Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-06-12 · 24 (12.6.1931) · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
24 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277910--06793-2287640
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

305 JOD BAD VL8 m 6t 3 IN &RT£RIHKVERKM.KUH3 r;“f'-'ij; ICUi-u.BADKDTSl U KZS^Lz2 Inh.G. Ki33ka!t. vi ir:*.:3 r^s. Das Bayer. Alpen einzige rr.i: Zeit;--.!::* k.'-!zs, Deutschtum hat er vielmehr alles zu tun, um die Bindung an die deutf ch cn Verhältnisse u n d G e s ch e 1) n 11 \ c ] o ft a r t w i e möglich zu gestalte n. Gerade wett durch antisemitische Angriffe und durch das Propagieren eines eigenjüdischm Lebens cm freiwilliger Abschluß der deut!cheu Juden sich vollziehen könnte, ist es die Aufeabe des E. 'U den Willen seiner Anhänger zu nt Deut s ch t u m trotz aller Anfeindungen zu stärken, um aktiv am deutschen Leben mitzuwirken. Das ist keine assimilationssüchtige „Eindeutschung", sondern — bei Bewahrung des jüdischen „Grundes" — die folgerichtige Auswirkung sowohl der C. B. - Idee wie der bestehenden Verbundenheit. Wenn die nichtjüdischen Deutschen ihr Deutschtum in einer Zeit besonders betonen, wo nach einer furchtbaren Niederlage das deutsche Volk zu einer neuen Form strebt, dann sollten die deutschen Juden ihr Deutschtum nicht als etwas so selbstverständliches empfinden, daß man es neben dem Jüdischen im eigenen Kreise gar nicht zn betonen hatte, sondern sie sollten cs bewußt bei sich und anderen propagieren. Denn ein Volk, das im Neubail seiner nationalen und staatlichen Gestalt ist. darf nicht rassiv aus einer 'elbstverstandlich erscheinenden Basis beharren, andern muß sich seine Neugestalt tätig erringen. Der jüdische Deutsche, der sich dem deutschen Volk zugehörig suhlt, hat sich daher heute mit dem Faktum seines Deutschtums nicht zu begnügen, sondern die deutsche Neugestaltung dauernd in s i ch m i t z n v ol l - zi ech e n. >-omit sollte die Arbeit der jungen Generation im C. B. eine spezifisch deutsche Arbeit sein, ein verantwortungsbewußtes Mitschassen au den deutschen Ausgaben, auf welchem Gebiet sie auch immer liegen. Daß diese Arbeit im Hinblick auf die „permanente Ausgabe" des C. B. zu erfolgen hat, versteht sich von selbst. Sie soll aber geleistet werden um Deutschlands willen. Abwehrarbeit allein ist zu wenig — so wichtig sie leider Gottes ist. Eie mag noch so viel Kräfte absorbierem darüber hinaus werden ein erhöhtes Verantwortungsbewußt sein und echtes Vaterlandsgesühl zu einem positiven Einsatz für die deutschen Geschicke schreiten wüsten. Bücheranzergen von Ludwig Holländer Dor der Berusungsstraskammer in Gollnow hatte sich der Schneidergeselle Hans ^chulz aus GrEstnberq i. Pommern wegen Beleidigung des Vorsitzenden der Synagogengeinciude Grcistnbcrg, Eugen 9! e u m a n n , 31t verantworten. Der Angeklagte war zu 30 Mark Gckdstrast verurteilt worden, weil er dem Gcmeindcvorsillenden Reumann auf offener Straße mehrere Male ,.bepp, hepp!" zugerufen hatte. Gegen die Entscheidung hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Dor dem Berufungsgericht versuchte Schulz, sich damit heraus- Zureden, daß er die Aeußerung nicht in beleidigendem Mnne gebraucht habe. Tie Strafkammer folgte jedoch den Ausführungen de- Staatsanwalts und des Nebenklägers Reumann und verwarf die eingelegte Berufung. In der "Urteilsbegründung hob der Vorsitzende die Verwerflichkeit einer derartigen Handlung hervor. Schulz ist organisierter Nationalsozialist. Die wirtschaftliche Krise des deutschen Juden. Eine soziologische Untersuchung von Dr. Alfred Marcus. Verlag Georg SLilke, Preis 8 Mark. Mit starker Anteilnahme folgt man dem bekannten Forscher auf dem Gebiete der Wir:- chafrswissensckzaft, Dr. Alfred Marcus, bei einen Untersuchungen über Vorhandensein, Anfang und Ursache der wirtschaftlichen Krise der deutschen Juden. Das Werk befaßt sich mit fast allen Teilen des Wirtschaftslebens! Metallhandel, Bankwesen. Tertilwirtjchafr, Getreidehandel sind bearbeitet. Ein ausführliches Kapitel ist der wirtschaslichen Lage der Berliner Judenheit gewidmet, da diese bekanntlich mehr als ein Drittel der deutschen Judenheit darstellt. Das Werk behandelt also wirklich das Wesentliche der sogenannten jüdischen Wirtschaft und ihrer Probleine und bietet somit eine der Grundlagen für die Erkenntnis über diese für uns heute so schwerwiegenden Fragen. _ Man dient aber der Sache und dem Verfasser, der ja das überaus schwierige Gebiet iu Einzelstudien schon einmal mit besonderem Fleiste bearbeitet hat, nicht, wenn man die _ außerordentlichen Bedenken verschweigt, die gegen die Art der Bearbeitung erhoben werden müssen. Ter Verfasser bezieht sich z. B. in dem besonders Berlin behandelnden Kapitel aus das Handelsregister, und stellt für eine wichtige Reihe von Jahren die Firmen jüdischen „Charakters" den Gesamteintragnngen gegenüber; aus dieser Gegenüberstellung folgert er die Entwicklung beziehungsweise den Niedergang der jüdischen Firmen und Gründungen im-.Verhältnis zu den nichtjüdijchen Gründungen. Bei einem derartigen Vorgehen muß sich naturgemäß eine Reihe von Fehlerquellen ergeben, die den Wert der Untersuchung stark in Frage stellen. Hier wie auch bei anderen Erhebungen sind die verwandten Zahlen viel zu klein, um überhaupt irgendwelche allgemeingültigen Rückschlüße zuzulassen. And die Begründungen, die Marcus diesen Schlüssen unterlegt. entspringen häufig mehr dem Gefühl als den wirtschaftlichen Tatsachen. Weiter müssen wir fragen: Was versteht der Verfasser imter „jüdischen Firmen"? Tie Beantwortung ist durchaus nicht so eindeutig, wie Marcus es anzunehmen scheint. Sind darunter Z. B. auch die Firmeninhaber mitgerechnet, die konfessionslos oder aus dein Judentum ausgetreten sind? Bei den Banken unterscheidet das Werk zwischen anonymen Banken „nichtjüdischen" und „jüdischen" Charakters. Auch hier dürften wirkliche Feststellungen überaus schwierig sein. Diese Verspiele zeigen, wie iu dem Buch sehr häufig A e r m ir t u n g e n ausgesprochen werden, die den Leser irreführen. Gegen die in einem wissenschaftlichen Werke verwaudten Einschränkungen, die durch Wörter wie „dürfte wohl", „es scheint so" und ähnlich angedeutet werden, bestehen immer sehr erhebliche Bedenken. Es sei wiederholt, daß damit keineswegs irgendein Vorwurf gegen den Verfasser erhoben werden soll. Er konnte nicht mehr geben, als er gegeben hat, es scheint nur, als wenn er vielfach weniger hätte bieten sollen. Einige grundsätzliche Worte sind noch ]ii dem beute so belieb een Thema von der „Prvletarlsierung" der deutschen Juden zu sagen. Wir kennen den Niedergang der Wirtschaft, in-bewndere der jüd sichen Wirtschaft. Sb daraus nun aber für alle Zeiten eine sogenannte „Vroletarisiernng" — ein übrigens außerordentlich undeutlicher und schwankender Ausdruck — der Juden folgen wird, oder ob nächt vielmehr bei geeigneter Berufswahl und Eingewöhnung in umchkommeude Wirtschaftsformen ein durchaus erträgliches Dastin für die deutsche Judenbett zu erwarten ist, steht in diesem Augenblicke keineswegs fest. Ich halte — für die nächsten fünchig "Jahre gesehen — die Möglichkeiten eines Aufblühens der Wirtschaft unserer Judenheit für keineswegs so schlecht, wie sie vielfach heute hingestellt werden. Mali kann in diesen Fragen nicht nur letzte tooisiche Konsequenzen anweudeu. Tie Wirtschaft geht vieuach andere Wege, als die Logik. Eines scheint mir aber sicher: Es ist unrecht, der jüdischen Bevölkerung immer wieder vor Augen zu führen, daß ihre Verelendung einer zwangläusigen Entwicklung entspricht. Zunächst kann diese Notwendigkeit aus den Umstünden keineswegs unbedingt gefolgert werden, und mau erreicht mit solchen Voraussagen nur, daß die Menschen im Kampf ums Dasein immer mehr geschwächt und ihr Selbsterhaltungswillen aufs schwerste geschädigt wird. Ich schätze die Kraft, die die Judenheit als Erbe ihres schweren Schicksals iu der Vergangenheit mitbekommen hat, im Zusammenhang mit den Aussichten des europäischen Wirtschaftslebens so hoch ein, daß ich nach einer allerdings für die nächsten Jahre Zu erwartenden sehr schwierigen Lage ein starkes Au'olühen der wirtschaftlichen Tätigkeit dev deutschen Juden als durchaus wahrscheinlich an-- sehe. Vom Gegenteil konnte mich Aisred Marcus nicht überzeugen. Eugen Diesel: Die deutsche Wandlung, das Bild eines Volkes. 1929. I. G. Eottasche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. Preis 8 Mt. Ter Dersasier, ein Sohn des berühmten Konstrukteurs der Diesel-Motoren Rudolf Diesel, hat in diesem kleinen Werke, wie er sich ausdrückt, eine Eeo-Phitosophie gegeben: das heißt, er hat den Begriff „deutsch" nicht von einem Winkel, einer Meinung, einer polinscheu. ge sch ich t li ch en, st a a ts p h i lo sop h i schen, rassischen Idee ans gesehen, sondern Auge und Ehr zu Hilfe genommen und gesagt, wie sein Inbatt erscheint, wenn man ihn unbefangen ausmiumt. Er hat die „deutsche Wandlung" geschildert, weil er mit Recht die deutschen Zustände in besonderem Maße für fließend hält. Seine Schilderung unseres Vaterlandes ist durchaus originell; er sieht es mit dem Auge eines rein wissenschaftlich denkenden Mannes. Besonders erquickt uns das Kapitel „Bon den Menschen", in denen die Stämme, die Heranwachsende deutsche Jugend, der äußere Lebensstil behandelt wird. "Was Diesel vom deutscheu Judentum schreibt, ist sicherlich nicht Der Weg zum - Verdienst durch Kelvinator-Elekiro-Kühlanlagen Leipzig C1, Bitterfelder Strasse 19

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.