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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-29 · 22 (29.5.1931) · p. Seite 279

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
Seite 279 (sequence 7)
Language
German
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27* Das Problem Palästina Hans Kohn: Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient Dr. Hans Kohn in Jerusalem ist zweifellos einer der gediegensten Kenner der modernen Entwicklungen irn Vorderen Orient. Ob man einen seiner^ Aufsätze in der „Frankfurter Zeitung“, eine Buchbesprechung in der „Neuen Zürcher Zeitung*1 liest ob einen; umfangreichere Ausarbeitungen in der „Zeitschrift für Politik“ oder im «Archiv r des öffentlichen Rechts“ vorlegt, stets unterliegt der Leser der so erfreulichen Gewissheit: Hier steht eine Persönlichkeit vor dir, die ihr Gebiet bis in alle Einzelheiten übersieht, die nicht aus weltanschaulichen Gründen — Kohn ist Zionist — aus Weiss Schwarz und aus Schwarz Weiss macht, die nur das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und Wahrhaftigkeit leitet. Gerade bei solcher Beurteilung der Kölnischen Arbeiten soll das Bedauern nicht unterdrückt werden, dass von Hans Kohn die arabischen Quellen, die Zeitungen, die Broschüren, die grösseren Schriften nicht im Original verarbeitet werden können. Welchen Nutzen, welche Vertiefung würde z. B. aus solcher Kenntnis seine „Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“ (Verlag Vohwinkel, Berlin 1628, besprochen in der „C. V.-Zeitung** Nr. 26 vom 29. Juni 1928 durch Dr. Jacques Stern) geschöpft haben! Aber auch so wollen wir Kohn herzlich dankbar sein für das, was er uns geboten und gelehrt hat. Seine neueste Schöpfung ..Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orien t“, die soeben im Sozietäts-Verlag in F rankfurt am Main (brosch. 10,—, geh. 12.50 M.) erschienen ist, verdient hohe Anerkennung. Die besonders in den Anmerkungen verarbeitete Literatur — es ist kaum eine wesentliche Schrift übersehen — mit genauen Quellenangaben erleichtert ungemein jedes Arbeiten, das das moderne Aegypten, Palästina, Transiordanien. Syrien, Irak und die arabische Halbinsel erfassen will. Die allgemeinen Ausführungen, die der geschichtlichen Darstellung und der Schilderung der Lage in den Einzelstaaten vorangehen, geben einen ausgezeichneten Einblick in die Problemstellung, erleuchten das grandiose Hingen zwischen westlichen Einflüssen und orientalischem Eigenleben und weisen die seelischen und kulturellen Umwälzungen auf, die dem Orient von 1031 das Gepräge einer Entwicklung geben, die sich,in ihrer, das alte Europa aufs höchste berührenden Eigenart bereits deutlich abzeichnet. Es ist besonders verlockend nachzulesen, was eine Persönlichkeit wie Hans Keim, der dem Briih Schalom nahesteh st über die Problematik der palästinischen Entwicklung auszusagen hat. Wir veröffentlichen im folgenden aus dem Kapitel VI des Buches, betitelt: Palästina, Juden und Araber“ (S. 173 bis 221) die Schlussfolgerungen, ohne Stellung dazu zu nehmen. Dass Hans Kohn im Gegensatz zu unserer Auffassung seiner zionistischen Grundeinstellung vom „heimkehrenden jüdischen Volke** spricht, dass auch sonst sein Zionismus deutlich spürbar ist, soll den Wert der inhaltlich und stilistisch anziehenden Darstellung nicht herunterdrücken. Dr. Alfred Wiener. ... Tie Probleme, die mit der Balsour-Teklaration aufgeworfen wurden, sind Heute noch ihrer Lösung nicht entgegengeführt worden. Tie britische Negierung wird ihrer Art gemäß keine eindeutige Zielsetzung für das künftige politische Schicksal Palästinas vornehmen. Ihre Politik scheint dahin Zu zielen, in Palästina festen Fuß zu fassen und zu diesem Zweck das Wachstum der jüdischen Minderheit zu fördern, das auch das wirtschaftliche Aufblühen des Landes ermöglicht, zugleich aber die zahlenmäßige Ileberlegenheit der arabischen Bevölkerung nicht zu gefährden. Sie mag so hoffen, beiden Seiten entgegenznkommen und doch beiden entgegenzuwirken, indem sie den Arabern eine starke jüdische Minderheit im Lande aufzwingt, deren kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung ihre zahlenmäßige weit überschreiten wird, und indem sie den Zionisten die Erreichung ihres Zieles, der Bildung einer jüdischen Mehrheit, nicht durch entsprechende Maßnahmen ermöglicht. In Wahrheit wird damit die britische Negierung keinem der beiden Teile gerecht werden. Tenn stärker als die Wirklichkeit bestimmen das Völkerleben Hoffnung und Furcht. Zu den KornplikationeiHder tatsächlichen Lage, da Großbritannien weder die arabische und mohammedanische Welt entscheidend gegen sich ausbringen, nÄ) die in internationalen Verpflichtungen bestätigten zionistischen Hoffnungen völlig enttäuschen kann, gesellen sich die für die kulturelle und soziale Entwicklung des Landes und für den Frieden noch weit verhängnisvolleren Komplikationen der psychologischen Lage. Tie politische Lage im Heiligen Lande, die nationalen Bestrebungen, die sich dort auswirken, und die Leidenschaft, mit der um ihre Verwirklichung gerungen wird, bieten eines der Pathetischsten und tragischsten Schauspiele dieser Zeit. Tas kleine Land, das dennoch viel mehr als jedes andere die Aufmerksamkeit der Menschheit aus sich gelenkt' hat, appelliert leidenschaftlich an Gemüt und Teilnahme, und dieser Appell gibt allen damit verbundenen Fragen einen weiten und erregenden Widerhall. Zwei Bewegungen stehen einander gegenüber, beide von nationalen Idealen beseelt, beide von Liebe zu demselben Boden getragen. Obwohl die bisherige Erfahrung dagegen spricht, daß eine jüdische Mehrheit in. Palästina erzielt werden könne, erhoffen sie die Zionisten, fürchten sie die Araber. Sie weisen darauf hin, daß in der kurzen Zeit eines Jahrzehnts alle entscheidenden die Zukunft bestimmenden wirtschaftlichen Positionen im Lande, sehr große Teile der Böden des Orangengebietes und der fruchtbaren Ebenen, das Land um die Haisabucht, die mit dein Bau des Hafens außerordentliche Bedeutung gewännt, die Monopolkonzession für die Benutzung der palästinensischen Ströme zur Krasterzeugung und Bewässerung, die Konzession des Toten Meeres, in zionistische Hände übergegangen sind. Tie Zionisten hätten nicht nur die weltweite Unterstützung des reichen und mächtigen Judentums, toudern auch die des Völkerbundes und des britischen Imperiums, das wohl nicht alle ihre Wünsche erullle, aber sie mit seinen Machtmitteln in Palästina halte und sie ständig stärker werden lasse. Tie Zionisten wiederum weisen auf das Lebensrecht des zivilisatorisch so hochstehenden und kulturschöpferi'ch poren.rieUeu Volkstums hin, sie wollen die Erhaltung und nationale Entfaltung des Judenrum.s und sind überzeugt, daß seine Erifienz und sein Wachstum von der Schaffung eines jüdischen Palästina abhänge. Ter ideale Schwung und die freudige Hingabe, die diese Ueberzeugung der Bewegung verleiht, erhöhen ihre Stcßkrast. Ter Verlust der Aussicht auf ein Gemeinwesen mit jüdischer Mehrheit in Palästina bedeute: für die Zionisten die Fortführung einer verelendeten und verderbten Existenz in der Zerstreuung, die zu dem völligen Untergang des Judentums führen müsse. Ein jüdisches Eenwinwe'en in Palästina erschein: ihnen als die einzige Hosstmug auf Erlösung aujahrhundertelangen und beute noch andauernden Verfolgungen und Temütignngen, auf die Fortführung einer großen und für die Menschhei: bedeutsamen Vergangenheit und auf eine neue schöpferische Entf .ltung jüdischer Eigenart. Beide Gruppen werden so von dem Streben nach Selbsterhaltung und -entfalrung gelenkt. Tarmn liegt in allen Werten ein leidenschaftlicher Appell an das Herz. Tie zionistische Bewegung mußte vielleicht Unmögliches als Ziel ausstellen, um das Maximum des Möglichen zu erreichen, mußte entschlossenen Freiheitsdrang und stürmische Sehnsucht wecken, um die mühselige, opferschwere Arbeit zu ermöglichen. Aber gerade dieser Appell erregte bei dem Gegner, der mm. so viel ärmer und zurückgebliebener ist, sich aber als Teil einer anisteigenden Bewegung weiß und zur Freiheit strebt, nicht nur Widerstand, sondern Gefühle der Furcht, die sich bis zu einer Beängstigung steigern, die ebenso einzigartig ist wie die ganze Situation im Heiligen Lande. Einzigartig wie dieses Land, wie das in ihmgesormte und nun heimkehrende Volk) rätselhast und beängstigend, ergreistnd und voll von Verheißung und Verhängnis, ist das Schicksal, das sich in ihm entscheidet und denen symbolhaste Bedeutung an dem Kreuzpunkte zweier Welten weit über den schmalen Streifen kanaanäischer Erde hinausstrahlr... Qfias Thon: „Essays zur zionistischere Ideologie", Buchhandlung „Kedcm", Berlin - Eharlottcnburg, Tahlmanustraße 8. Preis 10 Mart. Rabbiner Tr. Lsics Thon in Krakau hat gesammelte Ansätze aus der Zeit von etwa 1903 bis 1921 in einem Bande b-rausgrgcben. die eine Grundlage der alleren zion.islöchcn Gedankenführung geben. Thon schreibt ein vorzügliches Teuvch. Leine Terstellung ist deshalb ein Genuß. Inhaltlich siebt er im lcharsen Gegensatz zu der von uns als richrig, anerkannten Austastung über das Wesen und den, Inhalt des Zudeseins. Aus seiner Darstellung ich zu erkennen, wie die vrlni'che Umgebung die Juden-, heit keineswegs als eine Einheit erscheinen läßt, und. wie die Probleme in jedem anderen Lande anders, liegen. Wer den hier behandelten Fragen näherauf den Grund geben will, und durch Gegenüber-! stellnng einer anderen Meinung seine eigene Mei-, nuug nachzuvrüstn gedenkt, wird aus dem Tbenschen Essays manche Förderung erfahren. L. H. Der Weg ftf zum , Jf|; Verdienst, Bjt durch m "AK OH Keivinator-Eiektro-KühSanlagen A.-G., Leipzig G1, Bitterfelder Str;

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