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Central-Verein-Zeitung · 1931-06-19 · 25 (19.6.1931) · p. Seite 317

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
25 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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317 112 neue Mitglieder in Breslau Die von dem Syndikus des Centralvereins Dr. Wiener eingeleitete Breslauer Werbearbeit zur Gewinnung neuer Mitglieder und zur Erhöhung von Mitgliedsbeitragen hat infolge der Sommerzeit vorerst ihren Abschluß gefunden. Droh der besonders bösen wirtschaftlichen Lage des Ostens und Breslaus ist es gelungen, 112 neue Mitglieder dem C e n t r a l v e r - ein zu ge n? inne n und nicht unerhebliche Beitragserhöhungen z u erreiche n. Die gewaltige Kundgebung ain 9. Mai im überm Uten Breslauer Konzerthaussaal war der Auftakt zu einer Reihe von Teeveranstaltnngen in Hotels, in der Loge.und in Privathäulern. Es war möglich, einer erheblichen Anzahl von Nichtmitgliedern die Arbeit des Eenrralvereins vorznführen und dadurch für den Verein einen erheblichen Mitgliedergewinn zu erzielen. Eine große Anzahl privater Besuche bei einzelnen Persönlichkeiten vervollständigte den Erfolg. Den zahlreichen Freunden und Freundinnen in Breslau, die dem Eentralverein bei dieser Werbearbeit zur Seite standen, oder die ihre Häuser für Teeveranstaliungeu öffneten, gebührt der herzlichste Dank. flkademlsolier Tag in Stuttgart Der VII. Studententag des Württembergrschen Landesausstchusie versammelte wieder die Studierenden der drei württembergischeu Hochschulen am Sonntag, dem 7. Juni, in den Räumen der Stuttgart-Loge. Das Mitglied des Hauptvorstandes des Eentralvereins, Tr. mcd. Friedrich Brodnitz (Berlin), der an der vom internationalen Weltstudentenwerk in Nyon veranstalteten Konferenz über den Antisemitismus ans den europäi'ch'en Universitäten als Referent teilgenommen haue, war für einen Bericht über diese Konferenz gewonnen worden. Tr. B r o d n i tz ging von einer Schilderung des WclistudenLcnwer's und seiner vielseitigen Tätigkeit aus und berichtete außerordentlich fesselnd über den Verlauf der Konstrcnz selbst. Obwohl der größte Teil der Hörer schon in den jüdischen Zeitungen Berichte geleün haben mochte, konnte die Enrpsindung einer Wiederholung nicht aufkommen, denn wenn der schriftliche Bericht den Inhalt der Referate wiedergeben kann, so stellt der mündliche Bericht darüber hinaus noch den .Menschen dar, der dieses Referat hält, den Eindruck, den er envcckt, die Stimmung, die über dem Ganzen schwebt, eine Fülle kleiner Einzelheiten. die für die nicht ausschlaggebend, für einen 5treis jugendlicher Menschen aber sehr bedeutungsvoll find. 'Auch manches persönliche Gespräch mit den Vertretern der europäischen Länder, manche kleine Epi'ode, die ein wenig Humor in die ernsten Besprechungen zauberte, wurde wiedergegeben und trug dazu frei, den gespannt Zuhörenden ein lebendiges und inttreNantes Bild von der Konferenz Zu vermitteln. Tie Diskussion, die sich in der Hauptsache aus Anfragen an den Redner beschränkte und dadurch Gelegenheit bot, noch weitere wichtige Einzelheiten zu hören, brachte u. a. auch zum Ausdruck, daß die Konferenz, die ja nur von wenigen Delegierten aus jedem Land besucht war, unbefriedigend gewestn sei, weil sie keine sichtbaren Eriolge austoeüe. Demgegenüber wies der Redner in seinem Schlußwort darauf hin, daß schon die Gelegenheit einer sachlichen Aussprache, von internationaler Stelle aus geboren, nicht zu unterschätzen sei, daß aber vor allem die persönliche Fühlungnahme von Mcnscü zu Mensch und zwar von Führer zu Führer nicht nach sichtbaren'. Erfolg gewertet werden dürfe. Als ein besonders erfreuliches Ergebnis der diesmaligen Versammlung darf gebucht werden, daß nachher 17 Studenten aus Tübingen und Stuttgart im Hindeuburgbau zuscmuwntrafen und nach weiterer Anssprache einen Besuch der Stuttgarter in Tübingen verabredeten. * ÄL«W lieber das gleiche Thema sprach am 6. Juni auf Veranlagung des bidi scheu Landesverbandes des E. V. Dr. Friedrich B r o d n i tz , Berlin, vor den jüdischen Studierenden in Heidelberg. Die Verunstaltung, deren Lrganifation die Verbindung im K. C. Bavaria übernommen hatte und an der etwa 90 Studentinnen und Studenten teilnahrnen. kann als überaus gelungen und als ein schöner Erfolg unürer Arbeit bezeichnet werden. Tie Studentenarbeit, die in Heidelberg einen so glücklichen Anfang genommen hat, wird fortgesetzt und in den kommenden Semestern noch weiter ausgebaut werden. Mgriff ml dis SeslsK Das neueste Heft des „Morgen" Das Mittelstück des neuesten, zweiten Heftes des „Morgen" aus der Feder von M i ch a e l Müller - Elaudius ist überschricben ,.A n t i s e m i t i s m u s a l s Angriff aus die Seel e". Diese Ueberschrist gibt zugleich das Eofamtthema des vorliegenden Heftes an. Es Handel! sich um die .zerstörenden Kräfte der heutigen Wirklichkeit, derenWirkung einen Angriff auf die Seele bedeutet; einenAngrirß denen Starke wir alle fühlen und erleiden, zu denen Gegenwehr wir aber nicht genügend gerüstet zu sein scheinen. Solches geistiges Rüstzeug bringt die Zeitschrift „Ter Morgen" fortlaufend, und das zu besprechende Heft ganz besonders. Bei diesem bedeutsamen Aufsatz von TI ichael M ü l l e r - E l a u d i u s (der demnächst auch als Sonderdruck im Philo-Berlag, Berlin W 15, erscheinen wird) handelt es sich nicht um eine theoretische Untersuchung, sondern cs wird vielmehr ein Fall geschildert, an dem der Versager die verheerende Wirkung des Jndenhanes ans die <reele eines jungen Menschen erlebt hat. Diese Schilderung, die zwei Drittel des Aufsatzes umfaßt, liest sich wie eine erschütternde 'Novelle. Es ist die Beschreibung der Leidenszeit eines hochbegabten deutschen Menschen, in dem der antifciiiiti^d}c Haß nahezu alle Strafte brach legt, und der erst nach langen Wirrungen znrückstndet zu Lebens- und Arbeitsmöglichketten. Ticier Lebev.sgestchichte schließt Müller-Elaudins auf wenigen Seiten einige allgemeine Folgerungen an. Tiefe gipfeln in der Feststellung: „Der Antisemitismus als Haß-Suggestion muß also mit psychologischer Notwendigkeit zum Angriff auf die Seele des Hassenden werden, die er in ihren biologischen Grundsunktionen entstellt, und er muß mit derselben pst)chologischen Notwendigkeit zum Angrifs auf die politische Kultur werden, weil er die Fähigkeit zu funktionellem, realpolitischem netzen verwirrt und zum Verkümmern bringt. Hieraus gewinnt der Berfcmer die Einsicht in die Notwendigkeit eines allsten Auftretens desjenigen Kreises deutschei Memchen, die das zerstörende Wesen des Autistmitismus begriüen haben. Er macht einen bedeutsamen Borschlag: „Es ist Zeit, das; ein objektiv wissenschaftliches Institut erstehe zur Erforschung des Antisemitismus, seiner licfeupsvchologischcrr Motive und Wirkungen. Acrztc und Pädagogen sind die berufenen Arbeitsträger dieses Instituts, das von keinem anderen Interesse geleitet sein soll, als den: nach objektiver Erkenntnis. Von ihm würden ungeahnte Heilkräfte auf die politische Kulrrrr und die Seele des deutschen Menschen ausstrahten, zumal wenn cs in den über greif enden Zusamnrcnhang einer Arbeitsstätte gestellt wird, die dem inneren Frieden der Volksgemeinschaft und dem Wiederaufbau der zerfallenden politischen Volkskultur dient." Es wird notwendig sein, diese Anregung eines des eifervollsten und hingebensten Freunde der jüdischen Sache zur Verwirklichung zu bringen. Wie es in den Seelen der jüdischen Zuge n d aussieht, die in anderer Weise unter dem Antisemitismus schwer zu leiden hat, .zeigt Rudolf ^tahl in einer ausg.'zeichneten Uebersicht über die „Probleme jüdischer Jugendbewegung". „Tie jüdische Jugendbewegung der Vorkriegszeit war im Wesentlichen rmr eine c~-\ r^n n r^\ erliölit Einheitspackung 1,—

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