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Central-Verein-Zeitung · 1931-06-05 · 23 (5.6.1931) · p. Seite 289

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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259 »li m geht ober auch — darüber täusche man sich nicht — mn den Versuch des Zionis - mus, die stärkste nicht zionistische Organisation des deutschen JudentumI aus zuhöhlen. Nachwort -er Schriftleitung Landgerichtsrat Tr. L i l i e n t h a T hat sachlich und stimmungsgemäß den Verlauf der letzten Ratstagung des Landesverbandes ausführlich dargestellt. Er hat auch bereits an mehreren Stellen die Vorstöße dss Tr. Wandler gegen den Eentralverein erwähnt und widerlegt. Um jedoch über seine Ausführuugen hinaus unfern Lesern und Freunden ein deutliches Vild davon zu geben, in welcher Weise wir von diesem Wortführer der Jüdischen Dolkspartei angegriffen worden sind. lauen wir nachstehend einige Einzelheiten aus der Sandlerschen Rede folgern Aus unseren Widerlegungen mag die jüdische Oessentlichkeit ersehen, aus welcher Leite Störer des innerjüdischen Friedens zu finden sind. Tr. Sandler sührte u. a. aus, daß die Methoden des Centralvereins, insbesondere seine vielfachen „unwürdigen Anbiederungsversuche", den Juden nur schaden können. Wenn derartige grobe Anwürfe vorgebracht werden, ohne daß auch nur der geringüe Versuch erfolgt, sie mit Tatsachen zu "belogen, so fallen sie aus den Angreifer zurück. Wir betrachten es als unter unserer Würde, ans allgemein gehaltene Beschimpfungen ' dieser Art einzugehen, die ganz offenbar nur dazu dienen sollten, um den C. V. bei der nicht zuletzt durch seine eigene zielbewußte sahrzehmelange Erziehungsarbeit zu selbstbewußtem Judentum heraugezogenen jüdischen Oeffentlichleir in Verruf zu bringen. Tr. Sandler erklärte ferner, daß in Süddeutschland die Unzulänglichkeit des C. D. dereits erkannt sei und daß dort die Landesverbände der Gemeinden die wesentliche Arbeit allein leisteten. Auch diese Behauptung ist unwahr. Sämtliche drei süddeutschen Landesverbände des G. V. arbeiten in engstem Einvernehmen mit den dortigen Landesverbänden der Gemeinden. Es hat gerade im dortigen Bereich über die Zuständigkeit in der Behandlung der in Frage kommenden Angelegenheiten noch niemals eine Auseinandersetzung stattgefunden, weil volle Uebereinstimmung im Vorgehen gewährleistet war. Grundsätzlich muß bemerkt werden, daß sich die Intervention der Gemcindelandesverbäüde stets nur auf entscheidende Fragen der Gesetzgebung erstreckt hat. Die allgem.ein-politisck)e Tätigkeit des Centralvereins, feine Aufklärungsarbeit. seine Rechtsschutztätigkeit usw. wurden unangetastet gelassen. . Ein weiterer Vorstoß des Herrn Dr. Sandler ist von Landgerichtsrai Lilienthal schon kurz erwähnt und widerlegt worden: Sandler behauptete, zur Schande der jüdischen Ab- Wehrorganisationen sei das wirklich grundlegende Material über die Frage der Kollektivbcteidigungen erst von einem sonst jüdisch gänzlich inaktiven Publizisten in einer Tagcszeitung zusammengestettt worden. Gerade dieser Vorwurf zeigt mit besonderer Teutlichkeii, auf wie wenig Sachkenntnis und aus wie viel Ueb-clwollen die Angriffe der Jüdischen Volkspar- Lei im allgem einen gestützt werd e n. Schon ein flüchtiges Studium der ,.E. V.-Zeitung" beweist, daß der GcnLralvercrn als erste und einzige Organisation sich seit Jahren um die gesetzliche Regelung der Frage der Kollektivbelcidrgnng und um eine Aenderung der Rechtsprechung bemüht. Bon einer Denkschrift, die im Jahre 1925 den gesetzgebenden' Faktoren und der Neichsregierung übermittelt wurde, über eine int Jahre 1926 ein berufe ne eigene Juristenkvnserenz des E. D.. die sich vorzugsweise mit dem gleichen Problem befaßte, bis zu der von einem Mitarbeiter des G D. hergestellten. im Philo-Derlag erschienenen wissenschaftlichen Arbeit über die Frage der Kollektivehre und der Kollektivbeteidigung ist ein weiter Weg mit unzähligen Versuchen, Vorstellungen, Einflußnahmen beschritten worden. Daß auch das Material jenes deutschen Politikers, der vor kurzem die Frage aufgegrifsen hat, den Akten und dem Archiv des Central- Vereins entnommen war, hat Landgerichtsrat Lilienthal b e - reits erwähn k. So sehen die DehaupLungen von Dr. Sandler aus, wenn man sie in das einwandfreie Licht der Sachlichkeit stellt. Aus solchen nn* hall baren Irreführungen der öffentlichen Meinung aber setzt sich dann das Ergebnis zusamiucn. besten Berbreitung zum großen Schmerze der Jüdischen Bolk-apartei bisher noch immer am gesunden Sinn unserer Freunde und an der überzeugenden Wucht realer Leistungen gescheitert ist: „Ter E. V. hat versagt; der 14. September 195!) war Jeane £uittung." Daß mit mehr Recht ein Versagen sämtlick>er Linksparteien, ein Versagen schließlich der Reichs- und Länderregierungen selbst gefolgert werden könnte, das sieht wcnder Sandler noch seine fanatisierten Freunde. Wir lasten uns durch ihre Streitruse nicht irremachen. Wir werden weiter den Weg gehen, den uns die Erkenntnis von den Taseinsnotwendigkeiten des deutschen Judentums vorschreibt, unbekümmert um Verzerrungen uno Entstellungen, mit denen man unsere Arbeit zu gefährden sucht. GchmsWegelBerM Zu einen: Gutachten irn Berliner „Scheuen-Prozeß". Nun wissen wir's: an der Unerziehbarkeit mancher Berliner Fürsorgezöglinge ist niemand anders wie ihre Rassenmischung schmld. So hörte man es in dem Bericht, den der pädagogische Gutachter in dem Berliner S ch e u e n - P r o z e ß dem Gerichtshof zum besten gab. Bisher glaubte man in psychologisch geschulten Kreisen, daß ererbte schlechte Instinkte bei Kindewn von Trinkern oder Verbrechern, bei üble Einfluß der Umgebung und des Verkehrs der Jugendlichen, schließlich — last net least — pädagogisch verfehlte Erzrehungsme:Hoden des Elwrrchanscs oder der schule für die Weckung asozialer Triebe bei einem jugendlichen Mcnscherckst.d verantwortlich seien. Weit gefehlt! Tie Rnssemischung tut's! Und wie einfach gestaltet sich diese Erklärung eines so schwierigen Problems bei dem Referenten: die Berliner sind aus Wenden. Franzosen, Juden und ganz wenig — Germanen gemischt. Was soll da schon Gutes heranskornmen? Wirklich eine verblüffende Lösung und ein Kompliment für vier Millionen Einwohner der Reichs- Hauptstadt, des Sitzes der Intelligenz. (N. B. der Herr Gutachter gehört ja. schließlich auch dazu.) Doch betrachten wir die Komponenten der Rastenmischung etwas genauer. Natürlich bilden Wenden, das heißt Slawen, den Grundstock der Bevölkerung Berlins, da es aus zwei mittelalterlichen Sprcedörsern slawischer Gründung ernvachsen ist. Aber der Gutachter weiß dock) aus seiner Schulzeit, daß Slawen im frühen Mittelalter ganz 'Deutschland östlich der Elbe und sogar darüber hinaus innegehabt haben. Deutsche Kaiser haben mit ihren Fürsten Bündniste geschlossen und zuweilen ihre Töchter als Gattinnen heimgeführt. Ihre Adelsgeschlechter, die P o d b i e l s k i, Q u i tz o w , B ü l o w usw. waren bis in um'er Jahrhundert die führenden Kreise in Deutschland. Die deutsche Kolonisation hat die slawischen Stämme in Brandenburg, Pommern, Mecklenburg, Sachsen, Schlesien neck) und nach verdeutscht. das heißt sprachlich dem Deutschtum ungegliedert. Einen ..germanischen" Einschlag konnten sie nicht fc-tammer., da es seit dem Endo der Völkerwanderung leine Germanen mehr gib:, sondern nur Oberdeutsche. Niederdeutsche, Tauen. Schweden. Holländer usw. Unter den Kolonisten, Mojic;!} dem Ostcn „trekklcn", waren hauptsächlich wachsen, Flamen (man denke an den. Fläming), aber auch Mitteldeutsche. Es waren nicht die fchlcchtcste-n Elemente, die aus Landnot nach dem Osten kamen. Auch Juden waren unter den Zuzüglern. Mer diese vernw ästen sich nicht mit den katholischen Christen — Evangelische gibt cs erstt seit der Reformation —, sondern blieben hübsch für sich bis;tt ihrer Vertreibung nach Polen. Ganz ist die Eindeutschung der. slawischen Elemente auch bis heute noch nicht gelungen; man denke an die Mamren in Preußen, die Wenden im Spreewaid und die polnischen Elemente in Oberschlesien. Bis vor kurzem gab cs vor den Toren Berlins noch ein Wendisch-Buchholz und andere wendisch sprechende Dörfer. Was den Anteil der Juden betrifft, so lebten sie in Berlin erst seit dem großen Kurfürsten wieder, auch nur in geringer Zahl Zuerst; ihr Anwachsen datiert erst aus dem vorigen Jahrhundert. Mischehen waren bis vor wenigen Jahrzehnten eins Seltenheit. Tis ganz wenigen, die gelegentlich vorkamen, konnten doch die slawisch-deutsche Mischrasse nicht nennenswert beoinflusten, zumal sie anfangs nur in intellektuellen Kreisen üblich waren (Rahel von Varnhagen, die Vcendelssobns usw.). Das Volk bleibt unberührt davon. Bleiben noch die Franzosen. Der Referent sieht ouenbar die Hugenotten, die der große Kurfürst n.rck) Berlin berief, alle als minderwertig cm. Er denkt nicht an Männer wie den Kriegsminister Verdy'du Vernois, an Geistesgrößen wie Du Rois Raymond, ^ein Standpunkt ist der jenes Tertianers, der nur jüngst kaoegorifch erklärte: alle Franzosen sind minderwertig! Schluß! Nun gehen die Nasseglüubigen überhaupt von falschen Voraussetzungen aus; sie behaupten: 1. es gibt minderwertige Rassen gegenüber höher begabten. eine schon 100 Jahre alte, von Klemm begründete Theorie und 2. Rassemnischung ergibt Rapenverschlechternng. Ad 1. ist höchst Zweifelhaft, wir wißen über diesen Punkt noch nichts Sicheres. Wir sehen, daß Schwarze. Gelbe. Rothäute usw. die höchste Bildungsstufe erreichen können, wenn ihnen Gelegenheit geboten wird. A d 2. Rassen Mischung kann doch nur dann Rapen Verschlechterung bedeuten, wenn geistig oder kürzlich minderwertig Elemente zur Grundrasse hinzutreten. Als letztere wüsten wir für Berlin wie für ganz Deutschland östlich der Elbe die Slawert betrachten (inwiefern sie überlpupt von einheitlicher Rasse waren, bleibe dahingestellt). Tis hinzugekomniewm Deutschen und Franzosen wird der Gutachter doch nicht als minderwertig gegenüber dem rasiischen Grundstock betrachten wollen. (Juden spielen bis auf unsere Tage überhaupt leine Rolle und auch heute eine sehr gering'ügige, wenn man das Zcchlenverhältnis im Auge behalt.) Ist es nicht betrübend und kennzeichnend für die geistige Urteilslosigkeit in manchen geistigen Kreisen Deutschlands, wenn man schwierige Probleme nicht etwa am Biertisch, sondern an verantwortlicher Stelle nstt billigen Schlagwörtern zu lösen vorgibt? Mit der angeblichen Rasse — auch das ist ein schwankender und unerklärlicher Begriff, mehr Gestühlsals Berstandcssache — hat geistige Minderwertigkeit (wie natürlich auch umgekehrt geniale Veranlagung) nichts zu tun. Minderwertige Asoziale gibt es bei allen Völkern, je höher" sie geistig stehen, vielleicht um so mehr, da bei dem großen Abstand die Asozialen lei diesen am schnellsten erkannt iverden. Tie Berliner haben also noch feilten Grund, ihr Selbstbewußttein zu verlieren, wenn ihnen von einer nicht ernst zu nehmenden Seite eine so schlimme Naüenmi'chung uachgesagt wird. Es wird auch nicht alles so hei isst gegepen. wie es gekeckst wird, audj nkfj; in der Rassenküche. 8. Feist.

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