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Central-Verein-Zeitung · 1931-06-19 · 25 (19.6.1931) · p. Seite 319

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
25 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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31* von Julius Sab KMKMLWS „VSNfS Tieser schrnale Band (erschienen im Verlag Karl N eigner, Dresden) ist ein schönes und trauriges Denkmal. Ein Denbmal, vielleicht nicht io sehr für den berühmten Schreiber dieser Briese -- denn mau erfahrt hier von Walther Rathenau wohl nichts, was man nicht schon wußte —,.als für die Drcsialin, an die diese Briese gerichtet sind. Dder kommt mir das nur so vor? Weil ich diese Lore Karre nbrock kannte — auch sie und nicht nur den berühmten Mann in Berlin. Ich kannte diese kleine Verwachsene, Tochter eines -Handwerksmeisters in Essen, dies scheue Geschöpf mit den merkwürdig großen, ergreifenden Augen, die das ganze Gesicht schon machten. Im November 1925 ist die schwache Lebenskraft der nur Treiunddreißigjährigen erloschen. Und aus ihrem Nachlaß veröfsentlicht man jetzt diche Briese Ralhenans (nebst Auszeichnungen aus Gesprächen mit ihm). Und nun können alle lesen, was bis dahin wenige wußten — was in den Jahren 191S bis 1922 und sicher darüber hinaus bis Zu ihrer letzten Stunde den eigentlichen Lebensinhalt voll Lore Karrenbrock bildete — was ihre große Leidenschaft war. Es. isch eine tragische Geschichte, denn diese Leidenschaft, die in dieser zarten, unsicheren, suchenden Frauenseele im westlichen Industriebezirk entstand — durch die Lektüre eines Buches Pr einen zunächst noch nie gesehenen Mann in Berlin geweckt —, diese Leiden'-chaft konnte niemals Erwiderung finden. Sie fand Güte, Sorgsamkeit, Verständnis, Schonung' eines unendlich überlegenen, an Lebensstellung, Bildung, Jahren gleich überlegenen Mannes, aber sie stieß mit schicksalhafter Notwendigkeit auch dann, als die Bekanntschaft eine Persönliche geworden war, auf jene innerste Ferne, die noch jeder gefühlt hat, der irgendwo vernichte, sich Rathenau zu nähern. Er spricht selbst in diesen Briefen mehr als einmal davon, er verwahrt sich dagegen, daß dies Kälte sei: „Wunschlosigkcit — ich glaube nicht Kälte/ — „Tie Zeit, da Liebe sich aufs Persönliche richtet ... ist für mich vorbei . . . Auch ich habe mit aller Seelcnkrast nach einem Menschen gesucht, dem ich mein Leben hätte darbringen mögen, aber ich bade ihn nicht gefunden . . . Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn ich den Menschen gefunden^ hätte. Jetzt habe ich viel Einsamkeit nötig." — „Es ist keine Kälte, wenn ich Sie nicht immer bei mir haben kann. Sie wissen, daß ich ganz allein bin. Und daß ich zu keinem Menschen so vertrauensvoll von mir spreche wie zu Ihnen/ Vielleicht ist das letztere sogar war, und nicht nur eine diesem armen Mädchen freundlich gegönnte Illusion. Er schrieb ihr einmal: „Sie wollen iür mich da sein! Tas fühle ich mit Tankbarkeit. Es hat noch nie ein Mensch für mich da sein wollen/ Aber den tiefen Euss'amleirszwang seiner Natur überwindet auch diese Dankbarkeit'nicht: „Daß ich ohne Familie, ohne Kinder bin, das hängt doch wohl unbewußt damit zusammen, daß ein seltsames Freihcits- und Einsamkeitsbedürfnis mich beherrscht/ Und aus diesen! Grund bedürfnis heraus wacht dieser mächtig überlegene Mann fast ängstlich, zuweilen fast mit verzweifelter Energie darüber, daß „die Sphären gesondert.bleiben". „Sie können nick/ für mich da sein, wie junge Mädchen gewöhnlich für geliebte Mensthen da sind, intern Sie für mich arbeiten, mich pflegen, sich für mich opfern, Sibcr Sie müssen die geistigen Tinge nicht so eng fassen, sie nicht nur von dieser einen Seite betrachten. Denken Sie, wir lebten aus einem anderen. V1 landen wir leben auf einem anderen Planeten! Da iß es möglich, daß einer für den anderen da ist, ohne leidliche Gegenwart, ohne die Hand zu rühren, nur durch sein Dasein/ So ist Rathenau in all diesen Briefen bemüht, der Liebenden den Weg zur Taseinsermlluna zu zeigen .außerhalb der Eigen-Sphäreft int Leben und Arbeiten für andere. Es macht seinem Geist lind es macht seinem Herzen durchaus Ehre, wie er immer wieder mit Geduld und Zarlsinn sich um diese Liebende und Leidende müht. Aber wenn er -schreibt: „Vereinignng gibt cs nur im Bereich jber Sinne, und auch die ist flüchtige Täu'chnng. Die ^eclen aber stürzen hintereinander der wie die bewegten Sterne und können doch ihre V-o.hu nicht verlassen und begegnen sich nicht. Geschähe cs, so wäre cs ein Sturz in die ^rnuc, Verdampfung in Atome" — so ist es vielleicht eine großartig geformte Wahrheit, aber es ist auch recht eigentlich ein Wort der Vernichtung für eine Liebende. ^War Nathenan an einer unheimlichen Stelle seines übersichtigen Wesens so blind, diese Vernichtung nicht zu stören, oder war er so verzweifelt, sie zu wollen?! Beides deutet im Grünte auf die gleiche tragische schranke in der Natur dieses unendlich reichen Mannes. Wir kannten diese seltene Tragödie freilich schon aus vielen anderen Zeugnissen. Aber nun sehen wirst daneben die Tragödie dieses aus reiner Leidenschaft zu ihn: strebenden Mädchens, eine Tragödie, die vielleicht nicht so selten, aber nicht weniger ergreifend ist. Tie Briefe und Aufzeichnungen, die dieses kleine Trauerspiel entrollen, interessieren im besonderen Zusammenhang dieser Blätter zunächck nur, weil Walther Rathenau ja sicherlich eine der merkwürdigsten Erscheinungen ist, die das deutsche Judentum im letzten Menschenelter gehabt hat, und weil deshalb' alle Dokumente seines Wesens euch als Beitrag zur Psychologie des modernen Judentums gewertet werden müssen. Indessen scheint es Zum mindesten möglich, die Frage zu stellen, ob die Grenze dieser aroßen Kraft nicht mehr als mit seiner jüdischen Abstammung, mit seiner Entfernung vom Judentum zusammenhing. Wie säst vollkommen stark diese Eru'ernung war, zeigt ein Brief bie'cr Sammlung vom 12. Oktober 1921, an dessen Schluß es heißt: „Heute Abend, spät auf dein Heimweg, sagte rnir jemand, es sei der große Bersöhnungsiag der Juden gewesen. Versöhnung? wann? wann?" Daß der höchste jüdische Feiertag war, gelangt also erst nachträglich und ossenbar nur zufällig Zu seiner Kenntnis. Weiter kann man sich allerdings nicht von der jüdischen Gemeinschaft entfernt haben, zum mindesten nicht von der Religionsgemeinschaft. Aber nun haben wir ja unlängst in dem erstaunlichen kleinen Buch ron Kahane das Beispiel eines überzeugten Juden gesehen, der seit seinem neunzehnten Jahre Dissident nt und der bemüht ist, darzutun, daß das Judentum eigentlich gar nichts mit Religion zu tim ha:? (Und allerdings kann Kahane Tr seinen Zweck eine Definition von Religion aast bringen, mit der sich diese verblüffend^Behauptung so ziemlich durchführen läßt.) Aber wenn dieser Schriftsteller an eine jüdische „Rasse" so Sfe CMeli' aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers der Sonnenbädern verwende man die reiznnlldernde und kühlende Leodor-Fett-Crems. Tube 61 Vst und 1 SJtt. Wirksam unterstützt durch Leodor-Ed-Istise Stück 50 Pst Zu haben in allen Chlorodont-Verlauftstellen. wenig glaubt wie an eine jüdische Religion, so glaubt er dafür leidenschaftlich an einen bestimmten und unsterblichen Typus des jüdischen Geistes, dem er eine tief einigende Kraft unter den Juden und eine große Rolle im Hauehalt der Geschichte zuweist. Rarhenau aber hat auch diesen Glauben, auch diese innere Bindung an eine jüdische Gemeinschasst offenbar nicht und. berührt sich nur negativ mit Kahane in der Ablehnung jeder Uebertragung der Ranonalidee auf das Judentum. Und so steht denn unter den (Hesprächsauft Zeichnungen am Ende dieses Bandes zu lesen: „Die Inden sind kein Volk Manon, <-taat) mehr und werden kcins mehr Werdern Tie zionistischen Bestrebungen sind cin Atavismus. Tie geistig Hochstehenden unter den Juden haben jedes Nationalgesühl verloren, _ ne kennen mit noch Menschen. So wie cs steter überhauvt keine Rationen mehr geben wird, 'andern nur noch Menschen. W-as bei den Juden zusammenhält und sich nicht mit der arischen Bane mischen will, ist das Proletariat: die anderen ziehen einen Juden nicht mehr einem anderen Menschcn vor . . . Was mich mit den Juden tw bindet, ist höchstens noch cin ^lostammunasgesühl — nicht einmal mehr Farniliengenchl. Das wäre schon zu eng. Es tut mir gerade so' weh, wenn einer Anti-Franzase oder Anti-Russe ist, wie wenn cr Antisemit ist. Wie kann überhaupt einer seinen Lebenszweck darin sehen, ,anti‘ au sein. d. h. zu Hanen? — Rein,- es gibt unter uns kein Dolksgesühl mehr. Aber die Deutschen müssen noch cin Volk sein, und darum gehört unsere ganze Kraft ihnen/ So viel Wahres und Wirkliches man am Anfang und am Ende dieser merkwürdigen zusammenfassenden Aeußerung finden mag, die Mitte erscheint von einer erschreckenden Leere und Unwirklichkeit. Alles Zusammenaehörigkeitsgesühl, alle Gemeinschaft zwi'chen Juden soch nur noch im Zustand proletarischen Trucks eristieren und sich bei den höher und freier Erstellten vollkommen auslösen?! Es ist sicher, daß Rathenau im Vordergründe seines Bewußtseins die Tinge so empfand; aber vielleicht hat er sie doch nur, einem tieferen Wissen in seiner unbewußten Sphäre entgegen, so empfinden wollen. Vielleicht stoßen wir hier aus eines — und eines der wichtigsten — Symptome für die Art, in der sein Geist, der so ganz der Wirklichkeit zu dienen meinte, sich doch in selbstherrlicher Weise über das Wirtliche, über das von Instinkt, Gefühl, Geschichte Gebotene erhob — sich überhob — und damit den Kreis von Em'amkeit und Kälte um das Zentrum seines Wewns schuf. Es war ein Kreis, über den wohl Anerkennung, Bewunderung, Verehrung zu ihm dringen konnte, — aber nicht der Ruf des Lebens, nicht die Stimme einer Liebenden. WlM m M Jurorfe tmö MWU' Z u streichen: Bad Neichcirhall: Ho:el Deutscher Kaiser, Inhaber Johann und ViUor Jung. IndieLrste neriaufzrrnehvren: Hahnen»?lcc: Landhaus i m W a I 5 r, Inhaber v. Parpart. — Kcilberg im Erzgebirge: Horel c i l b e v g. Berichtigung. In dem Aufsatz von Tr. Alfred Hir'chrerg „Rechts und links vorn Rednerpult" in Nr. 24 der „C. B.» Zcirung" vorn 12. Juni muß cs auf (Seite 504, Abs. 2, Zeile 6 heißen: „keine Dcstä'.iguug". i \ r j L_vs> v* VAV %, * ' Drücken Sie einen Strang Ehlorodont-Zahnpaste auf die trockene Gllorodonr- Zahnbürste (Spezialbürste mit gezahntem Vorstcnschmtt), bürsten Sie Ihr Gebiß nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst fetzt die Bürste in Wasser oder besser in Chlorodont-Mmudspülwasser und spülen Sie damit unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen. Der mißfarbene Zahnbelag, der sich besonders bei Rauchern unongenehnr bemerkbar macht, verschwindet und die Zähne erhallen einen wundervollen Elfenbeinglanz. Das kostbare Pfefferminz-Aroma veckeiht dem Munde herrliche Frisch: und WohlgeruH. dteberzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 54 Pf., große Tube 80 Pf. Chlorodont-Zahnbürsten 1 Mk., für Kinder 60 Pst Chlorodont-Mundwasser Flasche 1 Mk. und 2 Mk. Zu haben in allen Ghlorodont-Verlaufsstellen. Mari verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück. Man schreibt uns hierzu: rJedenfalls habe ich seit fünfzehn Jahren jedes Probieren auf gegeben und bleibe Ihrem Chlorodont treu; ebenso gebraucht es meine Familie und verordne ich es, so oft ich dazu Gelegenheil habe in meiner Praxis“ //t«e«e (O^slnalbrlef bei unserem Notar hinterlegt.) Dr. L L.-E., Aerztiil•

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