Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 23 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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!h -Li- & rrh ZS TätiisAuumg Noiwend ge Klarstellung zur Tagung des Preussisdien Lau desverbandes jüdischer Gemeinden. '/ Von Dr. Arthur Lilienthal (Berlin). Ein Vorgang in der letzten Sitzung des Rats des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der den Centralvercin berührt, hat ein gewisses Aufsehen hervorgerufen, und zwar in stärkerem Maße, als ihm seiner unmittelbaren Bedeutung nach zukomm:. Ich folge deshalb gern der Anregung der Redaktion, hier auf ihn zurückzukommen. Es hat sich folgendes zugetragcn: Ans der Tagesordnung stand die im März vom Verbandstag gefaßte Resolution, in der den an der Abtvehr^dcs Antisemitismus beteiligten ^Organisationen der Tan? des Landesverbandes ausgesprochen wird. Ter Berichterstatter des Rats'beantragte ganz kurz Zustimniung. Der Vertreter der Volkspartei jedoch. Tr. Landler, widersprach der Zustimmung nicht nur, sondern benutzte die Gelegenheit, um wieder einmal die in letzter Zeit öfter gehörte zionistische Rede gegen den Centralvercin zu halten, gegen feine Eignung zur Führung der AEwchrarbeit, weil er nur eine Partei sei, gegen die Unzweckmäßigkeit seiner ^Methoden, gegen die mangelnden Erfolge. Seine Polemik, welche lediglich eine Wiederholung des von zionistischer Seite ojt Gehörten enthielt, wurde zusaimnengesaßt in folgender Erklärung: ,LD:r bestreiten den privaten Organisationen, die sich mit der Bekämpfung des Antisemitismus befassen, das Recht, gegenüber der deutschen Qcsstntlichkcit und gegenüber den Behörden die Interessen der deutschen Cesamtjudentzeit zu vertreten. Eine private Organisation, solange sie von ausgesprochenem Parteicharakter ist, und deren Dckämpsungsmethoden wir nicht billigen, können ' wir als die Wortsührerin der deutschen Juden nicht anerkennen. Wir verlangen, daß die legitimen Vertretungen der deutschen Iub^nheit. Landesverbände und späterhin der Reichsv-erband, den Schutz der uns verfasiungsgemäß zustel)enden bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte übernehmen. Ter Preußische Landesverband hat dis ecfamten Interessen der preußischen Juden gegenüber den Organen der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung wahrzunehmen. Er bat den wirtschaftlichen Antisemitismus zu bekämpfen und demgemäß die sozialpo!itiscl)en Arbeiten in allen ihren Formen auszubauen und die jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern." Diese Erklärung wurde nichtetwa zur Abstimmung gestellt, was auch ein gänzlich aussichtsloses ^Unterfangen gewesen wäre. Sie wurde vielmehr lediglich zu Protokoll gegeben. Zur Abstimmung dem Rat unterbreitet wurde nur ein Desttllat, das sorgfältig von allem gereinigt war, was irgendwie hätte streitig fein können: „Ter Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat die Rechte der in Preußen lebenden Juden zu schützen und deren gesamte Interessen gegenüber den Organen der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung wahrzunehm.cn." Diese Resolution enthält nur Selbstverständliches. Daß der Landesverband, die Gesamtorganisation der preußischen Juden und ihrer Gemeinden, deren Rechte zu schützen und gegenüber den staatlichen Organen wahrzunchmen habe, ist ein Gemeinplatz, dessen Richtigkeit niemals von irgend jeinand bestritten worden ist. Aus allen jüdischen Interessengebieten kann cs Lagen geben, die eine Tätigkeit des Landesverlmudes erfordern. Zu der Streitfrage, wie die Tätigkeit des Landesverbandes gegenüber der der anderen Organisationen, besonders des Centralvercins, abzugrenzen ist, nimmt die Resolution keinerlei Stellung. Man konnte nun als Freund des Eentralvereins und —- wie der Verfasser — Liberaler sich taktisch gegenüber der Resolution verschieden verhalten. Man konnte ihr, weil ste inhaltlich nur selbstverständlich ist und daher Unbedenklick)es enthält, zustimmeu: man konnte sie auch, wie der Verfasser dieser Zeilen, ablehnen, weil sie, sachlich völlig überslüsirg, lediglich eine Polemik gegen den Centratverein krönen und osfensichttich agitatorisch ansgewertet werden sollte. " Tas war eine Frage des politischen Geschmacks. Die Geschmäcker waren denn auch verschieden, so daß die Resolution mit Hilse der Stimmen einiger Liberaler gegen die Stimmen der übrigen Liberalen angenommen wurde. Sie wurde angenonunen, weil ein Teil unserer Freunde nicht gegen etwas sachlich Selbstverständliches und damit Unbedenkliches, wenn auch lleberflnfüges, stimmen wollte. Man hatte also auf Zionistischer Seite einen Abstimnumgsersolg erzielt, indem rnan ans eine sachliche Stellungnahme von irgendwelcher Bedeutung verzichtete. Mit der Konstatierung dieses neckischen politischen Spiels könnte ich schließen, wenn nicht in der Nummer der „Jüdischen Rundschau" vom 29. Mai d. I. tatsächlich die agitatorische Ausnützung begönne, die ja mangels irgendeines möglichen sachlichen Erfolges wohl von Anfang an auch der Hauptzweck der Aktion war. Tie „Jüdische Rundschau" verschönert sich den Tatbestand zunächst dadurch, daß sie behauptet: „Dieser Beschluß ist einstimmig erfolgt." Sie begrüßt sodann den Fortschritt, der in der Annahme der Sandlerschen Nefolution gegenüber der Haltung des BcrbandZtages liege, der im Marz einen in gleicher Richtung gehenden Antrag abgelchnt habe. Die Erkenntnis sei^also im Wachsen, daß derartige Dinge bester nicht von „privaten Organisationen" wahrgenommen würden. „Die objektive Situation der preußischen Judenheit" habe „zu dieser Ansicht-wandlung innerhalb der Zeit von März bis Mai geführt." Die „Jüdische Rundschau" ist sich allerdings klar darüber, daß „bis zur Umsetzung dieses Beschlustes in Aktionen ein sehr weiter Weg ist." Diese Erkenntnis der praktischen Bedeutungslosigkeit des Beschlnsies ist das einzige Nichtige, was die ganze Ausladung bringt. Denn was die „Jüdische Rundschau" eine Ansichtswaudlung nennt, ist lediglich das Abstimmungsergebnis eines takrisch-cn Tricks ohne jede sachliche Bedeutung. Wenn die „Jüdische Rundschau" ihrem Kommentar dann noch ansügt, es verdiene „vermerkt zu werden, daß der Rat seinen Beschluß betreffend die Verpflichtung des Landesverbandes, die Rechte der in Preußen lebenden Juden zu schützen mib ihre gesamten Interessen wahrzunchmen, nach einer Debatte angenommen hat, die sich an die Entschließung des Vcrbandstagcs knüpfte, in der der Preußische Landesverband den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihre tatkräftige Arbeit dankte", wenn die Rundschau also den Eindruck hervorruft, als ob die Zustimmung einiger Liberaler zur Sandlerschen Resolution ein Abrücken von der Tankresolution des Vcrbandstages bedeute, so kann diese Art skrupelloser politischer Agitation nur bedauert worden. Ter Dankresolution des Berbaudstagcs bat der Rat zugestimmt. Auch kein Bolksparteiler, der der Ratssitzung beigewohnt hat, kann der Ansicht sein, daß die Stimmenabgabe Liberaler für die «Saudlersche Resolution ein Abrücken von bet Tankresolution des rbaudstages bedeutete. In der Sache sei noch einmal fcstgestellt, daß sich nichts geändert hat und nichts ändern uürd. Ter Landesverband wird selbstverständlich die Rechte der Jud-en wahrnehmeu. wo die Wahrnehmung durch ihn notwendig ist. Er wird aber das, ums wir Abwehrarbeit nennen und was bisher vom Centralvercin geleistet worden ist, auch künftig dem Centralverein überlassen. Insofern liegt ein Bedürfnis nach der Tätigkeit des Landesverbandes nicht vor. Es ist auch schwer vorstellbar, wie man der Ansicht fein kann, daß diese Arlxstt ohne schweren schaden vom Landesverband oder irgendeiner anderen der öffentlichen jüdischen Körperschaften übernommen rocrden kann. Diese Körperschaften verfügen weder über den notwendigen Apparat, noch sind sie finanziell in der Lage, ihn sich 31t schaffen, am wenigsten jetzt. Tiefe Arbeit ist auch durchaus ungeeignet für die bürokratische Verwaltung öffentlicher Korporationen. Sie kann ihrer Natur nach vernünftigenoeise nur von einer „privaten". Organisation geleistet werden. Und irgendein stichhaltiges Argument gegen die Güte dieser Arbeit — und die Güte allein kann entscheide!-.d sein — ist den vielen Polemiken nicht zu entnehmen, lieber den Vorwurf, daß der Centralverein das Ergebnis der Reichstagswahlcn vom 14. September 19)0 nicht habe verhindern können, braucht man sich unter ernsten Menschen gar nicht zu im? terhalten. Meist sind die Angriffe wohl auch nicht gerade von intimer Kenntnis der C. V.- Arbeit getragen. Tas wurde in der Ratssitzung blitzlichmrtig beleuchtet. Dem zionistischen Redner, der den Vorwurf erhob, daß das Material einer bestimmten' Frage nicht vom Landesverband und überhaupt nicht von einer der jüdischen Organisationen, sondern von cineni sonst jüdisch unaktiven Politiker einer großen Tageszeitung zusammengestellt sei, war ofsensichtlich unbekannt, daß duges Material Material des Central Vereins war. Selbstverständlich sind in besonderen Situationen politische Aktionen des Landesverbandes denkbar. Selbstverständlich ist auch der Landesverband in Fragen der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung tätig. Darin hat nia die geringste wonsliktsmöglichkeil gegenüber dem Centralvercin gelegen. Diese Tätigkeit ist a:lch vom Centralverein stets begrüßt worden. Für das Nebeneinanoer- und Zusammenarbeiten von Landesverband und Certtralv-erein bestehen in Preußen ebensowenig Schwierigkeiten wie meines Wisiens in Bayern, dessen Landesverband, wie hier einmal sestgestellt sei, in seinem oft erörterten Brief an den Schleswig- Hosteimschen Landesverband die Uebertragung der bisher dom Centralvercin geleisteten Abweh rarbeit aus den Preußischen Landesverband unzweideutig abgelehnt yat. Was wir in der Himmelsahrtssihung des Rats erlebt haben, war nur ein nicht sehr ernsthaftes taktisches Intermezzo ohne sachliche Bedeutung. Tie sachliche Frage, der es galt, ist aber bedeut'am genug, nach innen und nach außen. Es geht um die Erhaltung unserer so bitter n 0tw endig e n A b w c h r 0 r g a n i f a t i 0 n. Es Erweiterte Vorstandssitzung des Landesverbandes Rheinland- Westfalen Die regelmässig im Frühjahr stattfindenae Tagung aes Erweiterten Vorstandes findet in diesem Jahre am 21. Juni, nachmittags, ir» Dortmund, Gemeindehaus der Synagoge, statt. Einladungen dazu erfolgen von Eisen aus direkt an die Vorstände der Ortsgruppen bzw der Vertrauensmänner.