinnungen und Aufopferungen, während es eben diese Aufopferungen sind, gegen die sie streiten/ Stein - SisnmrrK - Stresemann Aie Reaktion Irämpst immer mit den gleichen Massen . . . ARTERI©SKLEm©TmEE setzen den erhöhten blntdruck durch eine kar mit dem bulgarischen KXOBLAUCII- KOHSAFT hKAZ.1XLYK XATUREL« nach DR. STOYANOEF wert"ehcndst herab! die folgeerschtinungen, wie Überanstrengung des herzens, körperlicher und geistiger verfall, werden nicht nur in ihrem fortschreiten gehemmt, sondern es tritt tatsächlich eine regeneration ein. iebenslust, arbeiufreudo und Spannkraft werden merklich in positivem sinne beeinflusst, ein angenehmer lebensibend bei körperlicher frische und geistiger regsamkeit winkt ihnen, aber besinnen sie sich nicht zu spät auf diese einzigartige natürliche medizin, welche übrigens auch MAGEN’-, DARM- und STOFFY* ECliSEL-STÖRLNGEN .-owie vie le andere leiden beseitigt, ein gewisses traditionelles vertrauen zu diesem uralten Hausmittel sollte sie zum sofortigen versuch veranlassen, sie werden nicht enttäuscht. KNOBLAUCI1- ROIISAt r AZ AN LA k NATl Rr.La halt mehr, als er verspricht! (preis pro flasche mk. 3,— tachnahme, die kur 6 flaschen mk. 15.—), x rosnekt liegt jeder Packung bei oder wird gratis versandt durch: LABOR WAREN (MÜRITZ) 16.