Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 24 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Während andere politische Bewegungen sich offen gegen das Christentum oder ihm gleichgültig gegenüberstellen, bekundet sie ihren Willen, sich auf den Boden eines positiven Christentums zu stellen. Die Kirche ist durch ihren Berus verpflichtet, diese Willenserklärung der nationalsozialistischen Bewegung ennstzunehmen . . . Die nationalsozialistische Bewegung bejaht mit Leidenschaft den sozialen Gedanken, den Brudergedanken. Damit vertritt sie ein Anliegen, das auch ein solches der evangelischen Kirche ist. Cs ist für die nationalsozialistische Bewegung eine Lebensfrage, ob sie ihre soziale Forderung bis zu der Diese durchführt, wo sie zum Angriff auf die innerste Haltung des Menschen wird. Die evangelische Kirche muß um ihres Berufs willen aus der nationalsozialistischen Bewegung das große Wollen heraushören und dankbar begrüßen . . .* Erfreulicherweise scheint Landesbischof D. Dr. Rendtorsf in dieser Anschauung nicht den Evangelischen Bund hinter sich zu haben, denn dieser hat, wahrend er der recht-radikalen Bewegung bisher kritiklos sympathisch gegenüberstand, neuerdings auf seiner 35. (Generalversammlung in Magdeburg vor dem geistigen Irrweg des nationalistischen Fanatismus gewarnt. ' Besondere Beachtung verdient als ein erfreuliches Zeichen beginnender Einsicht auch ein rn den „Akademischen Blättern", Zeitschrift des Kyfshäuserverbandes der Vereine deutscher Studenten veröffentlichter Aussatz „Evanelische Kirche und Nationalozialismus" von Dr. Siegfried Scharfe (Halle). In dieser sehr objektiv gehaltenen .Arbeit untersucht der Verfasser die für die evangelische Kirche mögliche Einstellung zum Nationalsozialismus und konunt zu Feststellungen, aus denen wir folgendes herausheben: versucht man eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Nationalsozialismus, so wäre etwa auf folgende Antinomien zu verweisen . . . 1. Auf eine Formel gebracht, naLionalsozialistische TatgläubigkciL sreht auf jeden Fall in einem SparriumgsvcrhälLnis zu evangelischem Glauben . . . 2. Don der Seite des Ehristentums muß jeder Gefühligkeit in politischen Dingen die ernste Forderung entgegengestellt werden: seht die Tatsaäwn, wie sie sind . . . Gesühlsstligkeit ist ver- . antworiungslos. Man gebt, wenn man sich von ihr berauschen läßt, den^ Tatsachen aus dem Wege, statt ihnen ins Ge acht zu schauen. 3. Fast unüberwindlich ist die Spannung, die zwischen dem christlichen LicbeSgebot und der nationalsozialistischen Praxis besteht, die sehr häufig in Lieblosigkeit entartet und selbst nicht davor zurüctschrcckr, Liebe durch Hast zu ersehen. chZuda verrecke' ist eine cruSgesprochene Hastformcl, die sich einfach nicht entschuldigen läßt. 4. Es ist nicht berechtigt, Grenzen aufurichtcn, die Gott nicht haben will. Ganz beonderS gilt das von völkischen und nationalen Grenzen. Das Christentum kann sich nichts damit einverstanden erklären, daß im Volkstum ein cwsoluter Wert geicoen wird . . . Ter christliche Gott ist kein deutsche Gott, ebensowenig ein Gott der Engländer od-er Franzosen, sondern ein Gott der ganzen Welt, der nicht um natürlicher Gegebenheiten willen sich entfch-eidet, sondern allein den Gesichtspunkt des Rechtes und der Gerechtigkeit gelten läßt. 5. Schließlich besteht die Gefahr, daß im Nationalsozialismus das Ehrislliche der Persönlichkeit zu kurz kommt... Daß hier ein Massenmenschentum herangezogen wird, das mit uniformem Schematismus fast gleichbedeutend ist." Wenn der Verfasser zum Schluß auch meint, daß es verfrüht fei, endgültig über den Nationalsozialismus zu urteilen, so scheint uns aus den angegebenen Punkten eine Klärung der Frage des Verhältnisses der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus gegeben zu sein. . . . was uns rettet, Einigkeit Tie Tagung Des Vereins für Das Deutschtum im AnslanD in Aachen Tie Tagung des V. D. A., die zu Pfingsten dieses Jahres in Aachen stattsand, gestaltete sich mit ihren 20 000 Teilnehmern zu einer mächtigen Kundgebung des bedrohten Grenz-. und Auslandsdeurschtums. Es zeigte sich wieder, daß Angehörige aller Stande, aller Bekenntnisse, aller Parteien im Dienste des großdeutschen Gedankens, im Dienste der Volksverbundenheit, des tatkräftigen Volksschutzes und Volksbewußtseins zum D. D. A. stehen. Die Tagung selbst bewies den staat-bejahenden Sinn der Träger der D. D. A.-Bewegung aufs neue. Ter einzige Mißklang war eine stark völkisch gefärbte, ins Parteipolitische abgleitende Rede, die Freiherr von Lünninck aus der Bauerntagung hielt, die aber inmitten des eindruck-vollen Bekenncknisies zum Deutschland der Gegenwart unterging. Die anderen Redner nannten die Dinge ohne Rücksicht auf parteipolitische Forderungen beim rechten Namen; so kenn zeichneten sie die wahre Lage der Deutschen in Südtirol, die die Nationalsozialisten immer rosig zu färben Pflegen. Tie Jugend, die das Bild der Tagung ganz entschieden bestimmte, hinterließ in ihrer disziplinierten Ordnung den glänzendsten Eindruck. Tie Breslauer Studienrätin Dr. Käthe dl d f e n t fj c I, die als Führerin ihrer Schulgruppe an der Tagung teilnahm, schildert uns ihre Eindrücke: „Ter wesentlichste Eindruck, den ich von meinem viertägigen Aufenthalt in Aachen als Führerin unserer Schulgruppe bei der Tagung des V. D. A. hatte, ist der einer unbedingten Notwendigleit der im V. D. A. geleisteten Arbeit, die auch uns Juden vollkommen sreisteht. Die Tagung bot neben dem Ernst der auf ihr geleisteten Arbeit die Stimmung wirklicher Festlichkeit. Lebendig steht vor meinem Auge unsere Ankunft nach Inständiger Fahrt von Breslau, unser Einzug durch die geschmückten Straßen, die voll waren von Jugend und von uns begeistert grüßenden Aachenern. Die Jugend war beglückt im Gefühle ihrer Aufgabe und nahm anderseits das Bild der Sagenstadt mit ihren reichen Kunstschatzen in sich auf. „Was uns kettet, das ist Leid, was uns rettet, Einigkeit." Wie oft habe ich diesen Spruch während dieser Tage gehört. Was man hier nahe der Grenze von der Not des Grenzdeutschtmns und Auslandsdentschtums erfuhr, war erschütternd, aber beglückend war der Ruf nach Einigkeit, der den Festabend im Stadion beherrschte. Allan muß den opferfreudigen Willen dieser Jugend, die sich im D. D. A. zusammenfindet und _ettt offenes Ohr für die Nöte der Volksgenopen hat. achten, auch wenn manche sich im jugendlichen Ueberschwange von radikalen Forderungen mitreißen lassen. Es ist immer ein -misch öochMÜSchmMAZ rmk Kathreiner/ Soö ist gesunder—unömrr HO so teuer.«_ guter Wille dabei, und es ist die Aufgabe der Führung, hier richtunggebend vorzugehen. eine Aufgabe, deren sich der D. D. A. bewußt ist." RelseeiridröSe von Dr. Med ßi'rschberg Der stellvertretende Syndikus des Eentralvereins, Tr. Alfred Hirschberg, hat in den Wochen vor und nach den Psingstseiertagem die süddeutschcn Landesverbände des E. V. — ($aax, Pfalz. Baden, Württemberg — bereist und in Illingen, Saarbrücken, Speyer, Landau, Neustadt, Karlsruhe, Mannheim, Bruchsal und Stuttgart teils aus Bezirkstagungen, teils in Drtsgruppenversammlungen, teils bei Jugend- und Angestelltenveranstaltungen gesprochen. Tr. Hirfchberg behandelte: „Tie Alten und die Jungen", „Unsere Pflicht zur Dereipchaü", „Gegenwartscusgaben des E. DA und „Die Sorgen und Hoffnungen der jüdischen Angestellten". Der E. B. hat im Süden und Südwester! Deutschlands bestanden, ehe ev gegründet wurde — das ist der erste und bleibende Eindruck einer Berührung mit unseren Ortsgruppen in diesen Gegenden des Reiches. Als aus dem kühleren und stärker theoretischen Ueberlcgungen zugänglichen Osten die Organisation des C. V. kam und wuchs, wurden die süddeutschen Juden G V.er; so wie nach einem Worte unseres Schrifttums alles Wißen Wiedererinnern ist, fügten sie sich der Bewegung ein, wie wenn man etwas zufällig Vergesienes, aber Selbstverständliches nachholt. Der C. V. ist dort auch heute noch — und wird es bleiben — eine völlig unproblematische Erscheinung. Man lebt als deutscher Jude auf einem Boden, der Generationen hindurch wirklich Mutter erde ist, unter einer Bevölkerung, die in ihren guten Elementen diese Tatsache kennt und anerkennt. Darum ist dort die Auseinandersetzung mit solchen Mitbewohnern, die neuerdings dieses Jahrhunderte lang währende Zusammenleben als unzureichend für die Zugehörigkeit zum deutschen Volke betrachten, eine natürliche Krastäußerung, eine unmittelbare Gefühls-Gegend regung unserer Feinde, die von außenher kaum angeregt und nur beraten und unterstützt zu werden braucht. Wer zu jeder Tageszeit und bei jeder Witterung die herrlichen Taler der Pfalz durchfahren konnte, empfindet die Formulierungen Müller Claudius': Mehr als Hermatsrecht ist Heimalsgefübl, ist Heimatserlebnis in ihrer ganzen Wahrheit. Die Juden dieser Landschaften kämpfen für diese Wahrheit. * * Wie wir die Nachteile der soziologischen Umschichtungen innerhalb des deutschen Volkes als exponierte Gruppe mit besonderer Schärfe verspüren, genießen wir auch die Vorteile dort, wo die Wandlungen unmerklücher, natürlicher vorgegangen sind. Tie deutsche Judenfrage erhält ihre Schärfe durch die Zusammenballung jüdischer Masten in Großstädten von Juden. Sie zeigt ihr freundlichstes Gesicht in den Klein- und Mittelstädten mit ihrer gesunden Mischung aller Berufsgruppen durch die Stamme und Bekenn imme hindurch und dem wirklich nur als Symbiose genau zu bezeichnenden Zusammenwirken auch von Juden und Nichtjudcn zum Wohle des Ganzen und enthält dort auch die am stärksten retardierendm Momente gegenüber dem gewaltsam versuchten Ausscheidungsprozeß des Judenhasses.